Kreditpooling in der Sparkassen-Finanzgruppe


Bachelorarbeit, 2012

53 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ausprägung des Kreditrisikos
2.1. Ausfallrisiko
2.2. Bonitätsrisiko
2.3 Spreadrisiko

3. Kreditderivate
3.1. Grundformen und Definition
3.2. Credit Default Swap
3.3. Finanzinnovationen
3.3.1 Basked Credit Default Swap
3.3.2 Credit Linked Note
3.3.3 Asset Backed Securities

4. Kreditpoolingtransaktionen
4.1. Kreditrisikosteuerung in der S-Finanzgruppe
4.2. Grundlagen für den Risikotransfer
4.3. Ziele des Kreditpoolings
4.4. Funktionsweise des S-Kreditpoolings
4.5. Ausgewählte Strukturelemente innerhalb des Kreditpoolings
4.5.1. Einbringungsvoraussetzungen
4.5.2. Prüfung der Einbringungsvoraussetzungen
4.5.3. Credit Events
4.6. Probleme des S-Kreditpoolings
4.6.1. Adverse Selection
4.6.2. Moral Hazzard

5. Kritische Würdigung

5.1. Reduzierung der asymmetrischen Informationsverteilung

5.2. Anforderung an künftige Poolingtransaktionen

6. Fazit und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Ermittlung des erwarteten Verlustes eines Kredites

Abb. 2 Grundstruktur eines typischen Kreditderivates

Abb. 3. Grundstruktur eines Credit Default Swaps

Abb. 4. Grundstruktur einer Credit Linked Note

Abb. 5: Schematische Darstellung des Kreditpoolings

Abb. 6: Typische Informationsprobleme des Kreditrisikotransfers

Abb. 7 Sparkassen Kreditbasket Hessen-Thüringen I und

Abb. 8 S-Bayern-Basket I und

Abb. 9 BW SPARK 2005 und SW SPARK 2006

Abb. 10 Sparkassen-Kreditbasket

Abb. 11 Sparkassen-Kreditbasket

Abb. 12 Sparkassen-Kreditbasket

Abb. 13. Sparkassen-Kreditbasket

Abb. 13. Sparkassen-Kreditbasket

1. Einleitung

Seit dem Höhepunkt der Finanz- und Liquiditätskrise im Jahre 2008 loben Experten das Geschäftsmodell der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Ein besonderes Augenmerkt liegt dabei auf der regionalen Verankerung dieser Institute. Diese bildet jedoch auch, im Falle einer Insolvenz eines größeren im Geschäftsgebiet ansässigen Arbeitgebers, die größten Risiken im Kreditgeschäft für die Institute. Dieser daraus möglicherweise entstehenden Kettenreaktion, kann mittels aktiver Kreditrisikosteue- rung entgegengewirkt werden.1

Die Handelbarkeit und aktive Steuerung von Kreditrisiken rückte bereits Mitte der 90er Jahre in den Mittelpunkt der Bankenwelt. Für die regional agierenden Institute der Sparkassen-Finanzgruppe, steht dabei der Abbau von Konzentrationsrisiken im gewerblichen Kundenkreditgeschäft im Vordergrund.2 Die Handlungsmöglichkeiten der Sparkassen, hinsichtlich eines aktiven Kreditportfoliomanagements, sind jedoch aufgrund rechtlicher Restriktionen beschränkt.3

Davon ausgehend, haben sich die Landesbanken, in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV), bereits im Jahre 1998 in einen Prozess der Problemlösung begeben. Eine vielversprechende Lösung bildet das im Jahre 2002 erstmalig durchgeführte Kreditpooling.4

Im Rahmen dieser Ausarbeitung wird das Kreditpooling in der Sparkassen- Finanzgruppe vorgestellt und näher erläutert. Dabei erfolgt, ausgehend von grundle- genden Begriffsdefinitionen, eine Betrachtung von „klassischen“ und „exotischen“ Kreditderivaten, welche sich zur aktiven Kreditrisikosteuerung eignen. In Abschnitt 4 erfolgt, darauf aufbauend, die nähere Beschreibung von Kreditpoolingtransaktionen.

Die sich anschließenden Abschnitte 5 und 6 beinhalten eine kritische Würdigung des Kreditpoolings, sowie einen kurzen Ausblick.

2. Ausprägungen des Kreditrisikos

Um eine effektive Steuerung von Kreditrisiken vornehmen zu können bedarf es einer genaueren Definition dieses Risikos und dessen Eigenschaften, sowie einer klaren Abgrenzung dieser von anderen Risikokategorien.5

Im Allgemeinen ist unter dem Begriff „Kreditrisiko“ die Gefahr zu verstehen, dass ein Kreditnehmer der vertraglich vereinbarten Verpflichtung zu Zahlung von Zins- und Tilgungsleistungen gänzlich oder teilweise nicht nachkommt.6 Ein tatsächlicher Ver- lust kann sich dabei sowohl durch einen tatsächlichen Ausfall, als auch durch den Wertverlust einer Position ergeben. Der Wertverlust einer Position ergibt sich dabei aus einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eines möglichen Ausfalls der jeweilig betrach- teten Position.7 Jedes eingegangene Kreditrisiko lässt sich dabei durch verschiedene Determinanten beschreiben. Dies sind die Ausfallwahrscheinlichkeit (Probability of Default - PD), Recovery Risiko und das Exposure Risiko (Exposure at Default - ED).8 Die Ausfallwahrscheinlichkeit symbolisiert die Gefahr des Eintretens eines Ereignisses, welches den Kreditgeber zur Realisation des Verlustes zwingt. Ausfall- ereignisse gibt es in verschiedenen Ausprägungen. Beispiele hierfür können, neben dem Zahlungsverzug, vor allem die Insolvenz oder Sanierung eines Kreditnehmers sein. Die Festlegung des Ausfallereignisses ist dabei durch die jeweilige Rechtsord- nung vorgeprägt.9 Das Recovery Risiko beschreibt den Teil des Kredites, der nach Eintritt des Ausfallereignisses tatsächlich durch den Kreditgeber abgeschrieben wer- den muss. Der tatsächliche Betrag ergibt sich dabei aus dem zum Eintritt des Aus- fallereignisses ausstehenden Forderungen, abzgl. der noch zu erwartenden einge- henden Zahlungen. Der danach verbleibende, definitiv ausfallende, Betrag wird als Loss Given Default (LGD) bezeichnet.10 Das Exposure Risiko bezeichnet hingegen den unsicher ausfallenden Anteil an einem Kreditengagement. Die Unsicherheit be- zieht sich hierbei auf den zum Zeitpunkt des Ausfallereignisses ausstehenden, unbe- kannten Teil der ursprünglichen Kreditforderung. Von entscheidender Bedeutung ist das Exposure Risiko bei Kreditlinien, da deren Inanspruchnahme im Zeitverlauf schwankt.11

Der erwartete Verlust (EL), als Kennzahl für das Kreditrisiko, ergibt sich dabei formal aus der Verknüpfung der oben angeführten Parameter:12

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Ermittlung des erwarteten Verlustes eines Kredites

Der erwartete Verlust, innerhalb einer Kreditbeziehung, muss in der Bepreisung entsprechend Berücksichtigt werden (z.B. Standartrisikokosten). Das tatsächliche Risiko besteht jedoch in den unerwarteten Verlusten.13

Der wirtschaftliche Erfolg einer Kreditvergabe wird dabei wesentlich durch die negativen Abweichungen vom jeweilig ermittelten Erwartungswert (erwarteter Verlust) bestimmt. Das Ausmaß des unerwarteten Verlustes kann dabei durch z.B. Streuungsmaße, wie die Standartabweichung, quantifiziert werden. Weiterhin bilden die ermittelten Werte für den unerwarteten Verlust die Grundlage für die Berechnung des regulatorischen Eigenkapitals.14

Der vorangegangene Abschnitt stellt einen allgemeinen Überblick über das Kreditrisiko dar, jedoch ist in der Literatur keine einheitliche Definition existent. Im Wesentlichen haben sich jedoch drei unterschiedliche Ausprägungsformen herausgebildet: Ausfallrisiko, Bonitätsrisiko und Spreadrisiko.15

Die jeweiligen Ausprägungsformen werden in den nachfolgenden Abschnitten 2.1. bis 2.3. näher erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.1. Ausfallsrisiko (default risk)

Im Allgemeinen bezeichnet das Ausfallrisiko die Gefahr eines Verlustes, weil ein Schuldner seinen vertraglichen vereinbarten Zahlungsverpflichtungen gänzlich oder teilweise nicht nachkommt. Im weiteren Sinne wird hierunter auch der Wertverlust, bis hin zu vollständigen Wertlosigkeit, von Sach- oder Vermögensgegenständen subsummiert. Im Kreditgeschäft kann diese Aussage konkret darauf bezogen werden, dass ein Schuldner die vertraglich vereinbarte Zins- und Tilgungsleistung nicht oder nur teilweise erbringt, bzw. die Sicherheiten im Falle der Verwertung einen niedrigeren Verwertungserlös erzielen als vorab kalkuliert.16

Da im Allgemeinen sämtliche Risikoaktiva mit einem gewissen Ausfallrisiko behaftet sind17, führen Kreditinstitute zur Quantifizierung des erwarteten Ausfallrisikos, ein Rating durch. Ziel hierbei ist, die korrekte Ermittlung der erwarteten Risikokosten und eine entsprechende Einbeziehung in den jeweiligen Kreditpreis (z.B. risikoadjustierter Zinssatz). Dem jeweiligen Risikoprofil des Schuldners entsprechend, fordert die Ban- kenaufsicht (BaFin) die Vorhaltung entsprechender Eigenkapitalquoten. Hierbei er- folgt der Rückgriff auf verschiedenste rechtliche Anforderungen, wie z.B. das KWG, die SolvV oder die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk).18

2.2 Bonitätsrisiko (downgrade risk)

Das Bonitätsrisiko beziffert das Risiko einer evtl. Unfähigkeit oder mangelnden Bereitschaft zur Zahlung fälliger Zins- und Tilgungsleistungen durch den Kreditnehmer.19 Das bereits in Punkt 2.1. angesprochene Rating eines Kunden spielt für das Bonitätsrisiko eine entscheidende Rolle.20 Das Rating ist dabei eine in die Zukunft gerichtete Meinung über das bestehende Ausfallrisiko des zugrunde liegenden Engagements bzw. des Schuldners. Es bringt damit die Fähigkeit und Bereitschaft eines Schuldners zur Erbringung seiner finanziellen Verpflichtungen zum Ausdruck. Die Bewertung erfolgt dabei i.d.R. durch Organisationen, die auf die Beurteilung von Kreditrisiken spezialisiert sind (z.B. Ratingagenturen).21

Das Bonitätsrisiko, bezogen auf einen Schuldner, spiegelt die Gefahr einer Ver- schlechterung der Ratingklasse des Kreditnehmers, im Laufe der Kreditbeziehung, wieder.22

2.3 Spreadrisiko (credit spread risk)

Der Credit Spread (Kreditzinsspanne) lässt sich vereinfacht als die Differenz zwi- schen dem zugrunde liegendem Kreditzins und dem Zinssatz einer risikolosen Geld- anlage interpretieren.23 Der Credit Spread ist demnach ein Risikoaufschlag eines Schuldners, aufgrund dessen persönlicher oder wirtschaftlicher Fähigkeit zur Rück- zahlung eines Kredites (Bonität), gegenüber einem am Markt verfügbaren risikolosen Schuldner.24

Das Risiko des Kreditgebers ergibt sich hierbei ebenfalls über das bereits im voran gegangenen Abschnitt erläutertem Bonitätsrisiko. Die Bonität eines Kreditnehmers kann sich im Verlauf der Kreditbeziehung verändern bzw. verschlechtern. Die Auf- schläge (Credit Spreads), gegenüber einer risikolosen Anlageform, können sich da- durch im Folgenden stark ausweiten. Sollte die zugrunde liegende Kreditposition eine Anleihe sein, so kommt es unter Umständen zu Abschlägen auf den Kurs der Anlei- he. In einer originären Kreditbeziehung, also beispielsweise bei einer klassischen Kreditvergabe durch eine Bank oder Sparkasse, ist dies regelmäßig nicht zu be- obachten.25

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Kreditderivate

Der finanzwirtschaftliche Begriff „Derivat“ stellt eine Zusammenfassung unterschiedli- cher Finanzinstrumente aus der Fachliteratur dar. Die Finanzinstrumente weisen da- bei alle ein gemeinsames Merkmal auf: Ihr Wert ist Abhängig von einem anderen Finanzprodukt, dem so genannten Underlying, Referenzaktiva oder Basisinstrument. Die Produkte als solches können sich dabei auf die verschiedensten Formen von Basisinstrumenten beziehen26. Die innovative Ausgestaltung solcher Finanzinstru- mente, richtete sich anfänglich auf die Erfassung der „Marktpreisrisiken“27. Ende der 1990er verstärkte sich der Fokus auf die sachgerechte Einbindung von Kreditrisiken. Diese Einbindung in die Ausgestaltung von Derivaten wird unter dem Oberbegriff „Kreditderivat“ subsumiert.28

In den folgenden Abschnitten 3.1. bis 3.4. erfolgt die Definition und Erläuterung der Grundformen von Kreditderivaten. Im Abschnitt 3.4. wird dabei explizit auf die Finanzinnovationen Basked Credit Default Swap, Credit Linked Note und Asset Backed Securities eingegangen.

3.1. Grundformen und Definition

Kreditderivate, in ihrer originären Form, sorgen für die Separation des Kreditrisikos von einem oder mehreren Referenzvermögensgegenständen und schaffen somit die Voraussetzungen für die Handelbarkeit des losgelösten Kreditrisikos.29 Eine Übertra- gung des Kreditrisikos auf einen anderen Marktteilnehmer ist somit möglich gewor- den.30 Die Kapitalmarktsemente, welche sich mit dem Handel dieser Finanzinstru- mente beschäftigen, haben sich in den vergangenen Jahren durch ein lebhaftes Wachstum ausgezeichnet. Die zunehmende Standardisierung dieser Kapitalmarkt- geschäfte dürfte dabei als einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren auszumachen sein.31 Um den individuellen Kundenbedürfnissen Rechnung zu tragen, werden Kre- ditderivate i.d.R. „OTC“ (over-the-counter), also außerhalb des Verantwortungsbe- reichs einer Börse, gehandelt.32

In der Sparkassen Finanzgruppe werden Kreditderivate üblicherweise nicht zur Spe- kulation am Geld und Kapitalmarkt, sondern zur gezielten Risikoreduktion innerhalb des Kreditportfolios genutzt. Im Umkehrschluss ermöglichen diese Art von Finanzin- strumenten jedoch auch Geschäfte zum systematischen Aufbau von bisher im Port- folio unterrepräsentierten Adressrisiken. Eine Hürde stellen hierbei jedoch diverse rechtliche Vorgaben, hinsichtlich des Einsatzes von Kreditderivaten im Eigenhandel von Sparkassen, dar.33 Auf die vorhandenen rechtlichen Restriktionen soll an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden, jedoch ist es erforderlich zunächst einige allgemeine Begrifflichkeiten, bzw. Konstruktionsbausteine, im Zusammenhang mit Kreditderivaten, zu erklären.

Die beiden Vertragsparteien eines Kontraktes werden zum einen als Protection Sel- ler (Sicherungsverkäufer), bzw. Risk Buyer (Risikokäufer) und zum anderen als Pro- tection Buyer (Sicherungskäufer), bzw. Risk Seller (Risikoverkäufer) bezeichnet.34 Der Sicherungskäufer möchte sich durch die Transaktion gegen ein bestimmtes Kre- ditrisiko absichern und ist dafür bereit, eine Prämie zu entrichten. Der Sicherungs- verkäufer erwirbt gezielt das angebotene Risiko und erhält dafür die vom Siche- rungskäufer zu entrichtende Prämie. Diese Prämie wird durch die Preisverhandlung zwischen Risikokäufer- und Verkäufer festgelegt und kann entweder einmalig oder in Form einer periodischen Zahlung geleistet werden. Sie wird dabei meist in Basis- punkten (BP) ausgedrückt.35 Innerhalb des Kontraktes ist auf eine unmissverständli- che rechtliche Definition der Vertragsparteien zu achten. Sollte die Benennung der Vertragspartner nicht eindeutig sein, kann es (z.B. in Unternehmensverbünden) zu unerwünschten Haftungsverhältnissen kommen.36 Die vorbenannten Vertragspartei- en einigen sich auf ein Basis- oder Referenzinstrument - das so genannte Underl- ying. Als Underlying kommen, neben einzelnen Kreditpositionen, auch vollständige Portfolios (Körbe bzw. „Baskets“), Indizes oder synthetisch gebildete Einheiten in Frage.37 Das dem Kontrakt zugrunde liegende Underlying muss dabei nicht zwingend das Aktivum sein, welches der Sicherungskäufer im konkreten Einzelfall besichern möchte, noch muss es sich im Eigentum einer der beiden Vertragsparteien befin- den.38 Die Laufzeit des Kreditderivats kann durch die jeweiligen Vertragsparteien frei vereinbart werden. Der ausgehandelte Kontrakt kann dabei auf die entsprechende Laufzeit des Referenzaktivums abgestimmt sein, jedoch sind auch Abweichungen bzgl. der Laufzeit möglich. Sollten sich die Vertragsparteien bewusst für ein solches auseinanderfallen der jeweiligen Laufzeiten entscheiden, so trägt der Risikoverkäufer (nach Auslauf der Kreditderivats) wieder das vollständige Kreditrisiko.39 Von zentraler Bedeutung, für die Vertragspartner, ist eine genaue Definition des Kreditereignisses (Credit Events). Die Standartkreditderivate stützen sich auf das Masteragreement der ISDA, welche auf sechs verschiedene Kreditereignisse als Auslöser (Trigger) auf- bauen:40

1. Insolvenz (Bankruptcy): Der Referenzschuldner meldet durch Überschuldung oder (drohender-) Zahlungsunfähigkeit, Insolvenz an.
2. Verbindlichkeitenverzug (Obligation Default): Ein wesentlicher Teil der Verbind- lichkeiten geraten, ohne deren Fälligstellung, in Zahlungsverzug. Die „Wesentlichkeit“ wird dabei über eine Mindestgrenze definiert.
3. Vorzeitige Fälligkeit (Obligation Acceleration): Verbindlichkeiten, in einer zuvor definierten Höhe, werden vorzeitig fällig.
4. Nichtzahlung (Failure to pay): Nach Ablauf einer vereinbarten Frist werden für eine oder mehrere Verbindlichkeiten keine Zins- und Tilgungsleistungen mehr erbracht.
5. Nichtanerkennung (Moratorium): Verbindlichkeiten (von z.B. Staaten) werden für ungültig erklärt und die Zins- und Tilgungsleistungen dafür eingestellt.
6. Restrukturierung (Restructuring): Für das zugrunde liegende Referenzaktivum wird eine Prolongation, Reduktion des Kreditzinses / Rückzahlbetrages, Rang- rücktritt, Währungsänderung oder die Stundung von Zins- und Tilgungsleistung vereinbart.

Die Vertragspartner sind nicht zwingend an die Vorgaben aus den Standartkreditde- rivaten gebunden, sondern sie sind vielmehr frei in der Wahl des Auslösers. Um je- doch evtl. juristische Auseinandersetzungen zu vermeiden, werden die Vertragspart- ner Sachverhalte wählen, die auf Basis öffentlich verfügbarer Informationen nach- prüfbar sind. Weiterhin werden die Vertragspartner im Allgemeinen, zur Ermittlung eines fairen Marktpreises, auf eine enge Definition des Kreditereignisses achten.41 Bei Eintritt eines der vorab definierten Kreditereignissen, ist der Sicherungsverkäufer verpflichtet, eine Ausgleichszahlung zu leisten. Bei der Abwicklung dieser Aus- gleichs- bzw. Kompensationszahlung, kann nach zwei verschiedenen Vorgehens- weisen unterschieden werden. Der Sicherungsverkäufer kann hierbei zu einer physi- schen Lieferung oder zu einem Ausgleich in Geld verpflichtet werden. Bei der physi- schen Lieferung überträgt der Sicherungskäufer das Underlying gegen Zahlung des Nominalwertes an den Sicherungsverkäufer. Der Sicherungsverkäufer hat dann die Möglichkeit, die offene Forderung beim Referenzschuldner einzutreiben. Bei der Ausgleichszahlung in Geld (Cash Settlement), erfolgt entweder die Zahlung des Dif- ferenzbetrages zwischen dem Wert des Underlyings, bei Eintritt des Kreditereignis- ses und einem als Basispreis festgelegten Restwertes oder durch einen im Vorfeld festgelegten Fixbetrag.42 Im Falle der Absicherung eines Kreditportfolios eignet sich vor allem der Barausgleich (Cash Settlement), da sich einzelne Kreditengagements nur schwer aus einem solchen Portfolio herauslösen lassen.

Die folgende Abbildung zeigt die typische Grundstruktur eines Kreditderivats, unter Berücksichtigung der zuvor erläuterten Komponenten:43

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2. Grundstruktur eines typischen Kreditderivates

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2. Credit Default Swap

Der Credit Default Swap (CDS) zählt zu den bedeutsamsten Kreditderivaten der internationalen Finanzmärkte, da nahezu 90% der am Markt platzierten Kreditderivate die Struktur eines Credit Default Swap besitzen.44 Ein Grund für den Erfolg des Credit Default Swaps könnte darin liegen, dass durch den Abschluss eines solchen Kontraktes, das Kreditrisiko losgelöst von der eigentlichen Kreditbeziehung gehandelt werden kann. Die eigenständige Handelbarkeit des eigentlichen Kreditrisikos erweitern die Möglichkeiten einer, für Kreditinstitute bedeutsamen, gezielten Ertragsbzw. Risikosteuerung. Weiterhin ermöglicht der CDS dem Institut eine breite Risikostreuung in Sektoren bzw. Branchen, in welchen man bisher nicht direkt als Gläubiger in Erscheinung getreten oder unterinvestiert ist.45

Bei einem Credit Default Swap übernimmt der Risikokäufer (Risk Taker) die Funktion des Sicherungsgebers. Er verpflichtet sich als solcher dem Risikoverkäufer (Risk Shedder) als Sicherungsnehmer, bei Eintritt des vertraglich vereinbarten Kreditereig- nisses, eine Ausgleichszahlung in der zuvor vereinbarten Höhe, zu leisten.46 Der Si- cherungsnehmer verpflichtet sich im Gegenzug an den Sicherungsgeber, für die Übernahme des individuellen Kreditrisikos, eine periodische Prämie zu entrichten. Typischerweise wird diese Prämie in Basispunkten (BP) per anno, bezogen auf den abzusichernden Nominalwert, ausgedrückt.47 Bei kurzen Restlaufzeiten ist jedoch auch eine einmalige Prämiemzahlung möglich.48 Die Definition der Kreditereignisse (Credit Events) orientieren sich, wie in Abschnitt 3.1. bereits angeführt, an den Stan- dards der International Swaps and Derivatives Association (ISDA). Die Credit Events umfassen üblicherweise Ereignisse wie z.B. Zahlungsverzug oder Zahlungsausfall, einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens oder die Restrukturierung von Verbindlichkeiten zu Lasten der Gläubiger.49 Die Auszahlung des Credit Default Swaps wird dabei, im Gegensatz zu anderen Derivaten, nicht durch eine reine Preis- bewegung, sondern durch den tatsächlichen Eintritt eines der Kreditereignisse, aus- gelöst. Damit sichergestellt ist, dass es sich nicht um einen z.B. technisch bedingten Zahlungsverzug (ohne Bonitätsverschlechterung) handelt, wird in gewissen Fällen die Beobachtung eines Kreditereignisses an eine spezifische Referenzanleihe ge- koppelt. Diese Anleihe wird entweder direkt von der Referenzinstitution emittiert oder garantiert (Materialitätsklausel). Im Falle eines z.B. technisch bedingten Zahlungs- verzuges, wird es nicht zu einer signifikanten Preisänderung der Referenzanleihe und so zu einer Auslösung des Kreditereignisses kommen.50 Kommt es während der vereinbarten Vertragslaufzeit des CDS zu keinem Eintritt des Kreditereignisses, so vereinnahmt der Sicherungsgeber die jeweils vereinbarte einmalige oder periodische Prämienzahlung, ohne dafür eine Gegenleistung zu erbringen. Kommt es zum Eintritt des Kreditereignisses und zur Auslösung der Ausgleichzahlung, entsteht jedoch ein unmittelbarer Zahlungsanspruch seitens des Sicherungsnehmers. Diese Ausgleichs- zahlung kann, wie bereits im Abschnitt 3.1. näher erläutert, in unterschiedlicher Wei- se ausgestaltet sein (Cash Settlement, Physical Delivery, Fixbetrag).51 Die Ausge- staltung eines Credit Default Swaps ermöglicht es dem Sicherungsgeber in eine Ri- sikoposition zu investieren, wobei jedoch hierzu keine Aufwendung von Finanzmitteln erforderlich ist.52 Durch den Einsatz von CDS lassen sich somit auch Arbitragemöglichkeiten am Geld- und Kapital-, bzw. Anleihenmarkt, ausnutzen.53 Ein Anleger kann z.B. in eine variabel verzinsliche Anlage investieren, welche mit einem Kupon von 12-Monats-EURIBOR + 20BP ausgestattet ist. Wenn der Anleger sich zum 12-Monats-EURIBOR refinanziert und gleichzeitig einen CDS auf diese Anleihe abschließt, kann der Anleger risikolos 20BP, abzgl. der Prämie für den CDS, verein- nahmen.54

Die folgende Abbildung zeigt schematisch den Zusammenhang zwischen Sicherungsnehmer und Sicherungsgeber in einem Credit Default Swap.55

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3. Grundstruktur eines Credit Default Swaps

[...]


1 Vgl. Schaufelberger, M. / Franzinger, S. (2012): S. 26

2 Vgl. Heinrich, M. / Grützemacher, T. (2005) S. 384 ; Vgl. Kirchhoff, U. /Theilacker, B. (2010): S. 200

3 Vgl. Kirchhoff, U. / Theilacker, B. (2010): S. 200

4 Vgl. Beinhauer, R. / Wilhelm, M. (2008): S. 329

5 Vgl. Burghof, H-P. / Henke, S. / Rudolph, B. (2000): S. 3

6 Vgl. GablerWirtschaftslexikon: Kreditrisiko

7 Vgl. Burghof, H-P. / Henke, S. / Rudolph, B. (2000): S. 3

8 Vgl. Ackermann, M. (2007): S. 535

9 Bei juristischen Personen ist bereits die Überschuldung ein Grund für die Eröffnung des Insolvenzverfahrens (vgl. §19 InsO)

10 Vgl. Burghof, H-P. / Henke, S. / Rudolph, B. (2000): S. 4-5

11 Vgl. Ackermann, M. (2007): S. 535

12 Vgl. Burghof, H-P. / Henke, S. / Rudolph, B. (2000): S. 5

13 Vgl. Ackermann, M. (2007): S. 535

14 Vgl. Burghof, H-P. / Henke, S. / Rudolph, B. (2000): S. 5

15 Vgl. Ackermann, M. (2007): S. 536

16 Vgl. GablerWirtschaftslexikon: Ausfallrisiko

17 Vgl. Ackermann, M. (2007): S. 536

18 Vgl. GablerWirtschaftslexikon: Ausfallrisiko

19 Vgl. GablerWirtschaftslexikon: Bonitätsrisiko

20 Vgl. Ackermann, M. (2007): S. 536

21 Standard & Poors (2012): Credit Ratings

22 Vgl. GablerWirtschaftslexikon: Bonitätsrisiko

23 Vgl. Rudolph, B. / Hofmann, B. / Schaber, A. / Schäfer, K. (2007): S. 115

24 Vgl. Schiller, B./Tytko, D. (2001): S. 263

25 Vgl. Kirschner, Wolfgang / Hermann, Frank / Wiedemann, Markus (2000): S. 347

26 Vgl. Schiller, B./Tytko, D. (2001): S. 275

27 Risiko des finanziellen Verlusts aufgrund einer Änderung von Marktpreisen (Aktienkurse, Wechselkurs etc.)

28 Vgl. Brütting, C. / Weber, N. / Heidenreich, M. (2003): S. 754

29 Vgl. Schiller, B./Tytko, D. (2001): S. 276

30 Vgl. Burghof, H-P / Henke, S. (2000): S. 22

31 Standardisierung durch die International Swaps and Derivatives Association im Jahre 1999; vgl. www.isda.org

32 Vgl. Ackermann, M. (2007): S. 542

33 Vgl. Ackermann, M. (2007): S. 543

34 Vgl. Rudolph, B. / Hofmann, В. / Schaber, A. / Schäfer, К. (2007): S. 64

35 Vgl. Brütting, C. / Weber, N. / Heidenreich, M. (2003): S. 757

36 Vgl. Brütting, C. / Weber, N. / Heidenreich, M. (2003): S. 757

37 Vgl. Rudolph, B. / Hofmann, В. / Schaber, A. / Schäfer, К. (2007): S. 64

38 Vgl. Brütting, C. / Weber, N. / Heidenreich, M. (2003): S. 757

39 Vgl. Rudolph, B. / Hofmann, B. / Schaber, A. / Schäfer, K. (2007): S. 64

40 Vgl. Rudolph, B. / Hofmann, B. / Schaber, A. / Schäfer, K. (2007): S. 65

41 Vgl. Brütting, C. / Weber, N. / Heidenreich, M. (2003): S. 757

42 Vgl. Brütting, C. / Weber, N. / Heidenreich, M. (2003): S. 757

43 Eigene Darstellung

44 Vgl. Ackermann, M. (2007): S. 545

45 Vgl. Bundesbank (2004): S. 44

46 Vgl. Rudolph, B. / Hofmann, B. / Schaber, A. / Schäfer, K. (2007): S. 68

47 Vgl. Neske, C. (2000): S. 46

48 Vgl. Ackermann, M. (2007): S. 545

49 Vgl. Bundesbank (2004): S. 44

50 Vgl. Rudolph, B. / Hofmann, В. / Schaber, А. / Schäfer, К. (2007): S. 89

51 Vgl. Posthaus, А. (2000): S. 61

52 Vgl. Rudolph, В. / Hofmann, В. / Schaber, А. / Schäfer, К. (2007): S. 90

53 Vgl. Posthaus, А. (2000): S. 64

54 Bsp.in Anlehnung Neske, C. (2000): S. 49

55 Vgl. Rudolph, B. / Hofmann, B. / Schaber, A. / Schäfer, K. (2007): S. 69

Ende der Leseprobe aus 53 Seiten

Details

Titel
Kreditpooling in der Sparkassen-Finanzgruppe
Hochschule
Hochschule der Sparkassen-Finanzgruppe Bonn
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
53
Katalognummer
V208712
ISBN (eBook)
9783656368007
ISBN (Buch)
9783656368892
Dateigröße
603 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kreditpooling, sparkassen-finanzgruppe
Arbeit zitieren
Stefan Münster (Autor:in), 2012, Kreditpooling in der Sparkassen-Finanzgruppe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208712

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