In der letzten Dekade wurden der Sozialstaat und der Arbeitsmarkt der Bundesrepublik stark reformiert. Besonders die in der Regierung von Bundeskanzler Schröder (1998-2005) umgesetzte Agenda 2010, die das Ziel hatte, günstige Rahmenbedingungen für Wachstum und Beschäftigung zu schaffen, war die Grundlage des Umbaus des Sozialstaates und des Arbeitsmarkts. Der Arbeitsmarkt und das Sozialsystem mit der gesetzlichen Rentenversicherung wurden aus mehreren Gründen geändert:
- Der gestiegene Druck auf den Arbeitsmarkt durch die Globalisierung,
- das damit einhergehende Sinken der Sozialversicherungsbeiträge im Sozialsystem,
- der demographische Wandel sowie
- die Ziele der Europäischen Union (im Folgenden EU genannt), mit der Lissabon-Strategie die Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität im europäischen Wirtschaftsraum zu erhöhen.
In der politischen Debatte stehen der Agenda 2010 u. a. Gewerkschaften und Sozialverbände kritisch gegenüber, da sie statt eines Umbaus des Sozialsystems eher einen Abbau desselben und eine Spaltung der Gesellschaft befürchten. Besonders die Deregulierung und Flexibilisierung des Arbeitsmarkts bewirkten, dass der Anteil atypischer Beschäftigungsformen wie Teilzeitarbeit oder Leiharbeit zu Lasten von Normalarbeitsverhältnissen stieg. Mit atypischen Beschäftigungsformen geht oft das Fehlen eines existenzsichernden Einkommens, sozialer Absicherung, sowie betrieblicher Sozialleistungen einher. Mit der Zunahme dieser atypischen Beschäftigung ging auch ein deutlicher Anstieg der Beschäftigten mit Niedriglohn einher.
Bei der Berechnung der Rentenhöhe gilt in der Bundesrepublik das Äquivalenzprinzip: Die Rente ist eine beitragsbezogene Leistung, die sich aus der Dauer und der Höhe der entrichteten Rentenversicherungsbeiträge während der Erwerbstätigkeit ergibt. Da die Höhe der Rentenversicherungsbeiträge vom jeweiligen Lohn des Erwerbstätigen abhängt, ist der Lohn mittelbar mit der Rentenhöhe verknüpft. Daher geht mit einem niedrigen Lohn auch eine niedrige Rente einher, die für den Betroffenen Armut im Alter bedeuten kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Ziel und Gang der Arbeit
2. Bestandsaufnahme des Arbeitsmarkts hinsichtlich des Niedriglohns in Deutschland
2.1. Arten der Erwerbsformen auf dem Arbeitsmarkt
2.2. Anteil der Erwerbsformen auf dem Arbeitsmarkt
2.3. Bedeutung der Normalarbeitsverhältnisse und der atypischen Arbeitsverhältnisse für den Niedriglohnsektor
3. Gesetzliche Rentenversicherung
3.1. Einführung
3.2. Faktoren zur Berechnung der Regelaltersrente
3.3. Standardrente als charakteristische Kennzahl
3.4. Rentenerwartung nach Beschäftigung im Niedriglohn-sektor
3.5. Ergebniskritik an der Rentenerwartung nach Beschäftigung im Niedriglohnsektor
4. Rentenerwartung und Altersarmut
4.1. Kennzahlen nach Definition der Europäischen Union
4.2. Kennzahl nach Grundsicherungsbedarf
4.3. Bewertung der Rentenerwartung
5. Zusammenfassung
5.1. Wichtige Ergebnisse
5.2. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Beschäftigungsverhältnissen im Niedriglohnsektor auf das Risiko von Altersarmut in Deutschland. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, inwiefern eine langfristige Erwerbstätigkeit unter Niedriglohnbedingungen die spätere Rentenerwartung beeinflusst und ob diese zur Sicherung des Lebensunterhalts im Alter ausreicht.
- Analyse der Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes und der Zunahme atypischer Beschäftigungsformen.
- Darstellung der Rentenberechnungsmechanismen in der gesetzlichen Rentenversicherung.
- Modellhafte Berechnung der "verminderten Standardrente" für Geringverdiener.
- Vergleich der Rentenansprüche mit EU-weiten Armutsgefährdungsschwellen und dem Grundsicherungsbedarf.
Auszug aus dem Buch
1.1. Problemstellung
In der letzten Dekade wurden der Sozialstaat und der Arbeitsmarkt der Bundesrepublik stark reformiert. Besonders die in der Regierung von Bundeskanzler Schröder (1998-2005) umgesetzte Agenda 2010, die das Ziel hatte, günstige Rahmenbedingungen für Wachstum und Beschäftigung zu schaffen, war die Grundlage des Umbaus des Sozialstaates und des Arbeitsmarkts. Der Arbeitsmarkt und das Sozialsystem mit der gesetzlichen Rentenversicherung wurden aus mehreren Gründen geändert:
− Der gestiegene Druck auf den Arbeitsmarkt durch die Globalisierung,
− das damit einhergehende Sinken der Sozialversicherungsbeiträge im Sozialsystem,
− der demographische Wandel sowie
− das Ziel der Europäischen Union (im Folgenden EU genannt), mit der Lissabon-Strategie die Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität zu erhöhen und somit zum dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt zu werden.
In der politischen Debatte stehen der Agenda 2010 u. a. Gewerkschaften und Sozialverbände kritisch gegenüber, da sie statt eines Umbaus des Sozialsystems eher einen Abbau desselben und eine Spaltung der Gesellschaft befürchten. Besonders die Deregulierung und Flexibilisierung des Arbeitsmarkts bewirkten, dass der Anteil atypischer Beschäftigungsformen wie Teilzeitarbeit oder Leiharbeit zu Lasten von Normalarbeitsverhältnissen stieg. Mit atypischen Beschäftigungsformen geht oft das Fehlen eines existenzsichernden Einkommens, sozialer Absicherung, sowie betrieblicher Sozialleistungen einher. Mit der Zunahme dieser atypischen Beschäftigung ging auch ein deutlicher Anstieg der Beschäftigten mit Niedriglohn einher. Für den Arbeitnehmer bedeutet dies ein Einkommen am Rande zur oder unter der Armutsgrenze.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Arbeitsmarktreformen (Agenda 2010) ein und begründet die Relevanz der Untersuchung des Niedriglohnsektors im Kontext der Rentenversicherung.
2. Bestandsaufnahme des Arbeitsmarkts hinsichtlich des Niedriglohns in Deutschland: Hier wird der Strukturwandel auf dem Arbeitsmarkt hin zu mehr atypischer Beschäftigung beleuchtet und die Bedeutung dieser Formen für den Niedriglohnsektor quantifiziert.
3. Gesetzliche Rentenversicherung: Dieses Kapitel erläutert das Äquivalenzprinzip der Rentenberechnung und führt die Kennzahlen der Standardrente sowie der verminderten Standardrente für Niedriglohnempfänger ein.
4. Rentenerwartung und Altersarmut: Hier werden Rentenansprüche mit den Definitionen von relativer Armut (EU-Schwellenwerte) und der staatlichen Grundsicherung in Beziehung gesetzt.
5. Zusammenfassung: Die zentralen Erkenntnisse über den Zusammenhang von Niedriglohnbeschäftigung und Altersarmut werden zusammengefasst und durch einen Ausblick auf künftige demographische Herausforderungen ergänzt.
Schlüsselwörter
Altersarmut, Niedriglohnsektor, Rentenversicherung, Atypische Beschäftigung, Normalarbeitsverhältnis, Standardrente, Grundsicherung, Rentenerwartung, Erwerbsbiographie, Armutsgefährdung, Sozialstaat, Agenda 2010, Entgeltpunkte, Äquivalenzprinzip.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich eine dauerhafte Beschäftigung im Niedriglohnsektor auf die Rentenhöhe auswirkt und ob die dadurch erworbenen Rentenansprüche das Risiko für Altersarmut erhöhen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes, die Mechanismen der gesetzlichen Rentenversicherung sowie die Definitionen und Kennzahlen zur Armutsmessung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Grad der Beeinflussung der drohenden Altersarmut durch Niedriglohn-Beschäftigungsverhältnisse anhand von modellhaften Rentenbiographien wissenschaftlich zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es werden Datenanalysen von Arbeitsmarktstatistiken und rentenrechtliche Berechnungen (Rentenformel) herangezogen, um theoretische Rentenansprüche mit Armutsschwellen zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Arbeitsmarktstrukturen, die Erläuterung des Rentenberechnungssystems und eine kritische Bewertung der Rentenerwartung im Vergleich zu EU-Armutsdefinitionen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Altersarmut, Niedriglohnsektor, atypische Beschäftigung, Äquivalenzprinzip und die verminderte Standardrente.
Was genau ist die "verminderte Standardrente"?
Diese Kennzahl wurde vom Autor entwickelt, um auf Basis einer 45-jährigen Erwerbsbiographie im Niedriglohnsektor die zu erwartende Bruttorente einer Person zu modellieren.
Warum wird für die Analyse das Jahr 2010 als Datenbasis gewählt?
Das Jahr 2010 wurde gewählt, da zu diesem Zeitpunkt alle relevanten Daten vollständig ermittelt und von den Behörden offiziell bestätigt vorlagen, was eine hohe Vergleichbarkeit ermöglicht.
- Citar trabajo
- Gino Pometti (Autor), 2013, Beeinflussung der drohenden Altersarmut durch Niedriglohn-Beschäftigungsverhältnisse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209430