Es gibt diverse Anlässe zu denen eine Unternehmensbewertung erstellt werden muss. Für die Bewertung von Unternehmen stehen verschiedene Bewertungsmethoden zur Verfügung. Die meisten dieser Ansätze sind statische Berechnungsmethoden, wie z.B. die Discounted-Cash-Flow Methode. Diese Methode zählt zu den statischen Unternehmensbewertungsmethoden.
Die Reaktion auf neu gewonnene Informationen kann durch diesen Ansatz und alle anderen statischen Ansätze nicht berücksichtigt werden und führen deshalb zu Unterbewertungen. Dies trifft insbesondere auf junge, innovative und dynamische Unternehmen zu.1 Um die DCF Methode besser an die ungewisse Entwicklung der Zukunft anzupassen, können verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Parametern simuliert werden. Dennoch handelt es sich um eine Stichtagsbetrachtung und die gegenseitige Beeinflussung der Variablen kann nicht adäquat abgebildet werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Vorgehensweise
2 Integration des Realoptionsansatz in die Unternehmensbewertung
2.1 Der Realoptionsansatz
2.2 Klassifizierung von Realoptionen
2.3 Abgrenzung zwischen Realoptionen und Finanzoptionen
3 Bewertung von Realoptionen
3.1 Entscheidungsbaumverfahren
3.2 Bewertung mit dem Binomialmodell
4 Der Realoptionsansatz in der Unternehmensbewertungspraxis
5 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Eignung des Realoptionsansatzes als Methode zur Unternehmensbewertung, um insbesondere die statischen Defizite klassischer Verfahren wie der Discounted-Cash-Flow-Methode bei der Berücksichtigung unternehmerischer Handlungsflexibilitäten zu überwinden.
- Grundlagen und Definition des Realoptionsansatzes
- Klassifizierung und Vergleich von Real- und Finanzoptionen
- Methodische Bewertung mittels Entscheidungsbaumverfahren und Binomialmodell
- Analyse der praktischen Anwendbarkeit und Implementierungsschwierigkeiten
- Gegenüberstellung von theoretischem Nutzen und praktischer Relevanz
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Realoptionsansatz
Realoptionen (engl. Real Options) sind ein unternehmerischer Handlungsspielraum innerhalb eines Investitionsprojektes. Der Begriff wurde erstmals 1977 durch Meyers geprägt. Leithner und Liebler definieren eine Realoption als „[…] das Recht und nicht die Verpflichtung zu Ausübung (Flexibilität), die wirtschaftliche Attraktivität ist ex ante nicht eindimensional vorgegeben (Unsicherheit) und das Optionsrecht wird durch die Ausübung aufgehoben (Irreversibilität).“ Diese Definition ist ebenfalls übertragbar auf eine Finanzoption.
Die Nutzung dieses Handlungsspielraumes muss dabei nicht sofort erfolgen. Es besteht die Möglichkeit, die Entscheidung über die Nutzung in der Zukunft zu treffen. Man spricht dann von zeitlicher Flexibilität. Wenn eine zukünftige Entwicklung ungewiss ist, bedeutet die Verschiebung einer Entscheidung einen Wertzuwachs, da neue Informationen im Zeitablauf gewonnen werden können. Ein Kennzeichen von Realoptionen ist das asymmetrische Auszahlungsprofil, welches sich in der Erhöhung von Gewinnpotentialen und Minimierung von Verlustrisiken äußert. Diese Asymmetrie liegt darin begründet, dass im Fall einer ungünstigen Entwicklung der Rahmenbedingungen auf die Ausübung der Option verzichtet werden kann. Der Verlust ist somit auf den Optionspreis beschränkt.
Um den ROA für die Unternehmensbewertung zu nutzen, muss entweder das gesamte Unternehmen als eine Option begriffen werden oder eine Bewertung einzelner Unternehmensprojekte erfolgen. Der Wert der Einzelprojekte wird dann zu einem durch das DCF- Verfahren ermittelten Unternehmenswert hinzu addiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik statischer Unternehmensbewertungsverfahren ein und definiert das Ziel der Arbeit, den Realoptionsansatz als Erweiterung zu untersuchen.
2 Integration des Realoptionsansatz in die Unternehmensbewertung: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Realoptionsansatzes erläutert, verschiedene Optionstypen klassifiziert und von Finanzoptionen abgegrenzt.
3 Bewertung von Realoptionen: In diesem Teil werden mit dem Entscheidungsbaumverfahren und dem Binomialmodell zwei mathematische Methoden zur quantitativen Bewertung von Realoptionen detailliert vorgestellt.
4 Der Realoptionsansatz in der Unternehmensbewertungspraxis: Dieses Kapitel beleuchtet die praktischen Hindernisse bei der Identifikation und Bewertung von Realoptionen im Unternehmensalltag.
5 Ausblick: Der abschließende Teil fasst zusammen, warum sich der Realoptionsansatz trotz theoretischer Vorteile in der Praxis gegenüber klassischen Verfahren schwer durchsetzen konnte.
Schlüsselwörter
Realoptionsansatz, Unternehmensbewertung, Investitionsrechnung, Discounted-Cash-Flow, Handlungsflexibilität, Finanzoptionen, Entscheidungsbaumverfahren, Binomialmodell, Unternehmenswert, Unsicherheit, Wachstumsoption, Warteoption, Abbruchoption, Investitionsprojekt, Managemententscheidungen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Realoptionsansatz als alternative oder ergänzende Methode zur klassischen Unternehmensbewertung, um Flexibilitäten bei Investitionen besser abbilden zu können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung des Realoptionsansatzes, die mathematischen Bewertungsmethoden sowie die kritische Analyse der praktischen Implementierbarkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Untersuchung der Eignung des Realoptionsansatzes als Unternehmensbewertungsmethode sowie die Herausarbeitung der damit verbundenen Stärken und Schwächen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen und vergleicht theoretische Ansätze (Entscheidungsbaumverfahren, Binomialmodell) mit der Praxisrelevanz unternehmerischer Bewertungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition und Klassifizierung von Optionen, der mathematischen Bewertung durch Binomialmodelle und den Herausforderungen bei der praktischen Anwendung in Unternehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Realoptionsansatz, Handlungsflexibilität, Unsicherheit, Unternehmensbewertung und verschiedene Bewertungsmethoden charakterisiert.
Warum ist das Black-Scholes-Modell laut Autor für Realoptionen meist ungeeignet?
Das Modell setzt voraus, dass der Basiswert handelbar ist und die Option europäischer Natur ist; da Realoptionen jedoch meist amerikanisch sind und auf nicht-handelbaren Cashflows basieren, erfüllt der Ansatz die Modellvoraussetzungen nicht.
Wie unterscheidet sich der additive Realoptionsansatz von rein statischen Verfahren?
Der additive Ansatz ergänzt den klassischen DCF-Wert um den Wert explizit identifizierter Realoptionen, anstatt nur eine statische Stichtagsbetrachtung durchzuführen.
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- Patrick Lommertin (Author), 2013, Realoptionsansatz in der Unternehmensbewertung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210065