Bedingt durch sich verändernde Lebens- und Arbeitswelten sowie der Pluralisierung der Lebensformen in unserer Gesellschaft geraten traditionelle Werte und Normen immer mehr in den Hintergrund. Partnerschaften bedingen nicht mehr zwangsläufig Eheschließungen und diese wiederum nicht immer Elternschaft. Vielmehr ist ein Trend dahingehend zu verzeichnen, dass immer mehr Beziehungen gelöst und Ehen geschieden werden bzw. eine Eheschließung gänzlich vermieden wird. Dennoch gehen aus den gescheiterten Beziehungen recht häufig Kinder hervor, die bedingt durch die Trennung ihrer Eltern von nun an bei einem einzigen Elternteil, vor allem bei den Müttern, aufwachsen (müssen).
Die gewandelten Vorstellungen von Familie allgemein sowie Mutter- und insbesondere Vaterschaft und die damit verbundenen hohen Scheidungs- und Trennungsraten haben eine steigende Anzahl meist vaterlos aufgewachsener Kindergenerationen mit sich gebracht. Diese Vaterlosigkeit wird von den Kindern, umso früher sie dieser ausgesetzt worden sind, nicht selten traumatisch erlebt und hat dementsprechend Konsequenzen. Die Folgen der Vaterentbehrung sind oftmals psychosomatischer Natur, so ist es nicht verwunderlich, wenn die Anzahl, der an Essstörungen erkrankten Kinder und Jugendlicher zunimmt.
In dieser Arbeit soll der Zusammenhang zwischen der Vaterentbehrung und der Genese der Magersuchtserkrankung dargestellt werden. Allerdings muss ich an dieser Stelle auch erwähnen, dass diese spezifische Thematik bisher recht wenig erforscht und der Zusammenhang zwischen der Vaterlosigkeit eines Kindes in den frühen Entwicklungsjahren und der Ausprägung der Magersucht als Resultat dieses Verlustes empirisch kaum belegt ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Phasen der Vaterforschung und die zunehmende Bedeutung des Vaters für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes
2.1 Vaterschaft und Vaterrolle im Wandel?
2.2 Phasen der Vaterforschung
2.3 Wandlungen im psychoanalytischen Verständnis der frühen Vater-Kind-Beziehung
3. Vaterabwesenheit – Väter rücken zunehmend ins Zentrum des Forschungsinteresses
3.1 Die Mannheimer Kohortenstudie
3.2 Vaterdeprivation und deren Folgen
4. Die Magersucht infolge von Vaterentbehrung
4.1 Geschichte der Magersucht
4.2 Ursachen und Erscheinungsformen
4.3 Präventionsmaßnahmen
4.4 Therapiemöglichkeiten
5. Fazit
6. Appendix A: Tabellen, Graphiken und Statistiken
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Vaterentbehrung in frühen Entwicklungsjahren und der Entstehung von Magersucht (Anorexia nervosa), wobei sie historische, sozialpsychologische und tiefenpsychologische Perspektiven vereint, um die Bedeutung des Vaters für die kindliche Persönlichkeitsentwicklung herauszuarbeiten.
- Historischer und gesellschaftlicher Wandel der Vaterrolle
- Einfluss der Vaterabwesenheit auf die kindliche Persönlichkeitsentwicklung
- Psychosomatische Aspekte von Vaterentbehrung und deren Folgen
- Multifaktorielle Genese der Magersucht
- Präventionsansätze und Therapiemöglichkeiten bei Essstörungen
Auszug aus dem Buch
2. Phasen der Vaterforschung und die zunehmende Bedeutung des Vaters für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes
Was ist ein Vater? Welche Bedeutung hat er? Was macht einen Mann zu eben jenem? Diese und andere Fragen sind seit nun mehr als fünfzig Jahren ins Zentrum des Forschungsinteresses der unterschiedlichen Theorie- und Fachrichtungen gerückt und werden unter dem Begriff der Vater- oder auch Väterforschung analysiert. Als Vaterforschung wird der interdisziplinäre Forschungszweig beschrieben, welcher sich mit dem Thema Vater, seiner Rolle innerhalb unterschiedlicher Familienformen und dessen Bedeutung für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern auseinandersetzt (vgl. Matzner 1998, S. 17).
Eine Vielzahl an Studien und insbesondere die Medien haben den Vater und dessen Funktionen in den vergangenen Jahren zunehmend für sich (wieder-)entdeckt. Die Grundlage der meisten Arbeiten stellt dabei die Thematisierung des abwesenden, aber auch verstärkt die des präsenten bzw. anwesenden Vaters dar. Jede der Theorierichtungen, ganz gleich, ob es sich um Sozialwissenschaften, Psychologie oder Pädagogik handelt, betrachtet die Vaterrolle aus einer historischen Perspektive und zieht dadurch Rückschlüsse auf väterliche Funktionen und Pflichten. Die Analysen der Vaterforschung haben ergeben, dass davon ausgegangen werden muss, dass es ein beständiges Vaterbild nicht gibt, sondern vielmehr eine Vielfalt von Vaterbildern anzunehmen sei (vgl. Drinck 2005, S. 7f.), welche historisch betrachtet das Resultat eines Wandlungsprozesses ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel von Familienstrukturen und die damit verbundene steigende Vaterlosigkeit, die als möglicher Auslöser für psychosomatische Erkrankungen wie Magersucht identifiziert wird.
2. Phasen der Vaterforschung und die zunehmende Bedeutung des Vaters für die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes: Dieses Kapitel analysiert den historischen Wandel der Vaterrolle von einer patriarchalischen Autoritätsfigur hin zum modernen, engagierten Vater und betrachtet die psychologischen Funktionen des Vaters in den verschiedenen Entwicklungsphasen des Kindes.
3. Vaterabwesenheit – Väter rücken zunehmend ins Zentrum des Forschungsinteresses: Hier wird der Einfluss von Vaterabwesenheit auf die kindliche Entwicklung diskutiert, wobei die Ergebnisse der Mannheimer Kohortenstudie die Korrelation zwischen frühkindlicher Vaterentbehrung und späteren psychischen Störungen aufzeigen.
4. Die Magersucht infolge von Vaterentbehrung: Das Kapitel untersucht die Magersucht als mögliche psychosomatische Folge von Vaterentbehrung, erläutert die multifaktoriellen Ursachen der Erkrankung und stellt Ansätze der Prävention sowie der therapeutischen Behandlung vor.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Vaterentbehrung ein wesentlicher, jedoch multifaktoriell bedingter Risikofaktor für Essstörungen ist, und fordert frühzeitige Präventionsmaßnahmen bereits ab der Kindheit.
6. Appendix A: Tabellen, Graphiken und Statistiken: Der Anhang bietet eine datengestützte Übersicht zu Familienformen, Scheidungsraten und empirischen Befunden aus der Mannheimer Kohortenstudie sowie Diagnosekriterien und Präventionsmaterialien.
Schlüsselwörter
Vaterentbehrung, Vaterlosigkeit, Magersucht, Anorexia nervosa, Vaterforschung, Familienstruktur, Persönlichkeitsentwicklung, Psychosomatik, Essstörungen, Prävention, Kindesentwicklung, Vaterrolle, Psychotherapie, Mannheimer Kohortenstudie, Trauma.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Abwesenheit oder Entbehrung des Vaters in der frühen Kindheit und der Entstehung von Magersucht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themen umfassen den historischen Wandel der Vaterrolle, die Folgen der Vaterabwesenheit für die kindliche Entwicklung, die Entstehungsbedingungen von Anorexia nervosa und Ansätze zur Prävention und Therapie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Phänomen der Vaterentbehrung als potenziellen psychosomatischen Auslöser für Magersucht wissenschaftlich zu beleuchten und dessen Bedeutung für die individuelle Entwicklung zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung empirischer Studien, insbesondere der Mannheimer Kohortenstudie zur Epidemiologie psychogener Erkrankungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird der Wandel der Vaterforschung dargestellt, die Auswirkungen von Vaterdeprivation auf die kindliche Psyche analysiert und die klinische Einordnung sowie Behandlungsmöglichkeiten von Essstörungen erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Vaterentbehrung, Vaterlosigkeit, Magersucht, Anorexia nervosa, Vaterrolle, Familiendynamik und Prävention.
Welche Rolle spielt die Mannheimer Kohortenstudie in der Arbeit?
Die Studie dient als empirisches Fundament, um den Zusammenhang zwischen frühkindlichen traumatischen Erfahrungen – speziell Vaterentbehrung – und dem Auftreten psychogener Störungen im späteren Erwachsenenalter zu belegen.
Warum ist eine geschlechtsspezifische Prävention laut der Autorin wichtig?
Die Autorin argumentiert, dass Mädchen zwar die Hauptzielgruppe bei Essstörungen bilden, Jungen jedoch aufgrund der steigenden Fallzahlen ebenfalls frühzeitig durch spezifische Angebote in die Präventionsarbeit einbezogen werden müssen.
- Arbeit zitieren
- Antje Heubel (Autor:in), 2008, Magersucht (Anorexia nervosa) infolge von Vaterentbehrung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208716