In diesem Unterrichtsversuch soll ein Englischkurs der 12. Jahrgangsstufe durch den Einsatz von warm-ups zu einer vermehrten mündlichen Beteiligung gebracht werden.
Im Englischunterricht gilt spätestens seit der kommunikativen Wende in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren, dass der Fokus des Englischunterrichts auf den Lernenden (Learner-centredness) und insbesondere auf dem mündlichen Sprachgebrauch liegt. Damals wurde als oberstes und permanentes Ziel des Fremdsprachenunterrichts die münd-liche Kommunikationsfähigkeit ausgegeben,1 selbiges Ziel wird noch heute im Englisch-unterricht angestrebt.2
Doch laut den im März 2006 veröffentlichten Ergebnissen der Schulleistungsstudie DESI, welche die sprachlichen Leistungen an deutschen Schulen erfasst, kann von einer Erreichung dieses Ziels in keiner Weise gesprochen werden.3
Als ich im November 2010 begann, in der gymnasialen Oberstufe der Stadtteilschule zu hospitieren, stellte ich ebenfalls fest, dass die mündliche Beteiligung der Schülerinnen und Schüler sehr gering war. Als ich im Sommer 2011 einen Kurs in Jahrgang 12 übernahm, gelang es mir, durch anregende Sprechanlässe und kooperative Arbeitsformen hohe Schülersprechanteile zu erreichen. Dennoch stellte ich fest, dass sich im Unterrichtsgespräch weiterhin meist nur wenige Schülerinnen und Schüler beteiligten und viele gehemmt waren, vor der ganzen Klasse zu sprechen.
Deshalb gehe ich in diesem Unterrichtsversuch der Frage nach, inwieweit warm-ups Sprechhemmungen bei Schülerinnen und Schülern4 abbauen können, um die mündliche Beteiligung der SuS auch in Plenumsphasen zu erhöhen. Das Hauptaugenmerk lege ich dabei nicht auf die qualitative Verbesserung der Schülerbeiträge. Ich gehe aber davon aus, dass die erhöhte Sprechaktivität der SuS langfristig auch die Qualität der Beiträge erhöhen wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Theoretische Grundlagen
1.1 Kommunikative Kompetenz
1.2 Begriffsklärung warm-up
1.2.1 Warm-up in Abgrenzung zu verwandten allgemein-didaktischen Termini
1.2.2 Warm-up in Abgrenzung zu verwandten fachdidaktischen Termini
1.2.3 Definition des Begriffs warm-up
2. Planung des Unterrichtsversuchs
2.1 Didaktische Überlegungen zum Vorgehen
2.1.1 Lerngruppenbeschreibung
2.1.2 Beobachtungen
2.1.3 Untersuchungsschwerpunkt
2.1.4 Hypothese und Kriterien
2.1.5 Indikatoren und Durchführung
2.1.6 Ziel der Untersuchung
2.2 Auswahl des Themas und Einbettung in den laufenden Unterricht
2.3 Lernziele der Unterrichtseinheit
2.4 Methodische Überlegungen
2.4.1 Warm-up Übung: Three-Picture Story
2.4.2 Warm-up Übung: True or False?
2.4.3 Warm-up Übung: Role-play
3. Darstellung und Auswertung des Unterrichtsversuchs
3.1 Darstellung und Auswertung des warm-ups: Three-Picture Story
3.1.1 Darstellung
3.1.2 Auswertung
3.2 Darstellung und Auswertung des warm-ups: True or False?
3.2.1 Darstellung
3.2.2 Auswertung
3.3 Darstellung und Auswertung des warm-ups: Role-play
3.3.1 Darstellung
3.3.2 Auswertung
3.4 Abschließende Auswertung und Ergebnis
3.5 Fazit
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit themengebundene Warm-ups dazu beitragen können, Sprechhemmungen bei Schülerinnen und Schülern in einem Englischkurs der 12. Klasse abzubauen und deren mündliche Beteiligung in Plenumphasen zu erhöhen.
- Analyse von Warm-ups als didaktisches Instrument im Englischunterricht.
- Erforschung der Zusammenhänge zwischen themengebundenen Warm-ups und der Bereitschaft zur mündlichen Beteiligung.
- Untersuchung von Sprechhemmungen und deren Ursachen in einer spezifischen Lerngruppe.
- Überprüfung der Wirksamkeit von visualisierten Sprechanlässen und kooperativen Arbeitsformen.
- Reflexion über die Bedeutung der Sprachaktivierung für die kommunikative Kompetenz.
Auszug aus dem Buch
1.1 Kommunikative Kompetenz
Der schulische Fremdsprachenunterricht soll die SuS dazu befähigen, die funktionale Sprachverwendung im produktiven Bereich in einem Maß zu entwickeln, dass "eine Teilhabe am gesellschaftlichen Diskurs ohne größere Störungen möglich ist." Dabei gehe es nicht um Ausspracheperfektion oder formale Fehlerlosigkeit, sondern um die Beherrschung kommunikativer Strategien, die eine flexible Anwendung in monologischen und dialogischen Kommunikationssituationen erlaube.
Kommunikative Strategien sind Vorgehensweisen des kommunikativen Ansatzes, die zu einer Annäherung des Ziels der kommunikativen Kompetenz beitragen sollen. Der kommunikative Ansatz, der mit der "pragmatischen Wende" Einzug erhält, legt den Fokus auf die authentische Kommunikation und akzentuiert das Bedeutungspotenzial von Sprache. Um kommunikative Strategien im Englischunterricht anzuwenden, schlägt Kieweg Unterrichtsmethoden vor, die vom traditionellen Ping-Pong-Spiel in Form von Lehrerfragen und den vom Lehrer erhofften Schülerantworten absehen und die individuelle Sprechzeit der SuS erhöhen. Da es nicht auf auf die fehlerfreie Anwendung, sondern um die sprachliche Übermittlung von fremdsprachlichen Inhalten geht, kann in diesem Kontext auch das Prinzip message before accuracy abgeleitet werden, welches den übermittelten Inhalten der SuS einen höheren Stellenwert beimisst als dem fehlerlosen Ausdruck.
Die kommunikative Kompetenz ist nach Piepho: "die umfassende Fähigkeit eines Sprechers, kommunikativ zu handeln und sich im Diskurs zu äußern, d.h. die Bedeutung und die Absicht in oder hinter einer Äußerung bzw. einem Text aufzufassen und eigene Absichten in wirksamer Weise sprachlich auszudrücken."
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Problemstellung der mangelnden mündlichen Beteiligung in einem Englischkurs ein und definiert das Ziel, durch Warm-ups Sprechhemmungen abzubauen.
1. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert kommunikative Kompetenz und grenzt den Begriff Warm-up von anderen didaktischen Ansätzen ab.
2. Planung des Unterrichtsversuchs: Hier werden die Lerngruppe, die methodischen Ansätze sowie die spezifischen Warm-up-Übungen für den Unterrichtsversuch detailliert geplant und theoretisch begründet.
3. Darstellung und Auswertung des Unterrichtsversuchs: Dieses Kapitel dokumentiert die Durchführung der verschiedenen Warm-ups und analysiert deren Auswirkungen auf die mündliche Beteiligung der Schülerinnen und Schüler.
Schlüsselwörter
Warm-up, Sprechhemmungen, Englischunterricht, kommunikative Kompetenz, Schüleraktivierung, Themeneinbettung, mündliche Beteiligung, Sprachproduktion, Unterrichtsversuch, Lerngruppe, Fremdsprachenerwerb, Interaktion, Didaktik, Sprechanlässe, Wortschatzaktivierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie durch gezielte, themengebundene Warm-ups die Sprechhemmungen von Schülerinnen und Schülern in einem Englischkurs der gymnasialen Oberstufe reduziert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder sind die kommunikative Kompetenz, die didaktische Funktion von Warm-ups, die Analyse von Sprechhemmungen und die Förderung mündlicher Interaktion im Fremdsprachenunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, durch die Reaktivierung von sprachlichem Material mittels Warm-ups die mündliche Beteiligung der Lernenden in Unterrichtsphasen nachhaltig zu steigern und Sprechbarrieren abzubauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt einen Unterrichtsversuch in einem Englischkurs durch, wertet diesen durch Beobachtung, Aufzeichnungen und die Analyse von Schülerbeiträgen aus und reflektiert die Ergebnisse anhand didaktischer Kriterien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die detaillierte Planung des Unterrichtsversuchs sowie die praktische Darstellung und empirische Auswertung der durchgeführten Warm-up-Einheiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Warm-up, Sprechhemmungen, kommunikative Kompetenz, Schüleraktivierung und mündliche Interaktion.
Wie unterschieden sich Warm-ups von klassischen Stundeneinstiegen?
Während Stundeneinstiege oft thematisch einführend oder disziplinierend wirken, zielen die hier verwendeten Warm-ups spezifisch darauf ab, die Lernenden in der Fremdsprache zu aktivieren und durch thematische Einbettung das Sprechen zu erleichtern.
Warum wurden gerade "Three-Picture Story", "True or False?" und "Role-play" gewählt?
Diese Methoden wurden ausgewählt, um unterschiedliche sprachliche Anforderungen (Bildbeschreibung, Argumentation, Rollenspiel) zu bedienen und eine aktive Auseinandersetzung mit dem thematischen Kontext der Unterrichtseinheit zu fördern.
- Quote paper
- Benjamin Türksoy (Author), 2012, Inwieweit können "warm-ups" Sprechhemmungen bei Schülerinnen und Schülern abbauen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210341