Integrierte Versorgung bei Demenzerkrankungen: Defizite und Optimierungsansätze


Bachelorarbeit, 2012
81 Seiten, Note: 1,1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Methodik
1.2 Vorgehensweise empirischer Teil
1.3 Beurteilung des Messinstruments

2 Das Krankheitsbild „Demenz“
2.1 Demenzformen
2.1.1 Alzheimer Demenz
2.1.2 Vaskuläre Demenzen
2.1.3 Studienergebnisse PSY-UKD
2.2 Demenzdiagnostik
2.2.1 Kognitive Kurztests
2.2.2 Schweregradeinteilung
2.2.3 Studienergebnisse PSY-UKD
2.3 Behandlung
2.3.1 Nichtmedikamentöse Therapien
2.3.2 Medikamentöse Therapien
2.3.3 Studienergebnisse PSY-UKD
2.4 Fazit

3 Demenz als „Angehörigenkrankheit“
3.1 Die Pflege
3.1.1 Demenzsymptomatik
3.1.2 Auswirkungen an die pflegenden Angehörigen
3.1.3 Studienergebnisse PSY-UKD
3.2 Interventionen für pflegende Angehörige
3.2.1 Beratungsstellen
3.2.2 Betreuungsangebote
3.2.3 Studienergebnisse PSY-UKD
3.3 Staatliche Interventionen
3.3.1 Pflegestufen
3.3.2 Patientenverfügung
3.3.3 Vorsorgevollmacht
3.3.4 Studienergebnisse PSY-UKD
3.4 Fazit

4 Integrierte Versorgung
4.1 Wirtschaftlicher Aspekt
4.1.1 Direkte Kosten
4.1.2 Kostensenkende Maßnahmen
4.1.3 Studienergebnisse PSY-UKD
4.2 Ambulanter Sektor
4.2.1 DEGAM-Leitlinie Nr. 12 „Demenz“
4.2.2 S3-Leitlinie „Demenzen“
4.2.3 Studienergebnisse PSY-UKD
4.3 Stationärer Sektor
4.3.1 (Akut-)Krankenhaus
4.3.2 Pflegeeinrichtung
4.3.3 Rehabilitation
4.3.4 Studienergebnisse PSY-UKD
4.4 Fazit

5 Überleitungsmanagement
5.1 Grundlagen und Ziele
5.2 Kompetenzzentrum Demenz
5.2.1 Gedächtnissprechstunde
5.2.2 Psychiatrisch-geriatrische Station mit Schwerpunkt Demenz
5.2.3 Tagesklinik für Demenzpatienten
5.2.4 Fallmanagement
5.2.5 Schulungszentrum Demenz
5.3 Fazit

6 Diskussion

7 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Verteilung der Diagnose Demenz nach Form (PSY-UKD)

Abbildung 2: Prävalenz der Diagnose vaskuläre Demenz (PSY-UKD)

Abbildung 3: Häufigkeit der Verwendung von Kurztests (PSY-UKD)

Abbildung 4: Schweregradverteilung (PSY-UKD)

Abbildung 5: Interventionelle Therapiemaßnahmen im Verlauf der Demenz

Abbildung 6: Prozentuale Verteilung der Wohnsituation bei Aufnahme (PSY-UKD)

Abbildung 7: Anzahl Fälle mit Betreuung durch Angehörige unterteilt nach Schweregrad (PSY-UKD)

Abbildung 8: Unterstützung der pflegenden Angehörigen durch ambulanten Pflegedienst (PSY-UKD)

Abbildung 9: Anzahl von Pflegestufen (PSY-UKD)

Abbildung 10: Krankheiten mit höchster Beteiligung an gesamten Krankheitskosten 2008

Abbildung 11: Verteilung Demenzkosten nach Versorgungsbereiche

Abbildung 12: Verweildauerentwicklung bei Demenz (PSY-UKD)

Abbildung 13: Verweildauer im Bezug zum Schweregrad (PSY-UKD)

Abbildung 14: Versorgungskette bei Demenz im ambulanten Bereich (ausgewählte Beispiele)

Abbildung 15: Struktureinheiten Kompetenzzentrum Demenz

Abbildung 16: Inhaltsbereiche des Fallmanagements

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Einschlusskriterien empirischer Teil

Tabelle 2: Datenbankparameter empirischer Teil

Tabelle 3: Diagnostische Kriterien nach ICD 10

Tabelle 4: ICD 10 Klassifikation von ausgewählten Krankheitsbildern

Tabelle 5: Durchschnittsalter bei Demenz (PSY-UKD)

Tabelle 6: Durchschnittsalter bei Demenz unterteilt nach Diagnose (PSY-UKD)

Tabelle 7: Demenzsymptomatik unterteilt nach Schweregrad

Tabelle 8: Antidementiva nach Wirkstoff und Herstellernamen

Tabelle 9: Preisvergleich von Antidementiva

Tabelle 10: Medikamentöse Einstellung bei Alzheimer-Krankheit (PSY-UKD)

Tabelle 11: Problemorientierte Strategien und Beispiel einer geeigneten Interventionsform

Tabelle 12: Veränderte Pflegesätze 2007-2012

Tabelle 13: Anzahl von Pflegestufen im Vergleich 2009-2011 (PSY-UKD)

Tabelle 14: Patientenverfügung im Vergleich 2009-2011 (PSY-UKD)

Tabelle 15: Vorsorgevollmacht im Vergleich 2009-2011 (PSY-UKD)

Tabelle 16: Gesetzliche Betreuung im Vergleich 2009-2011 (PSY-UKD)

Tabelle 17: Zielsetzung der integrierten Versorgung

Tabelle 18: Krankheitskostenentwicklung bei der Diagnose Demenz

Tabelle 19: Einteilung direkte Kosten mit ausgewählten Beispielen

Tabelle 20: Versorgungsunterschiede Facharzt / Hausarzt (PSY-UKD)

Tabelle 21: Wohnform Pflegeeinrichtung (PSY-UKD)

Tabelle 22: Überleitungsmanagementziele bei Demenz

Tabelle 23: Merkmale des Case Management-Prozesses

Tabelle 24: Schulungszentrum Demenz - ausgewählte Schulungsthemen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Aufgrund des höheren Lebenserwartungsalters und der steigenden Prävalenz von Demenzerkrankungen, zeigt sich die Konfrontation mit diesem Krankheitsbild für jeden Einzelnen früher oder später als unvermeidlich. Daraus resultiert, dass es im Sinne der ganzen Gesellschaft ist, sich mit dieser Problematik auseinanderzusetzten, um ein optimales Behandlungskonzept zu entwickeln.

An einer Demenz leiden in Deutschland gegenwärtig mehr als 1,4 Millionen Menschen, zwei Drittel von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen.[1] Es handelt sich um eine zum Tode führende Erkrankung, die nicht kausal behandelbar ist.[2] Die mittlere Krankheitsdauer beträgt drei bis sechs Jahre.[3] Diese Krankheit ist der häufigste Grund für eine Pflegebedürftigkeit.[4] Bis zu 80 % der Demenzerkrankten siedeln im Laufe der Erkrankung in eine Pflegeeinrichtung über.[5]

Das Statistische Bundesamt geht von mehr als 10 Mrd. Euro jährlich für die Versorgung von Demenzerkrankungen aus,[6] mehr als 40 % der Kosten entfallen auf die informelle Pflege.[7] Eine tragende Rolle spielt dabei die familiäre Versorgung,[8] denn fast drei Drittel der Erkrankten wird von Angehörigen gepflegt.[9] Die demografische Entwicklung deutet darauf hin, dass das Potenzial der informellen familiären Betreuung immer weiter abnehmen könnte.[10] Es ist anzunehmen, dass die Abnahme der familiären Betreuung zu einem Anstieg der institutionellen Hilfe führen wird.

Die Vielfallt, der für Demenz spezifischen Symptome, erhöht exponentiell die Akteurdichte in der Versorgungslandschaft. Das bekräftigt die Bedeutung einer integrierten Versorgung. Der aktuelle Forschungsstand deutet darauf hin, dass die Versorgungssituation Defizite aufweist und dass eine intensive, kompetente, pflegerische Betreuung nicht in ausreichendem Maß gewährleistet ist.[11]

Ausgehend von dieser Problematik möchte diese Bachelorarbeit der Frage nachgehen, in welchen Bereichen der Versorgungslandschaft die Defizite liegen. Es wurde versucht, die Ursachen für den eventuellen Mangel zu identifizieren, um entsprechende Verbesserungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

1.1 Methodik

Um den aktuellen Stand zu erfassen, erfolgt im ersten Schritt eine wissenschaftliche Betrachtung der momentanen Behandlungskonstellation. Als Grundlage diente eine retrospektive Analyse der Versorgungssituation bei Demenzerkrankten, die stationär in den psychiatrischen Abteilungen des Uniklinikums Dresden in den Jahren 2009 bis 2011 behandelt wurden. Die gewonnenen Resultate wurden nach kritischer Überprüfung dem aktuellen Wissenstand gegenübergestellt, um die Versorgungslücken zu verdeutlichen.

Um einen Einblick in die Thematik zu gewähren, werden in Kapitel 2. zunächst das Krankheitsbild „Demenz“ vorgestellt. Die unterschiedlichen Demenzformen sowie Behandlungsmöglichkeiten werden kurz erläutert. Kapitel 3. betrachtet diese Krankheit aus Sicht der Angehörigen, um zu verdeutlichen, welchen Herausforderungen sie durch diese Diagnose ausgesetzt sind. Auf die unterschiedlichen Interventionsmöglichkeiten wird hier näher eingegangen. Das Kapitel 4. betrachtet das Thema der integrierten Versorgung. Die gesundheitsökonomische Sichtweise soll das Verständnis für das politische Anliegen begünstigen.

Die getrennte Betrachtungsweise vom stationären und ambulanten Sektor hat den Zweck, die Notwendigkeit einer Kooperation hervorzuheben. Aufbauend auf diesen drei Kapiteln wird ein Überleitungsmanagementkonzept zur Optimierung der Schnittstellenarbeit sowie der weiteren Versorgung und Betreuung der Patienten und Pflegenden erstellt.

1.2 Vorgehensweise empirischer Teil

Es wurde mit einer systematischen Datenbankrecherche begonnen, um die versorgungsrelevanten Themen im Bezug zu der Krankheit „Demenz“ zu identifizieren. Verfolgt wurde in erster Linie das Ziel, den aktuellen Forschungsstand in der Versorgung zu ermitteln. Anhand der gewonnenen Informationen wurden folgende Leitgedanken identifiziert und als Grundlage für die Fragestellung bei der empirischen Forschung abgeleitet:

1. Demenzprävalenz im Bezug zur demographischen Entwicklung
2. Verweildauersenkung und deren Einfluss auf die Fallzahlentwicklung
3. Leitliniengerechte Behandlung
4. Staatliche Interventionen zur Verbesserung der Versorgung.

Um die aus den Recherchen abgeleiteten wissenschaftlichen Fragen zu beantworten, zeigten sich die interne Validität der Stichprobe sowie der Stichprobenumfang als besonders wichtig. Um ein wissenschaftlich signifikantes Ergebnis zu erzielen, wurden deshalb für die Einschließung in die Studie folgende Einschlusskriterien bestimmt:

Tabelle 1: Einschlusskriterien empirischer Teil

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

Die Identifizierung der für diese Studie geeigneten Patienten erfolgte durch das Medizinische Rechenzentrum des Uniklinikum Dresden und wurde unter Bewahren der Datenschutzbestimmungen zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellt.

Im zweiten Schritt wurden die, für den empirischen Teil relevanten, Datenbankparameter bestimmt (siehe Tabelle 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Datenbankparameter empirischer Teil

Quelle: eigene Darstellung (die Abkürzungen AN und EN stehen für Aufnahme und Entlassung).

Als Datenerhebungsinstrument wurden die Patientenepikrisen bzw. Verlegungsberichte gewählt. Als personengebundene Informationen wurde nur das Alter der Patienten betrachtet, was somit keinen Rückschluss auf die Identität der Patienten erlaubt.

1.3 Beurteilung des Messinstruments

Unter Beibehalten der festgelegten Einschlusskriterien wurden insgesamt 209 Fälle identifiziert. In einem Fall konnten weder Verlegungsbericht noch Epikrise ausfindig gemacht werden und dieser Fall wurde deshalb aus dieser Studie ausgeschlossen. Das Messinstrument Epikrise bzw. Verlegungsbericht zeigte sich insgesamt als geeignetes Instrument für die Ermittlung der versorgungrelevanten Informationen bei an Demenz Erkrankten. Im Bezug zu den pflegenden Angehörigen konnten nur vereinzelt Hinweise auf deren Situation ausfindig gemacht werden. Ursache dafür könnte die Einstufung solcher Informationen als für den Krankenhausaufenthalt irrelevant sein. Alle anderen Parameter lieferten zu den Forschungsfragen zufriedenstellende Ergebnisse und wurden separat in den jeweiligen themenbezogenen Kapiteln ausgewertet.

2 Das Krankheitsbild „Demenz“

Demenz (lat. Dementia: de = fehlend; mens = der Geist) ist ein Überbegriff für eine Vielzahl von Erkrankungen. Sie ist gekennzeichnet durch einen Verlust geistiger Funktionen wie Erinnern, Orientieren, Verstehen, Sprechen oder Verknüpfen von Denkinhalten. Für die Feststellung der Diagnose müssen alle in Tabelle 3 aufgeführten diagnostischen Kriterien erfüllt sein.

Tabelle 3: Diagnostische Kriterien nach ICD 10

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Machleidt, Bauer, Lamprecht, Rose, & Rohde-Dachser (2004) Seite 354

Diese Erkrankung trifft in unterschiedlichen Formen auf. Die zwei häufigsten Formen werden im nächsten Abschnitt genauer vorgestellt.

2.1 Demenzformen

Die Demenzerkrankungen lassen sich in primär degenerative Demenzen, vaskuläre Demenzen und sekundäre Demenzen einteilen.[12] Zu den primär degenerativen Demenzen gehören die Demenz vom Alzheimer-Typ, die Frontotemporale Demenzen, die Demenz vom Lewy-Körper-Typ, Demenz bei Morbus Parkinson und genetisch verursachte Erkrankungen wie z. B. die Huntington-Krankheit. Die vaskulären Demenzen stellen eine heterogene Gruppe dar. Dazu gehören vor allem die Multiinfarktdemenz und die Subkortikale vaskuläre Enzephalopathie.

Die Erkennung sekundärer Demenzen ist von großer Bedeutung, weil diese Demenzformen als Einzige den therapeutischen Interventionen zugänglich sind, falls die Grunderkrankung behandelt werden kann. Beispielhaft könnte die Progressive Paralyse, die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung, die HIV-Enzephalopathie oder die Demenz bei Alkoholabhängigkeit genannt werden.

Die häufigste Demenzform ist die Demenz vom Alzheimertyp, gefolgt von der vaskulären Demenz.[13]

2.1.1 Alzheimer Demenz

Weltweit spricht die epidemiologische Forschung von mehr als 24 Mio. an Alzheimer Demenz erkrankten Menschen.[14] In der Diagnostik wird zwischen der Demenz bei Alzheimer-Krankheit mit frühem Beginn und der Demenz bei Alzheimer-Krankheit mit späterem Beginn unterschieden.

Bei der Alzheimer Demenz mit frühem Beginn handelt es sich mit 67 % um die am häufigsten diagnostizierte Ursache für eine vor dem 65. Lebensjahr beginnende Demenzerkrankung.[15] Es geht dabei um eine Krankheit mit unbekannter Ätiologie, die durch charakteristische neuropathologische und neurochemische Merkmale gekennzeichnet ist. Der Beginn ist meist schleichend und die Entwicklung ist langsam aber stetig über mehrere Jahre.[16]

Die zweithäufigste Demenzform ist die vaskuläre Demenz. Wesentliche klinische Unterscheidungsmerkmale zwischen der Demenz vom Alzheimer-Typ und vaskulären Demenzen stellen der plötzliche Beginn, eine oft stufenweise Verschlechterung und der diskontinuierliche, fluktuierende Verlauf auf Seiten der vaskulären Demenzen dar.

2.1.2 Vaskuläre Demenzen

Vaskuläre Demenzen sind durch ischämische Läsionen des ZNS gekennzeichnet, die mit neurologischen Defiziten einhergehen können.[17] Der Beginn liegt gewöhnlich im späteren Lebensalter und der Verlauf ist eher diskontinuierlich.[18] Im Vordergrund stehen im Vergleich zur Alzheimer-Demenz nicht die Gedächtnisstörungen, sondern die Verlangsamung, Stimmungslabilität und Denkschwierigkeiten.[19] Auf diese Demenzform entfallen ca. 15 % der Erkrankungen.[20]

2.1.3 Studienergebnisse PSY-UKD

In den psychiatrischen Abteilungen des Uniklinikums Dresden wurden in den Jahren 2009 – 2011 insgesamt 208 Fälle mit der Diagnose Demenz behandelt. Die ICD 10 Nummern von jeweiligen Diagnosen sind der Tabelle 4 zu entnehmen.

Tabelle 4: ICD 10 Klassifikation von ausgewählten Krankheitsbildern

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an DIMDI- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information

Die, bei den Literaturrecherchen ermittelte These, dass die vaskuläre Demenz sich mit 15 % an der Gesamtzahl der Demenzerkrankung beteiligte, könnte nicht bestätigt werden. Es deutet darauf hin, dass die Prävalenz einer vaskulären Demenz weitaus großer ist. Um es zu wiederlegen wären Vergleiche mit anderen Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen sinnvoll.

In der folgenden graphischen Darstellung (Abbildung 1) ist zu erkennen, dass die Diagnose G30 – Alzheimer-Krankheit die häufigste Form ist (n= 95), gefolgt von der Diagnose F01 – vaskuläre Demenz (n= 81). Weitere Demenzformen beteiligen sich mit insgesamt 15 %.

Abbildung 1: Verteilung der Diagnose Demenz nach Form (PSY-UKD)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

In der nächsten Abbildung (Abbildung 2) ist eine kontinuierliche Steigerung von vaskulärer Demenz in den psychiatrischen Abteilungen am UKD grafisch dargestellt, um diese Erkenntnis zu verdeutlichen.

Abbildung 2: Prävalenz der Diagnose vaskuläre Demenz (PSY-UKD)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

Bei der Alzheimer-Krankheit zeigte sich die Entwicklung der Zahlen nicht so kontinuierlich, sondern es ist eine deutlich rasantere Zunahme zu sehen. So wurden im Jahre 2009 14 Fälle behandelt, im Jahre 2010 24 Fälle und im Jahre 2011 wurden es 57 Fälle. Mögliche Ursache für die plötzliche Zunahme könnte in der verbesserten Diagnostik liegen, vor allem in dem bildgebenden Verfahren aufgrund der technischen Entwicklung und den neuen Forschungserkenntnissen.

Das steigende Alter bei Patienten mit Demenz kann als Ursache ausgeschlossen werden, denn wie die Tabelle 5 zeigt, bleibt das Durchschnittsalter konstant.

Tabelle 5: Durchschnittsalter bei Demenz (PSY-UKD)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung (die Abkürzung SA steht für Standardabweichung)

Insgesamt betrug das Durchschnittsalter 77,72 Jahre. Die Standardabweichung von 8,99 deutet auf eine gute Homogenität der Gruppe hin. Die einzelnen Gruppen im Vergleich ergeben Hinweise auf Heterogenität. So zeigte z. B. die Gruppe G31 eine Abweichung vom Mittelwert von 10,94, während die Gruppe G20 nur 4,61 erzielte. Ursache dafür ist ein Ausreißer in der Gruppe G31 mit dem Alter von 38 Jahren (siehe Tabelle 6).

Tabelle 6: Durchschnittsalter bei Demenz unterteilt nach Diagnose (PSY-UKD)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

Die Gruppe G30 zeigte die größte Spannweite (46 Jahre), gefolgt von Gruppe F01 (41 Jahre).

Bei der Diagnose G30.0 (Alzheimer-Krankheit mit früherem Beginn) wurde das Durchschnittsalter auf 64,20 Jahre berechnet (n=15; Standardabweichung 6,68).). Der jüngste Patient hatte das Alter von 49 Jahren erreicht, der Älteste war 74 Jahre alt.

2.2 Demenzdiagnostik

Die Diagnostik ist die Grundlage der Therapie und Betreuung. Eine frühzeitige Diagnosefeststellung könnte die Pflegebedürftigkeit sowie Belastung verzögern.[21] Die Diagnosefeststellung besteht in erster Linie aus einer ausführlichen Erhebung der Anamnese und Fremdanamnese,[22] gefolgt von einer neurologischen und neuropsychiatrischen Untersuchung. Weiterhin werden serologische und biochemische Untersuchungen sowie Liquordiagnostik und bildgebende Analysen durchgeführt. Eine bedeutende Rolle spielt die neuropsychologische Testung mit geeigneten Tests.[23] Um den Verlauf sowie Therapieerfolg im Detail einzuschätzen, zeigte sich als sensibelste die neu entwickelte Relevant Outcome Scale for Alzheimer´s Disease (ROSA).[24] Die Validität von diesem Instrument wurde in einer multizentrischen Studie (n=471) belegt und für die Anwendung in der Praxis empfohlen.[25]

2.2.1 Kognitive Kurztests

Zu den häufig verwendeten Screeningverfahren gehören der Demenz-Detektionstest (DemTect) und der Uhrentest. Der Uhrentest ist als alleiniger kognitiver Test nicht geeignet, kann aber die diagnostische Aussagekraft in Kombination mit anderen Kurztestverfahren erhöhen.[26] Der am häufigsten verwendete Test für kognitive Störungen ist der Mini-Mental-Status-Test (MMST). Bei diesem Instrument handelt es sich um ein qualitatives Testverfahren zur Beurteilung des Umfanges der kognitiven Beeinträchtigung.[27]

Es erlaubt eine schnelle Abschätzung der kognitiven Defizite, um die Schweregradeinteilung zu ermöglichen.[28] Diese syndromale diagnostische Zuordnung ist ein wesentlicher Bestandteil der Demenzdiagnostik.

2.2.2 Schweregradeinteilung

Je nach Ausmaß der Symptome wurden die Stadien in eine leichte, moderate/mittelschwere und eine schwere Demenzerkrankung eingeteilt. Stadium der leichten Demenz ist durch leichte Gedächtnisstörungen sowie verminderte Merkfähigkeit gekennzeichnet. Komplizierte Aufgaben können nicht mehr ausgeführt werden, wodurch das tägliche Leben erkennbar beeinträchtigt ist. Mit dem moderaten Stadium nehmen die kognitiven Leistungen weiter ab. Es sind nur noch einfache Tätigkeiten möglich und die Selbstversorgung zeigte sich damit stark eingeschränkt. Das schwere Erkrankungsstadium ist durch beträchtliche Störungen geistiger und körperlicher Art geprägt. Der Erkrankte ist vollständig von Betreuung abhängig.[29] In Tabelle 7 wurden einige der Symptome den unterschiedlichen Stadien zugeteilt.

Tabelle 7: Demenzsymptomatik unterteilt nach Schweregrad

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an (Arol, Reimer, & Dilling, 2011); (Holthoff, 2010); (Thesing, 2010)

Die Zuteilung diente nur als Orientierungshilfe.

Diese Symptome können nicht nur nach Demenzform variieren, sondern auch generell vom Fall zu Fall. Das bedeutet, dass nie von einem typischen Krankheitsbild ausgegangen werden kann und eine Generalisierbarkeit sich als unmöglich darstellt.[30]

Die Zuteilung in die verschiedenen Gruppen ist von großer Bedeutung, vor allem wenn es um die medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlung geht. Bei früherer Behandlung vergrößert sich die Chance, den Erkrankungsverlauf positiv zu beeinflussen und damit die Lebensqualität von Betroffenen und deren Angehörigen zu verbessern.[31] Auf die Behandlungsmöglichkeiten wird im Kapitel 2.3 näher eingegangen.

Durch die Verminderung der kognitiver Fähigkeiten kommt es zu zunehmenden Alltagskompetenzeinschränkungen, was schließlich zur Pflegebedürftigkeit führt. Aus diesem Grund ist es wichtig, für die Schweregradeinteilung auch den Selbsthilfestatus heranzuziehen.[32] Die am weitesten verbreitete Selbsthilfeskala ist der Barthel-Index. Es handelt sich dabei um einen Assessmentinstrument zur Erfassung grundlegender Alltagsfunktionen.[33] Ein weiteres Beispiel bieten die Reisberg-Skalen. Die Global Deterioration Scala nach Reisberg wurde für die Bestimmung des Schweregrades in dieser Studie benutzt.

2.2.3 Studienergebnisse PSY-UKD

In den Epikrisen des UKDs wurde nicht immer ein Hinweis auf die Ergebnisse eines MMST, DemTect® oder Uhrentest vorgefunden. Da es sich um eine diagnostische Maßnahme handelt, wurde davon ausgegangen, dass in den Fällen, in den die Kurztests durchgeführt wurden, auch eine entsprechende Dokumentation erfolgte.

Das häufigste Screeningverfahren in dieser Studie präsentiert der Mini-Mental-Status-Test, die Verwendung von DemTect nahm im Jahre 2011 wesentlich zu.

In Abbildung 3 wurde die Häufigkeit der Verwendung von Kurztests dargestellt.

Abbildung 3: Häufigkeit der Verwendung von Kurztests (PSY-UKD)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

Aus dieser Abbildung ist ersichtlich, dass die Verwendung von Kurztests für die Einschätzung des Demenzschweregrades im Jahr 2011 zugenommen hat. Im Jahre 2010 wurden kognitive Kurztests bei jedem drittem Fall durchgeführt, im Jahre 2011 bei jedem zweitem Fall.

Um die Einschätzung des Schweregrads auch bei Fällen, bei denen keine Kurztestverfahren durchgeführt wurden darzulegen, wurde in der vorliegenden Studie die Global Deterioration Scala (GDS) nach Reisberg benutzt.[34] Sie präsentiert eine Methode, die versucht statistischen Korrelationen zwischen Gedächtnisfunktion und Selbsthilfestatus zu identifizieren, indem sie eine Einschätzung bezüglich Konzentration, Gedächtnisleistung, Orientierung, Stimmung, Verhalten sowie Alltagskompetenz und selbständige Versorgung einer Person abgibt.[35] Die Einstufung erfolgt in der Regel nach Beobachtung und Befragung des Patienten.

Das Erhebungsinstrument Epikrise fasst zusammen den gesamten Krankenhausbehandlungsverlauf, basierend auf Beobachtungen und Befragungen. Somit wurde eine entsprechende Einstufung ermöglicht.

Unter Verwendung von diesem Verfahren ergeben sich folgende Ergebnisse in Bezug auf die Schweregradverteilung (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Schweregradverteilung (PSY-UKD)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung

In dieser Abbildung ist auffallend, dass der stationäre Aufenthalt bei Patienten mit schwerer Demenz kontinuierlich abnimmt. Eine mögliche Erklärung dafür konnte die verbesserte Versorgungsstruktur in Pflegeheimen sein.

Diese Schweregradbestimmung ist bedeutsam für die weitere Behandlung. Deshalb beschäftigt sich das nächste Kapitel mit den Besonderheiten in der Therapie in Bezug auf den Schweregrad.

[...]


[1] Vgl.: (Bickel, 2012) Seite 1

[2] Vgl.: (Zieschang, Oster, Pfisterer, & Schneider, 2012) Seite 51

[3] Vgl.: (Bickel, 2012) Seite 3

[4] Vgl.: (Hirsch R. , 2008) Seite 106

[5] Vgl.: (Leicht & König, 2012) Seite 683

[6] Vgl.: (Statistisches Bundesamt, 2010) generiert am 20.09.2012

[7] Vgl.: (Leicht & König, 2012) Seite 679

[8] Vgl.: (Zieschang, Oster, Pfisterer, & Schneider, 2012) Seite 52

[9] Vgl.: (Reggentin, 2005) Seite 102

[10] Vgl.: (Leicht & König, 2012) Seite 683

[11] Vgl.: (Schneider, Falkai, & Maier, 2011) Seite 44

[12] Vgl.: (Machleidt, Bauer, Lamprecht, Rose, & Rohde-Dachser, 2004) Seite 358 ff.

[13] Vgl.: (Holthoff, 2010) Seite 7

[14] Vgl.: (Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., 2008) generiert am 12.09.2012

[15] Vgl.: (R., Skelton-Robinson, & Rossor, 2003) Seite 1206

[16] Vgl. (DIMDI, 2012) generiert am 20.06.2012

[17] Vgl.: (Machleidt, Bauer, Lamprecht, Rose, & Rohde-Dachser, 2004) Seite 364

[18] Vgl.: (DIMDI, 2012) generiert am 20.06.2012

[19] Vgl.: (Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., 2008) generiert am 12.09.2012

[20] Vgl.: (Anderson, 2010) Seite 21

[21] Vgl.: S3-Leitlinie „Demenzen“: (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde; Deutsche Gesellschaft für Neurologie, 2009) Seite 9

[22] Mehr zu der Bedeutung einer Anamneseerhebung z.B. (Donix, Small, & Bookheimer, 2012)

[23] Vgl. (Natale, Wohlrab, Förtsch, Kurz, & Diehl-Schmid, 2011) Seite 147

[24] Vgl.: (Holthoff, et al., 2012) 1-9

[25] Vgl.: (Holthoff, et al., 2011) Seite 1-10

[26] Vgl.: (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde; Deutsche Gesellschaft für Neurologie, 2009) Seite 12

[27] Vgl.: (Anderson, 2010) Seite 23

[28] Vgl.: (Frölich, Hausner, & Schneider, 2012) Seite 216

[29] Vgl.: (Hofmann, 2012) Seite 348

[30] Vgl.: (Bowlby-Sifton, 2008) Seite 130

[31] Vgl.: (Anderson, 2010) Seite 23; (Holthoff, 2010) Seite 8

[32] Vgl.: (Hofmann, 2012) Seite 347

[33] Vgl. (Lübke, Meinck, & von Renteln-Kruse, 2004) Seite 316

[34] Vgl.: (Ihl, Frölich, & Reisberg, 1991) Seite 3 ff

[35] Vgl.: (Gürtler, Szecsey, & Stöhr, 1997) Seite 283

Ende der Leseprobe aus 81 Seiten

Details

Titel
Integrierte Versorgung bei Demenzerkrankungen: Defizite und Optimierungsansätze
Hochschule
Dresden International University
Veranstaltung
Management für Gesundheitsfachberufe
Note
1,1
Autor
Jahr
2012
Seiten
81
Katalognummer
V208599
ISBN (eBook)
9783656368014
ISBN (Buch)
9783656368281
Dateigröße
886 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
integrierte, versorgung, demenzerkrankungen, defizite, optimierungsansätze
Arbeit zitieren
Lucie Barth (Autor), 2012, Integrierte Versorgung bei Demenzerkrankungen: Defizite und Optimierungsansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208599

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