Obwohl es anerkannt ist, dass eine Reduzierung der ungebremsten
Versiegelung natürlicher Böden essentiell für eine nachhaltige Entwicklung
ist, hapert es doch an einer praktischen Umsetzung dieses Zieles, weil die
negativen Effekte der Flächeninanspruchnahme zu wenig in den
tatsächlichen Landnutzungsentscheidungen berücksichtigt werden.
Diese Arbeit beschäftigt sich aus einer ökonomischen Perspektive mit
Einflussfaktoren und Steuerungsinstrumenten in Hinsicht auf die
Flächeninanspruchnahme. Es wird untersucht, inwiefern ökonomische
Instrumente die Versiegelung von Böden erklären und zu einer
Reduzierung der Inanspruchnahme von Flächen beitragen können. Es
werden Faktoren vorgestellt, die dabei eine besondere Rolle spielen.
Methodisch wird hierzu zunächst eine Analyse der bestehenden Situation
und absehbaren Effekte durchgeführt, um die Probleme und
Notwendigkeiten im Zusammenhang mit der Flächeninanspruchnahme zu
identifizieren. Für diese Analyse werden anerkannte
wirtschaftswissenschaftliche Theorien auf die Problematik angewandt und
bestehende Erfahrungsberichte betrachtet. Sodann werden ausgewählte
ökonomische Instrumente, wie Steuerlösungen oder handelbare Zertifikate,
auf ihre Wirkungsweise hin untersucht und ihr Potenzial zur Erreichung
der politischen bzw. ökologisch notwendigen Zielsetzungen in Hinblick auf
eine nachhaltige Gesellschaft, eingeschätzt. Um die Analyse und die
erarbeiteten Thesen quantitativ zu unterstützen, erfolgt ein Rückgriff auf
Datenerhebungen, etwa des Statistischen Bundesamtes.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Vorgehensweise
2 Flächeninanspruchnahme: Hintergrund und Problemlage
2.1 Direkte Folgen
2.2 Sekundärfolgen der Inanspruchnahme
2.3 Kopplung der Flächeninanspruchnahme
2.3.1 Kopplung an die Wirtschaftsentwicklung
2.3.2 Einfluss der Bevölkerungsentwicklung
2.4 Ist-Situation der Flächeninanspruchnahme
2.4.1 Indikatorenstand zur Flächeninanspruchnahme
2.4.2 Verteilung von Bodenfläche in Deutschland
2.4.2.1 Unterscheidung der Siedlungs- und Verkehrsfläche
2.5 Einschätzung
3 Nachhaltigkeit
3.1 Nachhaltigkeit als Konzept
3.2 Geschichte der Nachhaltigkeit
3.3 Abstufungen von Nachhaltigkeit
3.4 Nachhaltigkeit in der deutschen Umweltpolitik
3.4.1 Kriterien für Nachhaltigkeit
3.5 Relevanz
4 Sinnhaftigkeit von Instrumenten
4.1 Grenzbegriffe in der Ökonomie
4.2 Der Markt im Gleichgewicht
4.3 Markoptimum und Marktgleichgewichte
4.4 Marktversagen
4.5 Externe Effekte
4.6 Quantifizierung von externen Effekten bzw. Umweltgrößen
4.7 Notwendigkeit Instrumente
5 Allgemeine Einordnung von Instrumenten
5.1 Strategien zur vollständigen Internalisierung externer Effekte
5.1.1 Coase-Theorem
5.1.2 Voraussetzungen für eine Verhandlungslösung
5.2 Standardorientierte Internalisierungsansätze
5.2.1 Auflagen
5.2.1.1 Probleme in Bezug auf Auflagen
5.3 Abschließender Überblick
6 Pigou-Steuer
6.1 Fiskale Steuern allgemein
6.2 Die Pigou-Steuer
6.3 Die Pigou-Steuer und die Flächenthematik
6.4 Die praktische Umsetzung der Pigou-Steuer
6.4.1 Bestimmung durch den Schweinezyklus
6.5 Einschätzung von Effizienz und Umsetzbarkeit einer Pigou-Steuer
7 Zertifikatshandel
7.1 Voraussetzungen
7.2 Grundsätzliche Konzeption
7.2.1 Versteigerung von Zertifikaten
7.2.1.1 Zeitlich befristete Zertifikate
7.2.1.2 Zeitlich unbefristete Zertifikate
7.2.2 Freie Vergabe von Zertifikaten
7.3 Probleme
7.4 Flächenzertifikate
7.4.1 Differenzierung
7.4.2 Gültigkeit
7.4.3 Flächenmärkte
7.5 Einschätzung
8 Schlussteil
8.1 Ergebnisse
8.2 Tabellarische Gegenüberstellung
8.3 Einschätzung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel der Arbeit ist es, aus einer ökonomischen Perspektive zu untersuchen, inwiefern ökonomische Instrumente geeignet sind, die Flächeninanspruchnahme zu reduzieren, sowie deren Effizienz und Umsetzbarkeit in der Praxis zu bewerten. Die Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, wie Flächen als ökonomisches Gut auf einem Markt gehandelt werden können, um negative externe Effekte zu internalisieren.
- Analyse der Ursachen und Folgen der Flächeninanspruchnahme.
- Erörterung des Nachhaltigkeitsbegriffs und seiner Relevanz für die Umweltpolitik.
- Untersuchung ökonomischer Marktmechanismen, Marktversagen und externer Effekte.
- Vergleichende Betrachtung der Pigou-Steuer und des Zertifikatshandels als Steuerungsinstrumente.
- Bewertung der Quantifizierungsproblematik bei Umweltgütern.
Auszug aus dem Buch
4.1 Grenzbegriffe in der Ökonomie
„Rational entscheidende Leute denken in Grenzbegriffen“ (Mankiw 2001, S.7).
Für ökonomisches Vorgehen sind Grenzbegriffe von entscheidender Bedeutung. So ist immer der Vergleich zwischen Grenznutzen und Grenzkosten entscheidend, die Entscheidung ob die Grenznutzen die Grenzkosten übersteigen. Der minimale Nutzen eines Autos muss in seinem Betrag größer sein, als die Kosten für dieses Auto, die ich maximal bereit bin dafür aufzubringen, also sein minimaler Preis. Denn nur so ist eine Vergleichbarkeit gegeben: Nehmen wir an, der Grenznutzen eines Autos für eine bestimmte Person ist größer als ihre Grenzkosten für dieses Auto. Natürlich würde sie das Auto auch zu jedem geringeren Preis kaufen, aber für diesen maximalen Preis wird sie es eben auch noch erwerben, so dass diese Grenzkosten das entscheidende Merkmal sind, schließlich existieren daneben noch unendlich viele mögliche geringere Preise, die auch kleiner als die Grenznutzen wären, aber nur die Grenzkosten eignen sich als Vergleichsmerkmal.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der begrenzten Fläche als begehrte Ressource ein und definiert das Ziel der Arbeit, ökonomische Instrumente zur Reduzierung der Flächeninanspruchnahme zu untersuchen.
2 Flächeninanspruchnahme: Hintergrund und Problemlage: Das Kapitel beleuchtet die direkten und indirekten Folgen der Flächeninanspruchnahme sowie deren Kopplung an wirtschaftliche und demografische Faktoren anhand der Ist-Situation in Deutschland.
3 Nachhaltigkeit: Hier wird das Nachhaltigkeitskonzept erläutert, seine geschichtliche Entwicklung nachgezeichnet und die Rolle der Nachhaltigkeit in der deutschen Umweltpolitik sowie deren Kriterien analysiert.
4 Sinnhaftigkeit von Instrumenten: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen zum Marktversagen durch externe Effekte dar und diskutiert die Notwendigkeit der Quantifizierung von Umweltgrößen für ökonomische Steuerungsansätze.
5 Allgemeine Einordnung von Instrumenten: Hier erfolgt eine Kategorisierung der Instrumente in Strategien zur vollständigen Internalisierung externer Effekte und standardorientierte Ansätze.
6 Pigou-Steuer: Das Kapitel analysiert die Pigou-Steuer als Instrument zur Korrektur externer Effekte, ihre theoretische Eignung für die Flächenthematik und die Herausforderungen ihrer praktischen Umsetzung.
7 Zertifikatshandel: Hier wird der Zertifikatshandel als marktbasiertes Instrument untersucht, seine Konzeption und Anwendung auf das Gut Fläche erläutert sowie die Problematik des Handels und der Institutionalisierung diskutiert.
8 Schlussteil: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen und zieht eine abschließende Einschätzung zum Potenzial ökonomischer Instrumente bei der Flächeninanspruchnahme.
Schlüsselwörter
Flächeninanspruchnahme, Nachhaltigkeit, ökonomische Instrumente, externe Effekte, Internalisierung, Pigou-Steuer, Zertifikatshandel, Marktversagen, Boden, Grenzkosten, Grenznutzen, Allokation, Flächenverbrauch, Umweltpolitik, Nachhaltigkeitsstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik der ungebremsten Flächeninanspruchnahme in Deutschland und untersucht, wie ökonomische Instrumente genutzt werden können, um diese ökologisch problematische Entwicklung zu steuern und zu reduzieren.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind Nachhaltigkeit, ökonomische Markttheorie mit Fokus auf Marktversagen und externe Effekte sowie die Analyse spezifischer Steuerungsinstrumente wie der Pigou-Steuer und des Zertifikatshandels.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es zu untersuchen, inwiefern ökonomische Instrumente geeignet sind, die Flächeninanspruchnahme effizient zu reduzieren und das Handeln der Akteure in Richtung eines gesellschaftlichen Optimums zu lenken.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Bearbeitung verwendet?
Der Autor führt eine theoretische Analyse auf Basis wirtschaftswissenschaftlicher Theorien durch, betrachtet bestehende Erfahrungsberichte und stützt seine Thesen quantitativ durch Rückgriff auf Daten, etwa des Statistischen Bundesamtes.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Problemlage der Flächeninanspruchnahme und das Konzept der Nachhaltigkeit erörtert. Danach folgen eine theoretische Fundierung zu externen Effekten und eine detaillierte vergleichende Analyse der Pigou-Steuer und des Zertifikatshandels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Flächeninanspruchnahme, Nachhaltigkeit, ökonomische Instrumente, externe Effekte, Internalisierung, Pigou-Steuer, Zertifikatshandel und Allokation.
Warum ist die „Pigou-Steuer“ in der praktischen Umsetzung so schwierig?
Die Umsetzung ist schwierig, da für die korrekte Festsetzung des Steuersatzes ein umfangreiches Wissen über private Grenzkosten, externe Grenzkosten und Grenznutzen erforderlich ist, das in der Realität kaum in der notwendigen Präzision verfügbar ist.
Welchen Vorteil bietet der Zertifikatshandel im Vergleich zu anderen Instrumenten?
Der Zertifikatshandel bietet eine höhere ökologische Treffsicherheit bei geringeren Anforderungen an die Informationslage, da der Gesetzgeber das Gesamtvolumen des Flächenverbrauchs festlegt und der Markt die effiziente Verteilung der Rechte übernimmt.
- Arbeit zitieren
- Patrice Philippe Toussaint (Autor:in), 2011, Ökonomische Instrumente zur Reduzierung von Flächeninanspruchnahme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208264