Die Frauenfiguren Nora in Ibsens "Et dukkehjem" und "Fröken Julie" in dem gleichnamigen Drama von Strindberg leben beide in einer von Männern dominierten Welt. Nora scheint eine Puppe zu sein, die nach dem Willen ihres Mannes tanzt, während Fröken Julie zunächst unabhängig zu sein scheint. Eine gleichzeitige Betrachtung der beiden Dramen wirft Fragen zum sozialhistorischen Kontext auf. Hatten die Frauen zur damaligen Zeit die Möglichkeit, sich frei zu entfalten und im Hinblick auf ihre familiäre Situation (Ehepartner) sowie unter dem Aspekt der gesellschaftlichen Normen und Erwartungen eine eigene Unabhängigkeit zu erlangen? Oder führte jeglicher Versuch, Freiheitsrechte zu fordern, zum Ausschluss aus der Normgesellschaft?
Ziel dieser Hausarbeit ist es, die komplexen Figuren Nora und Fröken Julie zu charakterisieren sowie ihr Verhältnis zu den männlichen Hauptpersonen ( Jean und Torvald Helmer) darzustellen. Außerdem soll das jeweilige Ende der beiden Protagonistinnen untersucht werden. Die Nebenfiguren sollen nicht betrachtet werden, da dies den Rahmen der Hausarbeit sprengen würde.
Die Arbeit skizziert zunächst die Charaktereigenschaften von Fröken Julie und Nora und geht dann auf ihre Beziehung zu Männern ein. Abschließend sollen die beiden Figuren unter dem Aspekt "Selbstbefreiung oder Selbstaufgabe" betrachtet werden. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf den gesellschaftlichen Stand gelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Charakterisierung
2.1 Fröken Julie
2.2 Nora
3. Abhängigkeit von männlichem Partner und gesellschaftliche Erwartungen
3.1 Nora: Abhängig oder emanzipiert?
3.2 Fröken Julie: Selbstbewusst oder verletzlich?
4. Selbstbefreiung oder Selbstaufgabe?
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
6.1 Primärliteratur
6.2 Sekundärliteratur
6.3 Internetquellen
Häufig gestellte Fragen
Was verbindet die Figuren Nora und Fröken Julie?
Beide Frauen leben in einer von Männern dominierten Welt des späten 19. Jahrhunderts und kämpfen auf unterschiedliche Weise mit gesellschaftlichen Normen, Erwartungen und ihrer Abhängigkeit von männlichen Partnern.
Ist Nora in Ibsens „Et dukkehjem“ wirklich emanzipiert?
Nora entwickelt sich von einer „Puppe“, die ihrem Mann Torvald gefällt, zu einer Frau, die am Ende das Haus verlässt, um ihre eigene Identität zu finden. Dieser radikale Bruch gilt als früher Akt der literarischen Emanzipation.
Warum scheitert Fröken Julie in Strindbergs Drama?
Julie ist zwischen ihrem aristokratischen Stand und ihren unterdrückten Sehnsüchten gefangen. Die Affäre mit dem Diener Jean führt zu einem sozialen Abstieg und einem psychischen Zusammenbruch, da sie die Normen ihrer Klasse verletzt hat.
Welche Rolle spielt der sozialhistorische Kontext in den Dramen?
Die Dramen spiegeln die starren Moralvorstellungen und Geschlechterhierarchien der damaligen Zeit wider. Ein Ausbruch aus diesen Strukturen führte oft zum sozialen Ausschluss oder zur persönlichen Katastrophe.
Bedeutet das Ende der Dramen Selbstbefreiung oder Selbstaufgabe?
Während Noras Aufbruch als schmerzhafte, aber notwendige Selbstbefreiung gedeutet werden kann, endet Fröken Julies Weg in der totalen Selbstaufgabe und dem Suizid, da sie keinen Platz mehr in der Gesellschaft sieht.
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- Florentin Ostertag (Author), 2012, Frauenfiguren in "Fröken Julie" und "Et dukkehjem", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209610