Unternehmen der Pflegewirtschaft zwischen Ökonomisierung und ethischem Handeln


Hausarbeit, 2012
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ökonomisierung von Pflege am Beispiel der ambulanten Pflege

3. Wirtschaftsethik
3.1 Ethik
3.2 Wirtschaftswissenschaft
3.3 Zusammenführung von Ethik und Wirtschaftswissenschaft zur Wirtschaftsethik
3.4 Rationaler Egoismus
3.5 Utilitarismus
3.6 Rationaler Egoismus versus Utilitarismus

4. Handlungsstrategien unter veränderten Bedingungen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Unternehmen der Seniorenwirtschaft, die sich mit der Pflege alter Menschen in stationären oder ambulanten Settings beschäftigen, stehen vor weitreichenden Herausforderungen. Neben ökonomischen Erfordernissen gewinnen ethische, oder konkreter, wirtschaftsethische Fragestellungen zunehmend an Bedeutung. Dabei sind ökonomische Probleme und Erfordernisse zumeist Prädiktoren für das Aufkommen ethischer Fragestellungen. Inwieweit kann die Fachkraftquote in Pflegeinrichtungen reduziert werden? Wie viele Pflegekräfte pflegen wie viele Menschen? Oder gar wie viele Personen können in welcher Zeit versorgt werden? Diese Fragestellungen bedingen, dass die an der Situation beteiligten Individuen einen Sachverhalt unterschiedlich bewerten. Neben den unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten Individuen, lassen sich Fragestellungen jedoch auch auf anderen Ebenen untersuchen. Zu nennen wären in diesem Fall die Aspekte der Ökonomisierung und der Ethik. Eine passende Schablone für dieses Vorhaben liefert die wissenschaftliche Disziplin der Wirtschaftsethik. So möchte ich in dieser Arbeit meinen Fokus auf diesen Wissenschaftsbereich legen und der Fragestellung nachgehen, wie ethische Handlungserfordernisse unternehmerische Strategien aus dem Wirtschaftsbereich Pflege beeinflussen. Dabei möchte ich mich gezielt mit dem Sektor der Altenpflege auseinandersetzen. Die Ökonomisierung der Pflege erläutere ich dabei am Beispiel der ambulanten Pflege. Danach gehe ich auf den Wissenschaftsbereich der Wirtschaftsethik ein und lenke dabei den Blick auf die Strömungen des Utilitarismus und des Rationalen Egoismus. Im letzten Teil werden Ökonomisierung und wirtschaftsethische Handlungserfordernisse zusammengeführt und eine Strategie für das Handeln der Organisation erarbeitet.

2. Ökonomisierung von Pflege am Beispiel der ambulanten Pflege

Ökonomisierung lässt sich als Prozess verstehen, in dem sich Organisationen oder Institutionen den Prinzipien der Effizienz und Marktlogik unterordnen (Pfau-Effinger, Och, & Eichler, 2008:83f.). Ziele der Ökonomisierung in Bezug auf den Sektor des sozialen Sicherungssystems sind dabei die Kosten, welche durch personenbezogene soziale Dienste entstehen, zu senken und dabei gleichzeitig die Qualität der erbrachten Leistung zu verbessern (Auth, 2012:2).

Die Verbesserung der Qualität ist dabei über die entstehende Wettbewerbssituation zwischen einzelnen Anbietern zu erklären.

Den Grundstein für den Prozess der Ökonomisierung der Pflege legte das Inkrafttreten des Pflegeversicherungsgesetzes 1995. Das Risiko der Pflegebedürftigkeit war bis zu diesem Zeitpunkt das einzige gesellschaftliche Lebensrisiko, das nicht öffentlich-rechtlich abgesichert war. Einzig Ausnahmen wie die Fälle, die in den Reglungsbereich der Unfallversicherung oder der sozialen Entschädigung (beispielsweise Kriegsopferversorgung) fielen, waren sozial abgesichert. Das Risiko im Falle einer Pflegebedürftigkeit blieb somit privat und Pflegebedürftige mussten für ihre Versorgung ihr Vermögen verbrauchen oder sich auf die finanzielle Leistungsfähigkeit ihrer Kinder (Unterhalt) berufen. Als letzte Instanz der sozialen Sicherung konnte nur noch die Sozialhilfe in Anspruch genommen werden (Waltermann, 2009:109).

Das Einsetzen der Pflegeversicherung als System der sozialen Sicherung im Fall der Pflegebedürftigkeit verfolgte mehrere Ziele. Die Träger der Sozialhilfe sollten von den gestiegenen Kosten der Versorgung von pflegebedürftigen Heimbewohnern entlastet werden, die infrastrukturelle Versorgung der Bewohner sollte verbesset werden und eine Stärkung der häuslichen Pflege sollte erreicht werden. In diesem Zuge wurden auch private Anbieter von Pflegediensten zugelassen (Auth, 2012:4).

Im Zuge dieser Veränderungen kommt es zu Ökonomisierungsprozessen, die durch bestimmte Aspekte gekennzeichnet sind.

Nach Pfau-Effinger (2008:85f.) wird die Ökonomisierung der Pflege durch folgenden Prozesse charakterisiert:

- „Quasi-Taylorisierung“[1] im Sinne einer Effizienzsteigerung d.h. einer Standardisierung der Leistung
- Schaffung einer Marktsituation, in der verschiedene Typen von Anbietern um Aufträge konkurrieren (Anbieterwettbewerb) und der Staat weniger als Produzent von Leistungen – durch den Rückgang staatlicher Einrichtungen und die Förderung von privaten Einrichtungen (damit auch Privatisierung) – agiert und nun als Nachfrager dieser Leistungen auftritt
- Umdefinition der Nutzer zum Kunden mit Wahloption. Der Kunde kann nun letztendlich entscheiden, bei welchem Anbieter in der entstehenden Angebotsvielfalt er die Leistungen einkaufen möchte.

Neben den Effekten der Ökonomisierung hatte die Einführung der Pflegeversicherung auch einen autonomiestärkenden Effekt auf die pflegebedürftigen Personen. Pflegebedürftige Menschen stehen nun nicht mehr im absoluten Abhängigkeitsverhältnis im Rahmen familiärer Solidarität (ebd.).

Die Einführung der Pflegeversicherung führt somit zu einer Verschiebung zu Gunsten der pflegebedürftigen Person im asymmetrischen Verhältnis zwischen dieser und der pflegenden Person.

Neben diesem positiven Effekt steht der Effekt, dass durch die oben beschriebene „Quasi-Taylorisierung“ die Pflege aus ihrem sozialen Kontext gelöst wird. Die Ökonomisierungsanforderungen, die durch eine Effizienzsteigerung im Sinne einer Pflege in standardisierten (normierten) Zeiteinheiten bestehen, stehen dem Ziel der Steigerung der Qualität der Pflege konträr gegenüber, wenn man die Seite der von der Pflegesituation Betroffenen betrachtet. Der wesentliche Bereich der Beziehungspflege ist kaum noch adäquat zu gestalten. Häufig ist es so, dass die zeitliche Struktur der Pflegekräfte in einem Spannungsverhältnis zu den tatsächlichen zeitlichen Bedarfen der Pflegebedürftigen und deren Angehörigen steht. Besonders betroffen sind davon Menschen mit Demenz, bei denen die reine körperliche Pflege (als verrichtungsbezogene Tätigkeit) oft in den Hintergrund rückt und die Aspekte des Sozialen eine übergeordnete Rolle spielen (Pfau-Effinger et al., 2008:96).

Auch Heinze, Naegele und Schneiders (2011:217) üben Kritik am Konzept der Verrichtungsbezogenen Pflege, weil dies die oben genannte Personengruppe nur unzureichend erfasst.

Angesichts der genannten Ausführungen stehen Führungskräfte in diesen Bereichen der Seniorenwirtschaft vor besonderen Herausforderungen. So ist ein besonderes Augenmerk neben der wirtschaftlichen Steuerung der Organisation auf die ethischen Aspekte der Steuerung des Unternehmens zu legen.

3. Wirtschaftsethik

Um den Begriff der Wirtschaftsethik handhabbar zu machen, wird dieser zunächst in seine beiden wissenschaftlichen Teilbereiche zerlegt. Diese Teilbereiche sind die Ethik und die Wirtschaftswissenschaften.

3.1 Ethik

Um zu einer Definition von Ethik zu kommen, müssen zunächst drei Begriffe eingeführt werden. Dabei geht es um die Begriffe Werte, Normen und Moral.

Nach Karmasin und Litschka (2008:13) sind Werte als wünschenswerte Ziele zu verstehen, welche zum Beispiel Freiheit oder Gerechtigkeit sein können. Normen lassen sich als Handlungsanleitungen oder Richtlinien bzw. Werturteile verstehen, die vermitteln sollen, was zu unterlassen ist und was zu tun ist. Schon Kant liefert dazu mit dem Satz „Was soll ich tun?“ eine zentrale Leitfrage für ethisches Handeln (Spierling, 1992:346). Neben Normen existieren noch Moralische Normen, deren Inhalt das gute und richtige Handeln des Menschen ist und deren Gesamtheit als Moral definiert wird (Karmasin & Litschka, 2008:13). In der Definition von Karmasin und Litschka (2008:14), in der sie Ethik als „reflexive oder wissenschaftliche Beschäftigung mit Moral“ bezeichnen, ist der Begriff der Moral bereits beinhaltet. Anhand der oben erklärten Begriffe können die einzelnen Bestandteile ethischen Handelns erschlossen werden, die Kant wie folgt zusammenfasst „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“ (Kant, 1781:421).

[...]


[1] Beim Taylorismus wird von der Vorstellung ausgegangen, „daß durch sachkundige psychologische und organisatorische Behandlung die Leistung des Menschen wie in einer Maschine gesteuert werden könne“(Wöhe & Döring, 2000:105).

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Unternehmen der Pflegewirtschaft zwischen Ökonomisierung und ethischem Handeln
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Veranstaltung
Unternehmensstrategien in der Seniorenwirtschaft
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V210232
ISBN (eBook)
9783656384540
ISBN (Buch)
9783656386537
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethik, Utilitarismus, Rationaler Egoismus, Wirtschaftsethik, Pflege, Ehrenamt
Arbeit zitieren
Sebastian Riebandt (Autor), 2012, Unternehmen der Pflegewirtschaft zwischen Ökonomisierung und ethischem Handeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210232

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