Dialekt und guter Stil? Sprachvielfalt im Unterricht


Hausarbeit, 2012

12 Seiten


Leseprobe

Einleitung

Nach einer Kehrtwende innerhalb der Sprachdidaktik und der Gesetzgebung, die sich auch auf die Bildungs- und Lehrpläne auswirkte, werden Dialekte heutzutage im (Deutsch-)Unterricht befürwortet. Nicht zuletzt die Diskussion über Schüler/innen mit Migrationshintergrund und der damit verbundenen Mehrsprachigkeit hat zu einer Renaissance der Dialekte und Varietäten als innerdeutsche Mehrsprachigkeit geführt. Der Anspruch, Dialekte und Varietäten im Deutschunterricht zu behandeln, der von vielen Seiten gestellt wird, trifft dabei auf den Alltag bzw. die Wirklichkeit des Deutschunterrichtes. Es wird sich über die mangelnde Ausdrucksfähigkeit auf hochsprachlicher bzw. stilistischer Ebene der Schüler/innen (SuS) beklagt, und auf der anderen Seite sollen Dialekte und regionale Varietäten vermittelt werden. Wie kann das passen? Hinzu kommt auch noch Folgendes. Während sich früher die Deutschdidaktik bzw. Sprachdidaktik nur mit den innerdeutschen Varietäten auseinandersetzen musste, muss die Sprachdidaktik heutzutage auch die Mehrsprachigkeit von SuS berücksichtigen.

Im Folgenden soll es um die Frage gehen, inwiefern regionale Varietäten als Unterrichtsgegenstand zur Verbesserung des Sprach- und Schreibstils beitragen. Dabei soll auch der Aspekt der Migration miteinbezogen werden.. Als Beispieldialekt soll für die Argumentation stets das Niederdeutsche herangezogen werden. Unter dem Niederdeutschen bzw. Plattdeutschen sind die sprachlichen Varietäten Norddeutschlands zu verstehen. Das Bemerkenswerte am Niederdeutschen ist, dass es bis zum Ausgang des späten Mittelalters und dem Untergang der Hanse, neben dem Latein für die Gelehrten, die einzige Sprache war, mit der in nicht nur im Raum des Hansebundes untereinander und im offiziellen Schriftverkehr kommuniziert wurde (Vgl. von Polenz, 2009, S.60). Das Niederdeutsche besaß dabei eine derartige Stahlkraft, dass es nicht nur auf das Hochdeutsche in Süddeutschland wirkte, sondern auch das Skandinavische beeinflusste (Vgl. ebd., S.61). Außerdem ist das Niederdeutsche seit 1999 eine voll anerkannte Sprache, die durch die EU-Charta zum Erhalt der Regional- oder Minderheitensprachen geschützt wird. (Vgl. Goltz/ Lesle/ Möller 2008, S.6)

Sprachvarietäten im Unterricht-Eine kurze Bestandsaufnahme

Das Verhältnis zu den Sprachvarietäten der SuS hat in den letzten 40 Jahren einen vollkommenen Wandel vollzogen. Wie Neuland und Hochholzer schreiben, sei in den 50er und 60er Jahren der Dialekt zwar als schützenswertes Kulturgut angesehen worden, doch fernab vom Wirklichkeitshorizont der SuS, sodass Wert darauf gelegt wurde, einen standardsprachlichen Unterricht durchzuführen und die die Dialekte außen vor zu lassen. (Vgl. Neuland/ Hochholzer, 2006, S.178)

Dialekt wurde als ein Nachteil für SuS angesehen, der den Schriftspracherwerb, Grammatikkenntnisse u.a. behinderte. Auch das Elternhaus war der Meinung, dass ihre Kinder lieber Hochdeutsch lernen sollten. Dabei haftete dem Dialekt stets etwas Minderwertiges an, der im öffentlichen Raum zur gepflegten Konversation nicht benutzt werden dürfte. (Vgl. ebd., S. 183)

In den 70er Jahren folgte eine Wende in der Didaktik und gerade der Mangel des Minderwertigen sollte beseitigt werden. (Vgl. ebd., S. 181)

Mittlerweile sind in den Lehrplänen die regionalen Varietäten fester Bestandteil. Den Schülern sollen dabei Kenntnisse über Kultur und Literatur des Niederdeutschen vermittelt werden. Dabei soll das Niederdeutsche nicht als Unterrichtseinheit, sondern ständiger Begleiter des Deutschunterrichtes sein. (Vgl. ebd., S. 186)

Steffen Arzberger fasst die heutige Meinung von Dialekten im Unterricht prägnant zusammen. Dialekt werde nicht mehr als defizitär betrachtet. Ziel des Deutschunterrichtes sei es die innerdeutsche Mehrsprachigkeit und ihre situationsgebundene Anwendung zu fördern. Dialekte seien ein Freund beim Erlernen von Fremdsprachen und tragen einen wesentlichen Teil zur Heimatkunde teil. (Vgl. Arzberger, 2008, S.1)

Es stellt sich nun aber die Frage, wie regionale Varietäten zur Verbesserung des Sprach- und Schreibstiles beitragen können?

Zunächst muss man konstatieren, dass Dialekte im alltäglichen Gebrauch zur mündlichen Kommunikation gebraucht werden. Selbstverständlich gibt es Niederdeutsche Literatur, doch der durchschnittliche Dialektsprecher bzw. SuS verfasst keine Niederdeutschen Texte. Gleichwohl zeigen sich in den schriftlichen Erzeugnissen der SuS die regionalen Einflüsse. Das fängt schon mit einzelnen regionalen Bezeichnungen an wie z.B. Brötchen und Semmel. Oder auch regionaltypischen Redensarten wie das süddeutsche „freilich“ und das Bremische „umzu“.

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Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Dialekt und guter Stil? Sprachvielfalt im Unterricht
Hochschule
Universität Bremen
Autor
Jahr
2012
Seiten
12
Katalognummer
V209233
ISBN (eBook)
9783656371380
ISBN (Buch)
9783656371458
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dialekt, stil
Arbeit zitieren
Thore Kühn (Autor), 2012, Dialekt und guter Stil? Sprachvielfalt im Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209233

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