"'Wallenstein, (...), zeigt immer noch die gegenwärtige Situation und Auseinandersetzung der „deutschen“ Theaterlandschaft. Seitdem Fernsehen, Presse und Medien die Rolle der politischen und kulturellen Aufklärung übernommen haben und die Rolle des Theaters als Ort des offenen oder offeneren Diskurses der allgemeinen Öffentlichkeit in den Hintergrund rückt, scheint die Frage nach der Relevanz und Funktion des Theaters das zentrale Thema der gegenwärtigen öffentlichen Diskussionen zu sein.
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage nach den Aspekten der Darstellung deutscher Geschichte in Rimini Protokolls „Wallenstein“ unter besonderer Betrachtung der Möglichkeiten und Grenzen der Darstellung von Geschichte durch die „Experten des Alltags“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Theater von Rimini Protokoll
3. Die Auseinandersetzung mit Geschichte und die Inszenierung auf der Bühne
4. Die Inszenierung unterschiedlicher Aspekte deutscher Geschichte in Rimini Protokolls „Wallenstein-eine dokumentarische Inszenierung“.
4.1 Ort, Biographie und Zeit
4.2 Friedrich Schiller und das kulturelle Erbe
4.3 Theater und Medien
5. Möglichkeiten und Grenzen der Geschichtsdarstellung durch Experten des Alltags.
5.1 Möglichkeiten der Darstellung
5.2 Grenzen der Darstellung
6. Schlussanmerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie das Theaterkollektiv Rimini Protokoll in ihrer Inszenierung „Wallenstein“ deutsche Geschichte durch den Einsatz von „Experten des Alltags“ darstellt, und reflektiert dabei die methodischen Möglichkeiten sowie die Grenzen dieses dokumentarischen Ansatzes.
- Die dokumentarische Theaterpraxis von Rimini Protokoll
- Die Inszenierung von Geschichte durch nicht-professionelle Darsteller
- Das Spannungsfeld zwischen individueller Biographie und kollektivem Gedächtnis
- Kritische Analyse von Möglichkeiten und Grenzen dokumentarischer Darstellungen auf der Bühne
Auszug aus dem Buch
4.1 Ort, Biographie und Zeit
Michel de Certeau schreibt, dass die Partikularität des Ortes, aus dem eine Person spricht und forscht, nicht überwunden werden kann. In Rimini Protokolls „Wallenstein“ ist der Bezug zum Ort immer präsent. Der Blick auf die Darsteller zeigt innerhalb der erzählten Geschichten eine mal mehr mal weniger bewusste Beziehung zu diesen Orten.
Die Experten des Alltags sind Rita Mischereit (Inhaberin einer Partnerschaftsagentur), Esther Potter (geprüfte Astrologin, DAV), Wolfgang Brendel (Oberkellner im Hotel Elephant a.D.), Friedemann Gassner (Elektromeister und Schillerfan), Robert Helfert (Stadtamtsrat a.D.,1944/45 Luftwaffenhelfer), Ralf Kirsten (stellv. Leiter einer Polizeidirektion, Stadtrat Weimar), Dr. Sven-Joachim Otto (Richter am Sozialgericht Heidelberg, Stadtrat Mannheim), Hagen Reiche (ehemaliger Zeitsoldat), Dave Blalock und Darnell Stephen Summers (Vietnam Veteranen, Antikriegsaktivisten). Bereits im ersten Teil der Aufführung wird deutlich, dass der Ort im Bezug zur individuellen Geschichte der Darsteller einen wichtigen Rang hat. Die einzelnen Biographien der Darsteller werden auf den Ort zurückgeführt, der als gemeinsamer Ausgangspunkt der Auseinandersetzung funktioniert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Darstellung von Geschichte im Theater anhand der Inszenierung „Wallenstein“ von Rimini Protokoll.
2. Das Theater von Rimini Protokoll: Analyse des Theaterkollektivs und ihres Konzepts, Laien als „Experten des Alltags“ in dokumentarischen Inszenierungen einzusetzen.
3. Die Auseinandersetzung mit Geschichte und die Inszenierung auf der Bühne: Theoretische Einordnung der Geschichtsdarstellung im Theater nach 1980 und des Konzepts der „Neuen Historiographie“.
4. Die Inszenierung unterschiedlicher Aspekte deutscher Geschichte in Rimini Protokolls „Wallenstein-eine dokumentarische Inszenierung“.: Detaillierte Betrachtung der Einbindung von Biographien, des Schiller-Bezugs und der medialen Konstruktion im Stück.
5. Möglichkeiten und Grenzen der Geschichtsdarstellung durch Experten des Alltags.: Kritische Reflexion über das Potential und die Problematiken des Einsatzes von Laien bei der Vermittlung von Geschichte.
6. Schlussanmerkungen: Zusammenfassender Ausblick auf die Relevanz des Theaters und die Entwicklung des dokumentarischen Ansatzes von Rimini Protokoll.
Schlüsselwörter
Rimini Protokoll, Wallenstein, Experten des Alltags, Dokumentarisches Theater, Geschichtsdarstellung, Deutsche Geschichte, Friedrich Schiller, Kollektives Gedächtnis, Biographie, Realität, Fiktion, Theaterwissenschaft, Performativität, Inszenierung, Zeitgeschichte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Inszenierung „Wallenstein“ von Rimini Protokoll und untersucht, wie das Kollektiv Geschichte durch den Einsatz von fachfremden Personen („Experten des Alltags“) auf die Bühne bringt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem dokumentarischen Theater, der Verknüpfung von individueller Lebensgeschichte mit kollektiver Geschichtsschreibung sowie der kritischen Reflexion von Authentizität auf der Bühne.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen der Geschichtsdarstellung durch Experten des Alltags herauszuarbeiten und zu hinterfragen, wie Geschichte in der Gegenwart durch dieses spezifische Theaterformat neu definiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theaterwissenschaftliche Analyse angewandt, die sich auf geschichtstheoretische Ansätze (u.a. von Michel de Certeau und Aleida Assmann) stützt und diese auf die konkrete Inszenierungspraxis anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Arbeitsweise von Rimini Protokoll, die theoretische Verortung der Geschichtsdarstellung sowie die spezifische Untersuchung der Inszenierung „Wallenstein“ hinsichtlich Ort, Biographie, Schiller-Bezug und Medialität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rimini Protokoll, Experten des Alltags, Dokumentarisches Theater, Geschichtsdarstellung, Kollektives Gedächtnis und Performativität.
Wie unterscheidet sich der „Experte des Alltags“ vom professionellen Schauspieler?
Der Experte ist kein Rollenspieler im klassischen Sinne, sondern demonstriert sein eigenes Leben und seine spezifischen Erfahrungen, was eine andere Art der Interaktion mit dem Publikum ermöglicht und die „vierte Wand“ ironisch hinterfragt.
Welche Rolle spielt die Unterscheidung von Fakt und Fiktion in der Inszenierung?
Die Arbeit zeigt auf, dass Rimini Protokoll die Grenze verwischt. Die Zuschauer werden dazu angeregt, den Wahrheitsgehalt der Erzählungen zu hinterfragen, was die Inszenierung zu einem „Museum des Augenblicks“ macht.
Wie wird das „kulturelle Erbe“ Schillers im Stück behandelt?
Das Stück nutzt den dramatischen Text Schillers nicht als statisches Erbe, sondern konfrontiert ihn mit der Gegenwart der Experten, um zu fragen, welche Relevanz dieser Stoff heute noch für das Publikum besitzt.
- Citation du texte
- Christopher-Fares Köhler (Auteur), 2010, Zur Inszenierung unterschiedlicher Aspekte deutscher Geschichte in Rimini Protokolls "Wallenstein", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210302