Die vorliegende Arbeit will der Berechtigung dieses Meinungsphänomens, welches das Bildungssystem der DDR als etwas „Gutes“ in der SED-Diktatur darstellt, nachgehen. Dazu stellt es sich der Frage, welche Ziele das Bildungssystem verfolgte und zeigt dies an Hand des Schulsystems auf. Hierzu soll die strukturelle und inhaltliche Entwicklung kurz nachgezeichnet und eingeordnet werden. Anschließend setzt sich die Arbeit stark mit dem Fach Staatsbürgerkunde auseinander. Hintergrund dessen ist, dass vor allem in diesem Fach die übergeordneten Ziele von Bildung und Schule, nicht nur passiv, sondern aktiv zum Tragen kommen. Mithilfe dessen soll es abschließend zu einer Bewertung des Faches, als auch des Bildungssystems kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINFÜHRUNG
2. DAS SCHULSYSTEM DER DDR
3. DAS SCHULFACH STAATSBÜRGERKUNDE
3.1 DIE ENTSTEHUNG DER STAATSBÜRGERKUNDE
3.2 ZIELE DES STAATSBÜRGERKUNDEUNTERRICHTS
3.3 INSTITUTIONELLE KONSOLIDIERUNG DES STAATSBÜRGERKUNDEUNTERRICHTS
4. STAATSBÜRGERKUNDE - EIN UNMÖGLICHES UNTERRICHTSFACH?
5. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Wirksamkeit des Schulfaches Staatsbürgerkunde im Bildungssystem der DDR, um zu klären, wie das SED-Regime versuchte, durch Bildung gezielt sozialistische Persönlichkeiten zu formen und die eigene Herrschaft zu legitimieren.
- Strukturelle und inhaltliche Entwicklung des DDR-Bildungssystems
- Genese und Zielsetzungen des Faches Staatsbürgerkunde
- Institutionelle Verankerung und Lehrerbildung für den politischen Unterricht
- Spannungsfeld zwischen ideologischer Erziehung und Alltagswirklichkeit
- Ursachen für das Scheitern des Faches als Mittel zur ideologischen Indoktrination
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Entstehung der Staatsbürgerkunde
Die sozialistische Ideologie wurde nicht nur im Hintergrund durch Schule und Massenorganisationen „ansozialisiert“, sondern sollte durch ein eigenes Schulfach den Schülern „eingepflanzt“ werden:
„Das Fach Staatsbürgerkunde ist in ein in seiner Bedeutung für sozialistische Erziehung, für die Vermittlung unserer Ideologie durch nichts zu ersetzendes, unverzichtbares Fach [...] und leistete immer schon einen großen Beitrag dazu, wissenschaftlich begründete Lebenspositionen herauszubilden, Lebensorientierungen zu vermitteln, klassenmäßig geprägte Einsichten in grundlegende, politische und ideologische Zusammenhänge zu gewinnen.“ (Margot Honecker 1989: 49f)
Margot Honecker macht hier kein Geheimnis daraus, dass im Staatsbürgerkundeunterricht die sozialistische Ideologie den Schüler formen soll.
Zur Gründung der DDR bestand jedoch noch ein solches Fach, wie es von Margot Honecker hier beschrieben wurde, nicht. Wie bereits oben beschrieben, wurde mit dem „Gesetz zu Demokratisierung der Schule“ versucht, das Potsdamer Abkommen umzusetzen. In diesem Zuge und anlässlich der Nürnberger Prozesse, ordnet die Provinzialverwaltung Mark Brandenburg im November 1945 an, „daß in allen Schulen Kinder vom 12. Lebensjahr ab wöchentlich 1 Stunde Gegenwartskunde, die als Zeitungslesestunde durchgeführt werden kann, zu erteilen ist“ (die neue schule 1946 zit. n. Grammes et al. 2006: 53). Das Fach wurde meist von Neulehrern unterrichtet, die sich eng an den Kurs der SED hielten. Zur Unterrichtsgestaltung erhielten die Lehrer ab 1948 zentral herausgegeben Themenblätter. Formell wurde das Fach jedoch erst 1950 auf Beschluss des III. Parteitages der SED als Schulfach eingeführt (vgl. Sander 2004: 100).
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINFÜHRUNG: Die Einleitung skizziert das Forschungsinteresse an der Wahrnehmung des DDR-Bildungssystems und definiert die Staatsbürgerkunde als zentralen Referenten zur Analyse des ideologischen Erziehungsauftrags.
2. DAS SCHULSYSTEM DER DDR: Dieses Kapitel erläutert die ideologische Ausrichtung des Bildungswesens von der Nachkriegszeit bis hin zur Etablierung des einheitlichen sozialistischen Schulsystems.
3. DAS SCHULFACH STAATSBÜRGERKUNDE: Das Hauptkapitel befasst sich mit der historischen Entstehung, den Zielen der Indoktrination sowie der institutionellen Konsolidierung durch Lehrerbildung und Fachaufsicht.
4. STAATSBÜRGERKUNDE - EIN UNMÖGLICHES UNTERRICHTSFACH?: Hier wird das Scheitern des Faches durch die Diskrepanz zwischen ideologischer Vorgabe und der gelebten Alltagswirklichkeit der Schüler kritisch analysiert.
5. SCHLUSSBETRACHTUNG: Das Fazit fasst zusammen, dass das Bildungssystem primär als Stütze der SED-Diktatur fungierte, und fordert eine Erweiterung der Erinnerungskultur.
Schlüsselwörter
DDR, Bildungssystem, Staatsbürgerkunde, SED, Sozialismus, Ideologie, Indoktrination, Schulerziehung, Politische Bildung, Marxismus-Leninismus, DDR-Schulpolitik, Gegenwartskunde, Sozialistische Persönlichkeit, Geschichtsbewusstsein, Diktatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Fach Staatsbürgerkunde als zentrales Instrument der SED-Diktatur, um Schüler im Sinne einer sozialistischen Ideologie zu erziehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung des DDR-Schulsystems, die institutionelle Etablierung der Staatsbürgerkunde sowie das Spannungsverhältnis zwischen staatlicher Indoktrination und der individuellen Wahrnehmung der Schüler.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu analysieren, wie das Bildungssystem dazu beitragen sollte, den „sozialistischen Menschen“ zu formen, und warum dies in der Praxis häufig auf Widerstand stieß.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Arbeit, die auf Basis von Fachliteratur, zeitgenössischen Dokumenten und Lehrplänen die strukturelle Entwicklung der Staatsbürgerkunde nachzeichnet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Genese des Faches, die Analyse der expliziten Erziehungsziele und die institutionelle Konsolidierung, inklusive der speziellen Lehrerausbildung und Kontrolle durch das SED-Regime.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind DDR-Bildungssystem, Staatsbürgerkunde, Ideologie, Indoktrination, Sozialistische Erziehung und SED-Herrschaft.
Warum wird Staatsbürgerkunde als "unmögliches Unterrichtsfach" bezeichnet?
Das Fach wird so bezeichnet, weil es an der Spannung zwischen der vom Staat suggerierten heilen Welt und der kritischen Alltagswahrnehmung der Schüler scheiterte, was zu einem opportunistischen Sprachspiel im Unterricht führte.
Welche Rolle spielte die Lehrerbildung in der DDR?
Die Lehrerbildung war stark marxistisch-leninistisch geprägt und unterlag strenger Kontrolle durch das Ministerium für Volksbildung, um sicherzustellen, dass nur linientreue Pädagogen als „neuer Typ des sozialistischen Lehrers“ unterrichteten.
- Arbeit zitieren
- David Jugel (Autor:in), 2012, Staatsbürgerkunde - ein Unterrichtsfach im Spiegel des Bildungssystems der DDR , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209190