Kurzfassung
Die vorliegende Masterarbeit geht der Frage nach, inwieweit sich die Sichtweisen einer Lehrkraft und der durch sie unterrichteten Schüler auf den Hausaufgabenprozess unterscheiden. Auf der Grundlage eines Modells zum Hausaufgabenprozess und unter Berücksichtigung bisheriger Forschungsergebnisse sowie relevanter rechtlicher Bestimmungen werden Befunde einer empirischen Studie vorgestellt. Es zeigen sich deutliche Unterschiede in der allgemeinen Wahrnehmung von Hausaufgaben sowie bei der Anzahl der Schüler, die Hausaufgaben bearbeiten und den Lehrererwartungen diesbezüglich. Darüber hinaus konnte festgestellt werden, dass die Vergabe bei einem vergleichsweise großen Teil der Schüler nicht zu einer ausreichenden Zweckorientierung führt. Übereinstimmungen konnten bei der Wahrnehmung der inhaltlichen Vergabe sowie der Wahrnehmung des Stellenwertes von Kontrolle und Auswertung festgestellt werden. Ferner ergab die Untersuchung, dass die Hausaufgabenpraxis der teilnehmenden Lehrerin mehr auf ihrer Unterrichtserfahrung, denn auf wissenschaftlichen Befunden basiert.
Abstract
The Master’s Thesis at hand considers the question to what extent the views of a teacher and its class differ concerning the homework process. On the basis of a model for this process and with consideration of previous research as well as legal regulations, results of an empirical study are being presented. Shown are clear differences in the views on the perception of homework in general as well as concerning the number of students that finish their homework and the relating teacher expectations. Furthermore the study found that the assignment of homework does not lead to a sufficient functional orientation with a comparatively high number of students. Agreement was found concerning the perception of the content of the homework assigned as well as the status of homework control and evaluation. In addition the study found that the homework practice of the teacher taking part in the survey was developed on the basis of her teaching experience rather than findings of scientific research.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der theoretische Rahmen
2.1 Begriffsklärung
2.2 Das Prozessmodell zur Wirkungsweise von Hausaufgaben
2.3 Hausaufgaben als Bestandteil des schulischen Lernens
2.4 Ergebnisse bisheriger Studien zum Hausaufgabenprozess
2.5 Darstellung der Ziele des Literaturunterrichts
2.6 Aufgabentheorie für den Literaturunterricht
2.7 Zusammenfassung
3 Hausaufgaben im Literaturunterricht einer 8. Klasse
3.1 Ziel und Fragestellung
3.2 Methodisches Vorgehen
3.2.1 Gestaltung der Untersuchung
3.2.2 Beschreibung der Ausgangsbedingungen
3.2.3 Die Unterrichtssequenz in groben Zügen
3.3 Darstellung der Ergebnisse
3.3.1 Wahrnehmung der Unterrichtssequenz durch Lehrer und Schüler
3.3.2 Allgemeine Wahrnehmung von Hausaufgaben
3.3.3 Wahrnehmung von Hausaufgaben im Literaturunterricht
3.3.4 Hausaufgabe 1: Ein Lesetagebuch führen
3.3.4.1 Analyse der Aufgabe
3.3.4.2 Überlegungen zur Auswahl
3.3.4.3 Wahrnehmung der Vergabe
3.3.4.4 Bearbeitung der Aufgabe
3.3.4.5 Einschätzung der Wirkung
3.3.4.6 Zusammenfassung
3.3.5 Hausaufgabe 2: Textarbeit für die Charakteristik der Lieblingsfigur im Roman
3.3.5.1 Analyse der Aufgabe
3.3.5.2 Überlegungen zur Auswahl
3.3.5.3 Wahrnehmung der Vergabe
3.3.5.4 Bearbeitung der Aufgabe
3.3.5.5 Wahrnehmung der Kontrolle und Auswertung
3.3.5.6 Einschätzung der Wirkung
3.3.5.7 Zusammenfassung
3.3.6 Hausaufgabe 3: Wiederholung des Wissens zur Analyse epischer Texte
3.3.6.1 Analyse der Aufgabe
3.3.6.2 Überlegungen zur Auswahl
3.3.6.3 Wahrnehmung der Vergabe
3.3.6.4 Bearbeitung der Aufgabe
3.3.6.5 Wahrnehmung der Kontrolle und Auswertung
3.3.6.6 Einschätzung der Wirkung
3.3.6.7 Zusammenfassung
3.3.7 Hausaufgabe 4: Fertigstellung der schriftlichen Analyse eines Textauszuges
3.3.7.1 Analyse der Aufgabe
3.3.7.2 Überlegungen zur Auswahl
3.3.7.3 Wahrnehmung der Vergabe
3.3.7.4 Bearbeitung der Aufgabe
3.3.7.5 Wahrnehmung der Kontrolle und Auswertung
3.3.7.6 Einschätzung der Wirkung
3.3.7.7 Zusammenfassung
3.3.8 Hausaufgabe 5: Verfassen einer Rezension
3.3.8.1 Analyse der Aufgabe
3.3.8.2 Überlegungen zur Auswahl
3.3.8.3 Wahrnehmung der Vergabe
3.3.8.4 Bearbeitung der Aufgabe
3.3.8.5 Wahrnehmung der Kontrolle und Auswertung
3.3.8.6 Einschätzung der Wirkung
3.3.8.7 Zusammenfassung
3.4 Diskussion
4 Schlussfolgerungen
4.1 Für die Hausaufgabenpraxis von Lehrern und Schülern
4.2 Für weitere Untersuchungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht die Differenzen in der Wahrnehmung des Hausaufgabenprozesses zwischen einer Lehrkraft und ihrer 8. Klasse an einem Gymnasium. Ziel ist es, durch die Analyse einer spezifischen Unterrichtssequenz zum Roman „Indigosommer“ ein tieferes Verständnis für die Hausaufgabenpraxis und deren Einflussfaktoren zu entwickeln.
- Prozessmodell und Wirkungsweise von Hausaufgaben
- Hausaufgaben als Bestandteil des schulischen Lernens
- Analyse von Aufgabenstellungen im Literaturunterricht
- Empirische Untersuchung der Lehrer- und Schülersicht
- Wahrnehmung von Vergabe, Bearbeitung und Auswertung
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Wahrnehmung der Unterrichtssequenz durch Lehrer und Schüler
Da es während der Planungszeit zur Sequenz noch keine Unterrichtsmaterialien zu „Indigosommer“ gab, auf die die Lehrerin hätte zurückgreifen können, orientierte sie sich an den im Rahmenlehrplan vorgegebenen Anforderungen und Standards. Daneben war für sie die Förderung der Leselust von zentraler Bedeutung (vgl. Transkript des Interviews (T), 1). Nach dieser Phase stellte sie den Schülern ihre Planung vor und erarbeitete aus den gesammelten Ideen die Konzeption der Einheit, die sich für sie „bewährt hat“ (ebd.). Auch das Schülerfeedback zur Sequenz sei ihrer Auskunft nach positiv ausgefallen (vgl. ebd.).
Es kann davon ausgegangen werden, dass die Motivation, am Roman zu arbeiten, bei vielen Schülern sehr hoch war. Dies lässt sich durch die Angabe der Lehrerin stützen, dass „Schüler dann schon teilweise schneller waren, als [sie] es wollte“ (T, 5) und schon lange vor Beginn der Sequenz die Erstrezeption des Buches abgeschlossen hatten. Dabei nahm sie es auch als großen Vorteil war, dass die Auswahl des Buches durch die Schüler getroffen wurde, da es auf sie selbst zurückzuführen sei, wenn der Inhalt dann doch nicht ihren Vorstellungen entspricht (vgl T, 4).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz der Hausaufgabenproblematik dar und erläutert die Forschungsfrage sowie das gewählte methodische Vorgehen.
2 Der theoretische Rahmen: Dieses Kapitel liefert die wissenschaftliche Basis durch die Definition von Hausaufgaben und die Vorstellung eines Prozessmodells zur Wirkungsweise.
3 Hausaufgaben im Literaturunterricht einer 8. Klasse: Der Hauptteil präsentiert die empirischen Untersuchungsergebnisse, strukturiert nach den einzelnen Hausaufgaben innerhalb der Unterrichtssequenz.
4 Schlussfolgerungen: Das Fazit zieht Konsequenzen für die zukünftige Hausaufgabenpraxis und identifiziert Anknüpfungspunkte für weitere wissenschaftliche Untersuchungen.
Schlüsselwörter
Hausaufgaben, Hausaufgabenprozess, Literaturunterricht, Schülerwahrnehmung, Lehrerperspektive, Unterrichtssequenz, Indigosommer, Hausaufgabenpraxis, Aufgabenanalyse, Wirkungsweise, Lernprozess, Schülerbefragung, Lehrerinterview, Leistungsbewertung, Lernförderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Hausaufgabenprozess im Fach Deutsch und vergleicht dabei die subjektiven Sichtweisen einer Lehrerin mit denen ihrer Schüler einer 8. Klasse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Auswahl, Vergabe, Bearbeitung, Kontrolle und Auswertung von Hausaufgaben sowie deren wahrgenommene Wirksamkeit im Literaturunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es aufzudecken, wie sich Lehrer- und Schülersicht auf Hausaufgaben unterscheiden und welche Faktoren diese Wahrnehmung beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine empirische Studie, die ein Leitfadeninterview mit der Lehrkraft und eine schriftliche Befragung der Schüler mittels Fragebogen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden fünf konkrete Hausaufgaben aus einer Unterrichtssequenz zum Roman „Indigosommer“ detailliert analysiert und die Ergebnisse der Befragung gegenübergestellt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hausaufgabenpraxis, Literaturunterricht, Prozessmodell, Schüler-Motivation und das Konfliktpotenzial von Hausaufgaben.
Wie bewerten die Schüler die Bedeutung der Einbindung von Hausaufgaben in den Unterricht?
Ein Großteil der Schüler hält die Einbindung für sehr wichtig, da die Aufgaben sonst als sinnlos oder reine Zeitverschwendung empfunden werden.
Welchen Einfluss hatte die Auswahl des Buches durch die Schüler auf deren Motivation?
Die demokratische Wahl des Romans durch die Klasse steigerte die Motivation der Schüler zur Bearbeitung der damit verbundenen Aufgaben deutlich.
Gibt es einen Konsens zwischen Lehrerin und Schülern bezüglich der Aufgabenkontrolle?
Während die Lehrerin eher die prozessorientierte Auswertung betont, zeigt sich, dass Schüler die inhaltliche Besprechung (Feedback) der bloßen Erledigungskontrolle vorziehen.
Wie wird das Konfliktpotential von Hausaufgaben aus Schülersicht beurteilt?
Schüler benennen verschiedene Ursachen wie Zeitmangel, unklare Aufgabenstellungen oder das Empfinden von Hausaufgaben als "notwendiges Übel" als Auslöser für Konflikte.
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- Janine Börstler (Author), 2012, Der Hausaufgabenprozess aus Lehrer- und Schülersicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208378