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Die Filmsprache David Lynchs - Möglichkeiten und Grenzen der Dekonstruktion im Film

Título: Die Filmsprache David Lynchs - Möglichkeiten und Grenzen der Dekonstruktion im Film

Tesis de Maestría , 2010 , 158 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Laura Weber (Autor)

Filmología
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David Lynchs Filme schlagen wie kaum ein anderes Werk eines in Hollywood ansässigen Regisseurs den Bogen zwischen Hollywood-, Arthouse- und Independentfilm. Es ist eben dieser Status im Zwischenraum, im Jenseits klassischer Genrekonventionen, der den Anspruch eines Regisseurs widerspiegelt, der sich gegen eindeutige Interpretationen sträubt. Die Grenzen
des Nicht-Eindeutigen, des Vieldeutigen auszuloten, sie so weit zu spannen, bis sie sich in der Bedeutungslosigkeit verlieren, so ließe sich das Programm von David Lynch formulieren.
„Es [das klassische Erzählkino, Anm.LW] ist zeitlos, und ich liebe es sehr. Doch ich will seine Formen und Strukturen so weit wie möglich dehnen.“ (David Lynch).Die Liebe zum Kino ist Lynchs Filmen anzumerken. So sind seine Filme, selbst wenn sie sämtliche kinematographische Formeln und Regeln auf die Probe stellen, stets auch eine Hommage an das Kino und an das Medium Film, dessen vielfältige Gestaltungsmittel konsequent ausgeschöpft und ergründet werden. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass Lynchs Filme immer wieder als Beitrag zu einer Theorie des Films verstanden werden. Indem sie die Mechanismen des klassischen Kinos einem experimentellen Spiel aussetzen, lassen sie deren
Konventionalität deutlich hervortreten und bieten alternative filmische Konzepte an.
In diesem Umgang mit dem Medium Film und den Konventionen des Kinos erkennen Filmwissenschaftler oft ein dekonstruktives Verfahren. Damit wird der Blickwinkel aus einer philosophischen Perspektive eröffnet. Die Dekonstruktion ist eine im Geiste des Poststrukturalismus geborene Haltung des französischen Philosophen Jacques Derrida. Sie beschreibt ein vielschichtiges Lektüreverfahren, mit dem Derrida hauptsächlich Texten der philosophischen Tradition begegnet. Das Aufdecken textimmanenter Aporien wirkt sich dabei als radikale Infragestellung traditioneller Grundannahmen der abendländischen Philosophie aus. Zusammenhänge zwischen Zeichen und Bedeutung werden zu unsicheren Faktoren.
Der Import des Begriffs in den filmwissenschaftlichen Bereich spiegelt seine Popularität wider und evoziert eine Reihe von Fragen: Ist das Konzept der Dekonstruktion, so wie es Derrida versteht, überhaupt auf den Bereich des Films anwendbar oder handelt es sich um den inflationären Gebrauch eines Modewortes? Wird damit das Medium Film zum philosophischen Gegenstand oder zum Ort eines philosophischen Diskurses? Können Lynchs Filme tatsächlich als eine dekonstruktive Reflexion verstanden werden?

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Forschungsstand und Literaturlage

1.2 Vorgehensweise

2. Die Dekonstruktion – eine philosophische Strategie Jacques Derridas

2.1 Der Kontext der Dekonstruktion: Poststrukturalismus und Strukturalismus

2.2 Logozentrismus und Phonozentrismus

2.3 Derrida und Sprache – La différance

2.3.1 Semantische Bestimmung von „La différance“

2.3.2 Bewegung statt Ursprung

2.3.3 Die Unkontrollierbarkeit der Bedeutung

2.3.4 Der offene Text

2.3.5 Zusammenfassung und Wirkungsbereich der Dekonstruktion

3. Filmsprache

3.1 Zum Begriff der Filmsprache in der Filmsemiotik

3.2 Der Code der klassischen Filmsprache: Die Herrschaft der Erzählung

3.3 Kinemato-Graphia: Filmschrift anstatt Filmsprache

3.4 Ein Exkurs zum Dekonstruktivismus in der Architektur

3.5 Dekonstruktivistische Filmstrategie

4. David Lynch: Ein Filmemacher zwischen Kunst und Kino

4.1 Biografische Notiz zu David Lynch und Gliederung seines Werks

5. Die Filmsprache David Lynchs und ihr dekonstruktivistisches Potenzial

5.1 Analyse der narrativen Strukturen

5.1.1. LOST HIGHWAY

5.1.1.1 Inhaltsangabe

5.1.1.2 Narrative Struktur und möglichen Interpretationsansätze

5.1.2 MULHOLLAND DRIVE

5.1.2.1 Inhaltsangabe

5.1.2.2 Narrative Struktur und möglichen Interpretationsansätze

5.1.3 Die Inszenierung von Raum und Zeit bei David Lynch

5.1.3.1 Spiel mit klassisch-filmtechnischen Manipulationen

5.1.3.2 Der Abschied von der Linearität

5.1.3.3 Eine simultane Zeitordnung?

5.1.3.4 Raumsprünge und falsche Anschlüsse

5.1.3.5 Zusammenfassung: Dezentrierung der Narration

5.1.4 Freiheit der Bildgestaltung

5.2 Die Instabilität der medialen Grenzen

5.2.1 Die Macht des Offs

5.2.2 Erweiterung des Bild- und Tonraums: Das Verhältnis von Bild zu Ton

5.2.3 Die verschachtelte Bildfolge in MULHOLLAND DRIVE

5.2.4 Fiktion in Fiktion in MULHOLLAND DRIVE

5.3 Die Dekonstruktion der filmischen Zeichen

5.3.1 Die Verschachtelung der narrativen Ebenen in LOST HIGHWAY

5.3.2 Zu Status und Ort des kinematographischen Bildes

5.3.3 Der Verlust der bildlichen Referenz in LOST HIGHWAY

5.3.4 Dekonstruktion des bildlichen Zeichens

5.3.5 Die Dekonstruktion des sprachlichen Zeichens

5.4 Ein transtextueller Text – INLAND EMPIRE

5.4.1 Inhaltsangabe INLAND EMPIRE

5.4.2 Die Netz-Struktur von INLAND EMPIRE

5.4.2.1 Handlungs- und Bildgeflecht

5.4.2.2 Intertextuelle Verweise zu anderen 'Lynch-Texten'

5.4.2.3 Der Tod und die Wiederbelebung des Films: Eine Transformation

5.4.3 David Lynch, die Kunst und die Dekonstruktion

6. Fazit

6.1 Zusammenfassung der Ergebnisse: Die Filmsprache David Lynchs

6.2 Bewertung: Möglichkeiten und Grenzen der Dekonstruktion im Film

Zielsetzung & Themen

Diese Magisterarbeit untersucht die Filme von David Lynch im Kontext dekonstruktivistischer Philosophien, insbesondere unter Bezugnahme auf Jacques Derrida. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, ob und wie Lynchs filmsprachliche Methoden als dekonstruktive Praxis verstanden werden können, indem sie klassische narrative Strukturen und die Stabilität filmischer Zeichen hinterfragen.

  • Philosophische Grundlagen der Dekonstruktion nach Jacques Derrida
  • Kritik der klassischen Filmsprache und Filmsemiotik
  • Analyse narrativer Strukturen in LOST HIGHWAY, MULHOLLAND DRIVE und INLAND EMPIRE
  • Untersuchung der Instabilität medialer Grenzen (Bild/Ton, Realität/Fiktion)
  • Dekonstruktion des filmischen Zeichens als Prozess der Bedeutungsgenerierung

Auszug aus dem Buch

3.1 Zum Begriff der Filmsprache in der Filmsemiotik

Die Entwicklung des Films zum Medium einer linearen Erzählung erweckt in den 1960er Jahren Vergleiche zu dem bis dahin für die Erzählung 'zuständigen' Medium der Sprache bzw. der Literatur. Das Verständnis von Film als Kommunikationsphänomen mit einer eindeutigen kommunikativen Absicht - eine Geschichte zu erzählen - bildet die Basis der Filmsemiotik. Der Begriff ‚Filmsprache‘ wird zum Programm. Film wird jetzt als eine Sprache ähnliches Codesystem verstanden, das mittels eines bestimmten Codes zwischen Sender und Empfänger vermittelt. Der französische Filmsemiotiker Christian Metz formuliert den Zusammenhang zwischen Filmsprache und Erzählung wie folgt: „Weil das Kino Geschichten erzählt hat, ist es zur Sprache geworden (nicht umgekehrt)“. Diese Sprache galt es von Filmsemiotikern zu untersuchen.

Um die Tatsache zu verstehen, „daß die Filme verstanden werden“ - so Metz vielzitierter programmatischer Ausspruch für das Vorhaben der Filmsemiotik - unternahmen die größtenteils französischen Semiotiker den Versuch der Übertragung linguistischer Kategorien auf das System des Films. Diese versuchte Analogisierung von Wort- und Filmsprache überrascht vor dem Hintergrund, dass Film in den Jahren nach seiner Entstehung besonders aufgrund der Unmittelbarkeit seiner Bilder als Offenbarung gegenüber der Sprache, ja als „Erlösung vom babelschen Fluch“ gefeiert wurde.

„Die Begeisterung der frühen Theoretiker des Films für seine Fähigkeit, Bedeutung nicht sprachlich-begrifflich, sondern mit Hilfe der stummen Gebärde zu vermitteln, hat als kulturellen Hintergrund eine zeitgenössische Skepsis gegenüber dem Wort [...].“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Themenstellung ein, skizziert den Forschungsstand zur Lynch-Rezeption und legt die methodische Vorgehensweise der Arbeit dar.

2. Die Dekonstruktion – eine philosophische Strategie Jacques Derridas: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Dekonstruktion, insbesondere Begriffe wie Poststrukturalismus, Logozentrismus und La différance.

3. Filmsprache: Hier wird der theoretische Rahmen für die Untersuchung der Filmsprache im Kontext der Semiotik und der dekonstruktivistischen Perspektive entwickelt.

4. David Lynch: Ein Filmemacher zwischen Kunst und Kino: Ein biografischer und werkbezogener Überblick, der Lynchs Entwicklung vom Independent-Kino zum anerkannten Arthouse-Regisseur nachzeichnet.

5. Die Filmsprache David Lynchs und ihr dekonstruktivistisches Potenzial: Der Hauptteil bietet eine tiefgehende Analyse der narrativen Strukturen und der visuellen Gestaltung in den ausgewählten Filmen im Hinblick auf deren dekonstruktive Qualität.

6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse sowie einer kritischen Bewertung der Anwendbarkeit dekonstruktivistischer Theorien auf das Medium Film.

Schlüsselwörter

David Lynch, Dekonstruktion, Jacques Derrida, Filmsprache, Filmsemiotik, Lost Highway, Mulholland Drive, Inland Empire, Narration, Poststrukturalismus, Bildsprache, Medientheorie, Differance, filmische Zeichen, Filmanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Filme von David Lynch unter der Perspektive der philosophischen Dekonstruktion nach Jacques Derrida, um Lynchs spezifische filmische Strategien zu analysieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Dekonstruktion als philosophisches Konzept, die Kritik an klassischen Erzählweisen im Film sowie die Analyse des Verhältnisses von Bild, Ton und Bedeutung in Lynchs Werken.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, inwiefern Lynchs Filme eine dekonstruktivistische Filmstrategie aufweisen und wie diese die Grenzen traditioneller filmischer Erzählung überschreitet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein theoretisch-analytisches Vorgehen gewählt, das dekonstruktivistische Ansätze mit filmwissenschaftlichen Analysen verknüpft, um die filmische Praxis Lynchs systematisch zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Analyse der narrativen Strukturen und filmischen Zeichen in den Filmen LOST HIGHWAY, MULHOLLAND DRIVE und INLAND EMPIRE.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind u.a. Dekonstruktion, Filmsprache, David Lynch, Filmsemiotik, Narration und die Analyse spezifischer Filmbeispiele.

Warum spielt der Begriff "La différance" eine so wichtige Rolle?

Der Begriff ist zentral für Derridas Denken und dient als theoretisches Instrument, um aufzuzeigen, wie Bedeutung in Texten und Filmen durch ständige Aufschiebung und Bewegung entsteht, statt fest verankert zu sein.

Wie unterscheidet sich die Analyse von INLAND EMPIRE von den anderen Filmen?

INLAND EMPIRE wird als transtextueller Text begriffen, der konventionelle Erzählregeln radikaler dekonstruiert und die Grenzen des Mediums Film durch den Einsatz neuer Technologien massiv in Frage stellt.

Final del extracto de 158 páginas  - subir

Detalles

Título
Die Filmsprache David Lynchs - Möglichkeiten und Grenzen der Dekonstruktion im Film
Universidad
Leuphana Universität Lüneburg
Curso
Sprache und Kommunikation / Filmwissenschaften
Calificación
1,3
Autor
Laura Weber (Autor)
Año de publicación
2010
Páginas
158
No. de catálogo
V210140
ISBN (Ebook)
9783656384335
ISBN (Libro)
9783656395263
Idioma
Alemán
Etiqueta
filmsprache david lynchs möglichkeiten grenzen dekonstruktion film
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Laura Weber (Autor), 2010, Die Filmsprache David Lynchs - Möglichkeiten und Grenzen der Dekonstruktion im Film, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210140
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