Einnahme eines feministischen Standpunktes durch Männer?

Analyse eines kritischen Männerforschungswerkes mit der feministischen Standpunkttheorie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Inwiefern ist die Einnahme eines feministischen Standpunktes für Männer möglich?

1 Feministische Standpunkttheorie
1.1 Referenzen
1.2 Grundannahmen und Definition eines feministischen Standpunktes
1.3 Ziele
1.4 Zusammenfassung der wesentlichen Punkte

2 Problemkonstituierung

3 Fallbeispiel
3.1 Vorannahmen
3.2 Hauptfragen und Anliegen des Autorenkollektivs BauSteineMänner
3.2.1 Männerforschung als Methodologie
3.2.2 Männerforschung als Soziologie der Männlichkeit
3.2.3 Männer als Opfer und Deprivilegierte
3.2.3.1 Zum Forschungsschwerpunkt: Männer als Opfer
3.2.3.2 Zum Forschungsschwerpunkt: Randständige Männlichkeiten
3.2.4 Kritische Kommentare und Diskussion

4 Fazit

5 Endnoten

6 Literaturverzeichnis

Einleitung: Inwiefern ist die Einnahme eines feministischen Standpunktes für Männer möglich?

Diese schriftliche Ausarbeitung versteht sich als Teil einer Debatte von feministischen Epistemologien, besonders jedoch in Bezug auf die Auseinandersetzung mit den Standpunkttheorien[i]. In dieser Arbeit wird eine bestimmte Perspektivierung der Standpunkttheorie als Methode dienen, mit deren Instrumentarium ein Werk der kritischen Männerforschung analysiert werden wird.

Lokalisiert ist die Debatte mehrheitlich im us-amerikanischen Raum, von dem aus Ideen und Impulse im westeuropäischen Raum aufgegriffen wurden. Somit lassen sich theoretische Ausarbeitungen diesbezüglich und daran anknüpfende Debatten in einem westlichen, dominiert- weißen Kontext verorten, der jedoch durch Black People und People of Color[ii] transformiert und differenziert wurde. Anhand der Referenzen wird eine west-europäische beziehungsweise us-amerikanische Genealogie ersichtlich werden, die sich in der thematischen Schwerpunktsetzung und der Werkauswahl begründet.

Die Zuwendung zu diesem Thema ergibt sich für mich aus dem Willen heraus meine eigenen Wissensbestände und meine eigenen Vorannahmen zu hinterfragen. Als Anhängerin des De/Konstruktivismus, mit besonderer Referenz zu Michel Foucault und Judith Butler und der Aufnahme und Weiterentwicklung durch Encarnación Gutiérrez Rodríguez im deutschsprachigen Raum, sehe ich es als Notwendigkeit an eigene Denkgewohnheiten sichtbar zu machen, was ich als realisierbar sehe durch die punktuelle Anwendung der Standpunkttheorie als Methode, um andere Wissensbestände, durch die Einnahme einer erst zu erarbeitenden Perspektive, zu hinterfragen.

Das für diesen Rahmen gewählte Thema leitet sich aus der Frage/Aussage ab: „Männer machen Feminismus?“ und begründet sich in der Auseinandersetzung mit dem Text: „A progressive male standpoint“ von Larry May (1998), der als eine Darstellung eines männlichen feministischen Standpunktes gelesen werden kann.

Leitfragen dieser Ausarbeitung, die im Kapitel II noch einmal abgeleitet begründet werden, zur Analyse des ausgewählten Werkes Kritische Männerforschung der Herausgeber gruppe BauSteineMänner, sind: Lassen sich Formen pro-feministischen Wissens identifizieren? Welche Wissensbestände werden konstituiert und produziert? Inwieweit stellen sie Formen emanzipativen Wissens dar? Für wen? Wie sind diese motiviert?

Die Textauswahl begründet sich einerseits durch ihre Aktualität sowie andererseits inhaltlich. Der erste, als zentral gesetzte Text ist Nancy Hartsocks`: „The Feminist Standpoint“, erstmals veröffentlicht 1983 . In diesem Text werden bereits zentrale Thesen benannt, auf die sich in den kommenden Jahren viele der feministischen Standpunkttheoretikerinnen sowie –theoretiker beziehen[iii].

In dem Text „Feminist Standpoints“, erschienen 2007, im Handbook of Feminist Research. Theory and Praxis, formuliert Sandra Harding einen kurzen geschichtlicher Abriss der Standpunkttheorieentwicklung sowie diesbezüglich herausgearbeitete Thesen und Darstellungen von Kritiken. Ein weiterer Text von Harding „Can men be subjects of feminist thought?“ setzt sich mit der Hauptfrage dieser Arbeit auseinander. Sie nimmt dabei auf verschiedene feministische Ansätze Bezug und diskutiert die Einnahmemöglichkeiten eines feministischen Standpunktes durch Männer.

Das Buch: Kritische Männerforschung ist 2001 bereits in der dritten überarbeiteten Auflage erschienen und war, laut Selbstbezeichnung „die erste Buchveröffentlichung, welche den Begriff Kritische Männerforschung im Titel trug.“[iv] Sein Inhalt ist vielschichtig und differenziert aus einer ganz bestimmten Perspektive heraus verfasst, auf die ich im Analyseteil genauer eingehen werde.

Im ersten Teil der Arbeit wird eine Begriffsklärung und Darstellung der feministischen Standpunkttheorie vorgenommen werden, um in einem zweiten Schritt die Standpunkttheorie methodisch zu einer punktuellen Analyse des Buches der Gruppe BauSteine hinsichtlich ihres emanzipativen Wissens und der möglichen Einnahme eines feministischen Standpunktes zu untersuchen. Im Anschluss darin wird die Arbeit mit einem Fazit schließen.

1 Feministische Standpunkttheorie

Um die feministische Standpunkttheorie als analytische Methode anwenden zu können, wird sie in diesem Textabschnitt punktuell dargestellt werden. Fokussiert werden hierbei theoretische Grundlagen und Denktraditionen in Auszügen, auf die sich feministische Standpunkttheoretikerinnen beziehen. Im Weiteren wird erklärt werden, was unter einem feministischen Standpunkt verstanden werden kann und worauf sich ein solcher begründet. Danach wird die Bedeutungen von Erfahrungen und emanzipativen Ziele formuliert werden, auf die sich Theoretikerinnen dieses epistemologischen Ansatzes beziehen.

Die feministische Standpunkttheorie ist einer der Bereiche der feministische Epistemologien[v], welche als progressive und emanzipative Erkenntnistheorien beschrieben werden können. Nach Lorraine Code[vi] sind feministische erkenntnistheoretische Ansätze dadurch gekennzeichnet, dass sie sich mit den Bedingungen der Konstruiertheit bzw. Produktion von Wissen auseinandersetzen und dabei besonders mit jenen Bereichen, die nicht beachtet und aus dem sogenannten Allgemeinwissen ausgeblendet werden. Diese sind all jene, die nicht als der weißen, mittelständischen männlichen Dominanz zugehörig konstituiert werden und dahingehend auch keinen Definitionsmacht besaßen/besitzen. Durch die Erkenntnis, dass nur eine bestimmte Gruppe von Menschen an der Wissensproduktion zugelassen werde, ergibt sich als Konsequenz für die feministischen Epistemologien, dass Wissen nicht objektiv und dahingehend nicht neutral sei, wie es seit der ‚europäischen Aufklärung’ als wissenschaftliches Ideal und Rationalitätskriterium behauptet wurde/wird. Dahingehend sind Hauptfragen: In wessen Interesse wird welches Wissen produziert? Wer profitiert von bestimmten Wissensbeständen? Was für Werte und Normen liegen eines bestimmten Wissens zu Grunde und was hat das für Konsequenzen für die Konstituiertheit von sozialer Realität?

1.1 Referenzen

In ihrem zentralen Text: „A Feminist Standpoint“ setzt sich Nancy Hartsock mit der Anwendbarkeit des Marxschen/Engelsschen Konzeptes des proletarischen Standpunktes auseinander und hinterfragt, inwieweit dieses Konzept nutzbar sei für die Begründung eines feministischen Standpunktes. Dabei geht es ihr um die Entwicklung eines „important epistemological tool for understanding and opposing all forms of domination“ begründet auf der „methodological base provided by Marxian theory“. Neben Klassenherrschaft benennt sie den Begriff der phallokratische Dominanz, der mit Patriarchat umschrieben werden kann, gegen die sich die feministische Standpunkttheorie weißer Feministinnen speziell richtet[vii]. Neben der marxistischen Referenz wird in vielen Texten auf Hegels Konzept der Herr-Knecht-Beziehung Bezug genommen[viii]. Entlehnt dabei werden Konzeptualisierungen und Annahmen von der Materialität der Welt und sozialer Beziehungen sowie das Bewusstwerden/Bewusstsein der eigenen Unterordnung auf Grund spezifischer Erfahrungen innerhalb der gesellschaftlich- hierarchischen Ordnung.

1.2 Grundannahmen und Definition eines feministischen Standpunktes

Standpunkttheoretikerinnen gehen davon aus, dass Wissen ein sozial konstruiertes Produkt sei[ix]. Diese soziale Konstruierung und Reproduktion von spezifischen Wissensbeständen finde in einem bestimmten hierarchisch strukturierten, materiellen Raum statt und strukturiere die sozialen Beziehungen, die diesen sozialen Raum konstituieren. Im beschriebenen Kontext, westeuropäischen und us-amerikanischen lokalisierbar, sind Gesellschaften entlang von binären Dichotomien strukturiert. Dadurch komme es zu einem bestimmten Wissensbestand, der einerseits ermöglicht, andererseits jedoch auch begrenzt wird durch gesellschaftliche Strukturen: „Distinctive social formations both enable and limit what a culture can know“[x]. Diese Begrenzungen stellen Ausblendungen dar, da sie nur eine gewisse Perspektive, den Standpunkt der Unterdrücker oder Herrschenden, (der an soziale Lokalisierung und Positionierung gebunden ist), re/produzieren.

Von diesen Grundannahmen ausgehend, leiten sich Standpunktdefinitionen ab, mit denen ich arbeiten werde: Bei Dorothy Smith wird ein feministischer Standpunkt als „einer mit Frauen identifizierten interessierten Position“[xi] beschrieben.

Und weiter formuliert sie:

„Ein feministischer erkenntnistheoretischer Standpunkt ist eine interessengeleitete gesellschaftliche Ortsbestimmung («interessengeleitet» im Sinne von «engagiert», nicht «einseitig verzerrt»), die denjenigen, welche diesen Ort einnehmen, einen wissenschaftlichen und erkenntnistheoretischen strategischen Vorteil verschafft.“[xii]

Konkreter formuliert Nancy Hartsock einen feministischen Standpunkt als strategisches Moment, um politisch handlungsfähig zu werden/zu bleiben als einen: „character as an achievement of both analysis and political struggle occurring in a particular historical space.“[xiii]

Hierbei bilden Theorie (Wissenschaft) und Praxis (Frauenbewegung) eine Interdependenz aus, die für die Standpunkttheorie als grundlegend formuliert werden kann, einerseits als motivationales Moment, andererseits als politisierend, wodurch die Sichtweise von frauenbewegten Frauen „zu einer moralischen und wissenschaftlich akzeptableren Grundlage für die feministische Interpretationen und Erklärungen natürlicher und gesellschaftlicher Phänomene“ werde[xiv].

Standpunkttheoretikerinnen werten die Lokalisierung der Unterdrückung als strategischen Vorteil um, von dem aus eine ideologiefreiere, emanzipativ ausgerichtete Bewusstwerdung und dahingehend auch Wissensproduktion möglich werde, da sie „eine spezifisch feministische Wissenschaft auf eine[r] Theorie vergeschlechtlichter Aktivität und gesellschaftlicher Erfahrungen.“[xv] gründe. Begründet wird dies durch den politischen Willen nach Veränderung bzw. der Abschaffung gesellschaftlicher Dominanzen, an denen die Unterdrückten und Marginalisierten nicht oder nur begrenzt partizipieren können; wohingegen die Herrschenden und Partizipierenden am Status Quo festhalten wollen, da sie davon profitieren.

Die weiter oben erwähnte Annahme der Materialität von Welt und von sozialen Beziehungen lässt sich für den beschriebenen Kontext als dichotom-organisierte Arbeitsteilung beschreiben, welche auf fürsorgenden Tätigkeiten (als weiblich konnotiert) und auf abstrakten Tätigkeiten (als männlich konnotiert) basiert[xvi]. Auf deren Grundlage ergeben sich verschiedene Erfahrungswelten, insbesondere in Bezug auf alltägliche Praxen. Für den standpunkttheoretischen Ansatz wird die allen Frauen westlicher Klassengesellschaften gemeinsame Erfahrung, dass „women`s lives are institutionally defined by their production of use-values in the home“[xvii] und weiter, dass sie „also produce/reproduce men (and other women) on both a daily and a longterm basis“[xviii], formuliert. Bei Frauen ergeben sich durch die Strukturierung der Alltagswelt die Teilhabe und das Tätigsein in beiden Sphären, wobei die als weiblich konnotierte unsichtbar bleibt.

Diese Erfahrungen, welche unformuliert und dahingehend nicht als gesellschaftskonstituierend erfasst wurden, stellen also die Basis bereit auf der ein feministischer Standpunkt errungen/konstituiert werden kann: „experience as a ground for critique“[xix]. Auf dieser Grundlage formuliert Nancy Hartsock: „The articulation of a feminist standpoint based on women`s relational self-definition and activity exposes the world men have constructed and the self-understanding which manifests these relations as partial and perverse.”[xx]

1.3 Ziele

Als eines der Ziele wird: “revaluing female experience, searching for common threads that connect diverse experience of women and searching for the structural determination of the experiences”[xxi] beschrieben. Eine weitere Zielsetzung der weißen feministischen Standpunkttheorie als epistemologischem Werkzeug ist: “redefining and restructuring of society as a whole on the basis of women`s activity”[xxii]. Um eine “fully human community”, die “structured by connection rather than separation and opposition”[xxiii] zu erreichen. Dahingehend wird ein Standpunkt als „«Transformator» statt als eine endgültige Position“[xxiv] verstanden, da nach der Umformulierung der Alltagswelt (erfahrungsbasiert und dichotom gefasst durch die Tätigkeitsbereiche) als Problematik jede ein soziologisches Subjekt sein könne, dass jedoch genau lokalisiert werden müsse[xxv].

1.4 Zusammenfassung der wesentlichen Punkte

Zentrale Punkte für diese Erkenntnistheorie sind Perspektivgebundenheit, d.h. eine fraueninteressierte bzw. frauenidentifizierte Position einzunehmen, welche sich auf spezifischen Erfahrungen begründet. Diese ermöglichen durch politischen Kampf und Reflexivität eine bestimmte Form von Bewusstwerdung, welche jedoch genau zu lokalisieren ist: D.h. der Ort von dem aus gesprochen wird, die materielle Grundlage und Positionierung innerhalb sozialer Beziehungen und hierarchischer Strukturen, muss in seiner Begrenztheit und seinem Gültigkeitsraum kenntlich gemacht werden, um emanzipativ wirken zu können. Der Gedanke lässt sich bei Patricia Hill Collins konkret finden, in dem sie ein Kriterium für Objektivität bzw. für als emanzipativ geltendes Wissen formuliert: „The universal comes from the particular“[xxvi].

2 Problemkonstituierung

Auf Grundlage der Darstellung der feministischen Standpunkttheorie ergeben sich erkenntnistheoretisch folgende Fragen und Probleme: An erster Stelle ergibt sich die Frage, wie Männer als Produzenten hegemonialen Wissens, durch den Besitz der Definitionsmacht und der strukturellen Dominanz innerhalb westlicher Gesellschaften einen frauenidentifizierten Standpunkt erringen können. Androzentrismus und Sexismus als Strukturprinzipien westlicher Gesellschaften, konstituieren Männlichkeit(en) als profitabel. Da Männer innerhalb dieser Strukturen privilegiert sind und sie selbst Ausschlüssen des als weiblich Konnotierten produzieren, ergibt sich die Frage, wodurch es ihnen möglich wird und was sie dazu motivieren sollte, diese privilegierte Position aufzugeben. Das heißt konkret: Was sollte sie motivieren, männerkritisches, profeministisches, emanziaptives Wissen zu produzieren? Und inwieweit ist es ihnen überhaupt möglich und unter welchen Bedingungen einen feministischen Standpunkt einzunehmen?

Harding äußert sich zu diesen Aspekten in ihrem Text: „Can men be subjects of feminist thought?“. In diesem Text beleuchtet sie unterschiedliche feministische Theorien unter der Fragestellung, inwieweit Männer als feministisches Subjekt partizipieren können. Dieser Ansatz ermögliche es: 1)Gegenargumentationen gegen die jeweiligen Feminismen zu erkennen; 2)Die Grenzen und Stärken der jeweiligen Feminismen herauszuarbeiten; 3) Durch das Erkennen der Schwierigkeiten der Integration von Feministen auch die Begrenzungen für Feministinnen zu formulieren[xxvii]. In Bezug auf die Standpunkttheorie kommt sie zu folgendem Ergebnis: Männern sei es möglich, gleiches Wissen wie Feministinnen zu produzieren, wenn sie von weiblich konnotierten Erfahrungswelten ausgehen. Dadurch können sie erkennen „how the gender system works“ und können auf Grundlage dieser Erkenntnisse erringen „to resist male supremacy and its androcentrism“[xxviii], da in der weißen männlichen Vormachstellung auch verschiedene Situiertheiten vorhanden sind:

„Standpoint epistemologies offer opportunities form men to develop destinctive subject positions as socially situated men who have learned to think through feminist theories, descriptions, and practices that themselves started from women`s lives.“[xxix]

Daraus ergibt sich die Möglichkeit eigene produzierte Lücken im Rahmen der feministischen Standpunkttheorie aufzudecken und zu reflektieren. Darüber hinaus kann eine größere Komplexität und damit auch Möglichkeitserweiterung bereitgestellt werden, durch das Reflektieren und die Analyse verschiedener Interaktionen innerhalb der gleichen Umwelt[xxx].

3 Fallbeispiel

Der folgende Teil der Arbeit ist eine punktuelle, inhaltlich-analytische Darstellung des Buches Kritische Männerforschung mit dem methodischen Ansatz der feministischen Standpunkttheorie. Daher werden vorrangig Anknüpfungspunkte und Widersprüche bzw. Oppositionen und ihre Begründungen zur feministischen Standpunkttheorie beleuchtet.

Dieses Buch ist, wie oben bereits vermerkt, das erste Buch im deutschsprachigen Raum, das sich mit der Analyse von Männlichkeiten und von Männern produziertem Wissen auseinandersetzt[xxxi]. Das Buch besteht aus vier Teilen: 1) Selbstverständnis: Konzepte Kritischer Männerforschung; 2) Theoriefelder: Wie Männlichkeit konstruiert wird; 3) Praxisfelder: Männlichkeit in Theorie und Praxis; 4) Blinde Flecken: Kritik an Forschung und Bewegung. Nach dem auf die inhaltlichen Prämissen, Zielstellung und Herangehensweisen des Buches durch die Darstellung des Vorworts[xxxii] eingegangen wurde, wird aus dem ersten Themenblock Willi Walters Text: „Männer entdecken ihr Geschlecht“ dargestellt und analysiert werden. In diesem Kapitel geht es um Inhalte, Ziele, Fragen und Motive kritischer Männerforschung, wie aus der Unterüberschrift hervorgeht, sowie um verschiedene methodische Ansätze. Im Anschluss daran werden Schwerpunkte aus dem Text: „Ansätze zu einer neuen Soziologie der Männlichkeit“, geschrieben von Tim Carrigan, Robert W. Connell und John Lee, umrissen werden, um deren Ansätze mit den methodologischen Prämissen der Standpunkttheorie, insbesondere mit Bezug auf Dorothy Smith zu vergleichen, die eine Soziologie der Frau konzeptionalisiert hat.

Aus dem Themenfeld: Blinde Flecken werden verschiedene Kapitel dargestellt werden, da sie eine kritische Perspektive auf den jetzigen Forschungsstand einnehmen und spannende Ergebnisse mit der perspektivisch eingenommenen Methode der feministischen Standpunkttheorie und eine teilweise Beantwortung der Frage hinsichtlich von Männern produziertem, progressivem und emanzipativem Wissens im Sinne der Standpunkttheorie liefern.

[...]


[i] Der Theoriebegriff wird in der Mehrzahl verwendet werden, da im Laufe Jahre sich verschiedene Ansätze von Standpunkttheorien ausgebildet haben und sich durch die daraus folgenden Differenzierungen sich meine Meinung nach nicht mehr von einer Standpunkttheorie sprechen lässt. Ich werde mich jedoch in dieser Arbeit maßgeblich auf weiße, us-amerikanische Feministinnen beziehen.

[ii] Black People und People of Color werden in diesem Kontext als politische Kategorisierungen verstanden, welche auf Selbstzuschreibungen basieren und Ausblendungen aufdeckten sowie Formen emanzipativen Wissens und Korrekturen generalisierenden und homogenisierenden Wissens transformierten und etablierten.

[iii] Vgl. dazu u.a. Larry May, Sandra Harding.

[iv] BauSteine (2001): S. I.

[v] Zu nennen wären noch feministische Empirismen und postmoderne sowie poststrukturalistische Strömungen. Diese Dreiteilung entspricht einer Typologisierung, da innerhalb der feministischen Erkenntnistheorien Überlappungen sowie stark voneinander differierende Positionierungen vorhanden sind.

[vi] Vgl. Code (2007).

[vii] Hartsock (1983): S.462.

[viii] Diese zwei Referenzpunkte sollen an dieser Stelle nur benannt werden und können nicht weiter ausgeführt werden, da der Fokus der Arbeit auf der feministischen Standpunkttheorie liegt, die die benannten Ansätze zwar nutzt und weiterentwickelt, jedoch auch kritisiert. Daher dient dieser Vermerk nur als Verweis auf und Lokalisierung der theoretischen Ansätze in einer westlichen, von weißen Männern geprägten Genealogie.

[ix] Ich verwende ausschließlich die weibliche Form in Bezug auf feministische Theorien. In Ausnahmefällen oder in der singulären Verwendung werde ich das (selbstzugeschriebene) Geschlecht beziehungsweise vom Namen abgeleitete Geschlecht markieren.

[x] Harding (2007): S. 47.

[xi] Smith (1989): S.380.

[xii] Harding (1990): S.158f.

[xiii] Hartsock (1997): S.477.

[xiv] Harding (1990): S.24.

[xv] Harding (1990): S.151.

[xvi] Vgl. dazu Hartsock (1997).

[xvii] Hartsock (1997): S.468. Wichtig bleibt anzumerken, dass Hartsock sehr wohl um Interdependenzen, welche durch die Grundannahme, dass die fürsorgende Tätigkeit allen Frauen gemein sei, ausblende bzw. generalisiere, jedoch seien auch Lesben und Women of color mit weiblich konnotierten Tätigkeitsbereichen konfrontiert, benannt.

[xviii] Hartsock (1997): S.468.

[xix] Hartsock (1997): S.477.

[xx] Hartsock (1997): S.477.

[xxi] Hartsock (1997): S.477.

[xxii] Hartsock (1997): S. 478.

[xxiii] Hartsock (1997): S.478.

[xxiv] Smith (1989): S.417.

[xxv] Smith (1989): S.417.

[xxvi] Collins (2000): S.268f.

[xxvii] Harding (1998): S.174.

[xxviii] Harding (1998): S.186.

[xxix] Harding (1998): S. 186.

[xxx] Harding (1998): S. 185f.

[xxxi] Trotzdem das Buch deutschsprachig angelegt ist, wurden vier Übersetzungen zentraler Wissenschaftler zu Männerforschung übernommen, wodurch, wie in der Darstellung der Standpunkttheorie bereits vermerkt, eine westeuropäische, anglo-amerikanische Genealogie tradiert und reproduziert wird, welche mit Ausblendungen und Ignoranz verbunden ist in Bezug auf andere Genealogien.

[xxxii] Das Vorwort ist aus der 1. Auflage von 1996 entnommen, da es in den folgenden Auflagen, trotz Angabe im Inhaltsverzeichnis, in der Auflage von 2001 nicht abgedruckt wurde.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Einnahme eines feministischen Standpunktes durch Männer?
Untertitel
Analyse eines kritischen Männerforschungswerkes mit der feministischen Standpunkttheorie
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (ZtG)
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V208896
ISBN (eBook)
9783656362678
ISBN (Buch)
9783656363477
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Standpunkttheorie, Männer und Feminismus, feministische Epistemologien
Arbeit zitieren
Susan Schröder (Autor), 2009, Einnahme eines feministischen Standpunktes durch Männer?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208896

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Einnahme eines feministischen Standpunktes durch Männer?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden