"Willful Blindness" im Wirtschaftsstrafrecht und die Bedeutung für Compliance-Systeme


Seminararbeit, 2012
27 Seiten, Note: 10

Leseprobe

Gliederung

A. Einleitung
1) Einleitung
2) Der Begriff „Willful Blindness“
und die Bedeutung im deutschen Recht
3) Beispiele

B. Begehung einer eigenen Straftat des Geschäftsführers
1) Untreue
a) Die Missbrauchsalternative
b) Die Treuebruchalternative
aa) Die Vermögensgefährdung
aaa) Bildung schwarzer Kassen durch Mitarbeiter
bbb) Zahlung von Schmiergeldern durch Mitarbeiter
bb) Der Schadenseintritt
cc) Der Vorsatz des Geschäftsführers
aaa) Das Wollen der Tatbestandsverwirklichung
bbb) Das Wissen der Tatbestandsverwirklichung
dd) Anwendung der Ergebnisse auf die Beispielfälle
c) Ergebnis Untreue
2) Steuerhinterziehung und Steuerverkürzung
a) Steuerhinterziehung
b) Leichtfertige Steuerverkürzung
c) Ergebnis Steuerhinterziehung und Steuerverkürzung

C. Beteiligung durch „Willful Blindness“
1) Strafbarkeit durch Mittäterschaft
a) Grundlagen der Mittäterschaft
aa) Garantenpflicht des Geschäftsführers
bb) Verhältnis Garant zum aktiv handelnden Täter
b) Der Tatbestand der Mittäterschaft
aa) Der Wille zur Tat
bb) Der gemeinsame Tatplan
c) Ergebnis Mittäterschaft
2) Strafbarkeit durch mittelbare Täterschaft
a) Grundlagen der mittelbaren Täterschaft
b) Mittelbare Täterschaft durch Organisationsherrschaft allgemein
c) Anwendung auf die Beispielfälle
d) Verhältnis Organisationsherrschaft/„Willful Blindness“
e) Ergebnis mittelbare Täterschaft
3) Strafbarkeit durch Anstiftung
a) Grundlagen der Anstiftung
b) Das Bestimmen zur Tat
c) Anwendung auf die Beispielfälle
d) Ergebnis Anstiftung
4) Strafbarkeit durch Beihilfe

D. Verhältnis von „Willful Blindness“ und Ordnungswidrigkeit
1) Auswirkungen auf den Geschäftsführer
2) Auswirkungen auf das Unternehmen

E. Bedeutung für Compliance Systeme
1) Auswirkungen durch „Willful Blindness“
2) Maßnahmen zu Verhinderung von Schäden
durch „Willful Blindness“
3) Ergebnis

F. Fazit

Literaturverzeichnis Seminararbeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A. Einleitung

1) Einleitung

Korruptionsskandale wie bei Siemens[1] oder auch der Mannesmannprozess[2] vor wenigen Jahren, haben die strafrechtliche Haftung von Führungspersonen in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Zugleich wuchs die Bedeutung der strafrechtlichen Compliance, dessen Ziel eine strafrechtskonforme aber zugleich wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmensführung ist[3]. Ein wichtiger Begriff ist dabei „Willful Blindness“. Dieser Ausdruck beschreibt das Ziel von Führungspersonen, einer strafrechtlichen Haftung zu entgehen, indem man sich der Kenntnis möglicher Straftaten verschließt[4]. Einerseits wird „Willful Blindness“ als psychologischer Schutzmechanismus verstanden, durch den schwierige ethische und moralische Entscheidungen umgangen werden können[5].

Andererseits arbeiten Führungspersonen gezielt darauf hin, den Informationsfluss im Unternehmen so zu steuern, dass belastendes Wissen gar nicht erst auf die Leitungsebene gelangen kann[6]. Die Folgende Untersuchung zeigt auf, inwieweit Vorstände durch „Willful Blindness“ einer Strafbarkeit entgehen können, ob also die Redensart „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ hier widerlegt wird.

2) Der Begriff „Willful Blindness“ und die Bedeutung im deutschen Recht

Im amerikanischen Recht, wird „Willful Blindness“ als mutwillige Unkenntnis von strafrechtlich relevanten Umständen angesehen[7]. Der Begriff dient dabei der Abdeckung eines schmalen Bereichs zwischen Eventualvorsatz (recklessness) und Wissen (know-ledge)[8]. Allerdings ist im amerikanischen Strafrecht bedingter Vorsatz nicht ausreichend, so dass erst durch die sog. „ doctrine of willful blindnesss“ die Anforderungen an das Wissenselement des Täters gesenkt werden, um eine Strafbarkeit bei mutwilliger Unkenntnis begründen zu können[9]. Da im deutschen Strafrecht bereits bedingter Vorsatz ausreicht, sind die entscheidenden Probleme darin zu sehen, welche Kenntnis ein Täter von einer Tat haben muss. Da Vorsatz die Kenntnis von vergangenen und gegenwärtigen Tatbestandsmerkmalen und den voraussichtlichen Gang der Tathandlung voraussetzt, ist es fraglich, ob eine Strafbarkeit dadurch vermieden werden kann, dass sich der Täter jedermann offensichtlichen Erkenntnissen verschließt[10] und sogar gezielt die Unkenntnis anstrebt.

[...]


[1] NStZ 2009, 151

[2] NJW 2006, 522;

[3] Bock, ZIS 2009, S.68;

[4] Schemmel/Kirch-Heim, S.96;

[5] Schemmel/Kirch-Heim, S.96;

[6] Schemmel/Kirch-Heim, S.96;

[7] Schemmel/Kirch-Heim, S.96;

[8] Schemmel/Kirch-Heim, S.96;

[9] Schemmel/Kirch-Heim, S.96;

[10] Fischer, §15, Rn.4;

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
"Willful Blindness" im Wirtschaftsstrafrecht und die Bedeutung für Compliance-Systeme
Hochschule
Universität Bayreuth
Veranstaltung
Grundlagenseminar Compliance und Unternehmensethik
Note
10
Autor
Jahr
2012
Seiten
27
Katalognummer
V208302
ISBN (eBook)
9783656357018
ISBN (Buch)
9783656358800
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
willful, blindness, wirtschaftsstrafrecht, bedeutung, compliance-systeme
Arbeit zitieren
Alexander van Bruck (Autor), 2012, "Willful Blindness" im Wirtschaftsstrafrecht und die Bedeutung für Compliance-Systeme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208302

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: "Willful Blindness" im Wirtschaftsstrafrecht und die Bedeutung für Compliance-Systeme


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden