Es ist schon erstaunlich, für welche Themenfelder in unserer Gesellschaft die Begriffe Fortschritt und Wachstum überall eingesetzt werden. Sie sind universell einsetzbare Begriffe geworden, die jedoch auch dann eingesetzt werden, wo sie eher etwas Gegenteiliges bewirken.
Ziel in diesem Essay soll sein, ob es tatsächlich sich ergänzende oder aber auch gegensätzliche Merkmale zwischen den umgangssprachlichen Begriffen Fortschritt und Wachstum gibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Wachstum
2. Fortschritt
3. Von Fortschritt und Wachstum
4. Die Illusion vom nicht enden wollenden ökonomischen Wachstum
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieses Essays ist die kritische Untersuchung der Begrifflichkeiten Fortschritt und Wachstum, um zu eruieren, ob diese sich gegenseitig ergänzen oder fundamentale Gegensätze darstellen. Dabei wird analysiert, wie diese Konzepte in der Gesellschaft konstruiert werden und welche Auswirkungen sie auf das menschliche Handeln sowie die ökonomische Realität haben.
- Unterscheidung zwischen quantitativen und qualitativen Größen
- Analyse der ökonomischen Wachstumsgrenzen
- Gegenüberstellung von Fortschrittsdenken und Wachstumszwang
- Einfluss soziologischer Steigerungspfade auf den Konsum
- Die Rolle der persönlichen Freiheit im Kontext von Wachstum
Auszug aus dem Buch
Die Illusion vom nicht enden wollenden ökonomischen Wachstum
Einige Akteure der Wirtschaft haften dem Denken nach, dass das Wachstum ihrer Unternehmung keinen natürlichen Grenzen aufgesetzt ist.
Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus. Das Wachstum meines Unternehmens bedeutet andererseits wenigstens Stillstand oder gar Schrumpfung eines anderen Unternehmens innerhalb meiner Wirtschaftsbranche. Dieser Wachstum oder Schrumpfung einer Unternehmung materialisiert sich in statistischen Marktanteilswerten. Mein erhöhter Marktanteil innerhalb meiner Branche bedeutet auf der anderen Seite einen Marktanteilsverlust für ein Konkurrenzunternehmen.
Unternehmen können auf natürlicher Weise nur insoweit wachsen, wie weit der unternehmensrelevante Markt für die eigenen Produkte ausgeweitet werden kann, wie weit die strategischen Wachstumsziele der Konkurrenz hinsichtlich ihrer Marktanteile ausschauen und wie viele Märkte es noch in unserer globalisierten Wirtschaftswelt zu erschließen gibt. Sind diese Märkte erst einmal gesättigt, gibt es kein Wachstum mehr.
Die Natur hat das Wachstum dahingehend beschränkt, wo die natürlichen Grenzen tangiert bzw. erreicht werden. Man könnte ja mal spaßeshalber ein Gebäude bauen lassen, dass sich bis zum äußersten Bereich unserer irdischen Atmosphäre erstreckt. Mal schauen, ob die Berechnung der Gebäudestatik gelingt, ob sich Menschen überhaupt finden lassen, die einerseits die Ausdauer für dieses imposante Bauvorhaben mitbringen und sich andererseits auch möglichst höhentauglich erweisen und ob die durchschnittliche Lebenszeit der Projektbeteiligten hierfür grundsätzlich ausreichend ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Wachstum: Definiert den Begriff des Wachstums als endlichen, natürlichen Vorgang, der sich einer unendlichen Steigerung entzieht.
Fortschritt: Beschreibt Fortschritt als einen Prozess, der nicht nur technischer, sondern insbesondere sozialer und persönlicher Natur ist und schöpferische Auszeiten erfordert.
Von Fortschritt und Wachstum: Untersucht die Diskrepanz zwischen der universellen Verwendung der Begriffe im gesellschaftlichen Diskurs und der individuellen Konstruktion ihrer Bedeutung.
Die Illusion vom nicht enden wollenden ökonomischen Wachstum: Beleuchtet die Unhaltbarkeit unendlichen ökonomischen Wachstums in gesättigten Märkten und diskutiert das Spannungsfeld zwischen Freiheit und Wachstumszwang.
Fazit: Führt aus, dass Fortschritt als qualitative, unendliche Größe und Wachstum als quantitative, endliche Größe zu verstehen sind und plädiert für ein qualitätsbewusstes Leben.
Schlüsselwörter
Fortschritt, Wachstum, ökonomisches Wachstum, Qualität, Quantität, gesellschaftliche Konstruktion, Nachhaltigkeit, Marktsättigung, Lebensqualität, soziale Entwicklung, Wettbewerb, Individualität, Steigerungspfade, Konsum, Ressourcen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die begrifflichen Unterschiede und das Spannungsverhältnis zwischen Fortschritt und Wachstum im gesellschaftlichen und ökonomischen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Abgrenzung von qualitativen und quantitativen Größen, ökologische und ökonomische Wachstumsgrenzen sowie die soziologische Betrachtung von Steigerungspfaden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob Fortschritt und Wachstum sich sinnvoll ergänzen können oder ob sie als gegensätzliche Konzepte in der Lebenswelt des Menschen zu bewerten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen essayistischen, analytischen Ansatz, der soziologische und ökonomische Theorien heranzieht, um die Begriffsdeutung kritisch zu hinterfragen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die Illusion unendlichen Wirtschaftswachstums, die Wechselwirkungen zwischen Freiheit und Wachstum sowie die drei Pfade der objektiven Steigerung nach Gerhard Schulze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Fortschritt, Wachstum, Qualität, Quantität und soziale Nachhaltigkeit charakterisiert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Qualität und Quantität so wichtig für den Autor?
Der Autor argumentiert, dass Quantität (Wachstum) zwangsläufig an natürliche Grenzen stößt, während Qualität (Fortschritt) einen unendlichen Charakter besitzt und somit lebensbejahender ist.
Inwiefern beeinflusst die Globalisierung laut Autor das Wachstumsdenken?
Die Globalisierung fördert laut Autor ein grenzenloses Konkurrenzdenken, welches das Streben nach unendlichem Wachstum als politisches und wirtschaftliches Postulat legitimiert.
- Citation du texte
- Dipl.-Kfm. (FH), Master of Arts (Univ.) Jörg Löschmann (Auteur), 2013, Von Fortschritt und Wachstum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208611