Da sich die Analyse dieser Arbeit auf die Erzählung „L’amant“ von Marguerite Duras und deren Verfilmung fokussiert, soll vor allem auf die Medien Literatur und Film in Verbindung mit dem Gedächtnis eingegangen werden. Auf einen Abgleich der Biographie Duras mit der Erzählung beziehungsweise der Verfilmung soll verzichtet werden, da der Fokus auf den Gedächtnisstrategien des jeweiligen Mediums liegt. Insbesondere wird der Präsumtion nachgegangen, ob die Literatur ein größeres Repertoire zur Veranschaulichung von Erinnerungen besitzt oder ob Literatur und Film sogar die gleiche Vielfalt an Erinnerungsstrategien aufweisen können.
Inhaltsverzeichnis
1. „Was, wie und warum erinnern Kulturen?“ – Ein Überblick über die Gedächtnisforschung
2. Medien und Gedächtnis: Zusammenhang und Gedächtnisleistung der Medien
3. Marguerite Duras „L‘amant“ (1984)
3.1 Literatur als Medium des Gedächtnisses
3.2 Gedächtnisstrategien der Erzählung
4. Jean-Jacques Annauds „L’amant“ (1992)
4.1 Film als Medium des Gedächtnisses
4.2 Gedächtnisstrategien des Films
5. Literatur und Film – Gedächtnisparagone?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Gedächtnisstrategien in Marguerite Duras’ autobiographischer Erzählung „L’amant“ und deren filmischer Adaption durch Jean-Jacques Annaud, um die spezifischen Möglichkeiten und Grenzen von Literatur und Film als Medienspeicher für individuelle und kollektive Erinnerungen herauszuarbeiten.
- Grundlagen der kulturwissenschaftlichen Gedächtnisforschung
- Die Rolle der Literatur als Medium des Gedächtnisses
- Die Rolle des Films als Medium des Gedächtnisses
- Vergleichende Analyse der Umsetzung narrativer Erinnerungsstrategien
- Medienästhetische Untersuchung zur Wirksamkeit von Schrift und Bild
Auszug aus dem Buch
3.2 Gedächtnisstrategien der Erzählung
Bei der Erzählung „L’amant“ von Marguerite Duras ist eine Autobiographie nicht vollends nachweisbar. Die Erzählerin schildert autodiegetisch die Erinnerungen von einem Liebesabenteuer ihrer Jugend mit einem reichen Chinesen in der französischen Kolonie Indochina, dem heutigen Vietnam. Ihr Standpunkt der Erzählung, Jahre später als ältere Dame, macht sich in der Erzählung vereinzelt bemerkbar. Passagenweise spricht sie von sich als jungem Mädchen in der dritten Person, was eine Distanzierung zu der Erinnerung veranschaulicht:
Quinze ans et demi. Le corps est mince, presque chétif, des seins d’enfant encore, fardée en rose pâle et en rouge. Et puis cette tenue qui pourrait faire qu’on en rie et dont personne ne rit. Je vois bien que tout est là, Tout est là et rien n’est encore joué, je le vois dans les yeux, tout est déjà dans les yeux. […] La petite au chapeau de feutre est dans la lumière limoneuse de fleuve, seule sur le pont du bac, accoudée au bastingage (MD, S. 29f.).
Man könnte bei dieser Art der Erzählung von einer selbstreflexiven Erzählweise sprechen. Bei dieser Art der Erinnerungswiedergabe spricht man von einer Gedächtnisreflexion, da über die eigenen Erinnerungen nachgedacht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. „Was, wie und warum erinnern Kulturen?“ – Ein Überblick über die Gedächtnisforschung: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen dar, indem es zwischen individuellem und kollektivem Gedächtnis unterscheidet und die Rolle von Medien bei der Speicherung und Selektion von Erinnerungen erläutert.
2. Medien und Gedächtnis: Zusammenhang und Gedächtnisleistung der Medien: Hier wird die Funktion von Medien als Träger und Entlaster des menschlichen Gedächtnisses analysiert sowie deren Bedeutung für das kulturelle Gedächtnis und die Gefahr der Manipulation durch Speichermedien diskutiert.
3. Marguerite Duras „L‘amant“ (1984): Dieser Abschnitt untersucht Literatur als Speichermedium und analysiert die spezifischen narrativen Strategien, mit denen Duras ihre autobiographischen Erinnerungen in der Erzählung „L’amant“ konstruiert.
4. Jean-Jacques Annauds „L’amant“ (1992): Dieses Kapitel widmet sich der filmischen Umsetzung, wobei der Fokus auf den plurimedialen Aspekten des Films und der Anpassung der Gedächtnisstrategien bei der Adaption der literarischen Vorlage liegt.
5. Literatur und Film – Gedächtnisparagone?: Das Schlusskapitel führt einen direkten Vergleich zwischen Literatur und Film hinsichtlich ihrer Gedächtniskompetenz durch und kommt zu dem Ergebnis, dass beide Medien sich in ihrer Wirkung auf das Erinnerungsvermögen komplementär ergänzen.
Schlüsselwörter
Gedächtnisforschung, kollektives Gedächtnis, Medien, Literatur, Film, Marguerite Duras, Jean-Jacques Annaud, Gedächtnisstrategien, autobiographische Erzählung, Narration, Intermedialität, Erinnerung, Vergessen, Speichermedien, Literaturverfilmung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie das menschliche Erinnern in den verschiedenen Medien Literatur und Film strukturiert und gespeichert wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Gedächtnistheorie, die Medialität von Text und Bild sowie die spezifische Analyse von Duras’ Erzählung und deren filmischer Adaption.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Gedächtnisstrategien beider Werke zu vergleichen und zu klären, welches Medium den Erinnerungsprozess auf welche Weise unterstützt oder formt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienkulturwissenschaftliche Analyse, die den Vergleich zwischen Literaturwissenschaft und Filmanalyse auf der Basis von Gedächtnistheorien nutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen erarbeitet, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Gedächtniskonstruktion in der Erzählung von Duras und anschließend der filmischen Transformation durch Annaud.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie kollektives Gedächtnis, Narration, Intermedialität und Gedächtnisstrategien beschreiben.
Wie unterscheidet sich die filmische Erinnerung in Annauds Werk von der literarischen Vorlage?
Während die Erzählung assoziativ und nicht-chronologisch vorgeht, schafft der Film durch eine stärker lineare Struktur und eine spezifische visuelle Bündelung von Motiven eine eigene, kohärente Form der Erinnerung.
Warum wird im Film vermehrt auf Voice-over-Kommentare zurückgegriffen?
Da der Film rein visuelle Grenzen hat, dienen Off-Kommentare dazu, das Innenleben und die reflexiven Prozesse, die in der Literatur direkt durch Sprache vermittelbar sind, für den Zuschauer erfahrbar zu machen.
- Citar trabajo
- Natascha Alexandra Hass (Autor), 2012, Analyse der Gedächtnisstrategien in Marguerite Duras „L’amant“ und der gleichnamigen Verfilmung von Jean-Jacques Annaud, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209154