In dieser Proseminararbeit gilt es einen Überblick über die Innen- und Außenpolitik der 1. Amtszeit Ronald Reagans zu schaffen. Die 1. Amtszeit Reagans steht deshalb im Mittelpunkt des Interesses, weil einerseits eine deutliche Zäsur sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik Reagens zwischen seinen beiden Amtszeiten kennzeichnend ist und andererseits sich das Ende der Entspannungspolitik und der Beginn des „Zweiten Kalten Krieges“ in dieser Phase des politischen Schaffens Reagans am besten veranschaulichen lässt. Außerdem behandelt diese Proseminararbeit die innenpolitischen Aspekte dieser Amtsperiode etwas stärker um aufzuzeigen das dieser ideologische Konflikt des Kalten Krieges sich auch auf ökonomischer Ebene manifestierte. Im Zentrum dieses Kapitels steht die These, dass Reagan mit seinem Wirtschaftsprogramm ein politisches Statement Richtung Sowjetunion setzte und ihnen durch einen Erfolg dieser äußerst liberalen, kapitalistischen Wirtschaftsweise zeigen wollte welches System überlegen sei. Das erste Kapitel befasst sich mit den einzelnen Stationen Reagans Lebensweges bis zu seinem Amtsantritt 1981 und erläutert, wann er sich die ihm zugeschriebenen, kennzeichnenden Charakteristika angeeignet haben könnte. Das folgende Kapitel konzentriert sich auf die die Innenpolitik bestimmenden, wirtschaftspolitischen Bemühungen Reagans, den sogenannten „Reaganomics“. Es zeigt auf, weshalb ein Paradigmenwechsel in der US-amerikanischen Wirtschaftspolitik für nötig empfunden wurde und wer als Vordenker der angebotsorientierten Wirtschaftspolitik angesehen werden kann. Weiters wird jeweils auf die einzelnen Punkte des konkreten Wirtschaftsprogramms Reagans, in Bezug auf geplante Maßnahmen beziehungsweise tatsächliche Veränderungen eingegangen und abschließend ein kurzes Resümee über den vermeintlichen Erfolg der„Reaganomics“gegeben. Das letzte Kapitel ist der Außenpolitik Reagans gewidmet und veranschaulicht, auf welchen Ebenen sich die Verschlechterung des politischen Klimas zwischen der USA und der Sowjetunion manifestierte. Hierfür wird zuerst auf die Rhetorik Reagans als Indikator für diese Veränderung der Beziehungen zur Sowjetunion eingegangen und die für Friedenszeiten beispiellose Aufrüstung der USA beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lebensstationen Ronald Reagans bis zu seiner 1. Amtszeit
3. Die 1.Amtszeit (1981-1985)
3.1. Innenpolitik
3.1.1. „Reaganomics“
3.1.2. Kurzes Resümee der Innenpolitik Reagans nach seiner 1. Amtszeit
3.2. Außenpolitik
3.2.1. Reagans Reden als Indikator für das Verhältnis zur Sowjetunion
3.2.2. Aufrüstung
3.2.3. Kurzes Resümee der Außenpolitik Reagans nach seiner 1. Amtszeit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die erste Amtszeit von Ronald Reagan (1981-1985) und analysiert den markanten Kurswechsel in der US-Innen- und Außenpolitik, der das Ende der Entspannung und den Beginn des „Zweiten Kalten Krieges“ markierte. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Reagans wirtschaftspolitische Reformen („Reaganomics“) sowie seine rhetorische und militärische Konfrontationspolitik gegenüber der Sowjetunion als zusammenhängendes politisches Programm zu verstehen sind.
- Analyse des wirtschaftspolitischen Paradigmenwechsels hin zur angebotsorientierten Wirtschaftspolitik
- Untersuchung der Diskrepanz zwischen wirtschaftspolitischer Wahlkampfrhetorik und realer Haushaltsentwicklung
- Die Rolle der Rhetorik als außenpolitisches Instrument zur moralischen Delegitimierung der Sowjetunion
- Die Auswirkungen der massiven militärischen Aufrüstung auf die internationale Sicherheitslage
- Der Zusammenhang zwischen innenpolitischer wirtschaftlicher Stärke und globaler Machtprojektion im Kalten Krieg
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Öffentliche Reden Reagans als Indikator für das Verhältnis zur Sowjetunion
Dass Ronald Reagan auch in der Außenpolitik einen Kurswechsel, von der Entspannungspolitik seiner Vorgänger hin zu einer „Politik der Stärke“, vollzog, zeigt sich wohl am anschaulichsten in seinen öffentlichen Auftritten, bei denen Reagan in seinen Reden mit deutlichen Worten unter anderem die Konvention eines Kalten Krieges infrage stellte und den kommunistischen Staaten die Legitimität absprach. So meinte er zum Beispiel am 17. Mai 1981 in der Notre Dame University in Indiana: „Der Westen wird den Kommunismus nicht übernehmen, er wird ihn überwinden. Er wird sich nicht die Mühe machen ihn […] zu verurteilen, sondern als bizarres Kapitel der menschlichen Geschichte, dessen letzte Seiten heute geschrieben werden, fallen lassen.“ Dieses Zitat drückt die Zuversicht Reagans aus, mit der er sein Ziel, den Kalten Krieg zu „gewinnen“, zu erreiche glaubte. Dies kann als Wende in der amerikanischen Außenpolitik betrachtet werden, denn bisher war davon ausgegangen worden, dass man sich mit der Sowjetunion, als konkurrierender Großmacht, arrangieren müsse.
Die Vergänglichkeit der Sowjetunion betonte Reagan auch in seiner Rede vor beiden Häusern des britischen Parlaments am 8. Juni 1982, als er auf die berühmte „Iron Curtain Speech“ Winston Churchills Bezug nahm und außerdem davon sprach, dass die UdSSR nicht das Recht inne hätte ihren Staat fortzuführen, denn er wäre nicht durch demokratische Souveränität legitimiert: „Von Stettin an der Ostsee bis Warna am Schwarzen Meer haben die vom Totalitarismus errichteten Regime über dreißig Jahre Zeit gehabt, ihre Legitimität zu beweisen. Aber keines von ihnen - nicht ein einziges – hat es bisher gewagt, freie Wahlen abzuhalten. Von Bajonetten errichtete Regime schlagen keine Wurzeln.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, einen Überblick über Reagans erste Amtszeit zu geben und den Übergang zum „Zweiten Kalten Krieg“ anhand innen- und außenpolitischer Zäsuren zu analysieren.
2. Lebensstationen Ronald Reagans bis zu seiner 1. Amtszeit: Dieses Kapitel zeichnet den Lebensweg Reagans nach und untersucht, wie seine Erfahrungen als Schauspieler, Gewerkschaftsfunktionär und Gouverneur sein konservatives Weltbild und seinen speziellen Führungsstil prägten.
3. Die 1.Amtszeit (1981-1985): Dieses Hauptkapitel analysiert die innenpolitischen „Reaganomics“ und die außenpolitische Konfrontationsstrategie, wobei die Transformation der amerikanischen Wirtschaftspolitik sowie die rhetorische und militärische Aggression gegenüber der Sowjetunion im Vordergrund stehen.
Schlüsselwörter
Ronald Reagan, 1. Amtszeit, Innenpolitik, Außenpolitik, Reaganomics, Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, Kalter Krieg, Sowjetunion, Rhetorik, Aufrüstung, SDI, Haushaltsdefizit, Politische Wende, Konservatismus, Wirtschaftswachstum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Analyse der ersten Präsidentschaft von Ronald Reagan (1981-1985) unter Berücksichtigung sowohl der innenpolitischen wirtschaftlichen Weichenstellungen als auch der außenpolitischen Strategie gegenüber der Sowjetunion.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Implementierung der sogenannten „Reaganomics“, der Rolle der Rhetorik in der Diplomatie sowie der massiven Aufrüstung während der 1980er Jahre.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich der ideologische Konflikt des Kalten Krieges sowohl ökonomisch manifestierte als auch in der Außenpolitik durch eine neue „Politik der Stärke“ übersetzte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Analyse von Sekundärliteratur, darunter historische Fachmonographien und wissenschaftliche Aufsätze zu den Themen US-Geschichte, Wirtschaftsgeschichte und Kalter Krieg.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die wirtschaftstheoretischen Grundlagen der „Reaganomics“ (Steuersenkungen, Deregulierung) den tatsächlich eingetretenen Entwicklungen gegenübergestellt und anschließend die außenpolitische Konfrontationsrhetorik sowie die militärische Hochrüstung detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Reaganomics, angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, Zweiter Kalter Krieg, SDI, Haushaltsdefizit, politische Rhetorik und US-amerikanische Außenpolitik.
Wie bewertet der Autor den Erfolg der „Reaganomics“?
Der Autor stellt fest, dass es zwar zu einem Investitionsboom und kräftigem Wirtschaftswachstum in den Jahren 1983/84 kam, dies jedoch mit einem massiven Anstieg des Haushaltsdefizits erkauft wurde, da die geplanten Ausgabensenkungen ausblieben.
Was war das Ziel der rhetorischen Angriffe Reagans gegenüber der Sowjetunion?
Die rhetorische Herabsetzung der Sowjetunion als „böse[s] Reich“ diente dazu, das kommunistische System moralisch zu delegitimieren und den eigenen Kurswechsel hin zur „Politik der Stärke“ innen- wie außenpolitisch zu legitimieren.
Welche Rolle spielte die Able-Archer-Krise für die Schlussfolgerung des Autors?
Die Able-Archer-Krise (1983) dient als Beleg dafür, wie die radikale Außenpolitik Reagans das Misstrauen der Sowjetunion so weit steigerte, dass die Welt Gefahr lief, aufgrund von Fehlinterpretationen einer NATO-Übung in einen Atomkrieg zu rutschen.
- Citation du texte
- Niklas Bickel (Auteur), 2012, Ronald Reagan - Seine 1. Amtszeit (1981-1985) unter innen- und außenpolitischer Perspektive , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210363