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Das Standardparadigma von Demenz

Title: Das Standardparadigma von Demenz

Term Paper , 2009 , 61 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Diplompädagogin Anita Helm (Author)

Pedagogy - Miscellaneous Topics
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Der Begriff „Standardparadigma“ wurzelt in der gängigen Hypothese der Demenz, dass ein Faktor oder Faktoren X zu neuropathischen Veränderungen und diese zu Demenz führen. Alle geistigen und emotionalen Symptome wären demnach ausschließlich das direkte Ergebnis einer Reihe katastrophaler Veränderungen im Gehirn, die zum Absterben von Hirnzellen führen und somit zu Demenz. Diese Degeneration wäre irreversibel, und führt ausschließlich zu einer Verschlechterung des gesamten Zustandes einer Person. Bei dieser weit verbreiteten Auffassung handelt es sich jedoch nur um eine vereinfachte, lineare Vorstellung von Demenz.
Der zweite Aspekt, auf den der Titel „Das Standardparadigma von Demenz“ verweisen soll ist, dass infolge der Etikettierung von Demenz als neuropathologische Krankheit, eine Wahrscheinlichkeit besteht, dass ein Mensch mit Demenz ausschließlich als „Kranker“ etikettiert wird und so unter Umständen nicht länger als vollwertige, individuelle Person gilt. Diese Sichtweisen, Vorstellungen und Bilder in unseren Köpfen über Demenz, tragen viel dazu bei, wie wir einem Menschen mit Demenz begegnen, ihn behandeln und ihn bewerten und so wiederum dazu, wie sich solch ein Mensch selber bewertet. Aus diesem Grund werden in dieser Arbeit die Themen Etikettierung und Demenz zusammengeführt, um zu untersuchen, wie groß der Einfluss dieser Vorstellungen in unseren Köpfen auf einen Menschen mit Demenz sein kann. Zudem wird die Ursache, dieser negativen, vereinfachten Sichtweise von Demenz, vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Normen und Werte hinterfragt. Denn alles Verhalten bezieht seine Bedeutung aus denjenigen Definitionsprozessen, in die es verstrickt ist.
Weiterhin soll untersucht werden, dass aufgrund der Legitimation einer ausschließlich organischen Grundlage von Demenz, der effizienten Pflege einer Person mit Demenz kein Platz eingeräumt wird. Folglich soll in dieser Arbeit Demenz ent-pathologisiert werden. Sie soll untersuchen, warum Demenz nicht als Teil unseres menschlichen Daseins akzeptiert wird, sondern sich eine Dynamik dahingehend zeigt, Menschen mit schwerer körperlicher oder seelischer Behinderung (Abweichung) zu depersonalisieren und aus der Welt der Personen auszugrenzen. Es geht darum ein weites Verständnis von Etikettierungsprozessen und Demenz zu erhalten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Etikettierungs-Ansatz

1.2 Das Problem des Relativismus

1.3 Zuschreibungsaspekt

1.4 Versuch einer Definition von Abweichung

1.5 Etikettierung und ihre Auswirkungen in interpersonalen Beziehungen

1.5.1 Stereotypenbildung

1.5.2 Retrospektive Interpretation

1.5.3 Verhandeln

1.5.4 Relative Machtposition

1.5.5 Rollendruck

1.6 Etikettierung und Organisation

2. Der Begriff des Personseins

2.1 Die Einzigartigkeit von Personen

2.2 Personsein und Verkörperung

3. Die Definition von Demenz

3.1 Die Dialektik von Demenz

3.2 Persönlichkeitsveränderungen bei Demenz

3.3 Körperliche Zustände, die eine Demenz verstärken

4. Das Standardparadigma der Demenz

4.1 Abwehrmechanismen in der Demenzpflege

4.2 Maligne, bösartige Sozialpsychologie

5. Die positive Arbeit an der Person

6. Die für- und versorgende Organisation

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Einfluss von Etikettierungsprozessen auf Menschen mit Demenz, um aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Vorstellungen und eine pathologisierende Sichtweise die Wahrnehmung und Behandlung Betroffener negativ prägen können. Ziel ist es, durch die Einbindung sozialpsychologischer Perspektiven Demenz zu ent-pathologisieren und die Bedeutung einer personenzentrierten Pflege hervorzuheben.

  • Kritische Analyse des medizinisch-pathologischen Standardparadigmas der Demenz.
  • Untersuchung von Etikettierung (Labeling) als zentralem Mechanismus der Ausgrenzung.
  • Reflexion über das Konzept des Personseins und dessen Erhalt bei kognitiven Einschränkungen.
  • Darstellung der Auswirkungen einer "malignen Sozialpsychologie" in der Pflegepraxis.
  • Entwicklung und Begründung personenzentrierter Interaktionsansätze als Gegenmodell.

Auszug aus dem Buch

1.5.1 Stereotypenbildung

Walter Lippmanns klassische Beschreibung der „Bilder in unseren Köpfen“ die unsere alltäglichen Interaktionen prägen, passt zu der Analyse von Reaktionen auf Abweichung. Wie Lippmann es in diesem Zusammenhang ausdrückt:

„(…)sehen wir nicht zuerst und definieren dann, sondern wir definieren zuerst und sehen dann. (…)Uns wird von der Welt erzählt, bevor wir sie sehen. Wir stellen uns die meisten Dinge vor, ehe wir sie erfahren. Und solche vorgefaßten Meinungen regieren den ganzen Prozess der Wahrnehmung, ehe Erziehung uns dies hat bewusst werden lassen. Sie kennzeichnen gewisse Gegenstände als vertraut oder fremd und lassen den Unterschied hervortreten, so daß das nur wenig Vertraute als sehr vertraut angesehen wird und das etwas Andersartige als äußerst fremd.“

Lippmann erkennt demzufolge, dass die soziale Interaktion in einer komplexen heterogenen Gesellschaft augenscheinlich der Kategorisierungsvorgänge bedarf, welche er wie angeführt beschrieben hat.

Definitions- und Reaktionsprozesse erscheinen daher als zentrale Elemente in einer sozialen Interaktion. Aus diesem Grund sind offen vertretene oder subtile, positive oder negative Arten der Etikettierung wesentliche soziale Phänomene. Anstelle des Terminus „Stereotyp“ wird auch der Terminus „Idealtyp“ oder „Typisierung“ verwendet.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Hinterfragt das vorherrschende "Standardparadigma" der Demenz und führt in die Thematik der Etikettierung ein.

1. Etikettierungs-Ansatz: Erläutert die theoretischen Grundlagen der sozialen Konstruktion von Abweichung und deren Auswirkungen.

2. Der Begriff des Personseins: Definiert Personsein als einen zugeschriebenen Status und betont die Bedeutung von Beziehungen.

3. Die Definition von Demenz: Diskutiert Demenz als Syndrom im Wechselspiel zwischen neurologischen und sozialen Prozessen.

4. Das Standardparadigma der Demenz: Kritisiert die rein organische Sichtweise auf Demenz und deren negative Konsequenzen für die Pflege.

5. Die positive Arbeit an der Person: Stellt personenzentrierte Ansätze und Interaktionsmöglichkeiten vor, die das Personsein wahren.

6. Die für- und versorgende Organisation: Analysiert die Rolle von Organisationen und die Notwendigkeit einer reflexiven Pflegekultur.

7. Fazit: Fasst die Notwendigkeit zusammen, Demenz jenseits von rein neuronalen Modellen als gesellschaftliches Phänomen zu begreifen.

Schlüsselwörter

Demenz, Etikettierung, Labeling-Approach, Standardparadigma, Personsein, Sozialpsychologie, Pflegekultur, Maligne Sozialpsychologie, Personenzentrierter Ansatz, Stigmatisierung, Abweichung, Identität, Neuropsychologie, Gesellschaftliche Normen, Psychodynamik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beleuchtet die psychosozialen Aspekte von Demenz und untersucht, wie gesellschaftliche Etikettierungsprozesse das Leben und die Identität von Menschen mit Demenz beeinflussen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen den Labeling-Approach, das Konzept des Personseins, eine kritische Analyse des medizinischen Standardparadigmas der Demenz sowie Ansätze zur positiven, personenzentrierten Pflege.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, das herrschende Verständnis von Demenz zu erweitern, die krankheitsbedingte Etikettierung zu hinterfragen und Wege zu einer würdevolleren, personenzentrierten Betreuung aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen und sozialpsychologischen Ansätzen (Labeling-Approach, Interaktionismus) sowie auf die Konzepte von Tom Kitwood zur personenzentrierten Demenzpflege.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Prozesse der Stigmatisierung, die Bedeutung von "Personsein", die Grenzen einer rein neuropathologischen Betrachtung und die schädigenden Wirkungen einer "malignen Sozialpsychologie" in Pflegeeinrichtungen analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Schlüsselwörtern zählen Demenz, Etikettierung, Personsein, Sozialpsychologie, Stigmatisierung und personenzentrierter Ansatz.

Was versteht man in der Arbeit unter "maligner Sozialpsychologie"?

Dieser Begriff beschreibt pflegerische Umfelder und Interaktionen, die trotz guter Absichten das Personsein tief schädigen, beispielsweise durch Infantilisierung, Objektifizierung oder Ignorieren der subjektiven Bedürfnisse.

Warum wird das "Standardparadigma" der Demenz kritisiert?

Das Standardparadigma wird kritisiert, weil es Demenz auf einen rein linearen, irreversiblen organischen Zerfall reduziert und dabei soziale, psychologische und interaktionale Faktoren vernachlässigt, was zu einer entmenschlichenden Pflege führen kann.

Welche Rolle spielt das "Personsein" im Kontext von Demenz?

Das Personsein wird in der Arbeit nicht als Eigenschaft kognitiver Leistung, sondern als durch soziale Beziehungen und Anerkennung verliehener Status verstanden, der auch bei schwerer kognitiver Beeinträchtigung gewahrt bleiben muss.

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Details

Title
Das Standardparadigma von Demenz
College
University of Frankfurt (Main)  (Erziehungswissenschaften)
Course
Hausarbeit im Rahmen der Diplom-Vorprüfung
Grade
1,3
Author
Diplompädagogin Anita Helm (Author)
Publication Year
2009
Pages
61
Catalog Number
V208637
ISBN (eBook)
9783656361633
ISBN (Book)
9783656363163
Language
German
Tags
Etikettierung Labeling Abweichung Rollendruck Betreuung Definitionsprozesse positive Arbeit self fulfilling prophecy Bedürfnisse Trost Liebe Anerkennung Beschäftigung Kreis der Personen Ausgrenzung Entpersonalisierung Entmenschlichung Einbeziehung soziale Attraktivität Blindheit Organisation alte Pflegekultur neue Pflegekultur Personsein Respekt Vertrauen Alter Altersbilder
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplompädagogin Anita Helm (Author), 2009, Das Standardparadigma von Demenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208637
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