Zur Annäherung an die Thematik, wird im ersten Teil zunächst auf den Diskurs um Melancholie und Suizid im 18. Jahrhundert eingegangen. Hierbei werden die Positionen aus aufklärerischer, anthropologischer, theologischer und juristischer Sicht dargestellt.
Im Hauptteil wird aufgezeigt, wie Melancholie und Suizid Eingang in die Literatur des 18. Jahrhunderts fanden, wobei Goethes Werther zentraler Untersuchungsgegenstand sein soll. Nach der Darstellung der Empfindsamkeit als emotionsgesteuerte Gegenströmung der Aufklärung erfolgt die Ausarbeitung, welche Symptome der Melancholie der Werther aufweist und wie diese und seine so genannte Krankheit zum Tode im Roman dargestellt werden. Darüber hinaus sollen zeitgenössische Rezeption und öffentliche Reaktionen auf den „Werther“ Thema sein.
Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse in einem Resümee zusammengefasst und ein Deutungsversuch angestellt, welche Position Goethe im zeitgenössischen Diskurs mit seinem Roman zu Melancholie und Freitod einnimmt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Diskurs um Melancholie und Selbstmord um 1800
2.1 Melancholie im zeitgenössischen Diskurs
2.2 Der Freitod im zeitgenössischen Diskurs
3. Melancholie und Suizid in der Literatur am Beispiel von Goethes Werther
3.1 Der Fall Carl Wilhelm Jerusalem
3.2 Melancholie-Symptome Werthers
3.3 Krankheit zum Tode und Freitod Werthers
3.4 Reaktionen auf den Roman
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Goethes "Die Leiden des jungen Werther" den zeitgenössischen Diskurs über Melancholie und Suizid aufgreift, welche spezifischen Krankheitssymptome der Protagonist zeigt und welche Position der Roman zur Melancholie als Krankheit sowie zum Freitod einnimmt.
- Historische Einordnung des Melancholie- und Suiziddiskurses um 1800
- Analyse der Werther-Figur als Krankheitsgeschichte
- Zusammenhang zwischen Empfindsamkeit, Leidenschaft und Suizid
- Untersuchung der zeitgenössischen Rezeption und öffentlichen Wirkung des Werther-Romans
Auszug aus dem Buch
3.2 Melancholie-Symptome Werthers
Betrachtet man Goethes Jugendwerk als eine Krankengeschichte, so kann man bereits in den auf Mai datierten Briefen eine recht zweifelsfreie Diagnose stellen: die melancholische Veranlagung Werthers. Zunächst finden seine seelische Instabilität, die Unfähigkeit, sich in gesellschaftliche Gruppen zu integrieren, die Schwärmereien und nicht zuletzt seine latente Suizidneigung nur beiläufig Eingang in seine Briefe an den Freund Wilhelm.
Thorsten Valk unterteilt in der Studie „Melancholie im Werk Goethes“ das erste Buch des Werther-Romans inhaltlich in drei Abschnitte:
Die erste Sinneinheit umfaßt die Briefe, die Werther noch vor seiner Bekanntschaft mit Lotte an Wilhelm schreibt (4. Mai – 30. Mai). Der zweite Abschnitt setzt dann mit der ausführlichen Erzählung des ländlichen Balls ein und erstreckt sich auf den gesamten Zeitraum bis zu Alberts Rückkehr (16. Juni – 26. Juli). Das dritte Teilstück des ersten Buches schildert schließlich die wachsenden Spannungen zwischen Werther, Lotte und Albert. Werther ringt sich nach längerem Zögern zu dem Entschluß durch, eine Stelle bei der Gesandtschaft anzutreten, und reist heimlich ab (30. Juli – 10. September).
Im ersten Teil des ersten Buches erscheint Werther als gebildeter junger Mann mit einer tiefen Verbundenheit zur Natur. Er ist ein aufmerksamer Beobachter, der herzliche Kontakte zu den einfachen Menschen pflegt und seine Eindrücke gelegentlich künstlerisch in Zeichnungen festhält. Nur zwischen den Zeilen erkennt man bisweilen zur Melancholie neigende Wesenszüge.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Darstellung von Melancholie und Suizid in Goethes Briefroman sowie die Einordnung in den historischen Kontext des 18. Jahrhunderts.
2. Der Diskurs um Melancholie und Selbstmord um 1800: Dieses Kapitel erläutert den mentalitätsgeschichtlichen Wandel im Umgang mit Melancholie und Suizid, beeinflusst durch Aufklärung, Anthropologie und die aufkommende Empfindsamkeit.
3. Melancholie und Suizid in der Literatur am Beispiel von Goethes Werther: Hier wird der Einfluss des Falles Jerusalem auf den Roman untersucht sowie Werthers Symptome, seine Krankheit zum Tode und die zeitgenössische Rezeption des Romans detailliert analysiert.
4. Fazit: Das Resümee fasst zusammen, dass Goethe eine neutrale, analysierende Position einnimmt, die Melancholie als Krankheit anerkennt, ohne den Suizid zu verherrlichen oder moralisch zu verurteilen.
Schlüsselwörter
Werther, Johann Wolfgang von Goethe, Melancholie, Suizid, Aufklärung, Empfindsamkeit, Krankheit zum Tode, Anthropologie, Literaturgeschichte, Depression, Briefroman, Rezeption, Pathologie, Selbstmord, 18. Jahrhundert
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Melancholie und Selbstmord in Goethes "Die Leiden des jungen Werther" im Kontext der zeitgenössischen Diskussion des 18. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen den historischen Diskurs über Melancholie, die literarische Umsetzung von psychischen Krankheitsbildern und die gesellschaftliche Rezeption des Werther-Romans.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Goethe Symptome der Melancholie bei Werther darstellt und welche Haltung im Roman gegenüber Melancholie als Krankheit und dem Freitod eingenommen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen und fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur zur Aufklärung und Empfindsamkeit durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem Fall Jerusalem, der detaillierten Symptom-Analyse bei Werther, der Definition von dessen "Krankheit zum Tode" sowie einer Untersuchung der zeitgenössischen Reaktionen auf das Werk.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Melancholie, Suizid, Goethes Werther, Empfindsamkeit, Aufklärung, Krankheit zum Tode und die Rezeption im 18. Jahrhundert.
Wie bewertet Goethe laut Autor den Selbstmord im Roman?
Goethe nimmt einen neutralen Standpunkt ein; er erkennt die Melancholie als endogene Krankheit an, ohne den Freitod als Fluchtweg oder idealen Zustand zu glorifizieren.
Inwiefern beeinflusste der Fall Carl Wilhelm Jerusalem den Roman?
Goethe integrierte Aspekte wie die unerwiderte Liebe, berufliche Konflikte und die spezifische Ausführung des Suizids aus dem realen Fall Jerusalems in die psychologische Ausgestaltung des Werther.
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- Sandro Abbate (Author), 2012, Poetische Krankengeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208517