Ein Vergleich zwischen dem Avare von Molière und den Aulularia des Plautus, hauptsächlich bezogen auf die Hauptperson, Euclio und Harpagon.
In dieser Hausarbeit möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit sich die Aulularia des Plautus und der Avare des Molière inhaltlich vergleichen lassen und werde in dieser Hinsicht besonders die Hauptperson der beiden Stücke, den Geizigen betrachten.
Zunächst werde ich zu diesem Zweck von beiden Stücken den Inhalt angeben, um die beiden Theaterstücke dann im nächsten Schritt allgemein vergleichen zu können.
Danach widme ich mich der Figur des Geizigen, vergleiche Plautus Euclio mit Molières Harpagon und versuche herauszufinden, woher die Unterschiede in ihren
Persönlichkeiten motiviert sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inhalt der beiden Theaterstücke
2.1. Die Aulularia von Plautus
2.2. L’Avare von Molière
3. Kurzer, allgemeiner Vergleich der beiden Theaterstücke
4. Der Geizige und sein Gold
4.1. Der Geizige bei Plautus
4.2. Der Geizige bei Molière
4.3. Die Motivierung des Geizes
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den inhaltlichen Vergleich zwischen der "Aulularia" des Plautus und Molières "L'Avare", wobei der Fokus insbesondere auf der Charakterzeichnung der Hauptfigur des Geizigen und den motivationalen Unterschieden ihrer Persönlichkeiten liegt.
- Vergleichende Analyse der Handlungsgerüste und Motive
- Charakterstudie von Euclio und Harpagon
- Untersuchung der psychologischen und sozialen Motivationen für Geiz
- Analyse der Rezeption und literarischen Transformation
Auszug aus dem Buch
4. Der Geizige und sein Gold
Der Geizige hat in beiden Stücken die Hauptrolle und sein extremer Geiz wird in beiden Werken durch viele Szenen gezeigt. Euclio und Harpagon jedoch ähneln sich die zwar auf den ersten Blick sehr stark, bei genauerer Betrachtung aber werden einige Unterschiede deutlich.
Wie der Lar im Prolog erzählt, war Euclioursprünglich einfach nur ein armer Mann, bis der Lar ihm den Goldtopf zugänglich machte, den Euclios Großvater einst versteckte. Auch charakterlich scheint er durchaus angesehen gewesen zu sein, wie es Eunomia, die Mutter des Lycondides, während eines Gespräches mit Megadorus in II, 1 durchklingen lässt: „hominemhaudmalummecastor“.
Nach seinem glücklichen Fund lebt Euclio immer noch in Armut, jedoch hat ihn das Gold verändert. Seine Sklavin Staphyla sagt, dass sie sich nicht erklären könne, von welcher Tollheit ihr Herr ergriffen worden sei (vgl. I, 1). Wie stark der Geiz des Euclio dann ausartet, beschreibt der Sklave Strobilus: „quin cum it dormitum, follem obstringit ob gulam (…). Ne quid animae forte amittat dromiens. (…) aquam hercle plorat, cum lavat, profundere“, und er erzählt die Anekdote: „quin ipsi pridem tonsor unguis dempserat: collegit, omnia abstulit praesegmina“ (II 4-5). Der Zuschauer wird selbst auch oft genug Zeuge dieses Geizes: So verspricht EuclioMegadorus, ihm Phaedria zur Frau zu geben, allein aus dem Grund, weil dieser keine Mitgift fordert (vgl. II, 2). Selbst am Hochzeitstag seiner eigenen Tochter kann sich Euclio nicht überwinden, sich etwas zu gönnen: „festo die si quidprodegeris, profesto die egereliceat, nisiperperceris“ (II, 8). An dieser Stelle wird deutlich, dass Euclios Geiz insbesondere aus der Angst um die eigene Absicherung motiviert ist. „Euclio ist nicht der Geizige aus Raffgier (…), sondern der Geizige aus Armut und übertriebener Sparsamkeit, der den unverhofften Schatz nicht zu nutzen versteht, sondern ihn nur mit manischem Argwohn und zehrender Sorge hütet“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenstellung ein, erläutert die Bedeutung der Vorlage von Plautus für Molière und definiert die Forschungsfrage bezüglich des Vergleichs der Geizigen-Figuren.
2. Inhalt der beiden Theaterstücke: Die Kapitel 2.1 und 2.2 bieten eine detaillierte Zusammenfassung der Handlungsabläufe der jeweiligen Komödien von Plautus und Molière.
3. Kurzer, allgemeiner Vergleich der beiden Theaterstücke: Hier werden die handlungsstrukturellen Parallelen und Unterschiede zwischen der "Aulularia" und dem "L'Avare" sowie die Personenkonstellationen gegenübergestellt.
4. Der Geizige und sein Gold: In diesem Hauptteil wird das Verhalten der Protagonisten Euclio und Harpagon detailliert analysiert und die jeweiligen Ursachen ihres Geizes untersucht.
5. Schlussbemerkung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die unterschiedliche Charakterisierung der Geizigen sowie die literarische Qualität beider Werke.
Schlüsselwörter
Aulularia, L'Avare, Molière, Plautus, Geiz, Euclio, Harpagon, Komödie, Literaturgeschichte, Motivvergleich, Charakterstudie, Theater des 17. Jahrhunderts, Antike, Rezeptionsgeschichte, Dramenanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht den literarischen Vergleich zwischen der antiken Komödie "Aulularia" von Plautus und Molières "L'Avare" mit besonderem Fokus auf die Ausgestaltung der Geizigen-Figuren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der Vergleich der Handlungsstrukturen, die Analyse der Geiz-Motive und die psychologische sowie soziale Einordnung der Charaktere Euclio und Harpagon.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, inwieweit die beiden Stücke inhaltlich korrespondieren und wodurch sich die Unterschiede in den Persönlichkeiten der beiden Geizigen motivieren lassen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine vergleichende literaturwissenschaftliche Analyse, die den Plot, die Personenkonstellationen und die psychologische Motivation der Figuren in den beiden Werken gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Inhaltswiedergabe, einen allgemeinen Vergleich der Stücke sowie eine vertiefende Analyse der Charaktere und der Ursachen für ihren Geiz.
Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Aulularia, L'Avare, Molière, Plautus, Geiz, Euclio und Harpagon.
Warum wird bei Euclio von einem Wandel am Ende gesprochen?
Im Gegensatz zu Harpagon erkennt Euclio am Ende des rekonstruierten Stückes, dass der Reichtum nur Sorgen bereitet, und verschenkt den Schatz, wodurch er sich von seinem Geiz befreit.
Inwiefern unterscheidet sich die Motivation von Harpagon?
Harpagon ist bereits vor dem Erwerb des Goldes wohlhabend; sein Geiz ist keine Folge von Armut, sondern eine tief in ihm verwurzelte, krankhafte Habsucht und Gier nach ständiger Vermehrung seines Reichtums.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Geizes im Hinblick auf die Komik?
Die Autorin argumentiert, dass die bis zur Absurdität gesteigerte Sparsamkeit und das wahnsinnige Verhalten der Geizigen im späteren Verlauf des Stückes die wesentliche Quelle für die komischen Effekte und Verwechslungsszenen darstellt.
- Arbeit zitieren
- Maria Lang (Autor:in), 2011, Die "Aulularia" des Plautus als Vorlage von Molières "Avare" , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210620