Die nachfolgende Arbeit soll deskriptiv aufzeigen, inwiefern das Medium Video formal und stilistisch die Postmoderne widerspiegelt. Als besondere Ausprägung des Videos soll zudem das Musikvideos und dessen postmoderne Tendenzen betrachtet werden. Hierzu wird im letzten Teil der Arbeit exemplarisch das Video des britischen Musikvideo – Regisseur Chris Cunningham zu Aphex Twins „Windowlicker“ analysiert.
Einen der Hauptreferenzpunkte für die folgende Arbeit wird Ann E. Kaplans Studie Rocking Around the Clock. Music Television, Postmodernism, and Consumer Culture darstellen. Trotz der Umstände, dass diese Arbeit im Zeitraum 1984 – 85 entstanden ist und das heutige MTV nicht mehr den Beschreibungen Kaplans entspricht, soll in dieser Arbeit lediglich das frühe Musikfernsehen betrachtet werden, da Kaplans Beobachtungen dezidiert den Geist der hier zu behandelnden Postmoderne einzufangen versuchen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Das postmoderne Video: Kommerzielles Fernsehen vs. postmoderne Videokunst
III. Das postmoderne Musikvideo: Strukturmerkmale
IV. Musikvideoanalyse: „Windowlicker“ von Aphex Twin (1999) (Dir. Chris Cunningham)
IV.1 Klassifizierung nach Kaplan und Goodwin
IV.2 Postmoderne Tendenzen in „Windowlicker“ (1999)
V. Fazit
VI. Anhang
VI.1 Screenshots
VI.2 „Windowlicker“ (1999) von Aphex Twin (10: 34 Minuten, Format: CD – ROM, Regie: Chris Cunningham)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht deskriptiv, inwiefern das Medium Video – unter besonderer Berücksichtigung des Musikvideos – formale und stilistische Merkmale der Postmoderne widerspiegelt. Ziel ist es, die Verflechtung von kommerziellem Fernsehen und Videokunst aufzuzeigen und anhand der Analyse des Musikvideos „Windowlicker“ von Aphex Twin (Regie: Chris Cunningham) postmoderne Tendenzen wie Pastiche, Intertextualität und die Auflösung von Geschlechteridentitäten kritisch zu hinterfragen.
- Postmoderne Kulturtheorie nach Fredric Jameson
- Gegenüberstellung von kommerziellem Fernsehen und experimenteller Videokunst
- Strukturanalyse des Musikvideos als hybrides Medium
- Dekonstruktion von Pastiche und Narrativität
- Kritische Analyse der Künstlerpersona und Geschlechterrepräsentation
Auszug aus dem Buch
IV.2 Postmoderne Tendenzen in „Windowlicker“ (1999)
Gleich zu Beginn des Videos wird das postmoderne Phänomen Pastiche vorgeführt, das sich durch die gesamte Länge dessen zieht: nach R’n’B – Video – Manier fahren ein Afro – Amerikaner und ein Latino, genannt Homies, durch die kalifornische Abendsonne und sprechen zwei Frauen an, die Hoochies. Sowie der Gebrauch von R’n’B – Klischees – und jargon, der sich in den Begriffen Homies/Hoochies und dem rituellen Anmachen wiederfindet, als auch die Dekonstruktion und Sinnentleerung sprachlicher Signalsignifikanten – die ersten Minuten sind von scheinbar wahllos übermäßigen Wiederholungen der Wörter „fuck“ und „nigger“ durchzogen -, sprechen für eine simple Parodie von Hip Hop – Videos und deren Konventionen. Da jedoch im Video keinerlei Stellung zu diesen verwendeten Konventionen bezogen wird, sondern nur eine reine Wiederverwendung und Abbildung derselben erfolgt, ist hier nicht von Parodie, sondern offensichtlich von Pastiche zu sprechen.
Die folgende Szene verweist auf die erhöhte Materialität in postmodernen (Musik)Videos: eine weiße Limousine rollte von rechts in das Bild und erstreckt sich 22 Sekunden lang über den Bildschirm (03:52 – 04:14). Die Einstellung wirkt comic - haft und unrealistisch, und illustriert Jamesons Aussage „that the most suggestive precursor of the new form [das Video] may be found in animation or animation cartoon“ (Jameson 77) da der Cartoon die erhöhte Materialität und Artifizialität verkörpere. Ein Fenster der Limousine wird heruntergefahren und Aphex Twin maskenhaftes, starr grinsendes Gesicht erscheint. Was folgt ist eine Inszenierung seiner Künstlerpersona, die jedoch auch lediglich pastiche - artig aus popkulturellen Versatzstücken zusammengesetzt ist: Aphex Twins Tanzchoreographie und Kleidung vereint Anspielungen auf Michael Jacksons Musikvideo zu „Smooth Criminal“ (Abb. 1 u. 2), Gene Kellys Tanzfilm Singin‘ in the rain (Abb. 3 u. 4) und Musicalchoreographien von Busby Berkeley (Abb. 5 u. 6) (cf. Bailey). Vor allem Gene Kellys Kultcharakter wird durch Aphex Twins Sexualisierung pervertiert und aus dem kulturgeschichtlichen Kontext gerissen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die postmoderne Theorie nach Fredric Jameson und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich der Spiegelung postmoderner Merkmale im Medium Video.
II. Das postmoderne Video: Kommerzielles Fernsehen vs. postmoderne Videokunst: Untersuchung der dialektischen Beziehung zwischen kommerziellem Fernsehen als Massenmedium und der Videokunst als kritischer Reaktion darauf.
III. Das postmoderne Musikvideo: Strukturmerkmale: Analyse des Musikvideos als hybrides Subgenre, das Merkmale von Massenkultur und Avantgarde vereint und den Zuschauer zum passiven Konsum animiert.
IV. Musikvideoanalyse: „Windowlicker“ von Aphex Twin (1999) (Dir. Chris Cunningham): Exemplarische Untersuchung eines Musikvideos hinsichtlich seiner Klassifizierung nach Ann E. Kaplan und der konkreten Anwendung postmodernen Pastiches.
IV.1 Klassifizierung nach Kaplan und Goodwin: Theoretische Einordnung des Musikvideos in Kategorien von Kaplan sowie Ergänzung um die Dimension der Künstlerrepräsentation nach Goodwin.
IV.2 Postmoderne Tendenzen in „Windowlicker“ (1999): Detaillierte Analyse der im Video verwendeten Strategien wie Pastiche, Dekonstruktion von Geschlechterrollen und Selbstreferentialität.
V. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ambivalenz postmoderner Kunst und der Frage, ob innerhalb spätkapitalistischer Strukturen genuine Kritik überhaupt möglich ist.
VI. Anhang: Dokumentation von Bildmaterial zur Veranschaulichung der intertextuellen Bezüge und strukturellen Merkmale des analysierten Videos.
Schlüsselwörter
Postmoderne, Fredric Jameson, Musikvideo, Pastiche, Videokunst, Kommerzielles Fernsehen, Dekonstruktion, Spätkapitalismus, Ann E. Kaplan, Aphex Twin, Chris Cunningham, Intertextualität, Künstlerpersona, Massenmedien, Simulacrum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das Medium Video – insbesondere Musikvideos – die zentralen ästhetischen und formalen Merkmale der Postmoderne reflektiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die postmoderne Theorie nach Fredric Jameson, die Dialektik zwischen kommerziellem Fernsehen und Videokunst sowie die spezifischen strukturellen Merkmale des Musikvideos.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage ist, inwiefern das Musikvideo als Hybrid aus Massenmedien und Avantgarde die postmoderne Realitätsauffassung, Identitätsfragmentierung und den Verlust historischer Tiefe widerspiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analytische Methode verwendet, die auf kulturwissenschaftlichen Theorien basiert und durch eine exemplarische Filmanalyse ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über postmoderne Videomedien und eine detaillierte Analyse des Musikvideos „Windowlicker“ von Aphex Twin unter Anwendung von Modellen von Kaplan und Goodwin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Postmoderne, Pastiche, Intertextualität, Dekonstruktion, Spätkapitalismus und Künstlerpersona.
Wie wird das Konzept des "Pastiche" im analysierten Video konkret angewendet?
Das Video nutzt Pastiche, indem es visuelle Versatzstücke aus verschiedenen kulturellen Kontexten, wie etwa Musical-Filmen und R’n’B-Videos, unkommentiert miteinander kombiniert, ohne eine übergeordnete narrative oder historische Bedeutung zu erzeugen.
Welche Rolle spielt die Künstlerpersona von Aphex Twin im Video?
Die Künstlerpersona wird dekonstruiert, indem sie lediglich als ein aus Versatzstücken zusammengesetztes Image erscheint, das klassische Vorbilder (wie Gene Kelly) pervertiert und sexuell übersteigert.
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- Sema Kara (Autor), 2012, Video, Fernsehen, Musikvideo. Eine postmoderne Medientrias, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209304