Aktienkursprognose mit Hilfe der technischen Chartanalyse mit dem Schwerpunkt Elliott Wellenbewegungen im Performance Vergleich zur "Buy and hold Strategie"


Bachelorarbeit, 2013
75 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 EinleitenderTeil
1.2 Problemstellung
1.3 Gang der Untersuchung

2. Grundlagen der Aktienanalyse
2.1 Einleitender Teil
2.3.1 Fundamentale Analysemethoden
2.3.2 Technische Analysemethoden
2.4 Behavioral Finance

3. Instrumente und Methoden der technischen Aktienanalyse
3.1 Grundlagen der technischen Aktienanalyse
3.1.1 DowTheorie
3.1.2 Candlestick Chart
3.2 Methoden charttechnischer Analysevarianten
3.2.1 Trendlinien
3.2.2 Gleitende Durchschnitte
3.2.3 Elliott Wellen
3.2.4 Fibonacci-Zahlenreihen
3.3 Grenzen der charttechnischen Aktienanalyse
3.3.1 Technische Faktoren
3.3.2 Wirtschaftspolitische Faktoren

4. Empirische Untersuchung
4.1 Einführung in die Untersuchung
4.2 Auswahl der Instrumente
4.2.1 Buy and hold-Strategie
4.2.2 Technische Analyse
4.4 Analyse Software AG (WKN: 330400)
4.4.1 Langfristig
4.4.2 Kurzfristig
4.5. Analyse der SAP AG (WKN: 716460)
4.5.1 Langfristig
4.5.2 Kurzfristig

4.6 Analyse Beiersdorf (WKN: 520000)
4.6.1 Langfristig
4.6.2 Kurzfristig
4.7 Analyse Henkel (WKN: 604843)
4.7.1 Langfristig
4.7.2 Kurzfristig

5. Beurteilung der Prognosefahigkeit mittels Elliott-Wellen

6. Zusammenfassende Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungen vergrößert

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Dax Leitindex 12/2002 - 12/2012

Abbildung 2: Berechnung Untemehmenswert

Abbildung 3: Japanische Candlestick Charts

Abbildung 4: Primärer Aufwärtstrend

Abbildung 5: Unterstützung und Widerstand im Aufwärtstrend

Abbildung 6: Leitindex Dax gleitender Durchschnitt 38/100 Tage

Abbildung 7: Elliott-Wellen Grundmuster

Abbildung 8: Minimalkursziel von Welle

Abbildung 9: Dax-Performance

Abbildung 10: Analyse Software AG, langfristig

Abbildung 11: Analyse Software AG, kurzfristig

Abbildung 12: Analyse SAP, langfristig

Abbildung 13: Analyse SAP kurzfristig

Abbildung 14: Analyse Beiersdorf, langfristig

Abbildung 15: Analyse Beiersdorf, kurzfristig

Abbildung 16: Analyse Henkel, langfristig

Abbildung 17: Analyse Henkel, kurzfristig

Abbildung 18: Software AG, 19.12.2012

Abbildung 19: SAP AG, 19.12.2012

Abbildung 20: Beiersdorf, 19.12.2012

Abbildung 21: Henkel, 19.12.2012

Abbildung 22: Entwicklung Leitindex Dax

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Prozentualer Gewinnvergleich Buy and hold-Strategie vs. langfristige Analyse

1. Einleitung

1.1 Einleitender Teil

Für ein erfolgreiches Investment an der Börse gibt es unterschiedliche Strategien. Eine bekannte Strategie des Börsenspekulanten André Kostolany ist die sogenannte „Buy and hold-Strategie“. Nach dieser wird eine einmalige Investition mit ein wenig Geduld mit der Zeit lohnend sein.1 So kann man am Kursverlauf des deutschen Leitindexes Dax erkennen, dass eine Investition im Dezember 2002 zu 3000 Punkten binnen 10 Jahren zu einer Wertsteigerung von über 100% geführt hätte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Dax Leitindex 12/2002 - 12/2012

Wäre der Investor erst Anfang 2008 zu einer Investitionsentscheidung gekommen, hätte er zum heutigen Zeitpunkt gerade einmal seine Verluste aufgeholt.

An diesem kurzen Beispiel lässt sich feststellen, dass die Ermittlung des richtigen Einstiegszeitpunktes von wichtiger Bedeutung ist. Um diesen Zeitpunkt festzustellen, gibt es verschiedene Analysemethoden. Zum einen gibt es die fundamentale Analyse, die auf Basis von Unternehmenskennzahlen eine Untemehmensbewertung vomimmt, zum anderen die charttechnische Analyse, die auf Grundlage vergangenheitsbezogener Chartbilder Prognosen für die Zukunft erstellt.

1.2 Problemstellung

Die Aktienkurse an den Börsen unterliegen starken Schwankungen. In Zeiten von Hochfrequenzhandel und der Verschmelzung von Finanzmärkten hat die Volatilität zugenommen.2 Kursprognosen vorherzusagen und den richtigen Zeitpunkt einer Anlageentscheidung zu treffen ist besonders durch die Zunahme makroökonomischer Einflussfaktoren schwieriger geworden.3 Das Ziel einer Anlageentscheidung besteht in der Ermittlung des optimalen Kaufs­und Verkaufszeitpunktes einer Investitionsentscheidung. Allerdings beginnt eine Investitionsentscheidung mit der Feststellung eines günstigen Einstiegzeitpunktes.4

Zielsetzung dieser Arbeit soll es sein - neben der Vorstellung wesentlicher technischer Analysemöglichkeiten, herauszustelle inwiefern eine technische Aktienanalyse zu einer erfolgreicheren Renditeoptimierung führen kann. Hierfür wird ein Vergleich zur einfachen Buy and hold-Strategie aufgeführt. Erfolgreiches Handeln an der Börse kann auf Grundlage unterschiedlicher Finanzinstrumente ausgeführt werden um sowohl an fallenden als auch steigenden Kursen zu partizipieren. Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden in dieser Arbeit ausschließlich Aktien behandelt. Ebenso wird eine deutliche Abgrenzung zur fundamentalen Analyse durchgeführt.

1.3 Gang der Untersuchung

In der vorliegenden Arbeit werden zunächst im zweiten Kapitel die Grundlagen der Aktienanalyse behandelt. Hierbei gilt es den aktuellen Stand der Forschung festzustellen, der sich in Zeiten des computergestützten Handels in den letzten Jahren bedeutend weiterentwickelt hat.

Bevor in Kapitel 2.3.2 ausführlich auf die technische Aktienanalyse eingegangen wird, werden wesentliche Merkmale der fundamentalen Analyse definiert. Hierbei geht es im Wesentlichen um fundamentale Unternehmenskennzahlen, die als Bewertungsmethode herangezogen werden.

Das dritte Kapitel ist der theoretische Teil, auf dem die empirische Untersuchung aufbaut. Dabei handelt es sich um die Grundlagen der technischen Aktienanalyse aufbauend auf der Dow-Theorie und die verschiedenen Methoden von Analysevarianten, die in der Untersuchung genutzt werden. Von besonderer Bedeutung ist die Betrachtung von gleitenden Durchschnitten, Elliott-Wellen und Fibonacci-Retracements, die ihre praktische Anwendung im späteren Verlauf in der empirischen Untersuchung finden.

Die empirische Untersuchung erfolgt durch die Analyse von vier Aktien aus deutschen Indizes. Die Untersuchung besteht zum einen aus einem langfristigen Performancevergleich der Buy and hold-Strategie mittels charttechnischer Analysetechniken, zum anderen aus einer kurzfristigen Analyse mit einer Prognose in die Zukunft mittels der Elliott-Wellen-Theorie und Fibonacci-Retracements.

Im fünften Abschnitt werden die Analysen des vorangegangen Kapitels auf ihre Prognosefähigkeit überprüft und Aussagen über deren Anwendbarkeit getroffen.

2. Grundlagen der Aktienanalyse

2.1 Einleitender Teil

Ziel der Aktienanalyse ist es auf Grundlage unterschiedlicher Methoden eine Kursprognose für die Zukunft zu erstellen.

Auf Basis vergangenheitsbezogener Daten von Kursverläufen und Umsatzentwicklungen versucht der technische Analyst Vorhersagen über zukünftige Entwicklungen zu treffen.5 Anders geht die fundamentale Analyse vor. Hierbei werden primär aktuelle Unternehmenszahlen für eine Bewertung herangezogen, um den Unternehmenswert zu ermitteln und bestenfalls eine Unterbewertung festzustellen.

Für eine Aktienprognose sollte jedoch nicht nur das Unternehmen allein betrachtet werden, sondern sowohl die Branche analysiert werden als auch die Betrachtung volkswirtschaftlicher Faktoren und deren Einfluss auf zukünftige Kursentwicklungen.6

2.3 Analysemethoden

2.3.1 Fundamentale Analysemethoden

Der fundamentale Analyst versucht mit Hilfe quantitativer Bewertungskennzahlen eine Unterbewertung von Aktienkursen festzustellen um eine Investitionsentscheidung zu treffen. Zunächst mussjedoch der aktuelle Marktwert des Unternehmens festgestellt werden. Dieser setzt sich zusammen aus dem Marktwert des Eigenkapitals und dem Marktwert des Fremdkapitals.7

Von einer Unterbewertung des Kursniveaus spricht man, wenn der Marktwert der Unternehmung im Vergleich zur Bewertung anderer Aktien oder des Gesamtmarktes als zu niedrig erscheint. Zur Ermittlung dessen bedient sich der fundamentale Analyst Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), oder des Cash flows8.9

Unternehmens wert der AG - Marktwert des Fremdkapitals = Shareholder Value ./. Anzahl der Aktien = Wert der Aktie

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Berechnung Unternehmenswert10

Mit Hilfe von Bewertungskennzahlen sollen wie auch bei der technischen Analyse Marktbewegungen prognostiziert werden. Als Grundlage der Analyse dienen einerseits unternehmensinterne Daten, andererseits externe Informationen. Zu den internen Daten zählen sowohl Zahlen aus Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung als auch aktuelle Erfolgs- und Liquiditätskennzahlen. Bei externen Daten handelt es sich unter anderem um makroökonomische Faktoren wie Konjunkturentwicklungen oder das Zinsniveau.

Die größte Aussagekraft über die Erfolgsentwicklung eines Unternehmens hat das in der Gewinn-und-Verlustrechnung (GuV) ausgewiesene Betriebsergebnis. Das EBIT (Earnings Before Interest and Taxes) setzt sich zusammen aus betrieblichen Erträgen und Aufwendungen.11 Ein weiterer wichtiger Indikator der absoluten Kennzahlen ist das Net Operating Profit after Taxes (NOPAT). Auf Grundlage des EBIT kann ein bereinigtes operatives Ergebnis nach Steuern abgeleitet werden. ,, Da Steuern die tatsächlichen Überschüsse mindern ... und umfangreichere Bereinigungen vorgenommen werden, allerdings gelingt es dem NOPAT noch besser als dem EBIT, die Ertragskraft des operativen Geschäftes nachzureichen,.“.12

Zu den relativen Kennzahlen der Erfolgsanalyse zählen u.a. die Umsatz- und Kapitalrentabilität.13 Umsatzkennzahlen eignen sich für einen Betriebsvergleich von Unternehmen einer Branche. Es wird der Anteil an den Umsatzerlösen ermittelt, der zurück in Investitionen und Schuldentilgung fließt oder ausgeschüttet wird (Umsatzrentabilität = operativer Erfolg /operative Umsatzerlöse).14 Die Kapitalrentabilität berechnet das Verhältnis von Gewinn zu Eigenkapital- und/oder Fremdkapital.15 Die Berechnung von Eigenkapitalrentabilität stellt den Gewinn ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital. Die Gesamtkapitalrentabilität spiegelt die Verzinsung des ganzheitlich eingesetzten Kapitals (Eigen- und Fremdkapital) wieder. Als letzte Größe ist die Betriebsrentabilität zu nennen, die auf Grundlage eines Betriebsergebnisses und des dafür benötigten betriebsnotwendigen Vermögens die durch betriebliche Tätigkeiten erzielt Rentabilität darstellt.16 Im Weiteren werden Kennzahlen der Liquiditätsanalyse näher betrachtet. Zu den absoluten dynamischen Kennzahlen zählen u.a. das EBITDA (Earnings Before Interst, Taxes, Depreciation and Amortisation). Diese Kennzahl eignet sich insbesondere für die Bewertung von global agierenden Unternehmen. Um ein bereinigtes operatives Ergebnis darzustellen, findet eine Bereinigung von länderspezifischen Abgaben, z.B. in Form von Steuern, Subventionen oder administrativen Kosten statt.17 Im Rahmen der Erfolgsanalyse spielt die Bewertung mittels Cash-Flow eine wichtige Rolle. Unterschiedliche Berechnungsmethoden zielen auf die Ermittlung der Investitions-, Schuldentilgungs- und Gewinnausschüttungskraft eines Unternehmens ab.18 Absolute Cash-Flows eigenen sich nur bedingt, da keine Beziehung zu ihrer Verwendung hergestellt wird. Folgende relative Cash-Flow-Kennzahlen werden daher für die Liquiditätsanalyse angewendet: Zur Ermittlung, wie stark ein Unternehmen seine Investitionen aus eigenen Mitteln finanzieren kann, wird die Innenfinanzierungskraft ermittelt (Cash-Flow/Investitionen). Der Verschuldungsgrad wird im dynamischen Verschuldungsgrad angezeigt (Effektivschulden/Cash-Flow) um festzustellen, wie lange es dauern würde die effektiven Schulden (gesamte Verbindlichkeiten./. monetäres Umlaufvermögen) mittels verwendeten Cashflow zu tilgen.

2.3.2 Technische Analysemethoden

„Technische Analyse ist das Studium von Marktbewegungen, in erster Linie durch den Einsatz von Charts, um zukünftige Kurstrends vorherzusagen.“19 Grundannahmen für diese Form der Analyse werden u.a. durch die Dow- Theorie (vgl. Kapitel 3.1.1) festgelegt. Der technische Analyst geht in seiner Untersuchung nur von einem Spiegelbild von Angebot und Nachfrage durch die Kursbewegung aus. Es ist somit nicht möglich, durch Auswertung zusätzlicher Informationen eine höhere Rendite zu erwirtschaften. Liegt die Nachfrage höher als das Angebot steigt der Kurs, liegt die Nachfrage niedriger fällt dieser.20 Für den Analysten beinhaltet der aktuelle Börsenkurs alle fundamentalen Faktoren, die für die technische Analyse benötigt werden.21 Ziel der technischen Analyse ist durch Feststellung von Charakteristiken im Chartbild aus der Vergangenheit eine Prognose für die Zukunft zu erstellen. Grundlage dieser Vorgehensweise ist die im Buch von Pring beschriebene Grundannahme, dass „...Menschen dazu tendieren, dieselben Fehler, die sie schon in der Vergangenheit gemacht haben, zu wiederholen“22

Das Handwerkszeug jeder technischen Analyse ist die Darstellung in Form eines Chartbildes.23 Hierbei können unterschiedlichste Zeitperioden von Charts dargestellt werden. Für die Analyse gibt es verschiedene Arten von Charttypen. Der Balkenchart beinhaltet durch einen senkrechten Balken dargestellt Eröffnungs-, Tageshöchst- und Tagesschlusskurse. Der Linienchart hingegen verbindet die Tagesschlusskurse miteinander und vernachlässigt alle anderen Kurse. Der dritte Charttyp, der Point&Figure-Chart, zeigt durch abwechselnde steigende x- und fallende o-Säulen in komprimierter Form die Kursbewegung an. Von zunehmender Beliebtheit in den letzten Jahren zeugt der japanische Candlestick-Chart.24 In Kapitel 3.12 findet eine nähere Erläuterung dieses Charttyps statt und wird in der empirischen Untersuchung näher betrachtet.

Die wesentliche Aufgabe der technischen Analyse die Ermittlung von Trends. Diese können in drei Richtungen verlaufen: aufwärts, abwärts und seitwärts. Um diese Trends erfolgreich festzustellen und damit prognostizieren zu können bedarf es Bestimmungstechniken. Ein bedeutendes Hilfsmittel zur Feststellung von Trends ist das Instrument der Widerstand,- und Unterstützungslinien.25 Eine weitere Technik der Trendbestimmung sind Trendkanäle. Diese entstehen, wenn (z.B. in einem Aufwärtstrend) ein Kurs zwischen zwei parallel verlaufenden Linien schwankt.26

Für den technischen Analysten gibt es zwei wesentliche Kategorien von Kursformationen - Trendumkehr und Trendbestätigung. Die fünf wesentlichsten Trendumkehrformationen sind die Kopf-Schulter-Formation, die V-Formation, die Dreifach-Gipfel und Böden, die Doppeltops und die Untertassenformationen. Die zweite Kategorie, die Bestätigungsmuster von Trends, zeichnen sich durch Formationen von Dreiecken, Flaggen, Wimpeln, Keilen und Rechtecken aus. Des Weiteren spielt das Umsatzvolumen als trendbestätigender Indikator bei Kursformationen eine entscheidende Rolle.27

2.4 Behavioral Finance

Die Finanzmarkttheorie sieht als Idealbild den rational handelnden Homo Oeconomicus. Diese als Idealbild beschriebene neoklassische Theorie funktioniert jedoch nicht in jeder Situation.28 Schon im Jahre 1947 stellten die amerikanischen Ökonomen Neumann und Morgenstern fest, dass Marktteilnehmer nicht immer rational handeln.29 Ziel der Behavioral Finance ist es, Verhaltensweisen mit Hilfe psychologischer Ansätze in entscheidenden Situationen prognostizieren zu können. Insbesondere bei komplexeren Entscheidungen, nimmt das rationale Verhalten überproportional ab.30 Wir könnten in diesem Abschnitt auf elementare Grundannahmen der Psychologie eingehen und Verhaltenswissenschaften im Bereich der Finanzmarkttheorie erläutern. Da dies für diesen Teil der Arbeitjedoch zu umfangreich ist, möchte ich mich auf zwei praktische Beispiele von Behavioral Finance beschränken.

Kalenderanomalie - Analysen des Dax und einzelner Titel haben ergeben, dass am Anfang des Jahres überdurchschnittliche Renditen erwirtschaftet werden. Amerikanische Forscher konnten in einer Langzeitstudie von 1825-2003 feststellen, dass wenn der Januar positiv verlief sich die Kurse im Laufe des Jahres verbesserten.31 Eine mögliche Erklärung für den Januar-Effekt kann fundamental darin betrachtet werden, da Investoren in dieser Zeit Ausschüttungen und Steuererstattungen erhalten und vorhandene Liquidität investieren.32 Eine weitere Erklärung ist, dass institutionelle Investoren zu Beginn des Jahres weniger konservative Investitionsentscheidungen treffen. Für sie herrscht die Annahme, dass Korrekturmaßnahmen von Verlusten über das ganze Jahr getätigt werden können.33

Emotionen treiben die Börse - Rationales Handeln nach dem Prinzip des Homo Oeconomicus ist an der Börse nur einfache Theorie. Insbesondere in Extremsituationen neigt der Anleger zu irrationalen Entscheidungen.34 Passen fundamentale wirtschaftliche Fakten nicht mehr zu Kursbewegungen spielen oftmals psychologische Aspekte eine entscheidende Rolle. So lassen sich unter anderem die Kursbewegungen vom Attentat des 11. September und die damit verbundene Angst den Ausstieg zu verpassen auf psychologische Faktoren zurückführen.35

3. Instrumente und Methoden der technischen Aktienanalyse

3.1 Grundlagen der technischen Aktienanalyse

3.1.1 Dow Theorie

Die technische Chartanalyse greift trotz ausgereifter Computertechnologie immer noch auf die Kernaussagen aus mehreren veröffentlichten Artikeln von Charles Dow im „Wall Street Journal“ zurück.36 Diese grundlegende markttechnische Theorie aus den Jahren um 1880 soll in ihren wesentlichen Merkmalen nachfolgend erläutert werden.

„Die Indizes diskontieren alles “ - Sowohl das Wissen der Vergangenheit, als auch die Möglichkeiten der Zukunft, alles ist bereits im Kurs eingespeist. Es bedarf keiner weiteren analytischen Anpassungen um den wahren Kurswert festzustellen.37

„Der Markt hat drei Trends“ - Grundlegend ist ein Aufwärtstrend zu erkennen, wenn Hochpunkte einer Bewegung höher liegen als die der vorherigen Bewegung. Umgekehrt ist ein Abwärtstrend eine Bewegung mit tieferen Tiefpunkten als der vorigen. Dow legte drei Grundmuster der Dauer von Trends fest. Die primären Trends laufen wie gewöhnlich in breiten Auf- und Abwärtsbewegungen. Normalerweise bewegen sich diese Trends über eine Dauer von mehr als einem Jahr, mit Wertsteigerungen/-minderungen von mehr als 20%.38

„Primäre Trends haben drei Phasen“ - Die Dow- Theorie geht von drei Phasen innerhalb eines Primärtrends aus. Die bedeutendste Phase ist die Akkumulationsphase. In dieser Zeit positionieren sich professionelle Investoren und nutzen den vorherigen Abwärtstrend um strategische Positionen aufzubauen. Wenn die Kurse anfangen dynamisch zu steigen, beginnt die Phase der öffentlichen Beteiligungen39. Die dritte und letzte Phase ist die, wenn das Interesse der Privatinvestoren zunimmt und eine weitere optimistische Kursstimmung herrscht.40 41

„Die Indizes müssen einander bestätigen“41 - Diese Kernaussage des Dow Prinzips gilt als am häufigsten in Frage gestellt. Die Theorie besagt, dass es ein Signal für einen Trend nur geben kann, wenn zwei Indizes gemeinsam dasselbe Trendsignal zeigen und sich somit gegenseitig bestätigen.42

„Das Volumen muss den Trend bestätigen“ - Ein sekundärer, aber dennoch wichtiger Faktor ist das Umsatzvolumen als Bestätigung von Kauf- oder Verkaufssignalen. Der Umsatz des Handelsvolumens steigt demnach bei einem Aufwärtstrend, umgekehrt nimmt das Volumen ab. Für die technische Chartanalyse dient dieser Indikator für eine Bestätigung von Trends.43 Trifft diese Regel nicht mehr zu, ist dies als Warnung vor einem Kursrückgang zu interpretieren.

„ Ein Trend besteht so lange, bis es definitive Signale gibt, dass er sich umgekehrt hat“ - Diese Kernaussage beschreibt besonders gut, was in der empirischen Untersuchung praktische Anwendung findet. Solange ein Trend besteh bedarf es, wenn keine externen Einflüsse auf den Kurs wirken, bedarf es keinen Handlungsbedarf.44 Eine alte Börsenweisheit besagt „ The trend is your friend“, was so viel bedeutet, dass sich ein bestehender Trend in der Regel fortsetzen wird.45 In der empirischen Untersuchung spielt dieser Punkt eine entscheidende Rolle. Für den technischen Analysten ist die Feststellung von Trends und Trendwenden eine wichtige Prämisse.

Des Weiteren gibt es noch sekundäre Trends. Diese sind weniger bedeutend, sollen aber der Vollständigkeit erwähnt werden. Hierbei handelt es sich um Bewegungen des primären Trends, die durch sekundäre Trends unterbrochen werden. Diese Unterbrechungen treten ein, wenn Korrekturen oder Kursrückgänge eintreten. Normalerweise dauern die sekundären Trends von drei Wochen bis zu drei Monaten. In der Regel finden hierbei Kurskorrekturen von ein- bis zweidrittel statt, bevor eine primäre Trendfortsetzung wieder eintritt. Die unbedeutenden Trends (Minor Trends), sind kurze Fluktuationen von meist weniger als sechs Tagen und selten bis zu drei Wochen. In der Regel besteht ein primärer oder sekundärer Trend aus mehreren Minor Trends. Es gilt festzustellen, dass es sich nicht um Gesetzmäßigkeiten sondern um Erfahrungswerte handelt.46

3.1.2 Candlestick Chart

Eine moderne Form der Balkencharts ist der japanische Kerzenchart. Vom Aufbau verwendet dieser ebenfalls Eröffnungs-, Höchst-, Tiefst- und Schlusskurse. Eine dünne Linie (Schatten) bezeichnet die tägliche Volatilitätsbreite vom Hoch- zum Tiefstkurs. Der Abstand zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs wird durch einen Balken (Körper) bemessen. Die beiden Linien ober- und unterhalb des Körpers werden als Docht und Lunte definiert. Eine positive Entwicklung lässt den Körper weiß erscheinen, eine Abwärtsbewegung schwarz (siehe Abbildung 3). In der empirischen Untersuchung ist eine Aufwärtsbewegung grün, eine Abwärtsbewegung rot dargestellt.

Nachfolgend in der Untersuchung dieser Arbeit ist die Rede von kompletter Kerzenbildung oberhalb/unterhalb von Unterstützungslinien. Dies besagt, dass sowohl Eröffnungs-, als auch Schlusskurs sich nicht mehr innerhalb eines Trendkanals befinden.47

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Japanische Candlestick Charts48

3.2 Methoden charttechnischer Analysevarianten 3.2.1 Trendlinien

Unverzichtbar für die technische Analyse ist die Kursprognose mittels Trendlinien. Wie bereits in Kapitel 3.1.1 erwähnt ist eine Grundregel von Dow, dass sich Aktienkurse in Trends bewegen. Da sich Märkte aber in der Regel nicht gerade, sondern unregelmäßig und zackenartig bewegen, gilt es Marktbewegungen mittels technischer Hilfsmittel eine Struktur zu geben.49

Wird ein Aufwärtstrend vermutet, werden die Täler eines Kurses mit einer Linie verbunden. Diese Linie wird dann zunächst als Aufwärtstrendlinie bezeichnet. Sie verläuft unterhalb des Aktienkurses und soll den Kursverlauf nach unten stützen (siehe Abbildung 4, primärer Aufwärtstrend). In einem Abwärtstrend hingegen werden die Hochpunkte miteinander verbunden. Die Linie verläuft oberhalb des Kursniveaus und wird als Abwärtstrendlinie bezeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Primärer Aufwärtstrend50

Verläuft ein Chart zwischen zwei Kursniveaus, werden Trendlinien ober- und unterhalb eingezeichnet, hierbei wird von einem Seitwärtskanal gesprochen. Diese Phase geht solange, bis der Kurs nachhaltig aus dem Trendkanal ausbricht.51 In der empirische Untersuchung wird daher folgendem Ansatz von Murphy eine besondere Bedeutung zugewiesen: „ Wenn der Markt hingegen seitwärts tendiert, ist die dritte Möglichkeit - aus dem Markt draußen zu bleiben - üblicherweise die klügste. “52 Im Weiteren werden Tiefs als Unterstützungen bezeichnet, in denen ein Kaufinteresse dem Verkaufsdruck überwiegt und die Aktie an Wert gewinnt. Unterstützungslinien entstehen in der Regel an markanten Werten der Vergangenheit. Gelangt der Chart durch ein Überangebot an seine Grenze wird dieses Kursniveau als Widerstand50 51 52 bezeichnet. Eine Widerstandslinie wird oft durch die Verbindung vorheriger Hochs festgelegt.

Ein besonders kritischer Moment zeichnet sich ab, wenn in einer Aufwärtsphase vorangegangene Hochs getestet werden. Schafft der Kurs es nicht, den Widerstand nachhaltig zu überschreiten (vgl. Abb. 5, Widerstand 1), ist dies ein Signal für eine Trendwende. Jedoch bedeutet eine nachhaltige Kursentwicklung oberhalb der Widerstandslinie, dass dieser vorherige Widerstand zu einer Unterstützungslinie wird (vgl. Abb. 5, Unterstützung 2).53 54

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Unterstützung und Widerstand im Aufwärtstrend54

3.2.2 Gleitende Durchschnitte

Gleitende Durchschnitte sind klassische Trendfolgeindikatoren. Auf vergangenheitsbezogenen Daten wird ein Durchschnittswert der Kurse ermittelt und eine Trendlinie eingezeichnet. Mit Hilfe dieser Methode soll die Volatilität dem Kurs genommen werden und Trendwenden signalisiert werden. Ein Nachteil dieser Art von Indikatoren ist die Zeitverzögerung, da dieses Hilfsmittel den Kurs verfolgt und keinen Ausblick in die Zukunft gibt. Wählt

[...]


1 Vgl. http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anlagestrategie/boersenstrategie- haben-kostolanys-weisheiten-ausgedientZ6208630.html, Stand: 28.01.2012

2 Vgl. http://www.handelsblatt.com/politik/oekonomie/nachrichten/boersen-handel- hochfrequenzhandel-erhoeht-die-volatilitaetZ5935144-2.html, Stand 25.12.2012

3 Vgl. http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/marktberichte/boerse-griechenland- unsicherheit-laesst-dax-einbrechen_aid_721246.html, Stand 25.12.2012

4 Vgl. http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anlagestrategie/boersenweisheit- warum-schlechte-nachrichten-gut-sind/6492780.html, Stand 25.12.2012

5 Vgl. Jürgens, P. Studienarbeit „Die Bedeutung der technischen Aktienanalyse“ S. 5

6 Vgl. http://www.investor-verlag.de/aktien-und-aktienhandel/die-wichtigsten-einfluss- faktoren-fuer-den-aktienkurs/104112342/, Stand: 28.01.2012

7 Vgl. Seppelfricke, P. (2005), S. 7 Cashflow wird als Umsatzüberschuss bezeichnet, wenn Erträge über den Aufwandsauszahlungen liegen. Vgl. Gerke, W. (2002), S. 185

9 Vgl. Gerke, W. (2002), S. 795

10 Vgl. Seppelfricke, P. (2005), S. 3

11 Vgl. Seppelfricke, P. (2005), S. 185

12 Vgl. Seppelfricke, P. (2005), S. 186

13 Vgl. Seppelfricke, P. (2005), S. 184

14 Vgl. Seppelfricke, P. (2005), S. 198

15 Vgl. Gerke, W. (2002), S .464

16 Vgl. Seppelfricke, P. (2005), S. 200

17 Vgl. Seppelfricke, P. (2005), S. 200

18 Vgl. Gerke, W. (2002), S.186

19 Vgl. Murphy, J. (2004), S.21

20 Vgl. Murphy, J. (2004), S. 21

21 Vgl. Edwards, D., Magee, J. (1976), S. 8

22 Vgl. Pring, M. (1990), S.XII

23 Vgl. http://www.comdirect.de/cms/service-kontakt-wissen-technische-analyse-3.html, Stand: 28.01.2012

24 Vgl. Murphy, J. (2004), S.51-54

25 Vgl. Murphy, J. (2004), S.65

26 Vgl. Murphy, J. (2004), S.93

27 Vgl. Murphy, J. (2004), S.112

28 Vgl. Teigelack, L. (2008), S. 88

29 Vgl. Kiehling, H. (2001), S. 2

30 Vgl. Karlen, (2004), S. 18-19

31 Vgl. http://www.wallstreet-online.de/nachricht/3080056-behavioral-finance-der-mythos- vom-januar-effekt-auch-im-april, Stand 14.11.2012

32 Vgl. http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse- maerkte/anlagestrategie/boersenbarometer-januar-effekt-stimmt-positiv/2766718.html, Stand

14.11.2012

33 Vgl.bhttp://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/boersenzyklen-analysten-setzen-bei- amerikanischen-aktien-auf-den-januar-effekt- 1194779.html, Stand 14.11.2012

34 Vgl. http://mobil.boerse- online.de/versicherung/nachrichten/vermoegensaufbau/627648.html, Stand:29.01.2012

35 Vgl. http://www.manager-magazin.de/finanzen/geldanlage/0,2828,168725,00.html, Stand: 29.01.2012

36 Vgl. Murphy, J. (2004), S.41

37 Vgl. Murphy, J. (2004), S.42

38 Vgl. Murphy, J. (2004), S.43

39 Privatorganisationen der Wirtschaft und deren Organisationen

40 Vgl. Murphy, J. (2004), S.44

41 Vgl. Murphy, J. (2004), S.44

42 Vgl. Edwards, D., Magee, J. (1976), S.19

43 Vgl. Murphy, J. (2004), S.45

44 Vgl. Murphy, J. (2004), S.47

45 Vgl. http://www.boersenregeln.ch/index.php/the-trend-is-your-friend, Stand: 12.11.2012

46 Vgl. Edwards, D., Magee, J. (1976), S.15-17

47 Vgl. Murphy, J. (2004), S.293-296

48 Vgl. Murphy, J. (2004), S.294

49 Vgl. Murphy, J. (2004), S.63

50 Vgl. Murphy, J. (2004), S.67

51 Vgl. Murphy, J. (2004), S.68-71

52 Vgl. Murphy, J. (2004), S.66

53 Vgl. http://www.godmode-trader.de/wissen/images/c/ce/96.gif, Stand: 13.11.2012

54 Vgl. Murphy, J. (2004), S.68-71

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten

Details

Titel
Aktienkursprognose mit Hilfe der technischen Chartanalyse mit dem Schwerpunkt Elliott Wellenbewegungen im Performance Vergleich zur "Buy and hold Strategie"
Hochschule
Fachhochschule Kiel
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
75
Katalognummer
V210352
ISBN (eBook)
9783656382249
ISBN (Buch)
9783656384601
Dateigröße
1100 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aktienkursprognose, hilfe, chartanalyse, schwerpunkt, elliott, wellenbewegungen, performance, vergleich, strategie
Arbeit zitieren
Malte Jessen (Autor), 2013, Aktienkursprognose mit Hilfe der technischen Chartanalyse mit dem Schwerpunkt Elliott Wellenbewegungen im Performance Vergleich zur "Buy and hold Strategie", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210352

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