Zunehmend werden in der heutigen Gesellschaft Jugendliche zu Nichtlesern. Tatsächlich weist auch die internationale PISA-Studie nach, dass in Deutschland Schülerinnen und Schüler, überwiegend Jugendliche, den Anforderungen des Lesens und Textverständnisses nicht gewachsen sind. Untersuchungen ergaben, dass vorrangig bei Haupt- und Realschülern nach dem 12. Lebensjahr ein Leseknick zu bemerken ist, aber auch Unterschiede des Leseinteresses zwischen Mädchen und Jungen treten verstärkt auf. Als Ursache für diesen Wandel wird u. a. die Dominanz des Fernseh- und anderweitiger elektronischer Medienkonsum beigemessen. (vgl. Hintz 2011, S. VII, 9, 70)
Zumal das Lesen selbstverständlich zur Bildungsteilhabe gehört und für den alltäglichen Gebrauch, wie auch in der heutigen Medienkultur von praktischer Bedeutung ist, steht die Schule vor einer großen Herausforderung den Schülern Zugang zur Literatur zu ermöglichen, ihre Lesefreude zu wecken und sie vermehrt zu einem privaten Lesen zu ermutigen (vgl. Hurrelmann/Elias 1998, S.3; vgl. Hintz 2011, S.60,70).
Um das Lesen den Schülern interessant und ansprechend nahezubringen, gibt es dazu verschiedene Methoden, die in der Schule angewandt werden. Eine Alternative davon bietet das ‚Lesetagebuch’. Dazu bot mir das Seminar ‚Schreibaufgaben und Schreibprozesse’ die Möglichkeit mich mit der Methodik des Lesetagebuchs zu beschäftigen und diese mit einer Kommilitonin in einem Referat vorzustellen. Insofern bezieht sich die vorliegende Hausarbeit im Wesentlichen auf eine Referatsausarbeitung.
Neben dem Ziel das Lesetagebuch als eine mögliche Methodenalternative vorzustellen, werde ich zunächst einmal auf die Leseförderung eingehen. Zum Lesetagebuch allgemein, seinen Aufbau und Funktion werde ich anschließend darstellen und mithilfe von Beispielen veranschaulichen. Darauffolgend möchte ich näher auf die Bewertung der Lesetagebucheinträge eingehen und im Anschluss eine kurze Vorstellung der Forschungsergebnisse geben. Abschließend folgt eine eigene Stellungnahme zum gesamten Thema.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Leseförderung
3. Das Lesetagebuch als eine Methode der Leseförderung
3.1 Welchen Zweck erfüllt das Lesetagebuch bei der Leseförderung?
3.2 Aufbau und Inhalt eines Lesetagebuches
3.3 Ziel und Zweck des Lesetagebuchs
3.4 Bezug zum Bildungsplan
3.5 Lehrerfunktion
4. Bewertung von Lesetagebüchern
5. Schülerbeispiele und Anregungen
6. Umsetzungsbeispiele aus Sekundarstufen
7. Forschungsergebnisse.
8. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, das Lesetagebuch als methodische Alternative zur Leseförderung im Deutschunterricht vorzustellen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie diese Methode die Lesemotivation sowie das Textverständnis von Schülerinnen und Schülern unterstützen und vertiefen kann.
- Grundlagen und Stellenwert der Leseförderung
- Konzeption, Aufbau und Zielsetzung des Lesetagebuchs
- Integration in den Bildungsplan sowie die Rolle der Lehrkraft
- Kriterien und Herausforderungen bei der Bewertung kreativer Schülerleistungen
- Empirische Forschungsergebnisse zur Effektivität der Methode
Auszug aus dem Buch
3.2 Aufbau und Inhalt eines Lesetagebuches
Vordergründig sollte das Lesetagebuch zunächst genauer definiert werden. Im Unterschied zu einem traditionellen Tagebuch, das als eine Niederschrift von privaten Erlebnissen, Gedanken, Gefühlen oder einfach von Notizen zu verstehen ist und überwiegend der Kommunikation mit sich selbst dient, geht es im Lesetagebuch wesentlich um eine Dokumentation einer begleitenden Lektüre. Es ist dem herkömmlichen Tagebuch zwar insoweit ähnlich, da viel Freiheit für persönliche Gedanken und Einfälle vorliegen, sich aber in erster Linie nicht auf den Alltag, sondern auf die Leseeindrücke der Lektüre beziehen (vgl. Hintz 2011, S.86f).
In diesem Zusammenhang gibt es unterschiedliche Herangehensweisen der Lesetagebucharbeit. Je nach Schul- und Klassensituation wird entweder mit der Klasse gemeinsam oder Gruppenweise ein Buch gelesen oder es besteht ein offenes Buchangebot, indem einzeln eine Lektüre aus einem Bücherstapel ausgesucht und zu dem schließlich ein Lesetagebuch geführt wird (vgl. Hintz 2011, S.93; vgl. Hintz 2000, S.35). Der letztere Ansatz hat einen Vorteil der Geschlechtsdifferenzierung, da Mädchen und Jungen ihren Interessen und ihrem Alter zufolge unterschiedliche Lesebedürfnisse besitzen (vgl. Hintz 2011, S.XVI). Bemerkenswert ist außerdem, dass durch die Lesetagebucherarbeitung eine Verknüpfung der Lernbereiche Lesen und Schreiben zustande kommt, wobei das Schreiben gegenüber dem Lesen dominiert (vgl. ebd., S.61, 78). Durch das Schreiben kommt es zum Innehalten des Lesens, wodurch eine Überschauung des Gelesenen, Sortieren der Gedanken und tieferes Nachdenken ermöglicht wird (vgl. Hintz 2000, S.37).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Problematik sinkender Leseinteressen bei Jugendlichen und stellt das Lesetagebuch als methodische Antwort darauf vor.
2. Leseförderung: Dieses Kapitel erläutert die Notwendigkeit der Leseförderung als schulischen Arbeitsauftrag zur Entwicklung von Lesekompetenz und Lesemotivation.
3. Das Lesetagebuch als eine Methode der Leseförderung: Hier werden Definition, Ziele, der Aufbau sowie die didaktische Einordnung und die Rolle der Lehrkraft bei dieser Methode detailliert beschrieben.
4. Bewertung von Lesetagebüchern: Das Kapitel diskutiert die Problematik und die Herausforderungen bei der Benotung individueller, kreativer Schülerbeiträge.
5. Schülerbeispiele und Anregungen: Dieser Teil präsentiert praktische Gestaltungsmöglichkeiten für Lesetagebucheinträge, verdeutlicht durch verschiedene Abbildungen.
6. Umsetzungsbeispiele aus Sekundarstufen: Es werden konkrete Anwendungsbeispiele aus verschiedenen Klassenstufen aufgezeigt, um die methodische Flexibilität zu illustrieren.
7. Forschungsergebnisse.: Die Ergebnisse bestätigen die Hypothese, dass das Lesetagebuch eine effektive Methode zur Förderung der Auseinandersetzung mit Literatur darstellt.
8. Resümee: Die Autorin zieht ein persönliches Fazit und bewertet den Einsatz des Lesetagebuchs als wertvolles Instrument für den zukünftigen Grundschulunterricht.
Schlüsselwörter
Lesetagebuch, Leseförderung, Lesekompetenz, Lesemotivation, Literaturunterricht, Schreibaufgaben, Schreibprozesse, Deutschunterricht, Grundschule, Sekundarstufe, Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, Textverständnis, Kreativität, Schülerbeispiele, Bildungsplan.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Lesetagebuch als einer handlungs- und produktionsorientierten Methode im Deutschunterricht zur Förderung der Lesekompetenz und Lesefreude bei Kindern und Jugendlichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Grundlagen der Leseförderung, die praktische Ausgestaltung von Lesetagebüchern, deren Einbindung in den Bildungsplan sowie die kritische Reflexion ihrer Bewertung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, das Lesetagebuch als effektive Methodenalternative vorzustellen, um Schülern einen motivierenden Zugang zur Literatur zu ermöglichen und ihr Leseverhalten nachhaltig positiv zu beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle fachdidaktische Ansätze und Forschungsergebnisse zum Thema Lesetagebuch zusammengeführt und diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Lesetagebuchs, seine Funktion für Schüler und Lehrer, die Auseinandersetzung mit Bewertungskriterien sowie die Darstellung zahlreicher praktischer Anwendungs- und Umsetzungsbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Lesetagebuch, Leseförderung, Literaturunterricht, Lesemotivation, Textverständnis und handlungs- und produktionsorientiertes Lernen.
Warum ist die Bewertung von Lesetagebüchern so problematisch?
Die Bewertung ist schwierig, da Lesetagebücher sehr persönliche und kreative Dokumente sind; eine klassische Notengebung kann die Kreativität einschränken und den Lernprozess hemmen, weshalb alternative Rückmeldungen empfohlen werden.
Welche Rolle spielt der Bildungsplan in diesem Kontext?
Der Bildungsplan betont die Bedeutung der Förderung von Leselust und Sprachhandeln, wobei das Lesetagebuch als eine geeignete Methode für den Einsatz ab dem 3. Schuljahr explizit erwähnt wird.
Wie reagieren Schüler in der Regel auf die Arbeit mit dem Lesetagebuch?
Die Forschungsergebnisse zeigen überwiegend positive Rückmeldungen, da die Methode den Schülern ermöglicht, sich intensiver und persönlicher mit der Lektüre auseinanderzusetzen, was von vielen als effektiv und spaßbringend empfunden wird.
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- Rita Hardlove (Author), 2012, Das Lesetagebuch als eine Methode der Leseförderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209145