Die Morde Jack the Rippers, die im ausgehenden 19. Jahrhundert im Londoner Armenviertel Whitechapel stattfanden, gelten bis heute auf der ganzen Welt als ein Mysterium. Die Theorien die im Laufe der Jahre um die niemals aufgeklärten Morde entstanden sind füllen heute ganze Bücherregale. Selbst in Film und Fernsehen greift man gerne auf die Geschichte des Rippers zurück. Die meisten Arbeiten beschäftigen sich mit der Frage wer dieser Mensch war, der fünf Frauen auf so grausame Weise umbrachte. In dieser Arbeit soll es jedoch nicht darum gehen, sich an etwaigen Täterdiskussionen zu beteiligen. Vielmehr soll die Einordnung Jack the Rippers in die viktorianische Sichtweise gegenüber der Kriminalität im Fokus stehen. Die Frage wird sein, inwieweit Jack the Ripper dem Bild der Londoner criminal class entspricht. Die Arbeit ist zu diesem Zweck in zwei Teile aufgeteilt.
Im ersten Teil werden sowohl die Londoner Unterschicht als auch die gesellschaftliche Sicht auf Kriminalität thematisiert, um eine Grundlage zu schaffen. Dabei wird darüber hinaus das Konzept der criminal class angesprochen.
Im zweiten Teil der Arbeit werden zunächst die Whitechapel Morde behandelt, um anschließend verschiedene Theorien näher zu betrachten. Mit letzteren wurde der Versuch unternommen, Jack the Ripper gesellschaftlich näher zu bestimmen. Ausgehend davon wird in einem Fazit versucht, eine Einschätzung zu seiner Zugehörigkeit zur criminal class vorzunehmen.
Gelöst von den beiden beschriebenen Hauptteilen wird sich die Arbeit der Frage widmen, inwieweit es sich für einen Historiker lohnt sich mit Kriminalitätsgeschichte zu beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Kriminalität im viktorianischen London
II. 1 Die Londoner Unterschicht
II. 2 Die viktorianische Sichtweise und Formen von Kriminaität
III. Jack the Ripper
III.1 Die Whitechapel Morde
III. 2 Jack the Ripper und die Londoner criminal class
IV. Fazit
V. Kriminalitätsgeschichte
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit der historische Fall "Jack the Ripper" in die zeitgenössische viktorianische Vorstellung der sogenannten "criminal class" passte. Dabei soll analysiert werden, wie die Morde das gesellschaftliche Verständnis von Kriminalität im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts beeinflussten und zu einem Umdenken innerhalb der gehobenen Schichten führten.
- Strukturen und Lebensbedingungen der Londoner Unterschicht im 19. Jahrhundert
- Viktorianische Konzepte und Vorurteile gegenüber der "criminal class"
- Analyse der Whitechapel-Morde als Auslöser für gesellschaftliche Debatten
- Kritische Auseinandersetzung mit Tätertheorien im Kontext zeitgenössischer Moralvorstellungen
Auszug aus dem Buch
III. 2 Jack the Ripper und die Londoner criminal class
Versucht man Jack the Ripper in einer bestimmte gesellschaftlichen Nische anzusiedeln, so kommt man meist nicht über das Anstellen von Vermutungen hinaus. Wie schon in der Einleitung erwähnt, ist die Identität des Täters bis heute unbekannt. Da nicht einmal das Geschlecht des Täters bekannt ist, ist demzufolge auch der Name Jack the Ripper nicht aussagekräftig. Die Bezeichnung des Täters taucht zum ersten Mal im so genannten Dear Boss Letter (Faksimile im Anhang) auf, welcher mit „yours truly, Jack the Ripper“ unterzeichnet wurde. Tausende von Briefen gingen im Laufe weniger Monate bei Polizei und Presse ein. Bis auf drei wurden alle als eindeutige Fälschungen abgetan. Der Dear Boss Letter gehört jedoch zu den wenigen, von denen man sich vorstellen konnte, dass sie vom Mörder selbst geschrieben wurden.
Entscheidende Hinweise auf die Identität des Täters konnten sie jedoch auch nicht liefern. Im Laufe der Jahre wurde mit den unterschiedlichsten Theorien versucht, die Person hinter Jack the Ripper gesellschaftlich näher einzuordnen. Hierbei kam es zu den verschiedensten Schlussfolgerungen. So wurde der Täter als jüdischer Anarchist, Polizist, Bewohner von Whitechapel, Triebtäter aus der Oberschicht, religiöser Fanatiker und als verrückter Arzt bezeichnet. Einige Personen, die sich mit den Mordfällen beschäftigten kamen gar zu dem Schluss, dass es sich bei dem Täter in Wirklichkeit um eine Täterin handelte.
Bei dieser enormen Menge von Vermutungen gestaltet es sich schwierig festzustellen, inwieweit Jack the Ripper dem Bild der Londoner criminal class entspricht. Wie bereits genannt handelt es sich bei der criminal class um eine Bevölkerungsschicht die aus Kriminellen besteht, welche aufgrund ihrer fehlenden Moral Verbrechen begehen und somit die größte Bedrohung für die öffentliche Ordnung darstellen. Betrachtet man einen weiteren, vermutlich vom Täter verfassten, Brief, so ist es durchaus denkbar, dass es die Polizei mit einem Kriminellen aus dem East End zu tun hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Vorstellung der Thematik, der Forschungsfrage zur Einordnung von Jack the Ripper in die "criminal class" und des methodischen Aufbaus der Arbeit.
II. Kriminalität im viktorianischen London: Untersuchung der sozialen Strukturen im East End sowie der gesellschaftlichen Stigmatisierung der Unterschicht als kriminelles Milieu.
III. Jack the Ripper: Detaillierte Betrachtung der Whitechapel-Morde und Analyse verschiedener Theorien zur Identität des Täters im Verhältnis zum zeitgenössischen Kriminalitätsbegriff.
IV. Fazit: Resümee darüber, dass Jack the Ripper zu einer kritischen Revision der Vorstellung einer homogenen "criminal class" innerhalb der viktorianischen Gesellschaft beitrug.
V. Kriminalitätsgeschichte: Reflexion über den wissenschaftlichen Wert der Beschäftigung mit Kriminalitätsgeschichte für das allgemeine historische Verständnis.
Schlüsselwörter
Jack the Ripper, Viktorianisches London, Whitechapel, criminal class, Kriminalität, Unterschicht, Sozialgeschichte, Kriminalitätsgeschichte, Prostitution, Whitechapel Morde, gesellschaftliche Stigmatisierung, Täterschaft, Strafpolitik, soziale Schichtung, Mordserie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Kriminalitätsverständnis im viktorianischen London anhand der Morde von Jack the Ripper.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die soziale Struktur Londons, die Stigmatisierung der Armen als "criminal class" und die historische Wahrnehmung von Gewaltverbrechen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, inwieweit der Täter Jack the Ripper in das damalige gesellschaftliche Bild eines typischen Kriminellen aus der Unterschicht passte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse, die zeitgenössische Presseberichte, Polizeidokumente und neuere wissenschaftliche Literatur auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des sozialen Umfelds, die detaillierte Schilderung der Morde und die Auseinandersetzung mit verschiedenen Identitätstheorien des Täters.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie "criminal class", "viktorianisches London", "Jack the Ripper" und "gesellschaftliche Wahrnehmung" geprägt.
Warum wird die "criminal class" in der Arbeit so intensiv diskutiert?
Weil dieses Konzept die damalige Sichtweise prägte, dass bestimmte Bevölkerungsschichten aufgrund ihrer sozialen Herkunft und fehlender Moral per se kriminell seien.
Welchen Einfluss hatten die Medien auf die Ermittlungen?
Die Presse diente laut Arbeit als Katalysator, der das negative Bild der Unterschicht verstärkte und den Druck auf die Polizei durch Sensationsberichterstattung erhöhte.
- Citar trabajo
- Julian Hatzig (Autor), 2011, Jack the Ripper und Kriminalität im viktorianischen London, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210061