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Das musikalische Kunstwerk als Patriot und Feind

Instrumentalisierung der Musik im Ersten Weltkrieg

Title: Das musikalische Kunstwerk als Patriot und Feind

Master's Thesis , 2012 , 166 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Jens Peitzmeier (Author)

Musicology - Miscellaneous
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Der Erste Weltkrieg gehört zu den einschneidensten Ereignissen der deutschen und der europäischen Geschichte, er gilt als der erste ,totale‘ Krieg und stellt zweifelsohne einen Wendepunkt in der Geschichte medialer Kriegsführung und propagandistischer Beeinflussung dar. Neben einer „wahre[n] Flut von literarischen Reflexionen“ - als Reaktion auf den Krieg von Schriftstellern und anderen Intellektuellen hervorgebracht - veränderte sich mehr oder weniger schlagartig auch der Umgang mit Musik in Konzert und journalistischer Betrachtung. Mit Ausnahme der Popularmusik-Forschung zählt der Erste Weltkrieg in der Musikwissenschaft jedoch immer noch - besonders im Vergleich zum ,Dritten Reich‘ und zum Zweiten Weltkrieg - zu den wenig erforschten Gebieten. Dies ist insbesondere angesichts der Erkenntnisse über die Formen und Mittel der Propaganda im ausgehenden Kaiserreich erstaunlich, gehört doch aus heutiger Sicht gerade die Musik zweifelsohne zu den einfachsten Möglichkeiten medialer Beeinflussung.

Die vorliegende Arbeit soll einen kleinen Beitrag zur Aufarbeitung dieser musikwissenschaftlichen ,Lücke‘ leisten. Neben einer möglichst genauen Beschreibung des deutschen Musiklebens von 1914 bis 1918, seines Umfanges, des Konzert-, und Opernrepertoires sowie eventueller Unterschiede zu der unmittelbar vorangegangenen Zeit soll anhand einer Vielzahl von Artikeln aus der musikalischen Fachpresse untersucht werden, in welchem Umfang und mit welchen Zielsetzungen sich die zeitgenössischen Intellektuellen theoretisch mit der Funktionalisierung, Politisierung und Instrumentalisierung von Musik befasst haben. Eine grobe Einordnung dieser Funktionalisierung der Musik während des Ersten Weltkriegs in die Geschichte der Musikinstrumentalisierung im 20. Jahrhundert soll abschließend vorgenommen werden und kann dazu dienen, ein an sich zunächst singuläres und neues Phänomen innerhalb einer größeren Entwicklung von mittlerweile fast einhundert Jahren wahrzunehmen und sich so in seiner Bedeutung neu zu erschließen.

Neben den primär betrachteten großen Städten und Metropolen des Reiches spielte sich Kultur auch in kleineren Orten und Mittelzentren ab. Wegen deren seltener Erwähnung in den großen Fachpublikationen ist eine Erforschung des Musiklebens kleinerer Städte jedoch verhältnismäßig schwierig, wird am Beispiel der Stadt Osnabrück dennoch - in kleinem Umfange - vorgenommen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

1.1 Zielsetzungen dieser Arbeit

1.2 Zur Quellenlage

2. Politik, Propaganda, Kultur und Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts

2.1 Politik, Gesellschaft und Propaganda im ausgehenden Kaiserreich

2.2 Zu Kultur und Musik um 1914 - eine Bestandsaufnahme

3. Das Musikleben in Deutschland zwischen 1914 und 1918

3.1 Opernwesen

3.1.1 Allgemeine Betrachtungen

3.1.1 Engelbert Humperdinck: Die Marketenderin

3.2 Konzerte und Liederabende

3.2.1 Allgemeine Betrachtungen

3.2.2 „Beethoven und kein Ende“ - Komponistenverehrung im Ersten Weltkrieg

3.2.3 Volks-, Vaterlands- und Soldatenlieder

3.2.4 Felix Weingartner: Ouvertüre ,Aus ernster Zeit‘ op. 56

3.2.5 Hugo Kaun: Symphonie Nr. 1 ,An mein Vaterland‘ op. 22

3.3 Kirchenkonzerte, Kantaten und oratorische Aufführungen

4. Das Osnabrücker Musikleben zwischen 1914 und 1918

4.1 Theaterwesen

4.2 Kirchenkonzerte

4.3 Sinfonische, kammermusikalische und andere Konzerte

4.4 Weitere musikalisch relevante Artikel

5. Das Deutschtum und der Umgang mit dem Feind in der musikalischen Fachpresse 1914-1918

5.1 Anfeindungen gegen das Ausland, Gegendarstellungen und Reaktionen auf ausländische Anfeindungen

5.2 ,Sprachreinigung‘ - der Umgang mit den Fremdwörtern

5.3 Die Nationalhymnendebatte

5.4 Die ,richtige‘ Fassung der Wacht am Rhein

5.5 Weitere Meldungen und Diskurse

6. Ergebnisse

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Politisierung und Instrumentalisierung von Musik im Ersten Weltkrieg anhand der musikalischen Fachpresse sowie lokaler Berichterstattung aus Osnabrück. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Musik instrumentalisiert wurde, um den Patriotismus zu stärken, Feindbilder zu festigen und als Trostquelle in der kriegerischen Wirklichkeit zu fungieren.

  • Instrumentalisierung der Musik für kriegspropagandistische Zwecke
  • Die Rolle von Wohltätigkeitskonzerten und deren Zweckbestimmung
  • Kult um Komponisten wie Beethoven als Instrument nationaler Identität
  • Diskurs über die Ausländerei in der Musik und die Sprachreinigung
  • Fallbeispiel Osnabrück zur Untersuchung des Musiklebens in der Provinz

Auszug aus dem Buch

3.1.2 Engelbert Humperdinck: Die Marketenderin

Engelbert Humperdinck kann in der Musikwissenschaft durchaus als ein besonderer Komponist angesehen werden. Seine heutige Bekanntheit basiert nahezu ausschließlich auf einem einzigen Werk, seiner Oper Hänsel und Gretel. Humperdinck ist eines der seltenen Beispiele eines auf ein einziges Werk reduzierten Komponisten. Auch von der Marketenderin ist wenig bekannt, eine Gesamteinspielung ist nicht erhältlich, bei www.opera-guide.ch wird sie nicht einmal aufgelistet.

Die Oper - oder vielleicht müsste man besser formulieren: die Operette - Die Marketenderin wurde im Mai 1914 uraufgeführt. Entstanden und fertiggestellt wurde sie kurze Zeit vorher, die Uraufführung musste jedoch wegen eines Schlaganfalls Humperdincks verschoben werden.

Zunächst zum Inhalt: Die Handlung des ersten Aufzugs der ,Deutschen Spieloper‘ ist im Hauptquartier des Generalfeldmarschalls Gerhard Leberecht von Blücher in Höchst am Main angesiedelt. Man schreibt das Ende des Jahres 1813 und die Befreiungskriege gegen Frankreich unter Blüchers Mitwirkung sind in vollem Gange. Der Koch Johann bereitet zu Beginn der ersten Szene, ein patriotisches Lied singend, das Essen zu, während die Marketenderin Rose in Männerkleidung auf der Straße ihre Hühner verkaufen will und sich gegen die anstehende Passkontrolle durch den Feldwebels Borsch wehrt. Als dieser gemeinsam mit Johann entdeckt, dass sie in Wirklichkeit eine Frau ist, wird sie der Spionage verdächtigt, bis sie von ihrer Arbeit als Marketenderin, also als Versorgerin des Heeres, berichtet. In früherer Zeit waren sie und Johann ineinander verliebt, woran sie sich gemeinsam zurückerinnern.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Darstellung der Zielsetzung der Arbeit sowie Erläuterung der herangezogenen Quellen.

2. Politik, Propaganda, Kultur und Musik zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Analyse der geistesgeschichtlichen und politischen Rahmenbedingungen im Kaiserreich und Einordnung der Rolle von Propaganda.

3. Das Musikleben in Deutschland zwischen 1914 und 1918: Untersuchung der Entwicklung des Musiklebens, insbesondere des Opernwesens, der Konzertsituation sowie der Instrumentalisierung geistlicher Musik.

4. Das Osnabrücker Musikleben zwischen 1914 und 1918: Spezifische Analyse des Musiklebens in Osnabrück anhand lokaler Zeitungen und Vergleich mit der nationalen Situation.

5. Das Deutschtum und der Umgang mit dem Feind in der musikalischen Fachpresse 1914-1918: Beleuchtung der Anfeindungen gegen ausländische Musik und Künstler sowie der Diskurse um Sprachreinigung und Nationalhymnen.

6. Ergebnisse: Zusammenfassende Betrachtung der Auswirkungen des Krieges auf das Musikleben und die Instrumentalisierung von Musik als Propagandainstrument.

Schlüsselwörter

Erster Weltkrieg, Musikgeschichte, Instrumentalisierung, Propaganda, Patriotismus, Oper, Konzertwesen, Osnabrück, Fachpresse, Beethoven-Kult, Musikbolschewismus, Sprachreinigung, Nationalismus, Militarisierung, Kriegskultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Master-Arbeit analysiert, wie Musik während des Ersten Weltkriegs politisch instrumentalisiert wurde und welche Rolle sie im Diskurs über Patriotismus und Feindbilder spielte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Propaganda durch Musik, die Klassikerverehrung (insb. Beethoven), die Verbannung ausländischer Musik sowie die Untersuchung des Musiklebens in der Provinzstadt Osnabrück.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die bisher in der musikwissenschaftlichen Forschung vernachlässigte Rolle der Musik als Mittel medialer Beeinflussung während des Ersten Weltkriegs aufzuarbeiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es erfolgt eine systematische Auswertung zeitgenössischer Musikfachzeitschriften (z.B. NZfM, AMZ) sowie lokaler Osnabrücker Tageszeitungen der Jahre 1914 bis 1918.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des nationalen Musiklebens (Oper, Konzerte, Kirche), eine Fallstudie zum Osnabrücker Musikleben sowie eine Analyse der Fachpresse-Diskurse zu Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Erste Weltkrieg, Instrumentalisierung von Musik, Propaganda, Patriotismus und musikalische Fachpresse charakterisieren.

Welche Rolle spielt Beethoven in der Arbeit?

Beethoven wird als ein zentrales Instrument nationaler Identität beschrieben, dessen Person und Werk systematisch zum „Heilsbringer“ und Symbol deutscher Überlegenheit stilisiert wurden.

Wie wurde in Osnabrück mit der Kriegssituation umgegangen?

Osnabrück zeigt ein ähnliches Bild wie Großstädte: Ein Rückgang anspruchsvoller Konzerte bei gleichzeitiger Zunahme patriotischer Wohltätigkeitsveranstaltungen und leichter Unterhaltung zur Zerstreuung.

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Details

Title
Das musikalische Kunstwerk als Patriot und Feind
Subtitle
Instrumentalisierung der Musik im Ersten Weltkrieg
College
University of Osnabrück  (Institut für Musikwissenschaft und Musikpädagogik)
Grade
1,0
Author
Jens Peitzmeier (Author)
Publication Year
2012
Pages
166
Catalog Number
V208447
ISBN (eBook)
9783656357995
ISBN (Book)
9783656358695
Language
German
Tags
kunstwerk patriot feind instrumentalisierung musik ersten weltkrieg
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jens Peitzmeier (Author), 2012, Das musikalische Kunstwerk als Patriot und Feind, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208447
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