Schon vor hundert Jahren haben Frauenzeitschriften in Japan mit zunehmender Industrialisierung einen erheblichen Einfluss auf den Lebensstil der japanischen Frau, wobei der heutige Stil nicht mehr mit dem des 20. Jahrhunderts identisch ist. Während heutzutage Mittel zur Brustvergrößerung und sexuelle Offenheit in Frauenzeitschriften angepriesen werden, wäre dies in der feudalistisch geprägten Meiji-Zeit undenkbar gewesen. Eine der Frauen, die zu dieser Zeit feministische Gedankenansätze entwickelt und sich für die Rechte und die Selbstverwirklichung der japanischen Frauen einsetzte, war Yosano Akiko. Was sie zur Entstehung des neuen Idealbilds der Frau beitrug und inwiefern sich dieses Ideal von dem der Meiji-Zeit unterscheidet, soll Gegenstand dieser Arbeit sein. Im Einzelnen soll genauer auf Yosano Akiko und die Taishō-Debatte um die Frauenrechte eingegangen werden so wie auf Yosanos Werk Midaregami, japanische Frauenzeitschriften des zwanzigsten Jahrhunderts und das veränderte Selbstbildnis japanischer Frauen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Yosano Akiko und die Debatte um die Frauenrechte
3. Midaregami
4. Japanische Frauenzeitschriften im zwanzigsten Jahrhundert
5. Das veränderte Selbstbildnis japanischer Frauen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Beitrag der Dichterin Yosano Akiko zur Entstehung neuer Idealbilder japanischer Frauen im frühen 20. Jahrhundert und analysiert, wie sich diese von den traditionellen Rollenbildern der Meiji-Zeit abgrenzen. Dabei steht insbesondere die Taishō-Debatte um die Frauenrechte sowie die Rolle der zeitgenössischen Frauenzeitschriften und das wandelnde Selbstbildnis im Fokus.
- Biografische und ideologische Einordnung von Yosano Akiko
- Die Taishō-Debatte um die Frauenrechte (bosei hogo ronsō)
- Analyse des literarischen Werks Midaregami
- Einfluss der japanischen Frauenzeitschriften auf das Rollenbild
- Wandel des weiblichen Selbstbildnisses (modan gāru, Hausfrau, berufstätige Frau)
Auszug aus dem Buch
Yosano Akiko und die Debatte um die Frauenrechte
Die Dichterin Yosano Akiko war Mitglied der feministischen Bewegung in der Meiji Zeit und nahm an der Taishō-Debatte um die Frauenrechte teil, deren Anfänge auf 1912 zurückdatiert werden können. Bemerkenswert ist dabei ihre eigene Situation: Sie gebar zahlreiche Kinder, kümmerte sich um ihren arbeitslos gewordenen Ehemann und das Wohlergehen ihrer Familie (RASPLICA RODD 1991: 188). Somit verdiente Yosano sich den Titel der „neuen Frau“ (atarashii onna) (RASPLICA RODD 1991: 179). Zu der Zeit als der Begriff durch ein westliches Theaterstück aufgegriffen wurde, wurde die Definition der atarashii onna umstritten gesehen und diente als Auslöser für die Debatte um die Frauenrechte (RASPLICA RODD 1991: 175–176). Yosano Akiko stellte mit dem Essay „Women’s Complete Independence“, welches im März 1918 in der Zeitschrift Fujin Kōron erschien, klar, was sie in der Debatte verlangte:
I cannot agree with the European women’s movements’ demand for special economic protection from the state for women during pregnancy and childbirth. I, who feel that it is slave morality for women to be dependent on men because of their procreational role, must refuse dependency on the state for the very same reason. ...I am convinced that couples, both the husband and the wife, must take responsibility for the economic needs of their families. (Yosano Akiko, zit. nach RASPLICA RODD 1991: 192)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Frauenzeitschriften für den sozialen Wandel in Japan heraus und definiert das Ziel der Arbeit, den Beitrag von Yosano Akiko zur Veränderung des Frauenbildes zu untersuchen.
2. Yosano Akiko und die Debatte um die Frauenrechte: Das Kapitel behandelt die Positionierung Yosano Akikos innerhalb der feministischen Bewegung und ihre Forderung nach vollständiger Unabhängigkeit der Frau von Staat und Ehemann.
3. Midaregami: Hier wird analysiert, wie Yosanos Gedichtsammlung aufgrund ihres offenen Umgangs mit Sexualität und Weiblichkeit die zeitgenössische Literaturwelt und das Frauenbild beeinflusste.
4. Japanische Frauenzeitschriften im zwanzigsten Jahrhundert: Dieses Kapitel erläutert den Aufstieg von Publikumszeitschriften und deren Einfluss auf die soziale Selbstreflexion der japanischen Frau jenseits des traditionellen Mutterideals.
5. Das veränderte Selbstbildnis japanischer Frauen: Die Untersuchung fokussiert sich auf neue Frauentypen wie die modan gāru und die berufstätige Frau, die sich als handelnde Subjekte und nicht mehr als Objekte begreifen wollten.
6. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Yosano Akiko durch ihr Vorbild maßgeblich zur Bewusstwerdung der Frauen beitrug, wenngleich das traditionelle Ideal der "weisen Mutter" in der breiten Gesellschaft fortbestand.
Schlüsselwörter
Yosano Akiko, Frauenrechte, Taishō-Debatte, Japanische Literatur, Midaregami, Feminismus, Frauenzeitschriften, atarashii onna, modan gāru, Meiji-Zeit, Geschlechterrollen, Selbstbildnis, Sozialer Wandel, Mutterschutz, weibliche Unabhängigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der japanischen Dichterin Yosano Akiko und ihrem Einfluss auf die Frauenrechtsbewegung in der frühen Taishō-Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die Frauenrechte, die Entwicklung weiblicher Rollenbilder in Japan, die literarische Arbeit Yosano Akikos und der Einfluss von Frauenzeitschriften.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Yosano Akiko zum neuen Idealbild der Frau beitrug und wie sich dieses von den traditionellen Normen der Meiji-Ära unterschied.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven Analyse von Primärquellen, wie den Essays von Yosano Akiko, sowie einer Auswertung zeitgenössischer japanischer Fachliteratur und Sekundärquellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Taishō-Debatte um den Mutterschutz, die Bedeutung von Yosanos Werk Midaregami, die Rolle der Frauenzeitschriften als Informationsmedien und das Selbstverständnis neuer Frauentypen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Yosano Akiko, Taishō-Debatte, Frauenrechte, Midaregami, neue Frau und der Wandel des weiblichen Selbstbildnisses in Japan.
Warum kritisierte Hiratsuka Raichō die Position von Yosano Akiko so scharf?
Hiratsuka vertrat die Ansicht, dass die meisten Frauen die ökonomische Belastung ohne staatliche Unterstützung nicht bewältigen könnten und forderte daher besonderen Schutz für Mütter, im Gegensatz zu Yosanos Forderung nach radikaler Unabhängigkeit.
Was zeichnete die sogenannten „modan gāru“ aus?
Die modan gāru waren Frauen, die sich durch einen westlich geprägten Lebensstil, Kurzhaarfrisuren und eine neue Sicht auf ihre Rolle als handelnde Subjekte statt als bloße Objekte auszeichneten.
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- Irina Kriger (Author), 2011, Yosano Akiko und die Debatte um die Frauenrechte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209074