Zum Begriff "Figur". Überlegungen aus einer kulturwissenschaftlichen Untersuchung englischer humanistischer Texte des 16. und 17. Jahrhunderts


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2011
23 Seiten

Leseprobe

Zum Begriff„Figur“

Überlegungen aus einer kulturwissenschaftlichen Untersuchung englischer humanistischer Texte des 16. und 17. Jahrhunderts

Theoretische Bestimmung des Begriffs „Figur“ — das rhetorische Konzept „Prosopo- pöie“ als Konkretisierung des Begriffs — „Prosopopöie“ als differenzierte Antwort auf die Frage: Wer spricht? — Abstrahierung der verschiedenen Möglichkeiten als semioti- scher Prozess — Konsequenzen der theoretischen Überlegung für die Methodik der Ar­beit — „Prosopopöie“ als Fremdverstehen (Kritik des Begriffs) und Übersetzung — all­gemeine Betrachtung von „Prosopopöie“ als Darstellungsverfahren: Wie wird gespro­chen? — Beispiel Dialog, die humanistische Konzeption des Dialoges als Wissensform — im Verhältnis dazu: Theater — „Figur“ als Bezeichnung für den Gegenstand des Dar­stellungsverfahrens — Bedeutungsschichten des Begriffs nach Erich Auerbach — „Fi­gur“ als Nebeneinander verschiedener Wissensformen und als Verbindung von altem und neuem Wissen — Allegorische Figur als Spezialfall — Textarten als Kontexte des Erscheinens für Figuren — das Problem historischer Heterogenität und die Einheit des Gegenstandes — weitere methodische Konsequenzen

Der folgende Aufsatz ist aus einer Bearbeitung der Einleitung meiner Dissertation entstanden.[1] Zu spezielle oder über die theoretischen Überlegungen zum Figurenbegriff hinausgehende Ver­weise wurden weggelassen, um den Text als Einzelpublikation verständlich zu halten. Aus Grün­den der Anschaulichkeit habe ich jedoch Referenzen zu der von mir untersuchten Figur auch bei­behalten. Die Dissertation wollte einen Beitrag zum Begriff „Figur“ leisten. Ziel war es, den Be­griff als Ansatz zu entwickeln, mit dem die Manifestation von Wissen in einer ,Gestalť begriffen, analysiert und dargestellt werden kann. Ich habe mich gefragt, wie die Figur WIT in Texten der englischen Renaissance, im Zeitraum von 1530 bis 1610, verwendet wird? Ursprünglich war es meine Absicht eine Geschichte der Ritterfiguren in der Gesellschaft, in der Literatur und im Theater des elisabethanischen Zeitalters zu schreiben. Die Dimensionen eines solchen Vorhabens sind in einer einzelnen Monographie nicht zu bewältigen. Aus der Perspektive dieser Planung heraus beschäftigt sich diese Arbeit mit einem Detailproblem, das zur Klärung des Verhältnisses von Adel und Humanismus beitragen soll. Konkret: Welche Ritterfiguren oder Antifiguren wer­den von der humanistischen Bewegung verwendet? Welches Wissen geht in dieses Figuren ein? Welchen Zwecken und Zielen dienen sie? Diese Fragen möchte ich in einer repräsentativen Stu­die, am Beispiel einer Figur beantworten. In einem ersten Schritt gilt es jedoch zu beschreiben, was ich hier unter „Figur“ verstehen und untersuchen will. Es gibt mindestens zwei Möglichkei - ten, sich dem Begriff „Figur“ zu nähern. Eine besteht in dem Versuch einer historischen Bestim­mung, d. h. in einer Beschreibung und Differenzierung des Phänomens in seinen geschichtlichen Varianten. Das war der Schwerpunkt meiner Arbeit, in der ich die Figur WIT in verschiedenen Diskursen des 16. und beginnenden 17.Jahrhunderts in England dargestellt habe.

Die zweite Möglichkeit, den Begriff „Figur“ zu bestimmen, basiert auf theoretischen Überlegun­gen. Bei dieser Herangehensweise versuche ich, von den historischen Erscheinungen des Gegen­standes zu abstrahieren und eine allgemeine Perspektive auf den Begriff — eingeschränkt auf seine Bedeutung und Funktion in Texten — zu eröffnen. Beide Ansätze habe ich im Verlauf meiner Forschungen wechselseitig aufeinander bezogen. Sie erscheinen hier aus Gründen der Darstel­lung getrennt, weil sie aufgrund des Materials — historische Quellen oder theoretische Texte — zu unterschiedlichen Begriffskonzeptionen führen. Ich möchte nun im Folgenden klären, welche Bedeutung der Begriff „Figur“ für mich hat und damit eine Voraussetzung meiner historischen Analyse offen legen und die Untersuchung im wissenschaftlichen Diskurs verorten.

Aus dramaturgischer Perspektive verstehe ich Figur als ein Element eines Verfahrens, durch das Wissen in einem Text — so die vorläufige Definition — konstruiert, formuliert und manifestiert wird. Dessen Gestaltung ist als Repräsentation oder Mimesis im antiken Sinne zu verstehen[2] und dient der Vergegenwärtigung und Präsentation von Wissen. Dieser Vorgang ist als Wiederholung des Bestehenden und als erneute Schöpfung zu betrachten. Die Figur als ein spezifisches Wissen in Texten kann nur bedingt als Einheit und geschlossenes Ganzes verstanden werden. Meine Analyse zielt nicht auf die Beschreibung der Figur als äußere Gestalt, sondern auf ihre Konstruk­tion im Schnittpunkt verschiedener Diskurse.

Dieser Ansatz möchte eine Alternative zum allgemeinen Verständnis von „Figur“ entwickeln. In ihrer Einleitung zum Sammelband „Figuration“ stellen Bettina Brandl-Risi, Wolfgang Ernst und Meike Wagner fest, dass die Anbindung „des Figur-Begriffs an die Gestalt, das Bild bzw. den Umriss des menschlichen Körpers“[3] zentral für diesen Begriff wäre. Bereits der eine Seite zuvor zitierte „Figura“-Aufsatz[4] von Erich Auerbach müsste zu einer Relativierung dieser Aussage füh­ren. Es scheint mir jedoch vielversprechender nicht bei dieser Begriffsgeschichte anzusetzen, um die allgemein verbreitete Auffassung von „Figur“ zu hinterfragen. Stattdessen möchte ich die ver­schiedenen Dimensionen des Verfahrens, das als Figuration bezeichnet werden kann und das zur Bildung von Figuren führt, anhand der Begriffsgeschichte und -bestimmung von „ Prosopopöie“ veranschaulichen. Der Begriff „Prosopopöie“ ermöglicht es, zwei wesentliche Fragen zur Gestal­tung von Wissen durch Figuren zu diskutieren. Zum einen hinterfragt er die Position des Spre­chenden und wirft die Frage auf: „Wer spricht?“. Was ist eine Figur? Welches Wissen manifestiert sich in ihr? Zum anderen lässt sich fragen: „Wie wird gesprochen?“. Wie kann mit Figuren Ge­genwart und Präsenz erzeugt werden? Welche Strategien der Repräsentation von Figuren lassen sich unterscheiden? Obwohl es vielleicht auf der Hand liegt, vermeide ich den Begriff „rhetori­sche Figur“. In Rhetoriken findet sich der Begriff „Prosopopöie“ unter dieser Überschrift. Dar­unter werden aber im Allgemeinen die ,Abweichungen‘ von der Alltagssprache in einem Text ver­standen. Im Unterschied dazu würde ich „Prosopopöie“ eher als Tropus[5] verstehen, als einen Modus der Darstellung und Rezeption, der die Wahrnehmung des gesamten Textes prägt. Für „rhetorische Figur“ scheint auch zu sprechen, dass die hier analysierten Figuren sich vorwiegend in rhetorischen Texten befinden. Zwar bildet die Rhetorik eine Grundlage für die Texte, sie stellt aber nur eine mögliche Perspektive auf sie dar. Rhetorik und rhetorische Verfahren bieten, und diesbezüglich wurden sie bereits in der Antike als Konkurrenz zur Philosophie betrachtet, Mittel und Prinzipien, die allgemein, ohne besonderes Wissen angewendet werden können. Eine Rheto­rik, so zumindest das Versprechen, liefert das Handwerkszeug, um gleich gut vor Gericht, bei ei­nem Fest oder in einer Beratung reden zu können. Im Unterschied dazu geht es mir weniger um eine Verallgemeinerung, sondern um das Differenzierungspotential des Begriffs „Figur“. Ich ver­wende also schlicht „Figur“ und verstehe „Prosopopöie“ als poetisches und rhetorisches Verfah­ren, mit dem Figuren erzeugt werden.

Die Begriffsgeschichte von „Prosopopöie“ beginnt mit den ersten schriftlichen Zeugnissen des Theaters im Griechenland des fünften vorchristlichenjahrhunderts. Dort werden die anthro- pomorphen Erscheinungen auf der Bühne mit dem Oberbegriff „Prosöpopoiia“ bezeichnet.[6] Der Begriff wird anschließend von der Literaturtheorie und Rhetorik der Antike übernommen und als Verfertigung einer „persona“ — Maske/Gesicht — für eine Stimme verstanden. „Prosopopöie“, wie die deutsche Schreibweise lautet, betrachtet die postmoderne Theoriebildung[7] in Anschluss an Paul de Man als einen zentralen Begriff des menschlichen Weltverstehens und -erkennens. Die Annahme, dass eine sprachliche Äußerung von einem Menschen stammt, gehört zur selten arti­kulierten Voraussetzung jeder Kommunikation. Mittels „Prosopopöie“ wird der Kommunikation eine gemeinsame Basis unterstellt und damit optimistisch angenommen, dass ein Verstehen prin­zipiell möglich ist. In dieser übergreifenden Bedeutung liegt zugleich seine allgemeinste, anthro­pologische Bestimmung.[8] So betrachtet, bleibt der Begriff „Prosopopöie“ zunächst nur eine gro­be Benennung für die Verknüpfung einer sprachlichen Äußerung mit einem ,Gesichť. In dieser Bedeutung bleibt der Begriff unbestimmt, da er nahezu jede menschlichen Handlung erfasst.

Als ästhetischer Begriff bedarf „Prosopopöie“ einer Konkretisierung. Welches Potential er als kunsttheoretischer Begriff besitzt, möchte ich am Beispiel von Henry Peacham[9], einem engli­schen Rhetoriker des 16. Jahrhunderts veranschaulichen. Dieser definiert „Prosopopoeia“ (lat./engl. Schreibvariante) zunächst allgemein als „the fayning of a person“, als die Konstrukti­on/Erfindung einer Figur[10] in einem Text. „Prosopopöie“ betrachtet er dann vertiefend als ein strategisches Verfahren der Textproduktion, als ein Werkzeug in der Hand von Dichtern und Rednern. Vor diesem Hintergrund differenziert Peacham die Bedeutung des Begriffs und gibt verschiedene Möglichkeiten an, was mit „faying of a person“ gemeint sein kann. Daran lässt sich das Bedeutungsspektrum des Begriffs hinsichtlich der Frage: „Wer spricht?“ darstellen.

... that is, when to a thing sencelesse or dumme, we fayne a fit person [...] an Oratoure by this figure maketh the common welth to speake: lyfe and death; vertue and pleasure: honesty and profite: welth and pouerty: enuy and charity: to pleade and contend ons agaynst another ... (The Garden ofEloquence, Sig. Oiii r; Auslassung T. B.)

Peacham beschreibt an dieser Stelle detailliert ein Phänomen, das in der Aufklärung und im Rah­men der damaligen Kritik am Barock als Personifikation bestimmt wurde und bis heute fortwirkt. Unter „Personifikation“ begriff man die Darstellung von abstrakten Begriffen als redende und handelnde Personen. Erst in jüngster Zeit ist es gelungen, die Dominanz dieser Bedeutungsebene kritisch zu hinterfragen.[11] In einschlägigen Lexika[12] finden sich Erklärungen zu „Prosopopöie“ al­lerdings noch immer unter dem Stichwort „Personifikation“. Dass die Personifikation nur einen bestimmten Figurentyp unter anderen bezeichnet, wird deutlich, wenn Peacham ergänzt:

... and sometime they rayse as it were the dead agyne, and cause to complayne or to witnesse that they knew, (ebd.)

Meiner Ansicht nach zielt diese bedingt durch die Syntax dunkle Stelle auf die Bestimmung von „Prosopopöie“ als einem Verfahren, bei dem Tote als Figuren in Erscheinung treten. In den anti­ken Quellen sind es die Vorfahren, die als lebendige Wiedergänger vorgestellt werden. Die Litera­turtheorie fasst darunter bisweilen auch jede Darstellung einer räumlich oder zeitlich abwesenden Person.[13]

Drittens verweist Peacham darauf, dass mittels „Prosopopöie“ nicht nur Abstrakta, sondern auch leblose oder nicht menschliche Dinge zu Trägern des Wissens werden.

Sometime to Citties, townes, beastes, byrdes, fyshes, creeping worms, weapons, stones and to such like thinks, doe they attribute speech ... (ebd.)

All diese Phänomene haben im 18. Jahrhundert dazu geführt, „Prosopopöie“ als Form der Alle­gorie abzuwerten.[14] Peacham verweist jedoch auf eine vierte Bedeutung.

... sometime we presume to iudge what our adversary thinke, and declare their thoughtes to our hearers. (ebd.)

Unter „Prosopopöie“ kann allgemein ein semiotischer Prozess verstanden werden, in dem ein Bezeichnetes mit einem Zeichen verknüpft wird. Das Ergebnis dieser Verknüpfung ist eine Figur. Die angeführten Varianten der „Prosopopöie“ hatjames J. Paxon in einer grundlegenden Mono­graphie unter einer ähnlichen Perspektive vorsichtig zu verallgemeinern versucht. Die verschiede­nen Fälle der Figuration ließen sich hinsichtlich der Frage typisieren: „What ist figurally conver­ted or translated into what?“.[15] Paxon betrachtet „Prosopopöie“ ebenfalls als Signifikationspro­zess, als eine Beziehung zwischen „personified“ und „personifier“, bei der eine Quantität in die andere übersetzt oder verwandelt wird. Quantität erscheint als Begriff zunächst unspezifisch. Konkret wird die Bezeichnung durch die sechs ontologischen Kategorien, die die verschiedenen Arten von „personified“ oder „personifier“ typologisieren. Nach Paxon kann es sich um Men­schen, nichtmenschliche Lebensformen, unbewegliche Objekte, Orte, abstrakte Ideen und Gott­heiten handeln, die mittels „Prosopopöie“ kombiniert werden. Für die hier vorzunehmenden his­torischen Untersuchungen ist mir die Erkenntnis wichtig, dass eine Figur Wissen aus verschiede­nen Diskursen zusammenführt, z. B. das Wissen über einen Begriff mit der Vorstellung über das Verhalten eines bestimmten Menschen(typs). Eine Figur bezeichnet für mich eine Einheit von Vielfalt. Die konstituierenden Elemente einer Figur — wie Sprachzeichen, Bilder oder Körperbe­wegungen — lassen sich mitunter konkret einem Wissensbereich zuordnen. Oft gehört aber ein und dasselbe Element unterschiedlichen Bereichen an. Ein Wort oder ein Satz kann unter ver­schiedenen Perspektiven gelesen werden.[16] Diese Perspektiven sind als mögliche Dimensionen (in) der Figur präsent. Methodisch habe ich diese Erkenntnis durch vier Unterkapitel einzuholen versucht, in denen die Dimensionen der Figuren analysiert werden. Es handelt sich um eine vor­läufige, selektive Instrumentalisierung der Theorie im Hinblick auf einen spezifischen Gegen­stand.[17] Damit wird weder Vollständigkeit beansprucht, noch die Notwendigkeit behauptet, Figu­ren derart bestimmen zu müssen. Die Arbeit stellt eine Möglichkeit vor, wie „Figur(en)“ be­schrieben und analysiert werden könnte(n). In Bezug auf die Figur WIT hat sich die Unterschei­dung in eine strukturelle, eine philosophische, eine gesellschaftliche und eine sprachliche Perspek­tive als sinnvoll erwiesen. Strukturell wird die Beziehung von Text und Figur in den Blick genom­men. Welches Thema behandelt der Text? Lässt er sich einem Genre zuordnen, durch das die Gestaltung der Figur bestimmt wird? Wie ist der Text aufgebaut und welche Funktion, welchen Stellenwert hat die Figur in dieser Struktur? Unter dem Stichwort „philosophisch“ möchte ich den Anteil des Textes an weltanschaulichen Diskursen beschreiben. Wie wird der Begriff „wit“ definiert? Welche Vorstellung des Verhältnisses von Mensch und Natur/Gesellschaft dominiert den Text? Welches Menschenbild liegt ihm zugrunde oder wird von ihm entworfen? Die Analyse der sozialen Dimension soll die Konstruktion und Reflexion der sozialen Identität von Figuren beschreiben. Welche Identität zeichnet die Figuren aus? Wie wird sie dargestellt resp. beurteilt? Philosophische und soziale Dimension allein scheinen ausreichend, um eine Figur zu konstituie­ren. Die Figur WIT wird durch beide Dimensionen als Kombination von abstrakten Begriffen und sozialer Identität beschrieben, jedoch gleichzeitig eingeengt. Aus diesem Grund habe ich die Betrachtung der Textstruktur und der sprachlichen Gestaltung aufgenommen. Letztere hat die Analyse des sprachlichen Programms zum Ziel. Durch welche Sprache ist die Figur gekennzeich­net und wie wird diese Sprache präsentiert? Es wäre problematisch, die sprachliche Dimension als technische Perspektive zu betrachten und zwischen Form und Inhalt zu unterscheiden. Die Sprache und die Struktur eines Textes repräsentieren ein der philosophischen und sozialen Di­mension gleichwertiges Wissen. Die ontologische Differenzierung von Paxon scheint mir zu sehr an der Vorstellung von Körperlichkeit orientiert. Der Figurbegriff hat dagegen das Potential, dass Zusammenwirken verschiedener Wissensbereiche der Analyse zugänglich und präsent zu ma­chen.

[...]


[1] Bitterlich, Thomas: Der neue Adel der Dumanisten: Die Figur WIT in Texten der englischen Renaissance. Marburg: Tectum 2011.

[2] Der Begriff „Mimesis“ kann in der Antike zwei Bedeutungen haben: nachahmen und zur-Erscheinung- bringen. Er steht im Spannungsfeld zwischen Abbildlichkeit und Vorbildlichkeit. Girshausen, Theo: „Mi­mesis“. In: Methler Lexikon: Theatertheorie. Erika Fischer-Lichte, Doris Kolesch, Matthias Warstat (Hg.). Stuttgart, Weimar:J. B. Metzler 2005, S. 201; Weimann, Robert: Shakespeare und die Macht der Mimesis: Au­torität und Repräsentation im elisabethanischen Theater. Berlin, Weimar: Aufbau-Verlag 1988, S. 7 ff. Ähnlich bezeichnet „repraesentatio“ oder „repraesentare“ den Akt des Zur-Erscheinung-Bringens. In der römi­schen Antike ist Repräsentation im Sinne von Stellvertretung unbekannt. Hofman, Hasso: Repräsentation: Studien gur Wort- und Begriffsgeschichte von der Antike bis ins 19. Jahrhundert. Berlin: Duncker und Humblot (3)1998, S. 34, 38 ff.

[3] Brandl-Risi, Bettina; Ernst, Wolf-Dieter; Wagner, Meike: „Prolog der Figuration: Vorüberlegungen zu ei­nem Begriff'. In: Figuration: Beiträge gum Wandel der Betrachtung ästhetischer Gefüge. Brandl-Risi, Bettina u.a. (Hg.). München: epodium-Verlag 2000, S. 13.

[4] Auerbach, Erich: „Figura“. In: Ders.: Gesammelte Aufsätge gur romanischen Philologie. Bern, München: Fran- cke 1967 [kurz: Auerbach (1967)].

[5] In der Diskussion werden Tropen manchmal auch als eine besondere Gruppe rhetorischer Figuren be­trachtet. Ich befürworte eine Unterscheidung beider Begriffe, in der „rhetorische Figuren“ Redemuster im Satzbau und bei der Wortwahl bezeichnen. Unter Tropen sind dann Muster zu fassen, die einen ge­samten Text in-formieren, z. B. in der Art, dass es in innerhalb einer ironischen Rede nahezu unmöglich ist, etwas Ernstes zu sagen.

[6] Paxon,JamesJ.: The Poetics of Personification. Cambridge: Cambridge University Press 1994 [kurz: Paxon (1994)], S. 13: „As the entry for “prosopopeia” in Liddell and Scott’s Greek Dictionary indicates, the term denotes the creation of any kind of dramatic character in a mimetic text.“; Haworth, Kenneth R.: Deified Virtues, Demonic Vices and Desriptive Allegory in Prudentius’ Psychomachia. Amsterdam: Adolf M. Hak- kert 1980 [kurz: Haworth (1980)], S. 45 ff.

[7] Menke, Bettine: „Prosopoiia: Die Stimme des Textes — die Figur des »sprechenden Gesichts«“. In: Post­strukturalismus: Herausforderungen an die Literaturwissenschaft. Gerhard Neumann (Hg.). Stuttgart, Weimar: J. B. Metzler 1997 [kurz: Menke (1997)]; Chase, Cynthia: Decomposing Figures: Rhetorical Readings in the Ro­mantik Tradition. Baltimore, London:John Hopkins University Press 1986.

[8] Vgl. Reinhardt, Karl: Vermächtnis der Antike: Gesammelte Essays zur Thilosophie und Geschichtsschreibung. Carl Becker (Hg.). Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht (2)1966 [kurz: Reinhardt (1966)], S. 7 f.

[9] Peacham, Henry. The Garden ofEloquence. Conteyning the 'Figures of Grammar and Rhetorice, from whence maye bee gathered all manner of 'Flowers, Coulors, Ornaments, Exornations, Fermes and Fashions of speech, very profitable for all those that be studious of Eloquence, and thatmade most EloquentToets and Orators, and also helpeth much for the better vnderstanding of the holy Scriptures. London: H. Iackson 1577 [kurz: The Garden of Eloquence] (Online-Publika- tion, Datenbank: Early English Books Online (eebo)).

[10] Ich übersetze hier bewusst mit „Figur“, um Missverständnisse zu vermeiden, die durch die im 18. Jahr­hundert erfolgte und bis heute wirksame Bedeutungsverschiebung des Begriffs „Person“ entstehen könnten.; vgl. auch Anmerkung 38.

[11] Bereits für Karl Reinhardt ist Personifikation die „unantike, humanistische Übersetzung von Prosopo­pöie“. Reinhardt (1966), S. 8.

[12] Shapiro, Alan H.: „Personifikation“. In: Der Neue Tauly: Enzyklopädie der Antike. Hubert Cancik, Helmuth Schneider (Hg.). Stuttgart, Weimar: VerlagJ. B. Metzler 2000, Sp. 639 ff.; Hartmann, Volker: „Personifi­kation“. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik: Band 6, Must—Top. Gert Ueding (Hg.). Tübingen: Max Nie­meyer 2003, Sp. 810 ff.; Simonsen, Michèle: „Personifikation“. In: Enzyklopädie des Märchens: Handwörter­buch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung, Band 10: Nibelungenlied—Trozeßmotive. Rolf Wilhelm Red- nich, Hermann Bausinger (Hg.). Berlin, New York: de Gruyter 2002, S. 758 ff.

[13] Menke(1997), S. 226.

[14] Zur Kritik der Allegorie im 18. Jahrhundert: Geisenhanslüke, Achim: „Allegorie und Schönheit bei Mo­ritz“. In: Goethe^eiportal. URL: http://www.goethezeitportal.de/db/wiss/moritz/geisenhanslueke allego- rie.pdf (18.01.201.3).

[15] Paxon (1994), S. 42.

[16] Eine radikalere Sichtweise auf die Einheit der Vielfalt beschreibt Paul Veyne als Methode von Foucault für die Darstellung zeitlich nacheinander folgender Ereignisse. Der Begriff „Regierung“, so Veyne, und andere Gegenstände zu denen wirjahrhunderte übergreifende Geschichten konstruieren, besitzen keine organische Kontinuität. Feststellbar seien nur Brüche und die entschiedene Andersheit des jeweils ,gleich Bezeichneten‘. Doch was kann Geschichte uns dann noch bedeuten, wenn sie so fremd ist? Veyne, Paul: Der Eisberg der Geschichte. Karin Tholen-Struthoff (Übers.). Berlin: Merve Verlag 1981, insbesondere S. 49 ff.

[17] Die Methode geht auch auf Überlegungen und Gesprächen zwischen mir,Jörn Kalbitz und René Damm zurück. Im Rahmen des von Theo Girshausen organisierten Forschungsseminars zur Theatertheorie im 20. Jahrhundert haben wir die These vertreten, dass eine Theaterfigur durch ihre Stellung in einer Kultur, einer Geschichte, einer Bühnen- und Spielsituation sowie von ihrem Verhältnis zum Schauspieler(-kör- per) bestimmt wird.

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Details

Titel
Zum Begriff "Figur". Überlegungen aus einer kulturwissenschaftlichen Untersuchung englischer humanistischer Texte des 16. und 17. Jahrhunderts
Hochschule
Hochschule für Musik und Theater "Felix Mendelssohn Bartholdy" Leipzig  (Fachbereich Dramaturgie)
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V208770
ISBN (eBook)
9783656364764
ISBN (Buch)
9783656365235
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es handelt sich um die überarbeitete Einleitung meiner Dissertation, welche die theoretischen Vorüberlegungen zum Begriff "Figur" bündelt und methodische Konsequenzen für die Darstellung der Forschungsergebnisse erörtert.
Schlagworte
begriff, figur, überlegungen, untersuchung, texte, jahrhunderts
Arbeit zitieren
Dr. phil. Thomas Bitterlich (Autor), 2011, Zum Begriff "Figur". Überlegungen aus einer kulturwissenschaftlichen Untersuchung englischer humanistischer Texte des 16. und 17. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208770

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