Landschaften prägen nach Nadler die verschiedenen Stammesgemeinschaften des deutschsprachigen Gebietes. Besonders die Österreicher unterliegen als eine der Eigenschaften dem Spieltrieb. Sieht Nadler diesen Trieb auch in Nestroy vollzogen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die völkische Germanistik bei Josef Nadler
2.1. Methodik der Stammesunterscheidung
2.2. Ideologische Einordnung und NS-Bezug
3. Das Wiener Volkstheater als kultureller Kern
3.1. Bedeutung des Theaters für das österreichische Wesen
3.2. Ferdinand Raimund und Johann Nestroy im Biedermeier
3.2.1. Funktion der Komik und sittliche Heilung
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die völkische Germanistik Josef Nadlers, insbesondere dessen „Literaturgeschichte des Deutschen Volkes“, um die theoretische Konstruktion von Stammesidentitäten und deren Verhältnis zum Nationalsozialismus zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie das Wiener Volkstheater als Projektionsfläche für kulturelle Normen und Werte innerhalb dieses theoretischen Rahmens instrumentalisiert wurde.
- Stammesgeschichte und völkisches Gedankengut
- Die Rolle der Landschaft als prägender Faktor für Volksgruppen
- Kritische Analyse der Verbindung zwischen Nadlers Theorien und NS-Ideologien
- Bedeutung des Wiener Volkstheaters für die österreichische Identität
- Literarische Repräsentation durch Ferdinand Raimund und Johann Nestroy
Auszug aus dem Buch
Das Wiener Volkstheater als Projektionsfläche
Es ist daher nicht verwunderlich, dass Nadler in seinen Abhandlungen vor allem dem Wiener Volkstheater einen umfangreichen Eintrag widmet. Dem Theater spricht der Germanist eine sehr wichtige Tradition zu. Allein das Wiener Theater glänzt noch vom reinen und unangetasteten völkischen Kulturgut der letzten Jahrhunderte ohne äußeren Einfluss. „Eines aber hatte Bestand und hielt die Linie, das Theater. Da war Wien bei sich selbst, und da rollte in einem großen Zuge die seelische Handlung dieser Stadt ab.“ (LdDV, S. 342) Unter der Auseinandersetzung mit dem Wiener Volkstheater erscheint dieses als Projektionsfläche, an welcher alle Werte und Normen des österreichischen Stammes aus- und vorgetragen werden. Es handelt sich um einen Ort, an dem sich die Zuschauer, das gemeine Volk auf alte Stammestugenden zurückbesinnen kann.
Dieser Ort versammelt das gesamte Kulturgut des österreichischen Stammes. „Jedwedes Kunstmittel stammte aus dem vielhundertjährigen Erbschatz des österreichischen Theaters.“ (LdDV, S. 344) Nadler sieht im Theater den Kern des Volkes. Gemäß der stammeskundlichen Lehre des Germanisten werden im Wiener Volkstheater aufgrund des österreichischen Spieltriebes eher komische Stücke gespielt. Hier treten verschiedene Genres hervor. Karikaturen, Possen, Parodien, Komödien, Sittenstücke und Figuren wie Hanswurst. Allesamt vereinen sie die Eigenschaft der Komik. Immer wieder wird versucht, die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu bestimmten gesellschaftlichen Tatbeständen zu erregen und durch komische inszenierte Momente anschließend zu verlachen. Dabei können sich die Zuschauer dem Druck des täglichen politisch-konservativen Regimes entziehen und sich durch das ´Theaterspiel´ mit den Figuren identifizieren oder sich für die Dauer des Stückes aus der Realität entfernen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Person Josef Nadler und seine prägende Rolle für die völkische Germanistik.
2. Die völkische Germanistik bei Josef Nadler: Untersuchung von Nadlers Stammeslehre und der wissenschaftlichen Einordnung seiner Thesen zwischen Nationalbewusstsein und NS-Ideologie.
3. Das Wiener Volkstheater als kultureller Kern: Analyse der Bedeutung des Theaters als Ort der Identitätsstiftung und der Rolle von Raimund und Nestroy als Repräsentanten österreichischer Tugenden.
4. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung von Nadlers Werk als historisches Konstrukt mit nationalem Gehalt und dessen Distanzierung zur radikalen NS-Ideologie.
Schlüsselwörter
Josef Nadler, völkische Germanistik, Stammesgeschichte, Literaturgeschichte des Deutschen Volkes, Wiener Volkstheater, Biedermeier, Ferdinand Raimund, Johann Nestroy, Nationalbewusstsein, Blut-und-Boden, kulturelle Identität, Österreich, Deutschtum, Nationalsozialismus, Stammesgemeinschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Literaturgeschichte von Josef Nadler und beleuchtet kritisch, wie dieser mit seinem Konzept der „völkischen Germanistik“ Identitäten über die Stammeszugehörigkeit und die landschaftliche Prägung konstruierte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die theoretische Ausarbeitung der Stammeslehre, die Rolle des Wiener Volkstheaters als Kulturerbe sowie die Schnittmengen zwischen völkischem Denken und späteren nationalsozialistischen Ideologien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Nadler durch literaturhistorische Analysen ein spezifisches Bild des „österreichischen Stammes“ zeichnete und welche Funktion dieses Bild zur Identitätsstiftung innerhalb der Doppelmonarchie erfüllte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturhistorische Analyse angewandt, die Nadlers Primärtexte in ihren historischen Kontext einbettet und sie unter Berücksichtigung ideengeschichtlicher Strömungen der Zeit reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf Nadlers Stammeskonzept, seine spezifische Sicht auf Österreich und die Analyse des Wiener Volkstheaters als Medium zur moralischen Erziehung und Unterhaltung des Volkes.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem die „völkische Germanistik“, der „Stamm“, die „Landschaftsprägung“ und die „sittliche Heilung“ durch das Theater.
Warum spielt das Wiener Volkstheater eine so zentrale Rolle für Nadler?
Nadler betrachtet das Wiener Volkstheater als „Erbbesitz“ und als einen Ort, an dem sich das „Ur-Wesen“ des österreichischen Stammes rein und unverfälscht manifestiert, wodurch es zur idealen Projektionsfläche seiner Theorien wird.
Wie bewertet der Autor die Beziehung zwischen Raimund, Nestroy und dem Nationalsozialismus?
Obwohl Nadlers Theorie nationales Gedankengut enthält, zeigt die Arbeit auf, dass Raimund und Nestroy ihre Werke in einer unpolitischen Biedermeier-Tradition verfassten, die Nadler zur Konstruktion eines idealisierten, unpolitischen Volkstums nutzte.
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- Marc Hoffmann (Author), 2012, Völkische Germanistik anhand Josef Nadlers Sicht auf Johann Nestroy, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208525