Die Spielräume von Kindern werden immer enger, jedenfalls von denen, die in der Stadt wohnen. Grünflächen und freier Plätze sind begrenzt, es gibt kaum noch unberührte Flächen, alles wird optimal genutzt. Spielplätze sind von Erwachsenen entworfen und geprüft, so dass die Kinder kaum noch Eigeninitiative zeigen müssen/können oder kreativ sind und ihre Fantasie benutzen. Aber spielen Kinder deshalb heute wirklich fast nur noch im Haus? Kann man somit von einer Verhäuslichung von Kindern sprechen?
Inhaltsverzeichnis
1. Kann man von einer Verhäuslichung der kindlichen Lebensverhältnisse sprechen?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob und inwieweit eine „Verhäuslichung“ der Lebenswelt von Kindern im Zuge des sozialen Wandels stattgefunden hat, indem sie repräsentative Studien aus verschiedenen Jahrzehnten vergleicht und kritisch einordnet.
- Analyse der Theorie der Verhäuslichung nach Zinnecker
- Vergleich von Kinderstudien aus den 1990er und 2000er Jahren
- Einfluss der zunehmenden Mediennutzung auf das kindliche Freizeitverhalten
- Bedeutung von Wohnort und Sozialschicht für kindliche Spielräume
- Kritische Reflexion über die Verfügbarkeit und Vergleichbarkeit von Datensätzen
Auszug aus dem Buch
Kann man von einer Verhäuslichung der kindlichen Lebensverhältnisse sprechen?
Die Theorie der Verhäuslichung wird insbesondere von Zinnecker beschreiben und dieser sieht darin einen Entwicklungsprozess im Zuge der Modernisierung des 19. und 20. Jahrhunderts. „Die Lebenswelt der Kinder wird in geschützte Räume hineinverlagert; gegenüber der natürlichen Umwelt versiegelt; von den Handlungsorten anderer abgegrenzt.“ (Zinnecker, 2001, S.27) Er weist darauf hin, dass die Verhäuslichung ein allgemeiner Prozess sei und alle Altersgruppen davon betroffen sein, doch Kinder besonders, da sie stärker in strukturelle Gegebenheiten eingebunden sein. (vgl. Zinnecker, 2001, S.27)
Um eine Antwort auf die Frage der Verhäuslichung zu geben, werde ich versuchen repräsentative Studien von früher und heute miteinander zu vergleichen und mögliche Drittfaktoren und Verzerrungen zu erläutern.
Der Verglich von Studien stellt sich als relativ schwierig heraus, da es nur einige wenige Studien von früher gibt. Die ersten Studien zum Thema Kinder und deren Freizeit gab es Anfang der achtziger Jahre (vgl. Lang, 1985). Davor, z.B. über Kindheit in der Nachkriegszeit gibt es kaum bzw. keine relevanten Studien. Und dabei wird gerne gerade die Zeit nach 1945 mit idealisierten Trümmerlandschaften und Abenteuerspielplätzen für Kinder beschreiben. Die Kinder hatten angeblich nahezu unendliche Freiräume und Spielräume, aber das Ruinen nicht gerade ideale Spielplätze für Kinder sind, wird manchmal vergessen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kann man von einer Verhäuslichung der kindlichen Lebensverhältnisse sprechen?: In diesem einleitenden Hauptteil wird die Theorie der Verhäuslichung definiert, die Herausforderungen bei der methodischen Vergleichbarkeit von Kinderstudien über verschiedene Jahrzehnte hinweg erläutert und erste Trends der kindlichen Freizeitgestaltung und Mediennutzung anhand von Daten aus den 90er und 2000er Jahren aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Verhäuslichung, Kindheit, Sozialer Wandel, Lebensverhältnisse, Freizeitverhalten, Medienkonsum, Spielräume, Kinderstudie, Modernisierung, Jugend, Vereinsorganisation, Sozialschicht, Entwicklungsprozess, Kinder, Elternsurvey
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der soziologischen Hypothese, dass sich das Leben von Kindern zunehmend in den häuslichen Bereich verlagert hat, und prüft diese anhand empirischer Studien.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Veränderung von Spielräumen, die Entwicklung des Medienkonsums, die Bedeutung der Vereinszugehörigkeit sowie den Einfluss des sozialen Status auf die kindliche Freizeitgestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob man empirisch von einer Verhäuslichung sprechen kann oder ob sich das Freizeitverhalten der Kinder lediglich diversifiziert hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine vergleichende Analyse repräsentativer Studien, insbesondere des „Kinder- und Elternsurveys '93“ und der „World Vision Kinderstudie 2007“.
Was wird im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil analysiert die zeitlichen Veränderungen in der Freizeitgestaltung, den Anstieg des Medienkonsums und die Problematik, dass Vergleiche historischer Daten aufgrund methodischer Unterschiede (z.B. unterschiedliche Items oder Altersgruppen) komplex sind.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch die Begriffe Verhäuslichung, kindliche Lebenswelt, Medienkonsum und soziokultureller Wandel geprägt.
Warum stellt der Vergleich zwischen den Studien von 1993 und 2007 eine Herausforderung dar?
Die Studien nutzen teilweise unterschiedliche Alterskohorten und variieren in der Fragestellung der Erhebungsinstrumente, was direkte Vergleiche erschwert.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zum Phänomen der Verhäuslichung?
Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass man der Theorie der Verhäuslichung nur bedingt zustimmen kann, da Kinder zwar häufiger drinnen spielen, aber dennoch weiterhin draußen aktiv sind und die Lebenswelt sich eher gewandelt als rein „versiegelt“ hat.
- Quote paper
- Caroline Lange (Author), 2012, Verhäuslichung der kindlichen Lebensverhältnisse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209634