Erörterungen zu Jan Assmanns "Die mosaische Unterscheidung oder der Preis des Monotheismus", Augustinus' "De civitate Dei", Peter Steinackers "Der Absolutheitsanspruch des einen Gottes. Die monotheistische Religion. Judentum, Christentum, Islam in der pluralistischen Welt der Moderne", Paul Hackers "Religiöse Toleranz und Intoleranz im Hinduismus", Bhikkhu Buddhadãsas "No religion!" und Ali Bulaçs "The Medina Document".
Inhaltsverzeichnis
1. Assmann, Jan: Die mosaische Unterscheidung oder der Preis des Monotheismus. München 2003
2. Augustinus, Aurelius: De civitate Dei – vom Gottesstaat
3. Steinacker, Peter: Der Absolutheitsanspruch des einen Gottes. Die monotheistische Religion. Judentum, Christentum, Islam in der pluralistischen Welt der Moderne. In: Absolutheitsanspruch und Toleranz: Systematisch-theologische Beiträge zur Begegnung der Religionen. Frankfurt am Main 2006
4. Hacker, Paul: Religiöse Toleranz und Intoleranz im Hinduismus. In: Saeculum 8.1957, S. 167–179
5. Buddhadāsa, Bhikkhu: No religion! In: Swearer, Donald (Hrsg.): Me and Mine. Selected Essays of Bhikkhu Buddhadāsa. 1989
6. Ali Bulaç, The Medina Document. In: Charles Kurzman (Hrsg.): Liberal Islam. A Source Book, New York 1998
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit den Konzepten von Toleranz und Intoleranz innerhalb verschiedener Weltreligionen auseinander, indem sie zentrale Texte bedeutender Denker analysiert. Ziel ist es, die religionsgeschichtlichen und theologischen Hintergründe für Ausgrenzungsmechanismen sowie Möglichkeiten des zivilisierten Miteinanders in einer pluralistischen Gesellschaft zu beleuchten.
- Die Entstehung und Problematik des Monotheismus nach Jan Assmann.
- Das Spannungsfeld zwischen Toleranzanspruch und universaler Wahrheit in den Religionen.
- Historische und moderne Strategien des Inklusivismus und Exklusivismus.
- Die Rolle religiöser Texte für die friedliche Koexistenz in modernen Rechtsordnungen.
Auszug aus dem Buch
Die mosaische Unterscheidung oder der Preis des Monotheismus
Jan Assmann ist Ägyptologe und ein bedeutender Kulturwissenschaftler. Er konzentriert sich auf die Wechselbeziehungen zwischen Ägypten und Israel und damit auch auf die Entstehung des Monotheismus.
Die These seines Textes „Die mosaische Unterscheidung oder der Preis des Monotheismus“ hat eine Kontroverse hervorgerufen, die in der Sitzung diskutiert werden soll. Der Text beginnt mit der These, dass es in der Bibel zwei Religionen, eine primäre und eine sekundäre gibt. Die primäre beinhaltet, dass ein oberster, die Götterwelt überragender Gott, der aber nicht ausschließend ist, der Schöpfer der Welt und ihrer Geschöpfe ist und alles, was auf der Welt geschieht beeinflusst. Die sekundäre Religion hebt sich von den Religionen ihrer Umwelt ab und fordert die Verehrung von nur einem Gott. Sie verlangt vor allem strenge Einhaltung der Regeln und schreibt die komplette Lebensweise vor. Beide Religionen stehen also in einem gewissen Widerspruch zueinander.
Assmann stellt durch die Benennung mit primäre und sekundäre Religion eine geschichtliche Entwicklung dar. Die Benennung könnte zwar auch wertend gemeint sein, dies ist aber nicht wahrscheinlich. Er sieht den Monotheismus also als „Spätling“ der Religionsgeschichte.
Zusammenfassung der Kapitel
Assmann, Jan: Die mosaische Unterscheidung oder der Preis des Monotheismus. München 2003: Der Autor untersucht die historische Entstehung des Monotheismus und arbeitet den fundamentalen Gegensatz zwischen primärer und sekundärer Religion sowie die daraus resultierende Intoleranz heraus.
Augustinus, Aurelius: De civitate Dei – vom Gottesstaat: Die Analyse zeigt Augustinus' theologisches Ringen um den Umgang mit Andersdenkenden und Donatisten, wobei er sich nicht als Vertreter religiöser Toleranz im modernen Sinne erweist.
Steinacker, Peter: Der Absolutheitsanspruch des einen Gottes. Die monotheistische Religion. Judentum, Christentum, Islam in der pluralistischen Welt der Moderne. In: Absolutheitsanspruch und Toleranz: Systematisch-theologische Beiträge zur Begegnung der Religionen. Frankfurt am Main 2006: Steinacker argumentiert gegen die Gleichsetzung aller Religionen und plädiert für einen konzeptionellen Pluralismus, in dem Toleranz als Akzeptanz des Fremden verstanden wird.
Hacker, Paul: Religiöse Toleranz und Intoleranz im Hinduismus. In: Saeculum 8.1957, S. 167–179: Das Kapitel beleuchtet die Mechanismen des Inklusivismus im Hinduismus, bei denen Fremdes vereinnahmt statt aktiv toleriert wird, was eigene Grenzen der Toleranz aufzeigt.
Buddhadāsa, Bhikkhu: No religion! In: Swearer, Donald (Hrsg.): Me and Mine. Selected Essays of Bhikkhu Buddhadāsa. 1989: Der Text erörtert die buddhistische Sichtweise, in der die Aufhebung von Differenzierungen im Vordergrund steht, was jedoch ebenfalls auf eine Form des Inklusivismus hinausläuft.
Ali Bulaç, The Medina Document. In: Charles Kurzman (Hrsg.): Liberal Islam. A Source Book, New York 1998: Bulaç analysiert den Vertrag von Medina als historisches Modell für die friedliche Koexistenz verschiedener religiöser Gruppen unter der Prämisse gegenseitiger Autonomie.
Schlüsselwörter
Toleranz, Intoleranz, Monotheismus, Religionsgeschichte, Inklusivismus, Pluralismus, Wahrheitsanspruch, Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus, Friedliches Miteinander, Mosaische Unterscheidung, Vertrag von Medina
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis von Religionen zu Toleranz und Intoleranz durch die Analyse verschiedener Schlüsseltexte aus unterschiedlichen religiösen Traditionen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Auswirkungen monotheistischer Wahrheitsansprüche, der Differenz zwischen Inklusivismus und Toleranz sowie der politischen Umsetzung friedlicher Koexistenz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die historischen und theoretischen Hintergründe für Ausgrenzungsprozesse in Religionen zu verstehen und Möglichkeiten aufzuzeigen, wie unterschiedliche Weltanschauungen zivilisiert miteinander umgehen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Textanalyse und kritischen Erörterung, um die Argumentationen der behandelten Autoren auf ihre Stimmigkeit und gesellschaftliche Relevanz zu prüfen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden nacheinander die Positionen von Assmann, Augustinus, Steinacker, Hacker, Buddhadāsa und Bulaç zu den Themen Toleranz, Macht und religiöser Identität detailliert vorgestellt und diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen unter anderem Monotheismus, Inklusivismus, Wahrheitsanspruch, Pluralismus und die Debatte um die mosaische Unterscheidung.
Inwiefern stellt der Inklusivismus laut dem Text keine echte Toleranz dar?
Der Inklusivismus wird als Strategie verstanden, die das Fremde vereinnahmt oder neutralisiert. Da die eigentliche "Ablehnungskomponente" fehlt, die eine echte Anerkennung des Anderen als Andersartigem voraussetzen würde, ist er von wahrer Toleranz zu unterscheiden.
Wie bewertet der Autor Bulaçs Konzept eines toleranten Islams?
Der Autor erkennt Bulaçs Bemühungen um ein tolerantes Modell auf Basis des Vertrags von Medina an, hinterfragt jedoch kritisch, inwiefern diese historischen Vorstellungen in der modernen Gesellschaft praktisch umsetzbar sind.
- Citation du texte
- Svenja Gerbendorf (Auteur), 2011, Erörterungen zu den Texten Assmanns, Augustinus', Steinackers, Hackers, Bulaçs und Buddhadãsas, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208550