Die täglichen Meldungen in Wirtschaftszeitungen und Nachrichten drehen sich seit der Katastrophe in dem Atomkraftwerk in Fukushima um ein zentrales Thema: Den Atomausstieg und den Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Headlines der Wirt-schaftspresse wie etwa „Die Strompreise werden weiter ansteigen“1 oder „Das be-stehende EEG geht in eine völlig falsche Richtung“2 legen den Rückschluss nahe, dass die Abschaltung von Atomkraftwerken und der Ausbau von erneuerbaren Energien Strompreiserhöhungen verursachen. Es stellt sich somit die Frage, wie sich der Strompreis bildet und welchen Einfluss erneuerbare Energien auf diesen haben. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Charakteristika der Commodity-Klasse „Strom“
3 Struktur des deutschen Strommarktes
4 Der Merit-Order-Effekt
4.1 Funktionsweise
4.2 Berechnung
5 Praxisbeispiel: Der Merit-Order-Effekt von erneuerbaren Energien
5.1 Erneuerbare Energien im Deutschen Strommarkt
5.2 Einfluss von erneuerbaren Energien auf den Merit-Order-Effekt
5.3 Kritische Würdigung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktionsweise der Strompreisbildung anhand des Merit-Order-Effekts und analysiert den spezifischen Einfluss von erneuerbaren Energien auf diesen Effekt im Kontext des deutschen Strommarktes. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich dabei mit den Auswirkungen der volatilen Einspeisung erneuerbarer Energien auf die Merit-Order-Kurve und der ökonomischen Bewertung dieses Phänomens.
- Grundlagen der Commodity-Klasse Strom und deren physikalische Besonderheiten
- Aufbau und regulatorische Struktur des deutschen Strommarktes
- Theoretische Herleitung und mathematische Berechnung des Merit-Order-Effekts
- Analyse des Einflusses von erneuerbaren Energien auf die Merit-Order
- Kritische Reflexion über die langfristige Aussagekraft des Merit-Order-Modells
Auszug aus dem Buch
4.1 Funktionsweise
Der Strompreis auf dem Großmarkt bildet sich durch das Angebot der Stromversorger und durch die Nachfrage der Verbraucher. Die Angebotsfunktion wird durch eine Grenzkostenkurve dargestellt, bei der alle Kraftwerke aufsteigend nach ihren variablen Kosten geordnet sind (Vgl. Abb. 4). Diese Angebotsfunktion wird als „Merit Order“ bezeichnet. Durch die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke nach Grenzkosten ist ein effizienter Einsatz der Kraftwerke gewährleistet – der variable Stromerzeugungspreis ist zu jeder Zeit so gering wie möglich.24 Die Kraftwerke mit den niedrigsten variablen Kosten sind Kernenergie und Braunkohle, also die Grundlastwerke. Danach folgen Mittellast- und Spitzenlastkraftwerke.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Strompreisbildung ein und stellt die Relevanz des Merit-Order-Effekts im Zuge des Atomausstiegs und des Ausbaus erneuerbarer Energien heraus.
2 Charakteristika der Commodity-Klasse „Strom“: Hier werden die fünf technischen Besonderheiten von Strom erläutert, die maßgeblich für die Funktionsweise des Strommarktes sind, wie etwa die fehlende Speicherbarkeit.
3 Struktur des deutschen Strommarktes: Das Kapitel beschreibt die Wertschöpfungskette und die Liberalisierung des deutschen Strommarktes sowie die Rolle der Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber.
4 Der Merit-Order-Effekt: Erläutert die Angebotsfunktion auf Basis von Grenzkosten und stellt die mathematische Methodik zur Berechnung des Merit-Order-Effekts vor.
5 Praxisbeispiel: Der Merit-Order-Effekt von erneuerbaren Energien: Untersucht die gesetzlichen Rahmenbedingungen des EEG und analysiert, wie die Einspeisung erneuerbarer Energien die Angebotskurve verschiebt und Preise beeinflusst.
6 Fazit: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und hinterfragt kritisch, ob der Merit-Order-Effekt in seiner langfristigen Wirkung durch das verwendete Modell möglicherweise überbewertet wird.
Schlüsselwörter
Merit-Order-Effekt, Strompreisbildung, Erneuerbare Energien, Grenzkosten, Strommarkt, EEG, Grundlast, Mittellast, Spitzenlast, Stromgroßhandel, Stromnachfrage, Energiewirtschaft, Commodity-Klasse Strom, Preisbildung, Liberalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Funktionsweise der Strompreisbildung am Großmarkt, insbesondere mit dem sogenannten Merit-Order-Effekt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Charakteristika von Strom als Handelsgut, die Marktstruktur in Deutschland sowie die Auswirkungen von erneuerbaren Energien auf die Preisbildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Merit-Order-Effekt theoretisch zu erläutern und zu prüfen, wie sich der Ausbau erneuerbarer Energien auf diesen Effekt auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Herleitung des Effekts mittels Grenzkostenkurven und einer Analyse von Marktmechanismen anhand von Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Marktstruktur, die mathematische Berechnung der Merit-Order und eine kritische Analyse des Einflusses erneuerbarer Energien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Merit-Order-Effekt, Strompreisbildung, EEG, Grenzkosten und die Einteilung in Grund-, Mittel- und Spitzenlast.
Wie beeinflussen erneuerbare Energien die Merit-Order-Kurve kurzfristig?
Da erneuerbare Energien Grenzkosten von null Euro aufweisen, verschieben sie die Angebotskurve nach rechts, was ceteris paribus zu einem niedrigeren Strompreis führt.
Warum übt die Autorin Kritik an dem Modell?
Die Autorin kritisiert, dass das Modell statisch ist, hohe Investitionskosten vernachlässigt und nur kurzfristige Auswirkungen auf den Strompreis abbildet.
- Citar trabajo
- Bettina Walczyk (Autor), 2012, Wie funktioniert der Merit Order Effekt?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208295