Im Jahr 1983 prophezeite der bereits verstorbene Ex-FDP-Politiker und Soziologe Ralf Dahrendorf das „Ende des sozialdemokratischen Jahrhunderts“. Seine Thesen hat er 1999 verfestigt. Nach dem grandiosen Wahlsieg der SPD bei der Bundestagswahl 1998 schien sich Dahrendorfs Vorhersage als falsch zu erweisen. Elf Jahre später ist es um die deutsche Sozialdemokratie nicht mehr gut bestellt. Bei der Bundestagswahl 2009 ist die SPD auf ein historisches Tief abgestürzt. 23 % der Zweitstimmen sind das schlechteste Ergebnis der Partei in der Nachkriegsgeschichte. Sinkende Mitgliedszahlen und "Vergreisung“ der Partei sind weitere Problemfelder, denen die Sozialdemokratie gegenüber steht.
Wie ist es zu erklären, dass sich die SPD im Niedergang befindet und bei der Bundestagswahl nur 23 % der Zweitstimmen erreicht hat? Mit dem Beantworten der Fragestellung sollen die Gründe aufgezeigt werden, warum die SPD so massiv an Wählerstimmen verloren hat. Für die Parteienforschung ist dies ein relevanter Untersuchungsgegenstand. Auch für die Parteien selbst kann eine
Ursachenanalyse ermöglicht werden, um in Zukunft wieder mehr Wählerpotenzial zu erreichen. Die Relevanz dieser Fragestellung ist dadurch gegeben.
Zur Analyse der schlechten Situation der SPD sollen verschiedene Ursachen über bestimmte Zeiträume miteinander verknüpft werden. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass lang-, mittel- und kurzfristige Gründe separat betrachtet nicht ausreichen, um das erdrutschartige Abstürzen der Sozialdemokraten erklären zu können. Die Ausarbeitung bestimmter Empfehlungen für einen möglichen Weg aus der SPD-Krise ist dagegen kein Gegenstand dieser Arbeit.
Zuerst werden im Punkt 2. langfristige Ursachen analysiert, die in der Literatur als Hauptkriterien für die Entstehung und Veränderung des deutschen Parteiensystems interpretiert werden. Unter 3. wird die SPD in den Jahren der Kanzlerschaft Gerhard Schröders analysiert, weil in diesem Zeitraum die Entstehung einer gesamtdeutschen Partei links von den Sozialdemokraten die deutsche Parteienlandschaft verändert hat. Der Punkt 4. beschäftigt sich zu guter letzt mit dem Wahlkampf der SPD 2009 als kurzfristige Ursache für ihre Niederlage bei der Bundestagswahl des vergangenen Jahres.
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Fragestellung der Arbeit und deren Relevanz
1.2. Begründete Vorgehensweise und Methodik
1.3. Forschungstand
2. Langfristige strukturelle Ursachen
2.1. Die Auflösung alter Konfliktlinien
2.2. Die Auflösung sozialmoralischer Milieus
3. Mittelfristige Ursache: Die SPD während der Kanzlerschaft Gerhard Schröders
3.1. Der Verlust des Integrationspotenzials breiter Wählerschichten
3.2. Die Agenda 2010 als Ursache für das Entstehen einer gesamtdeutschen Partei links von der SPD
4. Kurzfristige Ursache – Die SPD im Bundestagswahlkampf 2009
4.1. Das Profil und der Wahlkampf der Union als eine Ursache für die Wahlniederlage der SPD
4.2. Unglaubwürdiges Agieren in der Wirtschafts- und Finanzkrise
4.3. Der Wahlkampf gegen die FDP
5. Fazit
Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was war das historische Tief der SPD bei der Bundestagswahl 2009?
Die SPD erreichte bei der Bundestagswahl 2009 lediglich 23 % der Zweitstimmen, was das schlechteste Ergebnis der Partei in der Nachkriegsgeschichte darstellte.
Welche langfristigen Ursachen führten zum Niedergang der SPD?
Zu den langfristigen strukturellen Ursachen gehören die Auflösung alter Konfliktlinien und der Zerfall sozialmoralischer Milieus, die früher die Stammwählerschaft der SPD bildeten.
Welche Rolle spielte die Kanzlerschaft von Gerhard Schröder für die SPD-Krise?
Während der Kanzlerschaft Schröders verlor die SPD ihr Integrationspotenzial für breite Wählerschichten. Besonders die Agenda 2010 gilt als Ursache für das Entstehen einer Konkurrenzpartei links der SPD.
Wie beeinflusste der Wahlkampf 2009 das Ergebnis der SPD?
Kurzfristige Ursachen waren ein unglaubwürdiges Agieren in der Wirtschafts- und Finanzkrise sowie ein Wahlkampfprofil, das gegen die Union und die FDP nicht überzeugen konnte.
Was prophezeite Ralf Dahrendorf bezüglich der Sozialdemokratie?
Bereits 1983 prophezeite Dahrendorf das „Ende des sozialdemokratischen Jahrhunderts“, eine These, die er 1999 angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen bekräftigte.
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- Felix Reibestein (Author), 2010, Die Ursachen für die Wahlniederlage der SPD bei der Bundestagswahl 2009, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209546