Umweltgüter, wie zum Beispiel die Luftqualität, die Biodiversität oder die Klimastabilität, haben in der Regel die Eigenschaften von öffentlichen Gütern und ihre Nutzung ist daher nicht durch Eigentumsrechte eingeschränkt. Ihr Wert kann – im Gegensatz zu Marktgütern – nicht anhand der Marktpreise ermittelt werden. Um den Wert von Umweltgütern dennoch in Politikentscheidungen und in sozialen Kosten-Nutzen-Analysen angemessen zu berücksichtigen, empfiehlt sich ihre monetäre Bewertung.
Der Lebenszufriedenheitsansatz ist eine ökonomische Methode zur Bewertung nicht-marktgängiger Güter, zu denen die Umweltgüter gehören. Bei dieser Methode werden empirische Daten zur selbsteingeschätzten Lebenszufriedenheit der Menschen dazu verwendet, das subjektive Wohlbefinden als eine Funktion des Einkommens und der Umweltbedingungen zu modellieren. Zunächst wird hierbei ermittelt, welchen Einfluss das Einkommens sowie das betrachtete Umweltgut auf die Zufriedenheit eines Menschen haben. Auf dieser Basis lässt sich die Grenzrate der Substitution zwischen Einkommen und Umweltgut errechnen. Diese gibt jenen Einkommensbetrag an, der notwendig wäre, um eine (marginale) Änderung der Umweltbedingungen zu kompensieren und so die Zufriedenheit konstant zu halten.
Die monetären Werte, die für Umweltgüter mit dem Lebenszufriedenheitsansatz ermittelt wurden, sind in vielen Studien sehr hoch. Sie übersteigen jene Werte, die mit anderen Umweltbewertungsmethoden wie Revealed- oder Stated-Preference-Methode ermittelt wurden, um ein Vielfaches. Dies liegt vor allem daran, dass der Grenznutzen des Einkommens bei diesen Studien als relativ gering eingeschätzt wird, der Einkommenskoeffizient im Regressionsmodell also relativ klein ist.
Die Arbeit beschäftigt sich daher mit der Frage, wie sich die Erfassung des Einkommens und seine Bedeutung für die Lebenszufriedenheit auf die Ergebnisse der Bewertung von Umweltgütern nach dem Lebenszufriedenheitsansatz auswirken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Umweltbewertung
2.1 Sinn von Umweltbewertungen
2.2 Nutzenbegriff der Umweltbewertungsmethoden
2.3 Revealed Preferences: Hedonic-Pricing-Methode
2.3.1 Einschränkende Annahmen
2.3.2 Entscheidungsnutzen und Entscheidungsanomalien
2.4 Stated Preferences: Contingent-Valuation-Methode
2.4.1 Embedding Effects
2.4.2 Präferenzen versus Einstellungen
2.4.3 Strategisches Verhalten
2.4.4 Ungleichheit WTP und WTA
3. Lebenszufriedenheitsansatz
3.1 Datenherkunft
3.2 Datenqualität
3.3 Berechnung WTP und WTA
3.4 Stärken und Schwächen des Lebenszufriedenheitsansatzes
3.4.1 Strategisches Verhalten/ Anwendbarkeit
3.4.2 Annahmen/ Informationsstand der Befragten
3.4.3 Komplementäre Ansätze
3.4.4 Verzerrungen der Umweltwerte
3.5 Verzerrungen des Einkommenskoeffizienten
3.5.1 Auslassen relevanter Variablen: Charaktereigenschaften
3.5.2 Messfehler
3.5.3 Opportunitätskosten des Einkommens
3.5.4 Indirekte Effekte des Einkommens
3.5.5 Auslassen relevanter Variablen: Relativeinkommen
4. Einkommen und Lebenszufriedenheit
4.1 „Money buys happiness“
4.1.1 Einkommen und Grundbedürfnisse
4.1.2 Abnehmender Grenznutzen
4.1.3 Reversible Kausalität
4.2 Das Easterlin-Paradox
4.2.1 Auf makroökonomischer Ebene
4.2.2 Auf individueller Ebene
4.3 Soziale Vergleiche
4.3.1 Theorie
4.3.2 Empirische Beweise – „Keeping up with the Joneses“
4.3.3 Ausmaß des Einflusses sozialer Vergleiche
4.4 Gewöhnungseffekte
4.4.1 Theorie
4.4.2 Empirische Beweise – „Gewohnheit ist unsere Natur“
4.4.3 Zusammenfassung der Einkommenseffekte
5. Umweltwerte und die Erfassung des Einkommens
5.1 Monetäre Bewertungen der Luftqualität
5.2 Die vollständige Erfassung des Einkommens im Lebenszufriedenheitsansatz
5.2.1 Fixed-Effects-Modelle und die Instrumentierung des Einkommens
5.2.2 Berücksichtigung der indirekten Effekte des Einkommens
5.2.3 Berücksichtigung des sozialen Relativeinkommens
5.2.4 Berücksichtigung des Gewöhnungseffektes
6. Fazit
7. Literatur
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht, wie die Erfassung des Einkommens und dessen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit die monetäre Bewertung von Umweltgütern mittels des Lebenszufriedenheitsansatzes methodisch beeinflussen.
- Vergleich des Lebenszufriedenheitsansatzes mit klassischen Bewertungsmethoden (Revealed- und Stated-Preference-Ansätze).
- Analyse der Verzerrungsfaktoren des Einkommenskoeffizienten in Regressionsmodellen.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Einkommen, sozialem Vergleich und Gewöhnungseffekten.
- Evaluierung von Ansätzen zur vollständigen Erfassung des Einkommens, wie etwa Fixed-Effects-Modelle oder Instrumentvariablen.
- Darstellung der Auswirkungen unterschiedlicher Einkommenserfassungen auf die monetäre Bewertung von Luftqualität.
Auszug aus dem Buch
2.3 Revealed Preferences: Hedonic-Pricing-Methode
Bei Revealed-Preference-Methoden wird der Wert von Umweltgütern geschätzt, indem die Entscheidungen beobachtet und evaluiert werden, die Menschen in realen Märkten treffen und die indirekt eine Wertschätzung des Umweltgutes erkennen lassen. Dies ist der Fall, wenn der Zustand des Umweltgutes den Preis marktgängiger Güter beeinflusst. So könnte zum Beispiel die Luftqualität oder die Lärmbelastung in einem Wohngebiet die Häuser- und Wohnungspreise beeinflussen. Der erste Versuch, den Nutzen einer Umweltqualitätsverbesserung mithilfe der Werte von Wohneigentum zu erfassen, wurde von dem Ökonom Ridker 1967 unternommen. Er erbrachte den empirischen Beweis, dass die Luftverschmutzung den Wert des Wohneigentums beeinflusst. In der Folge wurden viele Studien, welche Umweltgüter indirekt über die Marktpreise von Wohneigentum bewerten, veröffentlicht (vgl. Freeman 1993: 369).
Der gebräuchlichste Revealed-Preference-Ansatz ist die Hedonic-Pricing-Methode (vgl. Fujiwara/ Campbell 2011: 12f). Bei der Hedonic-Pricing-Methode werden Daten des Wohnungsmarktes oder des Arbeitsmarktes verwendet. Es wird davon ausgegangen, dass die Wohnungspreise und die Löhne im untersuchten Gebiet den Umweltzustand der Region widerspiegeln. Wenn Individuen sich zwischen verschiedenen Wohnorten entscheiden, wägen sie die Charakteristiken der Wohnorte gegeneinander ab. Dies enthüllt etwas darüber, wie sie die lokalen Umweltbedingungen wertschätzen. Diese Wohnortentscheidungen beeinflussen die Häuserpreise und die Löhne, welche sich im Marktgleichgewicht dem Nutzen des Wohnortes angleichen müssten. Ansonsten hätten die Individuen einen Anreiz umzuziehen und würden dies auch tun, wenn das Umziehen mit keinerlei Kosten verbunden wäre. Die Häuserpreise sowie die Löhne enthielten damit eine Kompensation für den Umweltzustand der Region und würden implizit die Willingness-to-Pay für die Umweltqualität widergeben (vgl. Ferreira/ Moro 2010: 252; Welsch/ Kühling 2009: 387; Frey et al. 2004: 7). Bei der Hedonic-Pricing-Methode kann der Preis eines Wohnhauses als Funktion seiner Charakteristiken dargestellt werden, wie unter anderem der Anzahl der Zimmer, der Wohnlage oder dem Umweltzustand des Wohnortes. Unterscheiden sich zwei Wohnhäuser lediglich in der sie umgebenden Umweltqualität, stellt die Differenz im Preis den Wert der Umweltqualitätsabweichung dar (vgl. Fujiwara/ Campbell 2011: 13).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Diese Einleitung erläutert die Relevanz der monetären Umweltbewertung und stellt den Lebenszufriedenheitsansatz als Methode vor, deren Ergebnisse oft durch methodische Mängel bei der Einkommenserfassung verzerrt sind.
2. Umweltbewertung: Dieses Kapitel vergleicht etablierte Bewertungsmethoden wie die Hedonic-Pricing- und die Contingent-Valuation-Methode, wobei deren Annahmen und Schwächen gegenüber dem Lebenszufriedenheitsansatz herausgearbeitet werden.
3. Lebenszufriedenheitsansatz: Das Kapitel führt in den Ansatz ein, erörtert die Datenqualität und die mathematische Berechnung der Zahlungsbereitschaft, bevor zentrale Verzerrungsfaktoren des Einkommenskoeffizienten identifiziert werden.
4. Einkommen und Lebenszufriedenheit: Es wird der aktuelle Forschungsstand zum Zusammenhang zwischen Einkommen und Glück dargelegt, insbesondere im Hinblick auf das Easterlin-Paradox, soziale Vergleiche und Gewöhnungseffekte.
5. Umweltwerte und die Erfassung des Einkommens: Das Kapitel stellt empirische Ergebnisse zur Bewertung der Luftqualität gegenüber und diskutiert Strategien zur präziseren Schätzung des Einkommenskoeffizienten in Lebenszufriedenheitsregressionen.
6. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die genauere Berücksichtigung von Einkommensfaktoren essenziell ist, um die Plausibilität von Umweltbewertungen zu erhöhen und Verzerrungen zu minimieren.
Schlüsselwörter
Lebenszufriedenheitsansatz, Umweltbewertung, Einkommen, Willingness-to-Pay, Hedonic-Pricing-Methode, Contingent-Valuation-Methode, soziales Relativeinkommen, Gewöhnungseffekte, Easterlin-Paradox, Regressionsanalyse, Grenzrate der Substitution, Umweltgüter, Nutzentheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie die Erfassung des Haushaltseinkommens und dessen ökonomische Bedeutung die Ergebnisse der monetären Umweltbewertung innerhalb des Lebenszufriedenheitsansatzes beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die ökonomische Theorie der Umweltbewertung, die empirische Glücksforschung sowie ökonometrische Ansätze zur Modellierung des Zusammenhangs zwischen Einkommen und Lebenszufriedenheit.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, inwieweit methodische Unzulänglichkeiten bei der Erfassung des Einkommens und dessen Einflüsse (wie relative Vergleiche oder Gewöhnung) zu verzerrten Umweltwerten im Lebenszufriedenheitsansatz führen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse und den Vergleich ökonomischer Studien, die ökonometrische Regressionsmodelle und Survey-Daten zur Bewertung nicht-marktgängiger Güter verwenden.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil besonders im Fokus?
Im Hauptteil werden sowohl klassische Bewertungsmethoden verglichen als auch detailliert Faktoren wie die Endogenität des Einkommens, soziale Vergleichseffekte und der Einfluss vergangener Einkommen auf die aktuelle Zufriedenheit beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die wissenschaftliche Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Lebenszufriedenheitsansatz, Umweltbewertung, Einkommensverzerrung und relative Einkommenshypothese definieren.
Wie unterscheidet sich der Lebenszufriedenheitsansatz methodisch von der Contingent-Valuation-Methode?
Während die Contingent-Valuation-Methode auf hypothetischen Märkten basiert und direkte Zahlungsbereitschaften abfragt, nutzt der Lebenszufriedenheitsansatz Daten zur subjektiven Lebenszufriedenheit, um indirekt den Nutzen einer Umweltveränderung zu substituieren.
Warum wird der Einkommenskoeffizient in vielen Studien als verzerrt angesehen?
Da viele Studien Faktoren wie das relative Einkommen (Vergleich mit anderen) oder Gewöhnungseffekte vernachlässigen, wird der Einfluss des absoluten Einkommens oft falsch eingeschätzt, was zu unplausibel hohen monetären Umweltwerten führen kann.
- Citar trabajo
- Sonja Eikmeier (Autor), 2012, Die Rolle des Einkommens bei der Umweltbewertung nach dem Lebenszufriedenheitsansatz, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209588