Im Mittelpunkt der Arbeit steht der Jugend- und Entwicklungsroman „Der Hitlerjunge Quex“ von Karl Aloys Schenzinger aus dem Jahre 1934. Es wird der Prozess der Subjektwerdung und Vergesellschaftung der Romanhauptfigur Heini Völkers im historischen Kontext des aufstrebenden Nationalsozialismus exzerpiert und hermeneutisch analysiert.
Ziel der Hausarbeit ist es, die Abwertung des Individuums und insbesondere die damit einhergehende Erziehung zum Heldentod am Roman zu veranschaulichen und zu verstehen. Dem Heldentod kommt in Schenzingers (1934) Werk eine besondere Bedeutung zu. Treziak (1986) beispielsweise schließt ihre Überlegungen zur bündischen Jugend und deren Verhältnis zum Nationalsozialismus mit der Anmerkung, dass „Lebensfeindlichkeit, Todessehnsucht, Destruktivität und Verherrlichung der Männlichkeit in männerbündischen Zusammenschlüssen ein Gesichtspunkt ist, der weiter untersucht werden muss“ (Treziak, 1986, S. 113).
Konkret sollen daher die Handlungen und Ideologien sowie die Werte und Normen der Akteure im Roman herausgearbeitet und interpretiert werden, an deren Beispiel der Umgang mit dem Tod bzw. dessen Heroisierung deutlich wird. Zudem sollen die Erkenntnisse des Romans mit der historischen Wirklichkeit verglichen werden. Heini Völkers soll hier auch als Stellvertreter einer ganzen (Hitler-)Jugend verstanden werden. Die Betrachtungsperspektive auf den Roman, welche gleichzeitig die Leitfrage dieser Arbeit ist, ergibt sich aus folgender Fragestellung: Welche Werte und Normen der HJ werden im Roman ersichtlich, die das Verständnis Heini Völkers von Individuum und Tod beeinflussen?
Die Grundlage für die Textinterpretation des Romans ist die Anwendung des Hermeneutischen Zirkels, ergänzt durch Rittelmeyers (2001) Methode zur Interpretation pädagogischer Texte [Beschreibung der Methode in der Vollversion]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überblick
2.1 Einordnung in den historischen Kontext
2.2. Inhaltsangabe
3. Hermeneutische Analyse des Romans
3.1 Heini beobachtet die Hitlerjungen
3.2 Die Ansprache zur Opferbereitschaft
3.3 Gesang in der HJ
3.4 Flugblätter mit Widerstandsparole
3.5 Gespräch mit Heini über Gleichheit
3.6 Tod und Anerkennung
4. Heroischer Tod
4.1 Der Tod der Mütter
4.2 Der heroische Tod Heinis
Schlussbetrachtungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Romans „Der Hitlerjunge Quex“ von Karl Aloys Schenzinger den Prozess der Subjektwerdung und Vergesellschaftung der Hauptfigur Heini Völkers sowie die systematische Abwertung des Individuums zugunsten einer Erziehung zum Heldentod im Nationalsozialismus.
- Historische Einordnung des Romans in das Jahr 1932
- Analyse der nationalsozialistischen Ideologie, Werte und Normen
- Interpretation des Umgangs mit dem Tod und dessen Heroisierung
- Untersuchung der instrumentellen Funktion von Symbolen wie Fahnen und Liedern
- Vergleich der Romanhandlung mit historischen Gegebenheiten
Auszug aus dem Buch
3.1 Heini beobachtet die Hitlerjungen
Heini befindet sich zunächst im Zeltlager der kommunistischen Jugend. Angelockt vom Schein eines großen Feuers, beobachtet er aus der Dunkelheit die nahegelegene Sonnenwendfeier der Hitlerjungen (vgl. Schenzinger, 1934, S. 46).
„Jeder hielt neben sich an langer Stange einen Wimpel senkrecht gegen den Himmel, schwarze Wimpel und leuchtend rote mit zackigen Zeichen im Grund des Tuches. Einer sah aus wie der andere, kurze Hosen, nackte Knie, braunes Hemd, ein Tuch um den Hals geschlungen“ (Schenzinger, 1934, S. 46).
Die Hitlerjungen treten hier einheitlich mit brauner Uniform und wehenden Fahnen auf. Die Abbildung 2 im Anhang 2 (Seite 24) veranschaulicht das Aussehen der Hitlerjungen.
Die NSDAP verstand sich gut darin, junge Leute durch Zeltlager, Sport, Spiel und Lagerfeuerromantik für die Hitlerjugend zu begeistern und mit Scheingeborgenheit und Verantwortung zu locken (vgl. Zollig, 2005, S. 170). Und die Jugend in den sicheren Schoß des Führers zu nehmen (vgl. Kater, 2005, S.18).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Romans sowie der hermeneutischen Zielsetzung, die Abwertung des Individuums und die Erziehung zum Heldentod zu untersuchen.
2. Überblick: Historische Einbettung des Romans in das Jahr 1932 und Zusammenfassung der Inhaltsentwicklung von Heini Völkers.
3. Hermeneutische Analyse des Romans: Detaillierte Untersuchung zentraler Textstellen bezüglich der Wertevermittlung durch Symbole, Ideologie und Kameradschaft.
4. Heroischer Tod: Analyse der nationalsozialistischen Instrumentalisierung von Tod und Trauer zur Erzeugung eines Heldenmythos.
Schlussbetrachtungen: Resümee über die erfolgreiche Sozialisation der Hauptfigur und die Funktion des Romans als Propagandainstrument.
Schlüsselwörter
Hitlerjunge Quex, Schenzinger, Nationalsozialismus, Hitlerjugend, Heldentod, Individuum, Vergesellschaftung, Ideologie, Kameradschaft, Hermeneutik, Opferbereitschaft, Propagandafilm, Sozialisation, NS-Erziehung, Heini Völkers
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert den Roman „Der Hitlerjunge Quex“ unter pädagogischen und hermeneutischen Gesichtspunkten, um die ideologische Erziehung der Jugend im Nationalsozialismus aufzuzeigen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Abwertung des Einzelnen, die Instrumentalisierung der Jugend sowie die Heroisierung des Todes durch die nationalsozialistische Ideologie.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Untersuchung geht der Frage nach, welche spezifischen Werte und Normen der Hitlerjugend im Roman ersichtlich werden, die das Verständnis Heini Völkers von Individuum und Tod beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt die pädagogische Textinterpretation nach der Methode des „Hermeneutischen Zirkels“, um Sinngehalte im Kontext des historischen und inhaltlichen Rahmens zu erschließen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert schrittweise Schlüsselszenen des Romans – von der Beobachtung der HJ durch Heini bis hin zu seinem Tod – und setzt diese in Bezug zu historischen Programmschriften der NSDAP.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind „Erziehung zum Heldentod“, „Vergesellschaftung“, „Opferbereitschaft“ und „Symbolik der Fahne“.
Warum spielt der Tod der Mutter im Roman eine so große Rolle für die ideologische Entwicklung Heinis?
Der Tod dient als Wendepunkt, an dem die HJ-Ideologie die natürliche Trauer unterbindet und durch ein politisch instrumentalisiertes Gedenken („Heldentod“) ersetzt.
Wie lässt sich die Rolle der Fahne und Lieder in der Argumentation des Autors zusammenfassen?
Diese Symbole dienen laut Arbeit nicht nur als Ausdruck von Gemeinschaft, sondern fungieren aktiv als Instrumente zur Minderbedeutung des Individuums und zur Erzeugung von soldatischem Gehorsam.
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- Bachelor of Arts Michael Estel (Autor), 2013, Abwertung des Individuums und Erziehung zum Heldentod in der Hitlerjugend – am Beispiel des Romans "Der Hitlerjunge Quex", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210220