Dialog der Kulturen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

11 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Tibis These
2.1 Vergleich Tibi – Huntington

3 Kritik Tibis an Huntington

4 Gegenüberstellung der westlichen mit der islamischen Weltanschauung

5 Dialog der Kulturen

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Basam Tibi, der als Begründer der „Islamologie“, einer sozialwissenschaftlich ausgerichteten Islam- Forschung gilt, beschreibt in seinem Buch „Krieg der Zivilisationen“ den Konflikt der beiden größten Zivilisationen, dem Islam und dem Westen, der unsere heutige Zeit prägt. Detailliert beschreibt er, warum gerade zwischen diesen beiden Zivilisationen das Konfliktpotential so groß ist, dass es, wie sein Kollege Huntington ebenso feststellte, zum Krieg kommen könnte. Tibi distanziert sich jedoch im Laufe seines Buches deutlich von der These Huntingtons, dass es zum „Dritten Weltkrieg“ kommen wird, und kritisiert einige seiner Aussagen. Er bietet eine Alternative - den Dialog zwischen den Zivilisationen- an, der einen Zusammenprall größeren Ausmaßes verhindern soll.

Im folgenden möchten wir Tibis Buch näher vorstellen

2 Tibis These

Die Globalisierung, die auf die europäische Expansion in den letzten Jahrhunderten zurückzuführen ist, führte dazu, dass sich im Sinne struktureller Vernetzungen, die Menschen einander näher gekommen sind. Dieses „Schrumpfen der Welt“[1] führte zur Übertragung westlicher Strukturen in Ökonomie und Politik, sowie zur Kommunikation und Transport auf den gesamten Globus. Da die westlichen Werte und Normen jedoch nicht universalisiert wurden, konnte –trotz des strukturellen Zusammenrückens der verschiedenen Kulturen- keine globale Zivilisation entstehen. Das neue Bewusstsein von der eigenen Zivilisation schafft Barrieren und trennt die Menschheit wieder. Tibi bezeichnet diese Tendenz, die parallel zur Globalisierung abläuft, als kulturelle Fragmentation. Die unterschiedlichen Weltanschauungen der Zivilisationen prallen aufeinander und kommen bei Konflikten aggressiv zum Ausdruck.[2] Tibi, ebenso wie Huntington sprechen in diesem Zusammenhang vom „Krieg der Zivilisationen“.

Dabei vertreten beide die Meinung, dass „der zentrale Zivilisationskonflikt jener zwischen dem Islam und dem Westen ist“.[3] Berücksichtigt man dabei die Migrationsschübe wird deutlich, dass dieser Zivilisationskonflikt nicht mehr nur zwischen Staaten unterschiedlicher Zivilisationen stattfindet, sondern auch im Westen selbst.[4]

2.1 Tibi- Huntington

Huntington stellt zivilisatorische Unterschiede fest und leitet auf dieser Grundlage einen „deterministischen Zusammenprall der Zivilisationen ab“[5] und prophezeit einen möglichen „Dritten Weltkrieg zwischen den Zivilisationen“.[6]

Tibi vertritt diese Meinung nicht. Im Gegensatz zu Huntington behauptet er, dass die Fundamentalisten aller Zivilisationen ihre Weltanschauungen politisieren und somit einen Krieg der Zivilisationen ermöglichen, der jedoch verhindert werden kann, durch den Kulturdialog.[7]

„Im Gegensatz zu Huntington denke ich, daß diese Entewicklung durch eine verantwortungsethische Politik abgewehrt werden kann.“ (Zitat Tibi)[8]

Huntington spricht in diesem Zusammenhang von der „Verteidigung des Westens gegenüber anderen Zivilisationen“[9], während Tibi die Vermittlung zwischen den beiden fordert.

3 Kritik Tibis an Huntington

Tibi und Huntington sind sich darin einig, dass es Konflikte zwischen Zivilisationen, vor allem dem Islam und dem Westen, gibt. Jedoch kritisiert Tibi Huntington darin, dass dieser den Zusammenprall für unausweichlich hält und keine Lösungsvorschläge für den Umgang mit dem festgestellten Konflikt anbietet.[10] Abweichend von ihm fordert Tibi als Alternative zum Krieg den Dialog der Kulturen.[11]

Huntington fürchtet ein, nach Meinung von Tibi völlig unrealistisches, islamisch- konfuzianisches Bündnis gegen die westliche Zivilisation. Dadurch, das es keine gesamtasiatische Zivilisation gibt, wird es eine solche Allianz nicht geben.[12] Statt dessen geht der Trend dahin, dass sich Ostasien weiter entwickelt und demokratisiert, im Gegensatz zum West- und Südasien, die derzeit durch Fundamentalismus beeinflusst werden, was die Kluft innerhalb Asiens vergrößert und somit ein Bündnis verhindert.

Tibi behauptet, Huntington hätte dies selber erkennen müssen, wenn er seiner eigenen Forderung nachgekommen wäre, demzufolge der Westen mehr Wissen über andere Zivilisationen erwerben müsse. Seiner geforderten Erweiterung des eurozentrischen Horizonts sei Huntington selber nicht nachgekommen, sondern statt dessen dem Eurozentrismus verhaftet geblieben.[13] Dazu kommt noch, dass er, durch mangelndes Wissen über den Islam, Zivilisationen mit ihrer Politisierung durch den Fundamentalismus verwechselt. Er macht keinen Unterschied zwischen Islam und Fundamentalismus. Dabei ist der Fundamentalismus die Politisierung der Weltanschauung einer religiös definierten Zivilisation und nicht die jeweilige Zivilisation selbst.[14]

Tibi kritisiert weiterhin, dass der „Dritte Weltkrieg zwischen Zivilisationen“ nicht ausgelöst werden kann, da Zivilisationen keine Armeen haben und folglich keinen Krieg im ursprünglichen Sinn führen können. Der Islam als weltpolitischer Zivilisationsblock bleibt für Tibi auch in Zukunft fraglich, da es bisher keine islamistische Internationale gibt.[15]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass beide Nahostexperten dasselbe Problem ansprechen, jedoch zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen gelangen.[16]

[...]


[1] Tibi, Bassam (2001) Krieg der Zivilisationen. Politik zwischen Vernunft und Fundamentalismus. 3. aktualisierte und erweiterte Auflage. Wilhelm Heyne Verlag: München. S. XIX

[2] Vgl. Tibi, 2001, S. 31/ 32

[3] Tibi, 2001, S. 33

[4] Vgl. Tibi, 2001, S. 27

[5] Tibi, 2001, S. 41

[6] Tibi, 2001, S. 33

[7] Vgl. Tibi, 2001, S. 41

[8] Tibi, 2001, S. 10

[9] Tibi, 2001, S. XXIII

[10] Vgl. Tibi, 2001, S. 39

[11] Vgl. Tibi, 2001, S.40

[12] Vgl. Tibi, 2001, S. 282/ 316

[13] Vgl. Tibi, 2001, S. 33, 35/ 316

[14] Vgl. Tibi, 2001, S. 33/ 34

[15] Vgl. Tibi, 2001, S. 33/ 324

[16] Vgl. Tibi, 2001, S. 328

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Dialog der Kulturen
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Pädagogik)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
11
Katalognummer
V20830
ISBN (eBook)
9783638246040
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dialog, Kulturen
Arbeit zitieren
Susanne Lifka (Autor), 2003, Dialog der Kulturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20830

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