McDonaldisierung vs. Soziokultur: Eine Betrachtung des Strukturwandels deutscher Haushalte


Hausarbeit, 2011

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einführung in die Thematik
1.1 Problemstellung
1.2 Vorgehensweise

2.0 Die McDonaldisierung
2.1 Die Kernpunkte der McDonaldisierung
2.1.1 Effizienz
2.1.2 Berechenbarkeit
2.1.3 Vorhersagbarkeit
2.1.4 Kontrolle
2.2 Schlussfolgerungen

3.0 Der Strukturwandel der privaten Haushalte in Deutschland
3.1 Die Rolle der Frau in Deutschland – Tradierte Rollengefüge vs. McDonaldisierung

4.0 Die Übertragbarkeit der McDonaldisierungsthese

5.0 Schlussbetrachtung

6.0 Literaturverzeichnis

1.0 Einführung in die Thematik

„Die Welt und die Art sie zu begreifen ändert sich. Diese Aussage gilt nicht nur im Zeitalter des 21. Jahrhunderts, sondern lässt sich sozio[kulturell] vielmehr als ein laufender und immer währender Prozess verstehen, der die Menschheit von je her begleitet [hat]. Durch Fortschritt in Technik und Wissen änderten sich [immer wieder] Zielvorstellungen, Umwelt sowie […] [ganze] Gesellschaft[en], im Verlauf der Jahrhunderte“ (Berger 2009, S. 1). Es lässt sich jedoch feststellen, dass sich dieser angesprochene Wandel in den letzten hundert Jahren deutlich rasanter vollzieht, als dies vorher der Fall war. Ausgelöst wurde diese Entwicklung durch immer stärker werdende gesamtgesellschaftliche Rationalisierung- und Standardisierungs- stendenzen im Zuge der Industrialisierung, wie sie bereits durch diverse Klassiker der Soziologie, wie beispielsweise Max Weber, aufgegriffen wurden (vgl. dazu u.a. Weber 1976). Begrifflichkeiten wie Bürokratisierung, Taylorisierung, oder Automatisierung werden heute für eine Reihe von Entwicklungen verwendet, welche bis heute starken Einfluss auf die Gegenwart haben (vgl. Syska 2006, S. 28ff). Was sich jedoch bis vor einigen Jahren lediglich auf den Bereich der industriellen Herstellung von Gütern und deren Massenproduktion beschränkte, wirkt sich heute auch auf „[…] Sphären des Konsums und anderer subjektnaher, emotionsbesetzter und intimer Lebensbereiche […]“ (Bender / Graßl 2004, S. 65) aus. Diese Entwicklung sorgt zweifelsohne für eine weitere Veränderung der Lebenswelten von Menschen und soll im weiteren Verlauf dieses Beitrages thematisiert und diskutiert werden.

1.1 Problemstellung

Ein tragendes Paradigma für die angesprochene Entwicklung liefert der amerikanische Soziologe Georg Ritzer in seinem Buch Die McDonaldisierung der Gesellschaft (1995). Ritzer bezieht sich in seinem Werk auf einen Themen- bzw. Phänomenbereich, der inzwischen an fast allen Orten der Welt einen zentralen Punkt im gesellschaftlichen Leben darstellt, aber paradoxer Weise, vor Ritzers Ausführungen, nur selten Gegenstand nachhaltiger Forschung war (vgl. Bender/Graßl 2004, S. 63). Er nutzt die Analyse der inzwischen auf der ganzen Welt erfolgreichen McDonald`s Restaurants, „[…] um auf tiefer greifende gesellschaftliche Tendenzen hinzuweisen“ (Bender/Graßl 2004, S. 63), und versteht unter McDonaldisierung einen „[…] Vorgang, durch den die Prinzipien der Fastfood-Restaurants immer mehr Gesellschaftsbereiche in Amerika und auf der ganzen Welt beherrschen“ (Ritzer 1995, S. 15).

Der vorliegende Beitrag bezieht sich auf Ritzers Ausführungen und möchte Teile davon im Folgenden detaillierter und genauer erörtern. Der Autor unterstellt, dass der Ansatz der McDonaldisierung auf den Grundzügen der amerikanischen Gesellschaft fußt, jedoch von Ritzer auf die westliche, und teilweise sogar auf die gesamte Welt übertragen wird. Individuelle Kulturen und Identitäten, sowie soziokulturelle unterschiede werden nur angeschnitten, aber nicht ausreichend beleuchtet. Selbst westlich geprägte Länder weisen bei deren Vergleich zum Teil deutliche Unterschiede in Bezug auf deren Soziokultur. Dies soll untenstehend verdeutlicht werden, denn diese Unterschiede dürfen, bei einer gesellschaftsübergreifenden These wie der McDonaldisierung, nicht vernachlässigt werden. Um die Wichtigkeit dieser Unterschiede zu skizzieren, fokussiert sich der Autor bewusst auf Deutschland, welchem man Kulturell eine gewisse Nähe bzw. Ähnlichkeit zu den Vereinigten Staaten unterstellen kann. Beleuchtet werden soll, einer der intimsten Teilbereiche der deutschen Gesellschaft: Die Familie und somit die privaten Haushalte. Es soll untersucht werden, inwiefern sich die von Ritzer aufgeworfene Problematik der McDonaldisierung der Gesellschaft, auf die privaten Haushalte in Deutschland ausgewirkt hat. Gab es in den letzten Jahren einschlägige strukturelle Veränderungen, welche durch die McDonaldisierung ausgelöst wurden und wie wirkten sich diese auf die privaten Haushalte aus? Die Beantwortung dieser Frage soll Überprüfbar machen, ob sich Ritzers Thesen wiederspruchlos auf Deutschland und andere Länder übertragen lassen. Zur Beantwortung dieser Frage werden positive, als auch negative Aspekte der McDonaldiesierung in Bezug auf die vorliegende Thematik erörtert werden, um zu skizzieren wie tief Ritzers Annahmen bis heute weltweit greifen.

1.2 Vorgehensweise

Bevor auf die eigentliche Fragestellung eingegangen wird, soll R itzers McDonaldisierungsthese und seine Position kurz dargestellt werden. Aufgrund des großen Umfangs von Ritzers Ausführungen muss jedoch im Rahmen dieser Arbeit darauf verzichtet werden alle angesprochenen Randbereiche, Exkurse und Praxisbezüge zu erörtern. Vielmehr wird es darum gehen die Kernaussagen und den zentralen Argumentationsstrang Ritzers in Bezug auf die Thematik herauszuarbeiten. Dabei wird es vor allem darum gehen, die McDonaldisierung verschiedener Gesellschaftbereiche angemessen darzustellen. Ausgehend von den gelieferten Argumenten, wird der Autor dann auf die privaten Haushalte in Deutschland eingehen. Dabei wird vor allem die Funktion der Familie als Institution und Identitätsanker

dargestellt, und untersucht, ob sich Ritzers Thesen überhaupt auf Deutschland übertragen lassen. Deutschland soll dabei paradigmatisch für andere westliche Länder stehen. Es wird dargelegt werden, ob die angesprochenen Veränderungen der Dienstleistungsgesellschaft zu einem Strukturwandel der privaten Haushalte geführt haben und wie sich dieser äußert. Dies geschieht mit besonderem Augenmerk auf die Rolle der Frau, in der deutschen Gesellschaft. Die bis dahin gewonnen Erkenntnisse, in Bezug auf Folgen und Veränderungen der privaten Haushalte sollen abschließend diskutiert werden, um eine etwaige Übertragbarkeit von Ritzers Thesen zu untersuchen.

2.0 Die McDonaldisierung

McDonalds führt seit der Eröffnung des ersten Restaurants im Jahre 1950 einen unaufhörlichen Siegeszug und hat sich inzwischen als Unternehmen in allen Teilen der Welt etabliert. Das „goldene M“ gilt inzwischen auf allen Kontinenten als ein Symbol der westlichen Kultur (vgl. Bender / Graßl 2004, S. 64).

Die Unternehmensstrategie des Konzerns basiert auf dem Franchise-System. Durch die Vergabe von entsprechenden Konzessionen und durch eine aggressive Expansionspolitik, gelang es dem Unternehmen inzwischen Weltweit mehr als 40000 Restaurants zu eröffnen, die alle nach einem einheitlichen Prinzip agieren.[1] Wie bereits angedeutet ist McDonalds für Ritzer lediglich ein paradigmatischer Platzhalter , der für ähnliche Global Players steht. Seine Thesen stellen den Versuch dar, deren großen Einfluss auf die Gesellschaft und die davon ausgehende starke Kolonialisierung menschlicher Lebenswelten, am Beispiel vom kommerzialisierten und standardisierten Lebensmittelkonsum, darzustellen. Ritzer hebt sich dabei von den Klassikern der Rationalisierung ab. Während beispielsweise Taylorismus und Fordismus die Steigerung von Effizienz durch die Einbeziehung von technologischer Verfahren und rationale Vorgehensweisen in der Produktion als besonders Vorteilhaft beschreiben, kritisiert Ritzer das verstärkte Uniformität und eine zu stark eindimensionale Denkweise, für die McDonalds, beziehungsweise die Systemgastronomie in seinem Werk stehen, genau das Gegenteil zur Folge habe. Dabei spricht er vor allem an, dass eine zu stark rationalisierte Lebenswelt, welche sich in Gesellschaften nun mal auch außerhalb von Fertigungsanlagen finden lässt, zu äußerst irrationalen Konstrukten von gesellschaftlichem Zusammenleben auswirken könne (vgl. Bender / Graßl 2004, S. 66). Ritzer deutet also, durch die Schaffung einer neuen Begrifflichkeit, auf eine Vereinnahmung der Gesellschaft durch die McDonaldisierung hin, welche die Gefahr in sich birgt, dass sich ein zunehmender zwischenmenschlicher, beziehungsweise gesellschaftlicher Entfremdungsprozess einstellt und kulturelle Eigenheiten und wichtige Traditionen verloren gehen. Sein Ansatz steht somit (in den Grundzügen) in der Tradition von Max Webers Ansatz der formalen Rationalität, obgleich dieser in Detailpunken deutlich tiefgreifender ist (vgl. ebd. 2004, 67).

2.1 Die Kernpunkte der McDonaldisierung

Um die gesellschaftliche Einflussnahme und die Übertragbarkeit der McDonaldisierungsthese auf andere Bereiche der Dienstleistungsbrache und der Lebenswelten von Menschen, im Sinne Ritzers darzustellen, ist es zunächst unumgänglich die Faktoren zu beschreiben, die nach Ritzer zum Erfolg entsprechender Großunternehmen beitragen. Er nennt in diesem Zusammenhang vier wesentliche Indikatoren. Hohe Effizienz, Berechenbarkeit, Vorhersagbarkeit und Kontrolle (vgl. Ritzer 1995, S. 27 ff.). Im Folgenden werden diese Faktoren in Bezug auf McDonalds dargestellt. Gleichzeitig sollen aber auch Parallelen zu anderen Bereichen der Dienstleistungsbranche und zu subjektnahen Lebensbereichen aufgezeigt werden.

2.1.1 Effizienz

In Bezug auf McDonalds und die Systemgastronomie versteht Ritzer unter Effizienz die Gestaltung von reibungslosen und Effektiv abgestimmten Abläufen. „[…] Das heißt, das McDonalds-System hat die optimale Methode, um von Punkt A zu Punkt B zu kommen. In den meisten Fällen bedeutet das, dass McDonalds über die bestmöglichen Mittel verfügt, um uns vom Zustand des Hungers in den Zustand der Sättigung zu befördern“ (Ritzer 1995, S. 27). Schnelle und unkomplizierte Bedienung, übersichtliche Speisekarten und schnell zubereitetes Essen, erhält man bei McDonalds, ohne den Wagen verlassen zu müssen. In einer höchst mobilen Gesellschaft verfügt dieses Konzept über eine hohe Anziehungskraft für Menschen (vgl. ebd. 1995, S. 28).

Dieses Muster der Effizienz findet sich auch in anderen Bereichen wieder. In einer Gesellschaft in der beide Elternteile arbeiten und oft keine Zeit zum verweilen zur Verfügung steht, nehmen die Menschen dieses optimierte Angebot gerne an. Deshalb nutzt man auch, um nur einige Beispiele zu nennen, Katalog- oder Internetbestellservice (die es Ineffizient machen das Haus zu verlassen), bargeldlose Zahlungsmittel (die es Ineffizient machen zur Bank zu gehen), oder auch Hörbücher (welche es Ineffizient machen ein Buch zu lesen) (vgl. Ritzer 1995, S. 72 ff.). Eine Interaktion zwischen Menschen, zur Erreichung eines Ziels, ist heute folglich, in vielen Bereichen auf das nötigste beschränkt (effizient gestaltet), bzw. gar nicht mehr nötig.

[...]


[1] Vgl. http://www.mcdonalds.de/unternehmen/ueber_mcdonalds/zahlen_und_fakten.html (abgerufen am 24.07.2011)

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Details

Titel
McDonaldisierung vs. Soziokultur: Eine Betrachtung des Strukturwandels deutscher Haushalte
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V210578
ISBN (eBook)
9783656383116
ISBN (Buch)
9783656383635
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
mcdonaldisierung, soziokultur, eine, betrachtung, strukturwandels, haushalte
Arbeit zitieren
Thomas Berger (Autor), 2011, McDonaldisierung vs. Soziokultur: Eine Betrachtung des Strukturwandels deutscher Haushalte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210578

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