Im Laufe meiner Ausbildungszeit als Anwärterin für das Grundschullehramt stellte sich mir die Frage, wie der Unterrichtsablauf gestaltet werden kann, um die Lernprozesse der Kinder zu optimieren. In der Lerngruppe im Fach Sachunterricht gab es infolge einer hohen Schülerfluktuation und eines Klassenlehrerwechsels ein großes soziales Konfliktpotential. Aus diesem Grund hatte ich den Wunsch, ein kooperatives, lernförderliches Klima durch eine Kommunikation zu schaffen, mit deren Hilfe die Schüler/-innen lernen, einander zu achten und wertzuschätzen. Dies ist eine Teilkompetenz im Bereich „Unterrichten“, die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst entwickeln sollen. Die Schüler/-innen hatten ein großes Bedürfnis, sich mitzuteilen im Hinblick auf Konflikte, die sie miteinander erlebten, und sie benötigten an manchen Stellen Hilfe, um Streitigkeiten zu klären. Soziale Beziehungen positiv durch Kommunikation und Interaktion zu gestalten ist nach der APVO Lehr ein Teilbereich im Kompetenzbereich „Erziehen“. Aus diesem Grund sind die Themenfelder „Unterrichten“ und „Erziehen“ eine Herausforderung, um die eigenen Kompetenzen als Lehrerin oder Lehrer weiterzuentwickeln.
Angeregt durch vielfältige Impulse aus der Fachliteratur des Sachunterrichts, beschäftigte ich mich mit dem Thema „Philosophieren mit Kindern“, erstellte zu dieser Thematik eine Unterrichtseinheit und führte sie durch. Ausgehend von diesen Erfahrungen soll in der vorliegenden Arbeit die Frage untersucht werden, inwieweit es möglich ist, durch das Philosophieren mit Kindern die Kompetenzen der Lehrperson im Bereich „Unterrichten“ und „Erziehen“ zu verbessern, die Lernprozesse der Schüler/-innen zu optimieren und ein kooperatives, lernförderliches Klima zu schaffen.
Nach der Einordnung des Philosophierens mit Kindern in den philosophischen Kontext, seine verschiedenen Ansätze und Methoden wird die Entwicklung dieses Faches der letzten Jahrzehnte umrissen. Anschließend wird der Bezug zum Fach Sachunterricht und die Möglichkeiten des Philosophierens mit Kindern in diesem Fach exemplarisch an einer Unterrichtsstunde dargestellt. In einer abschließenden Betrachtung wird die eingangs gestellte Frage reflektiert, inwiefern sich das Philosophieren mit Kindern eignet, um die eigenen Kompetenzen im Bereich „Unterrichten“ und „Erziehen“ weiterzuentwickeln.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ansätze für das Philosophieren mit Kindern
2.1 Der Begriff und zentrale Themenbereiche der Philosophie
2.2 Philosophieren mit Kindern
2.3 Philosophieren mit Kindern in der Grundschule
2.4 Philosophieren mit Kindern im Sachunterricht
2.5 Methoden beim Philosophieren mit Kindern
3 Philosophieren im Sachunterricht – ein Unterrichtsbeispiel
3.1 Beschreibung der Unterrichtseinheit
3.2 Darstellung der didaktischen Entscheidungen einer Unterrichtsstunde zum Thema „Die Freundschaftssonne“
3.3 Begründung der Auswahl der Methoden
3.4 Reflexion der Stunde in Bezug auf Theorie, Praxis und Kompetenzen des Philosophierens mit Kindern und mögliche Alternativen
4 Entwicklungsmöglichkeiten von Kompetenzen der Lehrkraft und der Schüler/-innen
5 Schlussbetrachtung und Perspektiven
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Philosophieren mit Kindern im Sachunterricht dazu beitragen kann, ein kooperatives, lernförderliches Klassenklima zu schaffen und gleichzeitig die pädagogischen Kompetenzen der Lehrkraft in den Bereichen „Unterrichten“ und „Erziehen“ gezielt weiterzuentwickeln.
- Integration philosophischer Dialoge zur Förderung sozialer Lernprozesse
- Analyse didaktischer Konzepte des Philosophierens im Sachunterricht
- Praktische Erprobung und Reflexion einer Unterrichtseinheit zum Thema Freundschaft
- Stärkung der Argumentations- und Urteilsfähigkeit von Grundschulkindern
- Professionalisierung der Lehrerrolle durch einen schülerorientierten Moderationsstil
Auszug aus dem Buch
Philosophieren mit Kindern
Am Anfang des Philosophierens steht das Staunen – eine Fähigkeit, die einen Prozess der selbstständigen Auseinandersetzung mit einer Frage oder Idee in Gang setzt. Sich wundern oder staunen können ist eine Fähigkeit, die kleine Kinder mitbringen, die jedoch verloren gehen kann, wenn es keine Anregungen gibt (vgl. Freese 1994).
Beim Philosophieren mit Kindern werden Alltagsfragen der Schüler/-innen oder Naturphänomene aufgegriffen und zum Anlass des Nachdenkens genommen. Prozesse des Staunens, des Nachdenkens, des Zweifelns, des Weiterdenkens und Infragestellens werden in Gang gesetzt. Dabei gilt es für die Lehrkräfte, eine bestimmte Haltung in einem Gespräch einzunehmen und sich verschiedener Methoden beim Philosophieren zu bedienen. Eine konkrete Alltagsfrage wird in diesem Prozess zu einer grundsätzlichen Frage, sie wird in einen größeren Kontext gestellt. Dabei nimmt die Lehrkraft eine besondere Rolle ein, indem sie das Gespräch mit den Kindern moderiert, jedoch nicht steuert. Philosophische Gespräche sind ergebnisoffen. Es geht also vielmehr darum, Begriffe zu klären und zu hinterfragen, die eigenen Meinungen zu begründen und sich im Gespräch aufeinander zu beziehen (vgl. Michalik 2010).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Verfasserin motiviert die Arbeit durch soziale Herausforderungen in ihrer Lerngruppe und formuliert das Ziel, durch das Philosophieren mit Kindern sowohl das Klassenklima als auch ihre eigenen Lehrerkompetenzen zu stärken.
2 Ansätze für das Philosophieren mit Kindern: Dieses Kapitel gibt einen theoretischen Überblick über philosophische Grundlagen, verschiedene Ansätze der Kinderphilosophie sowie relevante Methoden und verankert das Thema im Kontext der Grundschule und des Sachunterrichts.
3 Philosophieren im Sachunterricht – ein Unterrichtsbeispiel: Hier wird die praktische Durchführung einer Unterrichtseinheit zum Thema „Freundschaft“ detailliert beschrieben, didaktisch begründet und anhand der „Freundschaftssonne“ als konkretem Unterrichtsbeispiel reflektiert.
4 Entwicklungsmöglichkeiten von Kompetenzen der Lehrkraft und der Schüler/-innen: Die Verfasserin analysiert den Lernzuwachs in den Kompetenzbereichen Unterrichten und Erziehen und stellt fest, dass das Philosophieren als Prinzip die fachliche und soziale Entwicklung nachhaltig unterstützt.
5 Schlussbetrachtung und Perspektiven: Abschließend wird die Bedeutung des Philosophierens als durchgängiges Unterrichtsprinzip betont und der Vorschlag für ein kompetenzorientiertes Stufenmodell zur weiteren Förderung der Kinder unterbreitet.
Schlüsselwörter
Philosophieren mit Kindern, Sachunterricht, Freundschaft, Kompetenzorientierung, Lehrerrolle, Unterrichtsplanung, Diskursive Methoden, Soziale Kompetenz, Staunen, Fragekultur, Reflexion, Grundschule, Pädagogische Professionalisierung, Dialog, Demokratiefähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Implementierung des Philosophierens als Unterrichtsprinzip im Sachunterricht der Grundschule, um Lernprozesse zu optimieren und ein konstruktives soziales Klima zu etablieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der pädagogischen Theorie des Philosophierens mit Kindern, der Umsetzung im Sachunterricht sowie der Reflexion von Lehrerkompetenzen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung, inwiefern das Philosophieren mit Kindern dazu dient, die eigene Lehrkompetenz zu erweitern und bei Schülern soziale sowie argumentative Fähigkeiten zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine praxisorientierte Arbeit, die auf der Analyse von Fachliteratur sowie der Dokumentation und Reflexion einer durchgeführten Unterrichtseinheit basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Einbettung des Themas und einer detaillierten Fallstudie einer Unterrichtsreihe zum Thema „Freundschaft“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Philosophieren mit Kindern, Sachunterricht, Kompetenzorientierung und soziale Interaktion geprägt.
Wie wurde das Thema „Freundschaft“ konkret im Unterricht bearbeitet?
Durch den Einsatz von Bilderbüchern, Zitaten und der kreativen Gestaltung einer „Freundschaftssonne“, an deren Strahlen die Schüler ihre Gedanken und Begründungen festhielten.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft beim Philosophieren mit Kindern?
Die Lehrkraft agiert als Moderatorin, die sich in Zurückhaltung übt, um den Kindern Raum für eigene Denkprozesse zu geben, ohne den Gesprächsverlauf direkt zu steuern.
Welche Bedeutung kommt der „Freundschaftssonne“ in der Unterrichtseinheit zu?
Sie dient als visuelles Symbol und Arbeitsergebnis, das die verschiedenen, von Kindern entwickelten Antworten und Perspektiven zum Thema Freundschaft zusammenführt.
- Quote paper
- Kirsten Lindenthal (Author), 2011, Philosophieren mit Kindern im Sachunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210267