„Für Edward Said ist der Orientalismus ein durch Wissenschaft, den Reisebericht und die fiktive Literatur elaborierter Diskurs, durch den sich Europa seiner politischen, sozialen, militärischen, wissenschaftlichen und kulturellen Überlegenheit über den Orient versichert, der als das grundsätzlich Fremde stilisiert wird.“
Ausgehend von diesem Zitat wird diese These geprüft, und weiter auf die Rolle und die Relevanz der Literatur in Bezug auf die Herausbildung und heutige Bedeutung des Orientalismus eingegangen. Als Vertreter des Orientalismus wurde Edward W. Said mit seinem Werk „Orientalism“ gewählt, da er die Orientalismusforschung salonfähig gemacht hat, aber er auch der erste war, der sich mit der Relation von Literatur und einer Herausbildung eines negativen Orientbildes durch letztere eingehend beschäftigte. Edward Said hat mit seinem Werk „Orientalism“ eine große Debatte losgetreten, was eine vielfältige und breit gefächerte Forschungsliteratur bietet. Insbesondere auf die Beziehung von Orientalismus und Literatur wird in zahlreichen Publikationen eingegangen.
Um das Entstehen des negativen Bildes des Orients in der Literatur, welches offensichtlich zur Entstehung des Orientalismus beigetragen hat zu verdeutlichen wurden zwei Beispiele aus der französischen Literatur gewählt. Erstens „Voyage en Orient“ von Alphonse de Lamartine und zweitens „Itinéraire de Paris à Jerusalem“ von François - René Chateaubriand. Auf eine Zusammenfassung der Werke soll hinsichtlich des geringen Umfangs dieser Arbeit verzichtet werden und nur auf das von Lamartine und Chateaubriand gezeichnete Orientbild, im Hinblick auf die vorher aufgeführten Thesen von Said, eingegangen werden. Diese beiden Autoren wurden als Beispiele einerseits gewählt, da Orientalismus und Kolonialisierung eng verknüpft sind und somit die meisten Beispiele in der französischen und englischen Literatur zu finden sind, da diese Länder zu den größten Kolonialmächten gehörten. Andererseits greift auch Said diese beide Werke auf, da sie deutlich die sich bildende Dichotomie im Bezug auf den Orient aufzeigt und beide Autoren ein negativ konnotiertes Bild des Orients zeichnen.
Des Weiteren soll betrachtet werden, inwiefern Literatur und Medien eine Rolle im Orientalismus heute spielen und ob die modernen Medien die Literatur in Bezug auf die Bildung des Orientalismus heute abgelöst hat.
Abschließend soll ein Fazit die Kernpunkte zusammenfassen und eine Beantwortung der Fragestellung beinhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Orientalismus und seine Beziehung zur Literatur
2.1 Edward Said und seine Orientalismustheorie
2.2 François – René Chateaubriand und sein Orientbild
2.3 Alphonse Lamartine und sein Orientbild
2.4 Zwischenfazit
3. Kritik an Said
4. Ausblick auf die heutige Situation
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Literatur bei der Entstehung und Aufrechterhaltung eines negativen Orientbildes, basierend auf Edward Saids Orientalismustheorie. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie literarische Texte und moderne Medien zur Konstruktion dieses Orientalismus beitragen und welche Möglichkeiten bestehen, diesem durch kritisches Lesen entgegenzuwirken.
- Analyse der Orientalismustheorie von Edward W. Said
- Untersuchung französischer Literaturbeispiele (Chateaubriand und Lamartine)
- Reflektion der methodischen Ansätze wie das "contrapuntal reading"
- Kritische Auseinandersetzung mit der Rezeption von Saids Thesen
- Übertragung der Problematik auf heutige Medien und gesellschaftliche Debatten
Auszug aus dem Buch
2.1 Edward Said und seine Orientalismustheorie
Schon vor Edward Said's Werk „Orientalism“ gab es Veröffentlichungen zum Thema Orientalismuskritik. Said beruft sich auch auf einige; wählt aber eine andere Herangehensweise an die Thematik: Said bezieht sich auch direkt auf die Rolle der Literatur und nicht nur auf die der Geschichte und geht dabei sogar so weit zu sagen, dass der europäische Imperialismus ohne den europäischen Roman gar nicht denkbar gewesen wäre. Des Weiteren vereint Said die unterschiedlichen Ansätze aus verschiedensten Disziplinen wie Islamistik, Anthropologie, Linguistik, Soziologie etc. „zu einem interdisziplinären Fach“. Nach Sardar ist jedoch der wichtigste Punkt, dass Said sich einerseits der Diskursanalyse nach Foucault bedient und andererseits einen Ansatz aus den Literaturwissenschaften benutzt wodurch er „orientalismuskritischen Kräften einen neuen strategischen Ort“ gibt.
Im Folgenden sollen kurz die Hauptthesen Edward Said's aus seinem 1978 erschienenen „Orientalism“ aufgeführt werden. Seiner Meinung nach wird ein Bild des Orients erst von selbsternannten Experten erschaffen, da jeder der über den Orient schreibt oder über ihn forscht automatisch zum Orientalisten wird. Für ihn bedeutet Orientalismus eine Auseinandersetzung mit dem Orient auf der Basis der besonderen Stellung des Orients in der westlichen Welt und er sieht den Orientalismus als „a style of thought based upon an ontological and epistemological distinction made between „the Orient“and (most of the time) „the Occident“. „Der „Orient“, wie er im „Westen“ in Kultur und Theorie konstruiert werde, gäbe es - so Said- nicht. Indem der „Orient“ kulturell als unzivilisiert, irrational, primitiv und minderwertig präsentiert werde, könnten die eigenen wirtschaftlichen und politischen Interessen im Zusammenhang mit der Kolonialisierung und dem Imperialismus als berechtigt legitimiert werden, mehr noch, sie würden als Segen für „die Anderen“ dargestellt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Orientalismus ein und erläutert die Relevanz der Literatur für die Konstruktion eines negativen Orientbildes anhand der gewählten Werke von Chateaubriand und Lamartine.
2. Der Orientalismus und seine Beziehung zur Literatur: Das Kapitel analysiert Edward Saids Theorie und untersucht exemplarisch an Chateaubriand und Lamartine, wie Autoren ein verzerrtes Orientbild in der Tradition des Orientalismus prägten.
2.1 Edward Said und seine Orientalismustheorie: Dieser Abschnitt erläutert die theoretischen Grundlagen von Saids Konzept, insbesondere die Verknüpfung von Literatur, Wissen und politischer Macht.
2.2 François – René Chateaubriand und sein Orientbild: Hier wird das Reisewerk von Chateaubriand im Kontext der Orientalismustheorie betrachtet und dessen Beitrag zur Festigung von Vorurteilen aufgezeigt.
2.3 Alphonse Lamartine und sein Orientbild: Dieser Teil untersucht Lamartines Pilgerreise und zeigt auf, wie er trotz positiver Beschreibungen in der Tradition europäischer Stereotypisierung verharrt.
2.4 Zwischenfazit: Das Zwischenfazit fasst die Ergebnisse der literarischen Analyse zusammen und bestätigt die Bedeutung der Literatur als Medium zur Verbreitung orientalischer Stereotype im 19. Jahrhundert.
3. Kritik an Said: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit den Gegenpositionen zu Saids Thesen auseinander, insbesondere mit Ibn Warraqs Vorwürfen der Unsachlichkeit.
4. Ausblick auf die heutige Situation: Dieser Ausblick beleuchtet die aktuelle Fortführung orientalischer Stereotype in modernen Medien wie Film und Fernsehen und deren politische Implikationen.
5. Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung von Saids Werk für die Kulturwissenschaften und betont die Notwendigkeit eines kritischen Lesens im Umgang mit heutigen medialen Darstellungen.
Schlüsselwörter
Orientalismus, Edward Said, Literatur, Orientbild, Stereotypen, Kolonialismus, Kulturwissenschaften, Kontrapunktisches Lesen, Chateaubriand, Lamartine, Medien, Islamophobie, Diskursanalyse, Okzidentalismus, Repräsentation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und Wirkmacht des Orientalismus, insbesondere mit der Rolle, die die Literatur bei der Konstruktion eines negativen Bildes des Orients gespielt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind Edward Saids Orientalismustheorie, der französische Reisebericht des 19. Jahrhunderts, die Macht von Diskursen sowie die Fortführung dieser Stereotype in modernen Medien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu prüfen, inwieweit die Literatur zur Etablierung eines einseitigen Orientbildes beigetragen hat und wie Leser durch methodische Ansätze, wie das kontrapunktische Lesen, dieser Vereinnahmung begegnen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine diskursanalytische Herangehensweise und stützt sich auf Saids methodischen Ansatz des "contrapuntal reading", um literarische Texte kritisch auf versteckte machtpolitische Implikationen zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Saids theoretische Thesen erläutert, anhand von Reiseberichten von Chateaubriand und Lamartine illustriert, Kritikpunkte an Saids Ansatz debattiert und schließlich der Transfer der Problematik auf die mediale Gegenwart geleistet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Orientalismus, Stereotypisierung, kulturelle Hegemonie, Diskursmacht, Reiseberichte sowie die Notwendigkeit kritischer Medien- und Literaturrezeption.
Wie unterscheidet sich die Darstellung bei Chateaubriand von der bei Lamartine?
Während Chateaubriand den Orient primär als religiös und politisch rückständig beschreibt, das nach europäischer Erlösung schreit, integriert Lamartine zwar positivere Bilder der Bevölkerung, bleibt jedoch im Kern derselben eurozentrischen Tradition verhaftet.
Wie bewertet die Arbeit die Kritik von Ibn Warraq an Said?
Die Arbeit stuft die Kritik von Warraq teilweise als destruktiv und unsachlich ein, erkennt jedoch an, dass methodische Einwände hinsichtlich der Auswahl der Beispiele Saids analytische Arbeit als Diskussionsgrundlage keineswegs entwerten.
- Arbeit zitieren
- Esther Ecke (Autor:in), 2012, Edward Said und der Orientalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209363