Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Psychology - Forensic Psychology and Penal System

Die "Verbrecherfrage": Impulse für die Entwicklung der modernen Psychiatrie

Title: Die "Verbrecherfrage": Impulse für die Entwicklung der modernen Psychiatrie

Term Paper (Advanced seminar) , 2012 , 21 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Julia Arnold (Author)

Psychology - Forensic Psychology and Penal System
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Psychiater sind aus der Justiz heutzutage kaum mehr wegzudenken. Sie werden als Gutachter von den Gerichten hinzugezogen, um die Schuldfähigkeit von Tätern oder die Glaubwürdigkeit von Zeugen zu beurteilen. Ihre Ergebnisse beeinflussen häufig den Ausgang eines Prozesses und entscheiden über die Art der Strafe. Erst vor kurzem wartete die europäische Öffentlichkeit angespannt auf die Ergebnisse psychiatrischer Sachverständiger, als es darum ging, ob der Massenmörder Anders Behring Breivik für zurechnungsfähig erklärt werden würde. In Deutschland ist das Thema im Augenblick aktuell, da noch immer über eine Reform der Sicherheitsverwahrung diskutiert wird, die bis Mai 2013 durchgesetzt werden soll. Auch hier geht es um die Definitionsmacht der Psychiatrie, die entscheiden kann, ob ein Verbrecher, auch nach Absitzen seiner Strafe, im Freiheitsentzug bleiben muss.Die Zusammenarbeit zwischen Psychiatrie und Justiz dauert nun schon über hundert Jahre an. Die Ursprünge dieses Wechselverhältnisses, im späten 19. Und frühen 20. Jahrhundert, und die Verbrecherfrage, wurden in der historischen Forschung ausführlich untersucht, allerdings hauptsächlich in eine Richtung: man analysierte den Einfluss der Psychiatrie auf die Entstehung der Kriminologie und auf die Entwicklung der Strafjustiz. In dieser Arbeit soll das Thema sozusagen von der anderen Seite her aufgerollt werden – sie ist eine Untersuchung aus der Perspektive der Psychiatrie.
Die Entwicklung der Modernen Psychiatrie im Deutschen Kaiserreich wurde von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Einige möchte ich hier exemplarisch skizzieren, das Hauptaugenmerk soll aber auf dem Faktor „Verbrecher und die Psychiatrie“ liegen. Inwiefern kam die Psychiatrie der Kaiserzeit mit Verbrechern in Berührung? Wie funktionierte die Zusammenarbeit mit der Justiz? Schlussendlich soll geklärt werden, ob und wie die Verbrecherfrage Impulse für die Modernisierung der Psychiatrie gab.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Zu Aktualität der „Verbrecherfrage“

2 Impulse für die Entwicklung der modernen Psychiatrie

2.1 Die Entwicklung der Psychiatrie

2.1.1 Fortschritte des 19. Jahrhunderts

2.1.2 Rückschritte der Jahrhundertwende

2.2 Modernisierung

2.2.1 Was heißt „modern“?

2.2.2 Faktoren für die Modernisierung der Psychiatrie

2.3 Die Verbrecherfrage

2.3.1 Straftäter in der Psychiatrie

2.3.2 Probleme

2.3.3 Impulse für die Entwicklung der Psychiatrie?

3 Fazit und Ausblick

4 Literatur und Quellen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der modernen Psychiatrie im Deutschen Kaiserreich aus deren eigener Perspektive und analysiert dabei insbesondere die Wechselwirkung zwischen psychiatrischer Praxis und der Justiz im Kontext der sogenannten „Verbrecherfrage“. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob und auf welche Weise die Auseinandersetzung mit straffällig gewordenen Personen Impulse für die Modernisierung und Professionalisierung der psychiatrischen Disziplin lieferte.

  • Historische Entwicklung der Psychiatrie im 19. Jahrhundert
  • Prozesse der Modernisierung und Verwissenschaftlichung
  • Die Rolle psychiatrischer Gutachter im Justizsystem
  • Herausforderungen durch Überbelegung und Kompetenzstreitigkeiten
  • Einfluss der „Verbrecherfrage“ auf Krankheitssystematiken und Diagnostik

Auszug aus dem Buch

2.3.1 Straftäter in der Psychiatrie

Mit dem Aufkommen der Naturwissenschaften veränderten sich auch die Vorstellungen von Kriminalität. Man suchte nach biologischen und medizinischen Erklärungen für rechtsbrecherisches Verhalten, was zu einer zunehmenden „Dominanz der psychiatrischen Experten innerhalb des kriminologischen Diskurses“ führte. Noch in den 1880er Jahren, war ein „religiös-moralisches Kriminalitätsverständnis“ weit verbreitet gewesen, welches das Verbrechen der Sünde gleichsetzte. Als Ursache galt meist „moralische Verderbnis“.

Gegen diese Einstellung setzte sich nach und nach die Ansicht durch, dass psychische Defekte zu kriminellem Verhalten führen. Eine Auffassung, die vor allem von psychiatrisch ausgebildeten Medizinern verbreitet wurde, welche sich in die Diskussion über den Ursprung der Kriminalität eingeschaltet hatten, wie beispielsweise Gustav Aschaffenburg. Sie betrachteten den Verbrecher als Kranken. Dies musste bedeuten, dass es möglich war, zumindest einige von ihnen, zu heilen, das heißt zu brauchbaren Mitgliedern der Gesellschaft umzuerziehen. In dieser Hinsicht unterlagen folglich auch die Ziele des Strafens einem Wandel. Lange war die Bestrafung eines Kriminellen vor allem als Tatvergeltung gedacht gewesen. Nun versuchte man den Delinquenten zu bessern, und wenn das nicht gelang, hatte der Schutz der Gesellschaft Priorität und man verwahrte die, als unheilbar und gemeingefährliche eingestuften, Rechtsbrecher sicher in den Anstalten.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Zu Aktualität der „Verbrecherfrage“: Das Kapitel führt in das Thema ein, indem es die anhaltende Relevanz der Zusammenarbeit zwischen Psychiatrie und Justiz anhand historischer und zeitgenössischer Beispiele darlegt.

2 Impulse für die Entwicklung der modernen Psychiatrie: Dieser Hauptteil analysiert die Faktoren, die zur Modernisierung des Irrenwesens im 19. Jahrhundert beitrugen, sowie die spezifischen Probleme und Auswirkungen, die durch die Integration straffälliger Personen in das psychiatrische Versorgungssystem entstanden.

3 Fazit und Ausblick: Hier werden die Untersuchungsergebnisse synthetisiert und hervorgehoben, dass die Herausforderungen durch die Justiz, trotz erheblicher Probleme, wesentliche Impulse für Professionalisierung und diagnostische Fortschritte in der Psychiatrie lieferten.

4 Literatur und Quellen: Dieses Kapitel listet die für die Arbeit herangezogene Fachliteratur sowie die verwendeten Internetquellen auf.

Schlüsselwörter

Psychiatrie, Verbrecherfrage, Deutsches Kaiserreich, Justiz, Kriminologie, Modernisierung, Verwissenschaftlichung, Strafvollzug, Gutachter, Geisteskrankheit, Anstaltspsychiatrie, Rechtsbrecher, Krankheitssystematik, Professionalisierung, Medizinalwesen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der modernen Psychiatrie im Deutschen Kaiserreich und deren Interaktion mit der Justiz.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die Verwissenschaftlichung der Psychiatrie, der gesellschaftliche Wandel im Umgang mit Kriminalität sowie die daraus resultierenden Herausforderungen für psychiatrische Anstalten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, inwiefern die sogenannte „Verbrecherfrage“ – also die Verschränkung von Psychiatrie und Justiz – Impulse für die Modernisierung der Psychiatrie gab.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine historische Analyse unter Auswertung von Fachliteratur, um die Entwicklung der Psychiatrie und deren Einflüsse exemplarisch nachzuvollziehen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die allgemeine Entwicklung der Psychiatrie, die verschiedenen Modernisierungsfaktoren sowie die spezifische Problematik der Unterbringung von geisteskranken Rechtsbrechern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Psychiatrie, Verbrecherfrage, Verwissenschaftlichung und Anstaltspsychiatrie geprägt.

Warum war die Zusammenarbeit mit der Justiz für Psychiater so schwierig?

Die Zusammenarbeit führte oft zu Überbelegung, Kompetenzstreitigkeiten und einem schlechten öffentlichen Ruf, da Psychiater häufig als „Kerkermeister“ wahrgenommen wurden.

Welche Rolle spielte der Gesetzgeber bei der Modernisierung?

Gesetzesänderungen, wie etwa die Novelle zum Unterstützungswohnsitz 1891, verpflichteten die Anstalten zur Aufnahme von Patienten und schränkten die ärztliche Entscheidungsfreiheit ein.

Was veränderte sich durch Kraepelins „klinische Forschungsmethode“?

Durch die langfristige Beobachtung und verbesserte Krankheitssystematik legte Kraepelin einen wissenschaftlichen Grundstein, der die psychiatrische Diagnostik bis ins 20. Jahrhundert hinein prägte.

Excerpt out of 21 pages  - scroll top

Details

Title
Die "Verbrecherfrage": Impulse für die Entwicklung der modernen Psychiatrie
College
University of Bamberg  (Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte unter Einbeziehung der Landesgeschichte)
Course
Aufbruch in die Moderne?: Kulturpessimismus und Lebensreform um 1900
Grade
1,7
Author
Julia Arnold (Author)
Publication Year
2012
Pages
21
Catalog Number
V209749
ISBN (eBook)
9783656375388
ISBN (Book)
9783656375753
Language
German
Tags
geschichte Deutschland Psychiatrie Wissenschaftsgeschichte Medizin
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Arnold (Author), 2012, Die "Verbrecherfrage": Impulse für die Entwicklung der modernen Psychiatrie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/209749
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  21  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint