Die politisch-patriotischen Motive Petrarcas in Kanzone 128


Essay, 2013
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

I. Analyse

II. Rezeption

III. Fazit

Literaturverweise

Chi mi chiedesse qual sia secondo me il più eloquente pezzo italiano, direi le due canzoni del Petrarca Spirto gentil e Italia mia. (G. Leopardi)

Einleitung

Als Hauptwerk des berühmten italienischen Dichters und Frühhumanisten Francesco Petrarca gilt zweifelsohne sein Gedichtzyklus Canzoniere. Die Verse der 366 Kanzonen sind zum überwiegenden Teil der reinen, geistigen und diesseitig unerfüllten Liebe zu Laura gewidmet. Petrarca, ein Mann der Kirche, huldigte die Angebetete mit einer vor allem religiös durchtränkten Lyrik (madonna angelicata), welche in Form und Inhalt für die Dichtkunst der Renaissance als petrarchismo stilprägend sein sollte.

Lediglich zwei Kanzonen des Canzoniere beschäftigen sich mit politischen bzw. zivilen Themen. Gemeinhin gilt Petrarca nicht als Kenner der Politik Italiens im 14. Jahrhundert, da er einerseits einen nicht geringen Teil seines Lebens im Ausland verbrachte und andererseits der nicht weniger prominente Dichter Dante Allghieri durch seine vielfältigen administrativen Betätigungen und Ämter als der eigentliche politische Poet Italiens gilt. Ein näherer Blick auf Petrarcas Biografie und vor allem die Rezeptionsgeschichte seiner politischen Kanzonen, hier im Besonderen Kanzone 128 “Italia Mia“, korrigiert diese einseitige Wahrnehmung und unterstreicht die Bedeutsamkeit von Petrarcas Wirken für das politische Denken in den folgenden Jahrhunderten bis zur nationalstaatlichen Einigung Italiens in den Jahren 1861 bis 1870.

Ziel dieser Niederschrift ist es, ausgehend von der Analyse der Kanzone “Italia Mia“ die zentralen politischen Motive in Petrarcas Lyrik herauszustellen, sie im Zeithorizont ihres Verfassers zu deuten und deren Rezeption in späteren Literatur anhand von Niccoloò Machiavelli beispielhaft nachzuweisen. Die Beurteilung von Petrarcas politischen Wirkens im Allgemeinen und der Kanzone 128 im Besonderen bildet unter Einschluss zeitaktueller Sekundärliteratur den Abschluss der vorliegenden Ausarbeitung.

I. Analyse

Bis heute herrscht unter den Literaturwissenschaftlern keine genaue Klarheit darüber, welches Ereignis der inneritalienischen Politik Petrarca zum lyrischen Urteil in Form der Kanzone “Italia Mia“ inspirierte. Auch Mitte des 14. Jahrhunderts kam es zu einer ganzen Reihe von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den miteinander rivalisierenden italienischen Stadtstaaten und ihren jeweiligen Herrscherfamilien, die bereits charakteristisch für das Jahrhundert zuvor waren und stets auch ausländische Mächte auf den Plan riefen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich Petrarca entweder auf die Jahre 1344/45 oder aber auf den Zeitraum von 1351 bis 1354 bezieht.

1344/45 bekämpften die Städte Mantua und Mailand gemeinsam eine Allianz der Stadtstaaten von Verona und Ferrara. Streitpunkt war die Vorherrschaft um die in der südwestlichen Po-Ebene befindlichen Stadt Parma. Petrarca hielt sich zu dieser Zeit in unmittelbarer Nähe zum Kriegsgeschehen in Selvapiana bei Parma auf und musste später vor den Soldaten fliehen. Die zweitgenannte Möglichkeit der Jahre 1351 bis 1354 bezieht sich auf den Krieg zwischen Genua und Venedig, in welchem Petrarca sich schriftlich an die Dogen beider Republiken wandte, um in vermittelnder Position einen Frieden zwischen den Kontrahenten auszuhandeln. Einige der Briefe beinhalten hinsichtlich Kanzone 128 analoge Wort- und Wertvorstellungen. Erschwert wird die historische Einordnung dadurch, dass es in der Kanzone keinerlei konkrete Hinweise auf einzelne Begebenheiten oder gar Personen des in Frage kommenden Zeitabschnittes gibt.

Die Bedeutung des Themas für den Autor zeigt sich bereits an der Verwendung eines hohen lyrischen Stiles, welcher sich vor allem durch seine „aristokratische“ Lexik und argumentative Struktur auszeichnet. So ist die Kanzone gespickt mit Parallelismen, Verweisen und Gegenüberstellungen unter wiederholtem Einschluss vielfältiger rhetorischer Figuren:

Ausrufesätze (V. 29-30)
- Rhetorische Fragen ( V. 20, 31-32, 57-62, 65-67, 81, 82, 83, 84-86)

drücken Empörung und persönliche Ergriffenheit bezüglich der behandelten Thematik aus, aber tragen auch dazu bei, den affektiven Impuls zu kanalisieren indem sie eine psychologische Distanz argumentativ vermitteln.

- Antithesen und Gegenüberstellungen (V. 29-30, 40, 93)

unterlegen die Vorstellung des Dichters, nach der sich innerhalb eines moralischen Maßstabs das Gute und Schlechte ausschließlich (ohne Relativierungen) in zwei verschiedenen und gleichzeitig gegensätzliche Sphären einteilen lassen (z.B. “vertù contra furore“, v. 93)

- Metaphern (V. 2, 28-30, 38, 39-41, 75, 82, 85, 97, 102, 103)

ähnliche wie bei den Ausruf- und Fragesätzen, zeigen die überaus zahlreich vorkommenden Metaphern die emotionale Hinwendung des Dichters zur Thematik. Darüber hinaus wird hierdurch ebenso eine distanzierte, rationale Form der Kritik gegenüber den Adressaten der Kanzone formuliert.

- Paralipse (V. 49)
- Periphrase (V. 117- 118)

dienen vor allem der Anhebung des lyrischen Stiles.

Basierend auf einer Metrik von sieben Strophen von jeweils 16 Versen (sog. “forma metrica nobile“), von denen wiederum jeweils neun elfsilbig und sieben siebensilbig sind, ergibt sich folgendes metrisches Schema: AbC – BaC – cDEeDdfGfG. Der Strophenkopf besteht hierbei aus zwei Versabsätzen mit verschränkten Reimen (AbC BaC). Das zweite Strophenglied ist ungeteilt und zu Beginn mit einem Paarreim versehen (cDEeDdfGfG). Der Abschluss des Gedichtes wiederholt das Reimschema des zweiten Strophengliedes (aBC cBb dEdE ).

Der strukturelle Aufbau dreht sich kontinuierlich um das Ersuchen an die Fürsten, welcher eine elegische Anrufung Italiens und Gottes in der ersten Strophe vorausgeht. Zum Kanzonenende mit der abschließenden Mahnung an die Kanzone selbst. Die direkte Anrede an die Fürsten dient in der zweiten (“Voi“) und vorletzten (“Signor') Strophe zur schlüssigen Abgrenzung des Hauptteils vom Rest der Kanzone.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die politisch-patriotischen Motive Petrarcas in Kanzone 128
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Romanistik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V210378
ISBN (eBook)
9783656387404
ISBN (Buch)
9783656388289
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Petrarca, Kanzone, Canzoniere, 128, Politik, Italien
Arbeit zitieren
Christian Knape (Autor), 2013, Die politisch-patriotischen Motive Petrarcas in Kanzone 128, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210378

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