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Zeitgenössische Diskurse über Alter und Tod in der Vormoderne

Titel: Zeitgenössische Diskurse über Alter und Tod in der Vormoderne

Hausarbeit , 2012 , 21 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: B. A. Marina Franke (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Tod ereilte in der Zeit der Vormoderne nicht nur „die Alten“, sondern er war für junge wie alte Menschen allgegenwärtig und konnte unerwartet eintreffen. Der größere Teil der Menschen verstarb, bedingt durch Krankheiten, Hungersnöte, Kriege etc. und vor allem im Kindesalter, bereits vor dem hohen Alter. Der während der Frühen Neuzeit populäre Spruch „Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben“ bezeugt diese Gegebenheit. Trotzdem wurde das Alter seit jeher, vor allem aufgrund des körperlichen Verfalls alter Menschen, der von allen Alterssymptomen am deutlichsten nach außen sichtbar ist, als letzte Lebensstufe und als Vorstufe des Todes sowohl positiv als auch negativ wahrgenommen:„Einerseits wurde Altern mit körperlichem und geistigem Zerfall, Gebrechlichkeit und Nähe zum Tod assoziiert, und im Vergleich zum positiven Bild der Jugend wurde das Alter auch früher meist negativ bewertet. Andererseits wurde Alter mit Erfahrung und geistiger, spiritueller Entwicklung (Weisheit) in Verbindung gebracht.“ Je nachdem, ob der Tod als positives oder negatives Ereignis wahrgenommen wurde, konnte auch das Alter als vorheriger Lebensabschnitt als „Erfolgs- oder als Verfallsgeschichte“2 gedeutet werden. In der vorliegenden Hausarbeit wird der Frage nachgegangen, welche Deutungen und Vorstellungen für das Alter in Zusammenhang mit der Endlichkeit und dem Tod in der Vormoderne aufgegriffen, weiterentwickelt und verändert wurden und welche geschlechtsspezifischen Stereotypen alten Menschen zugeschrieben wurden. Zur Beantwortung der Fragestellung werden zunächst allgemeine Vorstellungen über Alter und Tod in der Frühen Neuzeit vorgestellt. In den darauf folgenden Kapiteln werden positive und negative Darstellungen des Alters in Zusammenhang mit dem Tod erläutert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zu den zeitgenössischen Vorstellungen über Alter und Tod in der Vormoderne allgemein

3. Positive Darstellungen von Alter und Tod

4. Negative Darstellungen von Alter und Tod

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Deutungen und Vorstellungen von Alter und Tod in der Vormoderne und analysiert, wie diese Konzepte innerhalb der damaligen Diskurse sowie in Kunst und Literatur verhandelt wurden, wobei ein besonderer Fokus auf geschlechtsspezifischen Stereotypen liegt.

  • Wandel der Altersbilder zwischen religiöser Deutung und beginnender medizinischer Entmystifizierung.
  • Die Rolle des "Memento mori"-Motivs in der Wahrnehmung des Lebensendes.
  • Positive versus negative Konnotationen: Alter als Erfolgs- oder Verfallsgeschichte.
  • Geschlechtsspezifische Stereotypen: Der "weise alte Mann" im Kontrast zur "lüsternen alten Frau" und Hexe.
  • Kulturelle Versuche zur Verzögerung des Alterns und zur Bewältigung der Endlichkeit.

Auszug aus dem Buch

Negative Darstellungen von Alter und Tod

Der geistige und körperliche Verfall alter Menschen wurde seit jeher mit der Nähe zum Tod assoziiert und als negativ, als Strafe Gottes, deren Vorboten beispielsweise Krankheit oder Armut sein konnten, assoziiert. So sind seit der Antike Wortverknüpfungen wie „schlimmes Alter“, „kränkliches Alter“, „hässliches [...] Alter“ überliefert und verbreitet, die besonders den Verlust der körperlichen Attraktivität und der Gesundheit betonen. Der Dichter William Shakespeare (1564-1616) beschrieb das letzte Lebensalter in seinem Stück „Wie es euch gefällt“ in der siebenten Szene wie folgt:

„Das sechste Alter Macht den besockten, hagern Pantalon, Brill auf der Nase, Beutel an der Seite; Die jugendliche Hose, wohl geschont, 'ne Welt zu weit für die verschrumpften Lenden; Die tiefe Männerstimme, umgewandelt Zum kindischen Diskant, pfeift und quäkt In seinem Ton. Der letzte Akt, mit dem Die seltsam wechselnde Geschichte schließt, Ist zweite Kindheit, gänzliches Vergessen, Ohn Augen, ohne Zahn, Geschmack und alles.“

Deutlich wird an diesem Zitat die Verbindung zwischen körperlichem Verfall und dem bevorstehenden Tod, sowie der negativ konnotierte Vergleich des Greisenalters mit der Kindheit.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Alters- und Todewahrnehmung in der Vormoderne ein und skizziert die methodische sowie literarische Grundlage der Untersuchung.

2. Zu den zeitgenössischen Vorstellungen über Alter und Tod in der Vormoderne allgemein: Das Kapitel beleuchtet den historischen Kontext der Altersvorstellungen, die von religiösen Diskursen und dem "Memento mori" geprägt waren, bis hin zu medizinischen Ansätzen.

3. Positive Darstellungen von Alter und Tod: Hier werden Konzepte wie das heilsame Sterben, die Weisheit des Alters und die spirituelle Vorbereitung auf das Jenseits als positive Aspekte des Alterns analysiert.

4. Negative Darstellungen von Alter und Tod: Dieses Kapitel widmet sich den negativen Altersstereotypen, dem körperlichen Verfall sowie den spezifischen Stigmatisierungen, insbesondere im Hinblick auf alte Frauen.

5. Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst die ambivalente Wahrnehmung des Alterns zusammen und betont die Persistenz geschlechtsspezifischer Zuschreibungen bis ins 19. Jahrhundert.

Schlüsselwörter

Vormoderne, Alter, Tod, Altersbilder, Memento mori, Körperlicher Verfall, Geschlechterstereotypen, Hexe, Aufklärung, Medizingeschichte, Endlichkeit, Altersschelte, Wissensgeschichte, Alterstrost, Sterbebüchlein

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die kulturellen und gesellschaftlichen Diskurse über das Altern und Sterben in der Zeit der Vormoderne sowie deren Veränderung durch Einflüsse wie die Aufklärung.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die religiöse und medizinische Deutung von Alterssymptomen, die künstlerische Darstellung des Todes und die geschlechtsspezifische Bewertung des Greisenalters.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Entwicklung der Altersbilder zu analysieren und aufzuzeigen, wie diese von positiven (Weisheit) zu negativen (Verfall, Sünde) Konnotationen schwankten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine kulturhistorische Analyse, die literarische Quellen, medizinische Traktate und künstlerische Bildwerke der Frühen Neuzeit auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Vorstellungen zum Altern an sich, die Analyse positiver Altersbilder sowie die kritische Betrachtung negativer Darstellungen und Stereotype.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Schlagworte sind Vormoderne, Alter, Tod, Geschlechterstereotypen, Altersschelte und die Transformation der Altersbilder zwischen Spiritualität und Medizin.

Welche Rolle spielte die Aufklärung für das Alter?

Die Aufklärung brachte eine medizinische "Entmystifizierung" des Alters mit sich, förderte jedoch gleichzeitig die Idealisierung des alten Mannes als Lehrer, während alte Frauen weiterhin stigmatisiert wurden.

Was unterscheidet die Wahrnehmung von alten Männern und Frauen?

Während der "alte weise Mann" eine Aufwertung erfuhr, blieben alte Frauen weitgehend von negativen Zuschreibungen (wie etwa dem Hexenglauben) behaftet, was eine dauerhafte Asymmetrie erzeugte.

Warum wird in der Arbeit das Motiv des "Jungbrunnens" erwähnt?

Es dient als Beispiel für die historischen Bemühungen, dem unvermeidlichen Alterungsprozess und dem Tod durch mythologische oder medizinische Konzepte zu entkommen.

Wie wurde der körperliche Verfall medizinisch interpretiert?

Basierend auf der antiken Säftelehre wurde das Altern oft als ein Prozess des "Austrocknens" (Überschuss an schwarzer Galle) und somit als Melancholie oder Krankheit gedeutet.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zeitgenössische Diskurse über Alter und Tod in der Vormoderne
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
2,0
Autor
B. A. Marina Franke (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
21
Katalognummer
V208791
ISBN (eBook)
9783656364740
ISBN (Buch)
9783656364887
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zeitgenössische diskurse alter vormoderne
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
B. A. Marina Franke (Autor:in), 2012, Zeitgenössische Diskurse über Alter und Tod in der Vormoderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208791
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Leseprobe aus  21  Seiten
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