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Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung

Eine Studie über Möglichkeiten und Grenzen dieses Handlungsansatzes mit Hinblick auf die Familie

Title: Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung

Diploma Thesis , 2003 , 83 Pages , Grade: 1,8

Autor:in: Nicole Bork (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

In dieser Arbeit stehen Menschen im Mittelpunkt, die unmittelbar von einer sogenannten geistigen Behinderung betroffen sind. Jene Menschen bedürfen je nach Art und Schwere ihrer Beeinträchtigung entsprechend Unterstützung und Hilfe in ihrem Alltag.
Gerade dieser erhöhte Hilfe- und auch Pflegebedarf verleitet viele Menschen noch heute dazu jenen Personenkreis als unmündig und leistungsunfähig zu behandeln. Fremdbestimmung kennzeichnet vielerorts das Leben behinderter Menschen. Besonders davon betroffen sind diejenigen mit schwersten Beeinträchtigungen.
In den letzten 20 Jahren wurden behinderte Menschen selbst aktiv und forderten ihr Recht nach mehr Selbstbestimmung ein. Dieser neue Handlungsansatz gilt als ausschlaggebende Leitidee der Heilpädagogik. Ebenso der Empowerment-Ansatz, der auf dem Selbsthilfeprinzip beruht, stellt eine solche Richtlinie dar. Diese Entwicklungen in Verbindung mit der Normalisierung von Lebensumständen behinderter Menschen, fanden sowohl viele Für- allerdings auch nicht wenige Widersprecher.

Zu Beginn der Arbeit wird eine Vorstellung vermittelt, um welchen Personenkreis es sich hierbei überhaupt handelt. Deshalb wird der Begriff der „geistigen Behinderung“ zunächst näher beleuchtet.
Der Umgang mit Behinderten und auch das Menschenbild änderten sich stets im Wandel der Zeit, unter dem Einfluss gesellschaftlicher Entwicklungen. Diese geschichtlichen Prozesse tragen zur Geistigbehindertenpädagogik, wie sie heute existiert, maßgeblich bei. Auf ihre Inhalte werde ich kurz eingehen. Diese Einführung ist nach des Autors Erachtens notwendig um die Veränderungen und Entwicklungen in der jüngsten Zeit besser verstehen und nachzuvollziehen zu können.
Die Veränderungen, auf die speziell Bezug genommen werden, betreffen die Forderungen nach mehr Selbstbestimmung und Autonomie. Sie entstanden nicht plötzlich, sondern entwickelten sich aus einer unbefriedigenden Situation heraus. Zunächst nur körperbehinderte, dann aber auch Menschen mit geistiger Behinderung machten sich hierfür stark.
Welche Rahmenbedingungen für die Umsetzung dieser Verlangen nötig sind und wie förderliche Unterstützung aussehen sollte wird im Anschluss, genauso wie mögliche hinderliche Faktoren, beschrieben.
Der letzte Teil der Arbeit ist auf Familien und geistig behinderte Töchter bezogen. Hier wird ein Zusammenhang zwischen der elterlichen Erziehung sowie anderen sozialen Einflüssen und den Selbstbestimmungskompetenzen des Kindes hergestellt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG

1. Verständnis des Begriffes „geistige Behinderung“

1.1 Der medizinische Aspekt

1.2 Die psychologische Perspektive

1.3 Die soziologische Perspektive

1.4 Die pädagogische Sichtweise

2. Der Umgang mit Behinderung im Geschichtsverlauf

2.1 Behinderung in der Antike bis zur Industrialisierung

2.2 Behinderung zu Zeiten des Sozialdarwinismus und des Nationalsozialismus in Deutschland

2.3 Entwicklungen nach 1945

2.4 Die heutige Geistigbehindertenpädagogik

2.4.1 Systemisches und konstruktivistisches Denken als Leitlinien

2.4.2 Der phänomenologische Ansatz

3. Selbstbestimmung

3.1 Die Selbstbestimmungs-Bewegung

3.1 Die Bedeutung von Selbstbestimmung

3.1.1 Selbstbestimmung contra Fremdbestimmung

3.1.2 Verantwortbarkeit der Selbstbestimmung auch bei Menschen mit geistigen Behinderungen

3.4 Konsequenzen für die Geistigbehindertenpädagogik

3.4.1 Normalisierung

3.4.2 Das Empowerment-Konzept

3.5 Veränderte Anforderungen an die Pädagogen

3.6 Die dialogische Assistenz

3.7 Die Umsetzung in der Praxis

3.7.1 Umsetzung auf gesellschaftlicher Ebene

3.7.2 Die Umsetzung auf sozial-politischer Ebene

4. Selbstbestimmung in der Herkunftsfamilie

4.1 Exemplarische Interviews mit Müttern und ihren Töchtern mit geistiger Behinderung

4.2 Ergebnisse: Die „behinderte Familie“

4.3 Reaktionen auf eine Behinderung

4.4 Bewältigung und Umgang mit der Behinderung

4.5 Zusammenhänge von Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung und elterlichen Verhaltensweisen

4.6 Pädagogische Hilfen für die Eltern und die Familie

SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung unter besonderer Berücksichtigung der familiären Herkunft und der Rolle der Eltern. Dabei wird analysiert, wie pädagogische Konzepte und gesellschaftliche Rahmenbedingungen Autonomie fördern oder einschränken können.

  • Historische Entwicklung des Umgangs mit Behinderung
  • Theoretische Grundlagen zur Selbstbestimmung und deren Bedeutung
  • Einfluss der Herkunftsfamilie und elterlicher Erziehungsstile
  • Herausforderungen der Selbstbestimmung bei Menschen mit Lernschwierigkeiten

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Selbstbestimmung contra Fremdbestimmung

Jeder Mensch, davon wird ausgegangen, strebt im Laufe seiner Entwicklung nach größtmöglicher Autonomie und Freiheit. Das Wesen des Menschen ist darauf angelegt, es ist ein Grundbedürfnis. Bei jedem Menschen, auch bei solchen mit schwerer geistiger Behinderung, können an seinen Entscheidungen und Handlungen Bedürfnisse abgelesen werden. Wenn aber keine Handlungsräume bereit stehen, werden diese nicht erkannt. Seine Freiheit wird ihm genommen und die Befriedigung seiner Bedürfnisse vorenthalten. Durch Fremdbestimmung kommt es also zur Gefährdung des Wohlbefindens. (vgl. Hahn 1998, S. 5f )

Eltern erziehen ihre Kinder beispielsweise zu wachsender Selbständigkeit dazu, Entscheidungen selbst treffen zu können. Dies funktioniert, indem sie mit voranschreitender Entwicklung zunehmend größere Freiräume zugebilligt bekommen. In diesen können sie selbstbestimmtes Handeln einüben und so Erfahrungen sammeln. Voraussetzung zur Selbstbestimmung ist also Handlungsspielraum, der vielen Menschen mit geistiger Behinderung, wie bereits erwähnt, häufig vorenthalten wird. Möglichkeiten in denen sie eigene Entscheidungen treffen könnten, werden von Bezugspersonen oft übersehen, da sie ihnen selbst klein und unbedeutend erscheinen. Doch auch schon Entscheidungen über Kleidung, die man tragen will oder nicht, oder ob man lieber Tee oder Saft trinkt sind Bereiche über die, selbst Schwerbehinderte bestimmen könnten. Voraussetzung hierfür ist aber, dass man mehrere Alternativen kennt, z. B. hier noch andere Getränke. Man kann nichts wollen, von dessen Existenz man nichts weiß. Demnach müssen Menschen immer wieder neue Anregungen bekommen um ihr Handlungsrepertoire erweitern zu können.

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: Die Autorin legt ihre Motivation dar, die auf persönlichen Erfahrungen im Bereich der Behindertenhilfe basiert und die Relevanz der Selbstbestimmung als Leitkonzept hervorhebt.

1. Verständnis des Begriffes „geistige Behinderung“: Es wird erörtert, dass keine einheitliche Definition existiert und Behinderung vielmehr als prozesshafter Zustand unter Berücksichtigung medizinischer, psychologischer, soziologischer und pädagogischer Aspekte zu verstehen ist.

2. Der Umgang mit Behinderung im Geschichtsverlauf: Das Kapitel zeichnet den historischen Wandel vom Ausschluss und der Verfolgung bis hin zu heutigen integrativen Ansätzen der Geistigbehindertenpädagogik nach.

3. Selbstbestimmung: Dieser Abschnitt thematisiert die Independent-Living-Bewegung und zentrale Konzepte wie Normalisierung und Empowerment, die darauf abzielen, Menschen mit Behinderungen als aktive Subjekte ihrer eigenen Entwicklung zu stärken.

4. Selbstbestimmung in der Herkunftsfamilie: Durch qualitative Interviews mit Müttern und Töchtern wird untersucht, wie familiäre Dynamiken und Bewältigungsstrategien die Selbstbestimmung der Töchter beeinflussen.

SCHLUSSBETRACHTUNG UND AUSBLICK: Es wird resümiert, dass trotz positiver Entwicklungen weiterhin gesellschaftliche und individuelle Barrieren abgebaut werden müssen, um eine echte Selbstbestimmung für Menschen mit geistiger Behinderung zu ermöglichen.

Schlüsselwörter

Selbstbestimmung, Geistige Behinderung, Empowerment, Normalisierung, Herkunftsfamilie, Behindertenpädagogik, Fremdbestimmung, Autonomie, Inklusion, Integrationspädagogik, Lebenshilfe, Elternrolle, Teilhabe, Behindertenhilfe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Konzept der Selbstbestimmung für Menschen mit geistiger Behinderung und untersucht, wie dieses innerhalb des familiären Kontextes gelebt, gefördert oder behindert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die historische Entwicklung der Behindertenpädagogik, die theoretischen Ansätze der Selbstbestimmung und Empowerment sowie die Auswirkungen elterlicher Erziehung auf die Autonomieentwicklung behinderter Töchter.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu schaffen, welche Faktoren den Übergang von einer fremdbestimmten Lebensweise zu einer selbstbestimmten Teilhabe bei geistig behinderten Menschen beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit nutzt qualitative Methoden in Form von halbstrukturierten, leitfadengestützten Einzelinterviews mit Müttern und ihren geistig behinderten Töchtern, um Einblicke in ihre Lebenswirklichkeit zu gewinnen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Aufarbeitung der Begriffe Behinderung und Selbstbestimmung sowie eine empirische Untersuchung, die exemplarisch Familienkonstellationen und deren Umgang mit der Behinderung beleuchtet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Selbstbestimmung, Empowerment, Normalisierung, Autonomie und Familienarbeit im Kontext geistiger Behinderung.

Warum ist das "Empowerment-Konzept" so bedeutend für diese Arbeit?

Das Empowerment-Konzept gilt als entscheidender Paradigmenwechsel, da es die Abkehr von der „Fürsorge-Mentalität“ fordert und den behinderten Menschen als Experten in eigener Sache in den Mittelpunkt stellt.

Wie gehen Familien laut der Untersuchung mit der Behinderung um?

Die Untersuchung zeigt, dass Eltern oft ein Spannungsfeld zwischen Schutzinstinkt (Überbehütung) und dem Wunsch nach Selbstständigkeit des Kindes erleben, wobei der Austausch mit anderen Betroffenen eine wesentliche Stütze bei der Bewältigung darstellt.

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Details

Title
Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung
Subtitle
Eine Studie über Möglichkeiten und Grenzen dieses Handlungsansatzes mit Hinblick auf die Familie
College
Protestant University of Applied Sciences Darmstadt
Grade
1,8
Author
Nicole Bork (Author)
Publication Year
2003
Pages
83
Catalog Number
V20909
ISBN (eBook)
9783638246675
ISBN (Book)
9783638723497
Language
German
Tags
Selbstbestimmung Menschen Behinderung Studie Möglichkeiten Grenzen Handlungsansatzes Hinblick Familie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nicole Bork (Author), 2003, Selbstbestimmung bei Menschen mit geistiger Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20909
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