Privatschulen heute - Erziehungsziele und soziale Wirklichkeit


Hausarbeit, 2001

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung
1.1 Allgemeine Einführung
1.2 Was sind Privatschulen
1.3 Historische Entwicklung

2. Hauptteil
2.1 Lehrziele und Normierung von Schulen
2.2 Einrichtungen
2.3 Mitwirkung
2.3.1 Schülermitwirkung
2.3.2 Elternmitwirkung
2.3.3 Lehrermitwirkung
2.4 Praxis der alternativen Pädagogik

3. Zusammenfassung

4. Literaturverzeichnis

Erklärung zur Selbständigkeit

1. Einleitung

1.1 Allgemeine Einführung

„Rund 5% der Schüler besuchen eine Privatschule“, so lautete eine Meldung des Statistischen Bundesamtes am 25. Januar 2000 in Wiesbaden.[1] Die Zahl der Schüler an Privatschulen steigt, trotz sinkender Schülerzahlen in allgemeinbildenden Schulen, schon seit Jahren stetig an. Jährlich sind es etwa 0,5-1,5 Prozent mehr.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Schulen, die nicht wie die meisten Schulen vom Staat getragen werden. Oft bezeichnet man solche Schulen als „Privatschule“, „Schule in freier Trägerschaft“ oder auch „Nicht öffentliche Schule“. „Öffentliche Schulen“ sind all die Schulen, die vom Staat, Bundesländern und Gemeinden getragen werden, auch „staatliche Schulen“ genannt.

Heute gibt es eine Vielzahl von Gründen, wieso Eltern ihre Kinder auf Privatschulen schicken.

Vielleicht liegt es an den sich ständig ändernden Lehrplänen und Schulreformen, bei denen die Eltern erkennen, dass es ihrem Kind schwer fällt, sich den neuen Situationen und Änderungen anzupassen.

Andere Eltern befürchten vielleicht, dass ihre Kinder in Schulen, die von Kindern jeglicher Herkunft besucht werden, in schlechte Gesellschaft geraten. Dieser Trend setzt meist erst nach Beendigung der Grundschule ein.

Ein weiterer Grund wären die nostalgischen Erinnerungen der Eltern an ihre eigene Schulzeit in einer Privatschule. Deren Kinder sollen die gleichen Erlebnisse und Erfahrungen sammeln, wie sie damals.

Auch die Konfession der Eltern könnte die Wahl einer nicht öffentlichen Schule beeinflussen, wenn diese einer kirchlichen Trägerschaft unterliegt.

Eines der häufigsten Argumente ist der traditionelle Wunsch der Eltern, dass ihr Kind die Arztpraxis oder die Anwaltskanzlei der Familie übernehmen soll. Dazu ist es notwendig, dass ihr Kind Traumnoten in der Schule erzielt und diese nur an einer „besseren Schule“ sicher erhält.

Weiter kann festgestellt werden, dass dem Ruf der Schulen in freier Trägerschaft eine besondere Bedeutung zugute kommt. Diese Schulen werben mit dem „Geist der Schule“ und einem „Wir-Gefühl“. An solchen Schulen versucht man einen kollektiven Familiensinn zu erzeugen, in deren Umgebung den Schülern das Lernen erleichtert werden soll.

In dieser Arbeit wird nicht näher auf eine bestimmte private Schule eingegangen, da es heute schon eine Vielzahl von solchen Schulen gibt, die sich an unterschiedlichen pädagogischen Ansichten orientieren. Es geht um den Vergleich von öffentlichen mit nicht öffentlichen Schulen und ob nicht öffentliche Schulen den Ruf einer „besseren Schule“ gerecht werden.

1.2 Was sind Privatschulen?

Alle nicht öffentlichen Schulen werden als „Privatschulen“ bezeichnet. Aufgrund der Rechtsentwicklung der Schulgesetze und Privatschulgesetze verschiedener Bundesländer wurde der Begriff ‚Schule in freier Trägerschaft‘ anstelle ‚Privatschule‘ eingeführt. Die Begriffe ‚öffentlich‘ und ‚privat‘ stammen noch aus dem 19. Jahrhundert. Zu dieser Zeit beanspruchte der Staat für sich, alle dem Allgemeinwohl dienenden Angelegenheiten selbst zu regeln. Dagegen hatten private Einrichtungen nur private Aufgaben, der sich nur bestimmte Personen bedienten. So könnte der Begriff ‚Privatschule‘ auf die Bedeutung ‚private Zwecke‘ irreführen. Heute wird Bildung als öffentliche Aufgabe angesehen. Deshalb wird vorwiegend von ‚Schule in freier Trägerschaft‘ die Rede sein.

Wie der Name schon sagt, werden diese Schulen durch freie Trägerschaften betrieben, verwaltet und über sie verwaltungsmäßig bestimmt. Freie Trägerschaften können Kirchen, private Vereinigungen, Einzelpersonen oder auch Stiftungen sein, die das Recht des Grundgesetzes in Anspruch nehmen, Schulen in freier Trägerschaft oder nichtöffentliche Schulen zu errichten. Katholische und evangelische Schulen bilden hierbei den größten Anteil.

Nun gibt es zwei Arten von nicht Schulen in freier Trägerschaft. Sie haben eine Bezeichnung zu führen, die eine Verwechslung mit öffentlichen Schulen ausschließt. Aus dem Untertitel der Schule muß hervorgehen, ob es sich um eine Ersatzschule oder Ergänzungsschule handelt.[2]

Ersatzschulen sind den öffentlichen Schulen gleichgestellt und bedürfen der Genehmigung des Staates. Sie müssen folgende Voraussetzungen erfüllen, die das Grundgesetz im Art. 7 Abs. 4 vorgibt:

„Die Genehmigung ist zu erteilen, wenn die privaten Schulen in ihren Lernzielen und Einrichtungen sowie der wissenschaftlichen Ausbildung ihrer Lehrkräfte nicht hinter den öffentlichen Schulen zurückstehen und eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird. Die Genehmigung ist zu versagen, wenn die wirtschaftliche und rechtliche Stellung der Lehrkräfte nicht genügend gesichert ist.“

Die Gleichstellung von Ersatzschulen und öffentlichen Schulen bedeutet, dass die verliehenen Zeugnisse dieselbe Gültigkeit besitzen. Ergänzungsschulen dagegen sind kein Ersatz für öffentliche Schulen. Die dort verliehenen Zeugnisse haben nicht die Berechtigung, die mit Zeugnissen öffentlicher Schulen verbunden sind.

1.3 Historische Entwicklung

In der Zeit der Reformpädagogik, im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, entstand eine kritische Einstellung gegenüber der ‚Alten Erziehung’ oder der ‚Alten Schule’. Man setzte sich gegen die Industrialisierung des Lehrens und Lernens ein. Die Menschen hatten Sehnsucht nach Überschaubarkeit, nach Selbstbestimmung und authentischer Kommunikation in der Schulbildung. Ausdruck dieser Sehnsucht sind die „Freien Schulen“, oder wie in Dänemark bezeichnet, die „lille“, „kleine“ Schule.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts gab es ernste Mängel, die an staatlichen Schulen beklagt wurden.

1. Die Unterrichtsgegenstände stehen zu wenig in Beziehung zu den Fundamentalinteressen des Kindes und deren Entwicklung.
2. Die Einteilung der Unterrichtsfächer ist ohne Rücksicht auf die natürliche Entwicklung des kindlichen Denkvermögens gemacht.
3. In den meisten Unterrichtsfächern übersteigt die Menge des Stoffes bei der Mehrzahl der Kinder die Fähigkeit zur Aufnahme und zum Behalten desselben.
4. Die Lehrpläne begünstigen zu sehr die Fächer, in denen nur durch Worte der Unterricht vermittelt wird.
5. Es wird zuwenig Gelegenheit zu individueller, selbstgewählter Tätigkeit des Kindes gegeben.[3]

Dennoch sollte man die Kritik an Schulen gründlich überdenken. Wollte man der ‚inhumanen Wirklichkeit des staatlichen Schulwesens’ unbesehen glauben, müßte es als ein Wunder gelten, dass nicht gerade wenige Schüler die staatlichen Schulen als „aufrechte Menschen“ verlassen haben.

Privatschulen gibt es aber schon viel länger und nicht erst seit dem letzten Jahrhundert. Schulen zur Ausbildung und Erziehung von Kindern sind schon aus der Zeit der Antike bekannt. Im nachfolgenden Mittelalter unternahm der römisch-deutsche Kaiser Karl der Große (768-814) große Anstrengungen, um die Bildung in seinem Reich zu heben. Er schrieb vor, dass an jedem Bischofssitz eine Schule zu errichten sei. So entstanden vorwiegend die mittelalterlichen Klosterschulen. Auch im weiteren Verlauf des Mittelalters blieb die Erziehung und Bildung streng unter der Führung der Kirche. Diese beauftragten zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert die Gemeinden, „Niedere Stadtschulen“ einzurichten. Ein anderer Begriff ist auch „Freischule“, da in den meisten Fällen kein Schulgeld bezahlt werden musste. Da aber die Finanzkraft abhängig von den lokalen politischen und sozialen Verhältnissen der Gemeinde war, mussten lediglich die Lehr- und Lernmittel bezahlt werden. Die Lehnsherren hatten große Mühe, auf dem Lande den Besuch der Schule durchzusetzen.

Danach schloss sich für Kinder gehobener und vermögender Familien eine „Höhere Schule“ an. Diese profitierten von der Finanzkraft der zahlenden Eltern. Die Kinder besuchten zuvor keine „Niedere Schule“ oder „Freischule“. In der Regel wurden sie 3 Jahre lang auf privaten „Vorschulen“ oder von Hauslehrern auf die nun 9 Jahre folgende „Höhere Schule“ vorbereitet. Trägerschaften waren vorwiegend die Kirchen. Gelehrt wurde das Trivium (Grammatik, Rhetorik, Dialektik). Daneben gab es auch Klosterschulen, die ihre Schüler rekrutierten und zum kirchlichen Nachwuchs ausbildeten.

Eine andere Art war es, das Professoren aus Universitäten einige Studenten in ihre Häuser mit aufnahmen, um direkter und intensiver auf lerneifrige Studenten einwirken zu können. Meist waren es aber nur finanzielle Gründe. Ein Beispiel dafür ist der Humanist Melanchthon (1497-1560), der während seiner Zeit in Wittenberg viele Studenten in seinem Haus unterbrachte. Durch sein hohes Engagement kann man von einer Art ‚schola privata‘ sprechen, in der die Studenten gefördert und geformt wurden.[4]

[...]


[1] Vgl. http://www.statistik-bund.de/presse/deutsch/pm2000/zdw04.htm

[2] Vgl. Schaub/ Zenk: Wörterbuch Pädagogik. 4. überarbeitete und erweiterte Auflage. München 2000, S.439

[3] Ovide Decroly (1871-1932), belgischer Reformpädagoge, trug 1921 ernste Mängel der damaligen Schule auf. Vgl. Klaßen, Theodor F./ Shiera, Ehrenhard (Hrsg.): Handbuch der reformpädagogischen und alternativen Schulen in Europa. 2.erw. und aktualisierte Aufl. Baltmannsweiler 1993, S.8

[4] Vgl. Melanchthon, Philipp: Glaube und Bildung. Texte zum christlichen Humanismus. Stuttgart 1997, S.6

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Privatschulen heute - Erziehungsziele und soziale Wirklichkeit
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Soziologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
20
Katalognummer
V20966
ISBN (eBook)
9783638246996
ISBN (Buch)
9783638848121
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Privatschulen, Erziehungsziele, Wirklichkeit
Arbeit zitieren
Volker Vahl (Autor:in), 2001, Privatschulen heute - Erziehungsziele und soziale Wirklichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20966

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