Die Geschlechterforschung beschäftigt sich seit den 90'er Jahren intensiv mit der Frage, inwieweit Geschlechternormen unsere sozialen Beziehungen beeinflussen.1
Gesellschaftliche Normen geben uns Orientierung und erleichtern das Zusammenleben von Menschen. „Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes“2, meint der Soziologe Erving Goffman und umschreibt damit die beruhigende Wirkung, die das Gefühl von Dominanz oder Unentbehrlichkeit auf den Menschen haben kann und welches durch Geschlechternormen möglich ist. Sie führen auch zu Grenzziehungen, die vor allem zu Ungunsten der Frau ausfallen und eine Ungleichberechtigung im öffentlichen und privaten Leben bewirken.
Eine private Geschlechter-Beziehung unterscheidet sich dabei von einer „Arbeitsbeziehung“ insbesondere durch die intime Bindung, die dazu führt, dass Geschlechterunterschiede verharmlost werden, während sich im Berufsalltag die Geschlechter im Konkurrenzkampf gegenüberstehen.3
Doch warum gelingt ein Zusammenleben von Mann und Frau jenseits der Geschlechternormen auch im eigenen Haushalt meist nicht?4 Was hindert uns daran, eigene Konzeptionen zu entwickeln, die die Arbeitsteilung in Paarbeziehungen regeln, wenn es uns schon im Berufsleben nicht gelingt Gleichberechtigung zu bewirken?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die soziale Konstruktion des Geschlechts bei Erving Goffman
3. Institutionelle Reflexivität und die Tradierung von Geschlechterrollen
4. Arbeitsmarkt und Geschlechterbilder
5. Liebe und ökonomische Logik in der Partnerschaft
6. Alltagspraktiken und die Stabilisierung ungleicher Machtverhältnisse
7. Egalitäre Paarbeziehungen und das Aushandeln von Normen
8. Reflexion zur Überwindung von Geschlechternormen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Persistenz von Geschlechternormen und deren Einfluss auf die private sowie berufliche Arbeitsteilung, wobei die Forschungsfrage darauf abzielt zu ergründen, warum tradierte Geschlechterrollen trotz des Strebens nach Gleichberechtigung in Paarbeziehungen weiterhin dominieren.
- Soziologische Analyse von Geschlechterkonstruktionen nach Erving Goffman
- Die Rolle der "institutionellen Reflexivität" bei der Zuweisung von Geschlechterrollen
- Diskrepanz zwischen öffentlicher Gleichstellung und privater Aufgabenverteilung
- Einfluss von Geschlechteridealen auf die Lebensgestaltung und Partnerwahl
- Potenziale und Herausforderungen egalitärer Paarbeziehungen
Auszug aus dem Buch
Die soziale Konstruktion des Geschlechts
Die Geschlechterforschung beschäftigt sich seit den 90'er Jahren intensiv mit der Frage, inwieweit Geschlechternormen unsere sozialen Beziehungen beeinflussen. Gesellschaftliche Normen geben uns Orientierung und erleichtern das Zusammenleben von Menschen. „Das Geschlecht, nicht die Religion, ist das Opium des Volkes“, meint der Soziologe Erving Goffman und umschreibt damit die beruhigende Wirkung, die das Gefühl von Dominanz oder Unentbehrlichkeit auf den Menschen haben kann und welches durch Geschlechternormen möglich ist. Sie führen auch zu Grenzziehungen, die vor allem zu Ungunsten der Frau ausfallen und eine Ungleichberechtigung im öffentlichen und privaten Leben bewirken.
Eine private Geschlechter-Beziehung unterscheidet sich dabei von einer „Arbeitsbeziehung“ insbesondere durch die intime Bindung, die dazu führt, dass Geschlechterunterschiede verharmlost werden, während sich im Berufsalltag die Geschlechter im Konkurrenzkampf gegenüberstehen. Doch warum gelingt ein Zusammenleben von Mann und Frau jenseits der Geschlechternormen auch im eigenen Haushalt meist nicht? Was hindert uns daran, eigene Konzeptionen zu entwickeln, die die Arbeitsteilung in Paarbeziehungen regeln, wenn es uns schon im Berufsleben nicht gelingt Gleichberechtigung zu bewirken?
Zuallererst scheint es notwendig, zu erklären, was Geschlechternormen sind, warum sie entstehen und wie sie unser Sozialverhalten verändern. In „The arrangement between the sexes“ beschreibt Goffman bereits 1977 das Geschlecht als eine soziale Konstruktion. Demnach verändert eine „soziale Situation“ das Verhalten der Personen, weil in ihr kulturelle Geschlechternormen zum Tragen kommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Relevanz der Geschlechterforschung und Formulierung der zentralen Fragestellung zur Persistenz von Geschlechterrollen.
2. Die soziale Konstruktion des Geschlechts bei Erving Goffman: Erläuterung der theoretischen Grundlagen und der Bedeutung von Geschlechternormen als soziale Konstrukte.
3. Institutionelle Reflexivität und die Tradierung von Geschlechterrollen: Untersuchung, wie gesellschaftliche Institutionen Geschlechterunterschiede in das individuelle Bewusstsein übertragen.
4. Arbeitsmarkt und Geschlechterbilder: Analyse der Ungleichheiten am Arbeitsmarkt und deren Begründung durch kulturelle statt biologische Faktoren.
5. Liebe und ökonomische Logik in der Partnerschaft: Kritische Auseinandersetzung mit der ökonomischen Sicht auf Paarbeziehungen im Vergleich zu emotionalen Bindungen.
6. Alltagspraktiken und die Stabilisierung ungleicher Machtverhältnisse: Erörterung, wie ungleiche Machtverhältnisse durch tägliche Höflichkeiten und Rollenverteilungen aufrechterhalten werden.
7. Egalitäre Paarbeziehungen und das Aushandeln von Normen: Betrachtung von Modellen jenseits klassischer Normen und der Bedeutung individueller Aushandlungsprozesse.
8. Reflexion zur Überwindung von Geschlechternormen: Abschließende Gedanken zur Vision einer Gesellschaft mit größerer Charaktervielfalt jenseits starrer Geschlechterklassen.
Schlüsselwörter
Geschlechterforschung, Geschlechternormen, soziale Konstruktion, Erving Goffman, Arbeitsteilung, Paarbeziehung, institutionelle Reflexivität, Gleichberechtigung, patriarchale Ordnung, Rollenverteilung, Sozialverhalten, Gender Studies, Dual Career Couples, Machtverhältnisse, Geschlechterklasse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, warum Geschlechterrollen trotz fortschreitender gesellschaftlicher Gleichstellung in privaten und beruflichen Zusammenhängen weiterhin eine prägende und oft einschränkende Rolle spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der sozialen Konstruktion von Geschlecht, dem Einfluss von Erving Goffmans Theorien, der Arbeitsteilung in Paarbeziehungen sowie den psychologischen und gesellschaftlichen Mechanismen der Geschlechterdifferenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu verstehen, welche Faktoren das Festhalten an tradierten Geschlechterbildern forcieren und wie soziale Situationen das Verhalten von Individuen im Hinblick auf Geschlechternormen steuern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine soziologische Literaturanalyse, basierend auf den Theorien von Erving Goffman und Studien von Cornelia Koppetsch, um gesellschaftliche und private Interaktionsmuster zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Ansätze zur sozialen Konstruktion des Geschlechts auf konkrete Beispiele aus Arbeitsmarkt und Paarbeziehungen angewendet, um die "institutionelle Reflexivität" und ihre Auswirkungen auf den Alltag zu verdeutlichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Geschlechternormen, soziale Konstruktion, institutionelle Reflexivität, Arbeitsteilung und Paarbeziehungen.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "Arbeitsbeziehung" und "privater Beziehung" eine Rolle?
Die Autorin hebt hervor, dass in intimen Beziehungen durch emotionale Bindungen Geschlechterunterschiede oft verharmlost werden, während sie im professionellen Umfeld durch Konkurrenz und Machtstrukturen stärker zutage treten.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zur Überwindung von Geschlechterrollen?
Es wird postuliert, dass die Abkehr von starren Geschlechterklassen hin zu individueller Charaktervielfalt erstrebenswert ist, da dies den sozialen Druck auf Männer und Frauen mindern würde.
- Quote paper
- Johanna Sailer (Author), 2011, Die Umgehung von Geschlechternormen und deren Problematik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210004