Im Rahmen dieser Bachelorarbeit wird zunächst basierend auf einem Modell zum Leverage Zyklus, welcher sowohl die Phase des Schuldenaufbaus als auch des -abbaus beschreibt, der Preismechanismus im Vorlauf einer Bilanzrezession analysiert. Der folgende empirische Vergleich der japanischen Erfahrungen mit den europäischen Staaten Spanien, Irland und Großbritannien stellt den Schwerpunkt dieser Arbeit dar. Es wird untersucht, ob auch Europa einer Bilanzrezession gegenüber steht und wenn ja, weshalb. Des Weiteren werden potentielle Politikmaßnahmen zur Vermeidung einer Depression im Kontext der Verlorenen Dekade in Japan2 diskutiert. Eine zusammenfassende kritische Würdigung der Ergebnisse anhand der japanischen Lehren schließt die Arbeit ab. Während sich die europäische Wissenschaft fast ausschließlich auf die angebotsgetriebene Betrachtung des Finanzsektors und die strukturellen Probleme der Eurozone konzentriert, stellt der hier gewählte Ansatz eine nachfragegetriebene Fokussierung des Kreditmarktes auf Basis des Sektors der Nichtfinanzunternehmen (NFUs) dar. Die enge Verwobenheit mit dem Finanzsektor im Rahmen des hohen Anteils der Bankfinanzierung sowie ihre Position als Nettoschuldner der Ökonomie betonen die Relevanz der NFUs als volkswirtschaftlichen Wachstumstreiber.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Analyse des Leverage Zyklus
2.1 Der Weg in die Bilanzrezession – ein Modell des Leverage Zyklus
2.1.1 Modellannahmen und -aufbau
2.1.2 Analyse im zweiperiodigen Modell
2.1.3 Analyse im dreiperiodigen Modell
2.1.4 Diskussion der Ergebnisse des Leverage Zyklus
2.2 Die Rolle des Zinsniveaus
2.3 Anwendung des Leverage Zyklus auf den Sektor der Nichtfinanzunternehmen
3 Europa in der Bilanzrezessionen
3.1 Definition Bilanzrezession
3.2 Makroanalyse des Sektors der Nichtfinanzunternehmen
3.2.1 Die japanische Bilanzrezession
3.2.2 Analoge Entwicklungen in Europa
3.2.3 Analyse der Finanzierungssalden
3.2.3.1 Konzeption
3.2.3.2 Analyse der Volkswirtschaften
3.2.4 Abschließende Diskussion
3.3 Mikroanalyse des Sektors der Nichtfinanzunternehmen
4 Wege aus der Bilanzrezessionen statt in die Depression
4.1 Das Wirken der Geldpolitik
4.2 Das Wirken der Fiskalpolitik
4.3 Unternehmensspezifische Politikinterventionen
5 Kritische Würdigung anhand der Lehren aus der japanischen Bilanzrezession
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob sich europäische Volkswirtschaften – speziell Spanien, Irland und Großbritannien – in einer Bilanzrezession nach dem Vorbild Japans befinden. Dabei wird analysiert, ob eine nachfragegetriebene Kontraktion durch den Schuldenabbau privater Unternehmen vorliegt und welche fiskal- oder geldpolitischen Lösungsansätze geeignet sind, eine Depression zu vermeiden.
- Analyse des Leverage Zyklus und der Preismechanismen im Kreditmarkt
- Empirische Untersuchung der Finanzierungssalden im Sektor der Nichtfinanzunternehmen
- Vergleich der europäischen Entwicklung mit der japanischen „Verlorenen Dekade“
- Bewertung von Fiskal- und Geldpolitik als Instrumente zur Stabilisierung
- Diskussion unternehmensspezifischer Lösungsansätze wie Debt-to-Equity Swaps
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Modellannahmen und -aufbau
Die grundlegenden Annahmen entstammen Geanakoplos (2010). Das Modell beinhaltet ein Kontinuum an Agenten h, h ∈ {0; 1}, welche in zwei (Kapitel 2.1.2) bzw. drei (Kapitel 2.1.3) Zeitperioden die Distribution von Konsumgütern (C) und Aktiva (Y) verhandeln. In t1 existieren zunächst zwei Zustände s, s ∈ {U; D}. Im positiven Zustand (U) zahlen alle Aktiva gleichermaßen eine Einheit, im negativen Zustand (D) lediglich 0,2 Einheiten des Konsumgutes aus. Das Aktivum ist somit riskant. Die Agenten erhalten ausschließlich in t0 eine Ausstattung von sowohl einer Einheit des Aktivums als auch einer Einheit des Konsumgutes. Der Besitz des Aktivums ist in Zustand s durch ys determiniert. Das Konsumgut kann entweder konsumiert (cs) oder gelagert (ws) werden.
Zur Unterscheidung von Investoren und Verkäufern der Aktiva wird ein Konzept von Natürlichen Käufern entsprechend Abbildung 1 angewandt. Das Kontinuum der Agenten wird nicht rigide, sondern endogen entsprechend ihrer Erwartungshaltung kategorisiert. Je positiver sich diese gestaltet, desto höher liegt die Zahlungsbereitschaft. Ein endogener Wendepunkt b ist notwendig um Optimisten (h > b) von Pessimisten (h < b) zu differenzieren. Dieser beschreibt den marginalen Käufer, der als letzter Optimist gerade noch das riskante Aktivum kauft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Konzept der Bilanzrezession ein, erläutert die Relevanz für den europäischen Wirtschaftsraum und definiert die Forschungsfragen sowie den theoretischen und empirischen Rahmen der Arbeit.
2 Theoretische Analyse des Leverage Zyklus: Das Kapitel legt die theoretische Basis anhand des Modells von Geanakoplos dar, wobei insbesondere der Mechanismus des Leverage- und Deleveraging-Prozesses und dessen Einfluss auf Vermögenspreise analysiert wird.
3 Europa in der Bilanzrezessionen: Hier wird der japanische Leverage-Zyklus als Referenz genutzt, um das aktuelle Wirtschaftsgeschehen in Spanien, Irland und Großbritannien mittels einer Makro- und Mikroanalyse der Nichtfinanzunternehmen zu untersuchen.
4 Wege aus der Bilanzrezessionen statt in die Depression: Dieses Kapitel diskutiert mögliche politische Gegenmaßnahmen, wobei die Wirksamkeit von Geld- und Fiskalpolitik kritisch bewertet und durch unternehmensspezifische Instrumente ergänzt wird.
5 Kritische Würdigung anhand der Lehren aus der japanischen Bilanzrezession: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Zusammenfassung der Ergebnisse, einer Übertragung der Lehren aus Japan auf den europäischen Kontext und einer Reflexion über die politische Umsetzbarkeit notwendiger Maßnahmen.
Schlüsselwörter
Bilanzrezession, Leverage Zyklus, Deleveraging, Nichtfinanzunternehmen, Schuldenabbau, Immobilienblase, Fiskalpolitik, Geldpolitik, Finanzierungssalden, Vermögenspreise, Deflationäre Spirale, Liquiditätsfalle, Kapitalstruktur, Eurozone, Unternehmensinvestitionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit befasst sich mit dem ökonomischen Konzept der „Bilanzrezession“ und untersucht dessen Anwendbarkeit auf die aktuelle wirtschaftliche Lage in europäischen Ländern wie Spanien, Irland und Großbritannien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Analyse von Schuldenzyklen (Leverage-Zyklen), der Einfluss von Vermögenspreisblasen auf das Verhalten privater Unternehmen und die Wirksamkeit staatlicher Eingriffe zur Krisenbewältigung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass sich die betrachteten europäischen Volkswirtschaften in einer Bilanzrezession befinden, und zu prüfen, welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen (Geld- vs. Fiskalpolitik) eine drohende Depression abwenden könnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert ein theoretisches Modell des Leverage-Zyklus (nach Geanakoplos) mit einer empirischen Analyse von Finanzierungsdaten der Nichtfinanzunternehmen aus Datenbanken wie Eurostat und der EZB.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung des Leverage-Zyklus, eine empirische Makro- und Mikroanalyse des Unternehmenssektors in Europa und eine Diskussion über politische Lösungsansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Bilanzrezession, Leverage-Zyklus, Deleveraging, Schuldenabbau, Nichtfinanzunternehmen, fiskalpolitische Interventionen und Vermögenspreisschocks.
Welche Rolle spielt Japan für diese Arbeit?
Japan dient als zentrales Referenzmodell. Die Erfahrungen Japans während der „Verlorenen Dekade“ (1990–2005) werden genutzt, um die aktuelle Situation in Europa zu interpretieren und Lehren für die Politikableitung zu ziehen.
Warum ist das Zinsniveau in der Analyse oft irrelevant?
Das Modell argumentiert, dass in einer Bilanzrezession die Schuldner primär ihre Bilanzen sanieren wollen, anstatt Profite zu maximieren. Daher reagieren sie selbst bei sehr niedrigen Zinsen nicht mehr auf weitere Kreditangebote.
Was ist die „deflationäre Lücke“?
Sie bezeichnet die Differenz zwischen der Nettoschuldenrückzahlung des privaten Sektors und der staatlichen fiskalpolitischen Kompensation; ist sie groß, droht eine deflationäre Abwärtsspirale.
Was sind „Debt-to-Equity Swaps“ in diesem Kontext?
Dabei handelt es sich um ein Instrument der Unternehmenssanierung, bei dem notleidende Kredite von Banken in Eigenkapitalanteile umgewandelt werden, um die Schuldenlast der Unternehmen zu senken.
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- Daniel Fischer (Author), 2012, Balance Sheet Recessions in Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209075