Im Rahmen dieser Hausarbeit sollen die gesundheitlichen Ungleichheiten bei Kindern und Jugendlichen in der Nachkriegszeit von ca. 1945 bis 1955, untersucht und dargestellt werden. Die Gesundheitssysteme von Deutschland und von Russland werden erläutert und es wird anhand von Interviews mit Zeitzeugen die damalige gesundheitliche und soziale Lage dargestellt.
Um die gesundheitlichen und auch sozialen Ungleichheiten objektiv diskutieren zu können, müssen zuerst die Grundlagen des Gesundheitssystems von damals und heute bekannt sein. Diese werden im zweiten Kapitel ausführlich erläutert und die Unterschiede der Systeme werden herausgestellt. Des Weiteren werden die konkreten Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen beschrieben.
Anschließend werden zwei Interviews mit Zeitzeugen aus der damaligen Zeit durchgeführt. Das erste Interview beschäftigt sich mit einem Flüchtling aus Ostpreußen. Die Eindrücke, die dadurch wiedergegeben werden, zeigen sehr deutlich, wie die Zustände in dieser Zeit in Deutschland waren. Das zweite Interview wird mit einem russischen Bürger durchgeführt, der während des Krieges geboren wurde und in der Nachkriegszeit aufgewachsen ist. Es wird somit eine ganz andere Seite der Nachkriegszeit dargestellt und gezeigt wie die gesundheitliche Lage in der Sowjetunion war.
Im vierten Kapitel werden die beiden Interviews vergleichen und Gemeinsamkeiten bzw. Gegensätze herausgestellt. Es werden dabei vor allem die Parallelen, die es bei der gesundheitlichen Lage beider Länder gab, dargestellt. Obwohl Deutschland den Krieg verloren und Russland gewonnen hatte, sind die Probleme doch sehr ähnlich und lassen interessante Schlussfolgerungen zu.
Abschließend werden die erarbeiteten Daten und Fakten nochmals zusammengefasst und Schlussfolgerungen zur gesundheitlichen und sozialen Lage beider Länder gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesundheitssysteme und soziale Lage in der Nachkriegszeit
2.1. Deutschland
2.2. Russland
3. Interview mit Zeitzeugen
3.1. Warum ein narratives Interview?
3.2. Vorbereitung der Interviews
3.3. Interview mit deutschem Flüchtling aus Ostpreußen
3.4. Interview mit russischem Bürger
4. Vergleich der beiden Interviews – Bilanzierungsphase
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die gesundheitliche und soziale Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland und Russland im Zeitraum von ca. 1945 bis 1955. Durch die Kombination theoretischer Grundlagen mit narrativen Interviews mit Zeitzeugen soll ein tiefgreifendes Verständnis der Lebensbedingungen in der Nachkriegszeit gewonnen werden, um trotz unterschiedlicher politischer Ausgangslagen Parallelen in der gesundheitlichen Notlage aufzuzeigen.
- Vergleich der Gesundheitssysteme und sozialen Rahmenbedingungen der Nachkriegszeit.
- Anwendung der Methode des narrativen Interviews zur Erforschung biografischer Erfahrungen.
- Dokumentation der Lebensumstände durch Zeitzeugenberichte aus Deutschland und Russland.
- Analyse gesundheitlicher Mangelerscheinungen und Versorgungsengpässe in der Nachkriegsära.
- Bilanzierung der gemeinsamen Herausforderungen trotz gegensätzlicher Kriegsausgänge.
Auszug aus dem Buch
3.3. Interview mit deutschem Flüchtling aus Ostpreußen
Die befragte Person lebte in Ostpreußen und ist Ende des Krieges in den Westen geflüchtet. Die Flucht begann im Januar 1945 aus Mahnsfeld, einem Dorf in der Nähe von Königsberg. Heute ist die Stadt unter dem Namen Kaliningrad bekannt und befindet sich zwischen Polen und Litauen als eine russische Exklave.
Im Folgenden wird das Interview durchgeführt und die Befragte wird von dem erlebten erzählen. Es wird dabei hauptsächlich auf die gesundheitlichen Probleme und die sozialen Umstände eingegangen, um so die Lage in der damaligen Zeit darzustellen.
„Ich möchte Sie bitten, mir zu erzählen, wie sich Ihr Leben nach dem zweiten Weltkrieg entwickelt hat und mit welchen gesundheitlichen und sozialen Problemen Sie sich und Ihre Familie in Deutschland auseinandersetzen mussten.“
Meine Erinnerung geht zurück als ich 8 oder 9 Jahre alt war. Die russische Armee war gerade auf dem Vormarsch nach Deutschland und meine Familie und ich machten uns auf den Weg in den Westen. Wir haben von vielen gehört, dass es besser sei zu flüchten, da die Russen ansonsten alles plündern würden. So ist es dann leider auch gekommen. Wir haben unseren Pferdeschlitten mit allem bepackt was wir besaßen und machten uns auf den Weg durch den Wald nach Königsberg. Auf dem Weg kamen wir an einem Dorf vorbei. Die Russen waren bereits hier. Sie schossen, plünderten und schlugen um sich. Sie waren sehr brutal. Wir haben das Gerücht gehört, dass alle Jungen und Männer mit den Russen gehen müssen, um für sie zu kämpfen oder zu arbeiten. Wir trennten uns aus diesem Grund von meinem Vater und meinen Brüdern. Als die Russen uns dann entdeckten, wurden tatsächlich die Männer von den Frauen getrennt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsziel, die gesundheitliche und soziale Lage von Kindern und Jugendlichen zwischen 1945 und 1955 in Deutschland und Russland anhand von Literatur und Zeitzeugenberichten zu untersuchen.
2. Gesundheitssysteme und soziale Lage in der Nachkriegszeit: Dieses Kapitel erläutert die prekären gesundheitlichen Rahmenbedingungen und sozialen Missstände in beiden Ländern, inklusive der Bedeutung des WHO-Gesundheitsbegriffs für die damalige Zeit.
3. Interview mit Zeitzeugen: Hier wird die methodische Herangehensweise des narrativen Interviews nach Fritz Schütze begründet und die Durchführung der lebensgeschichtlichen Erhebungen mit Zeitzeugen dokumentiert.
4. Vergleich der beiden Interviews – Bilanzierungsphase: Das Kapitel vergleicht die Aussagen der beiden Zeitzeugen und identifiziert trotz unterschiedlicher historischer Rollen der Länder in beiden Fällen ähnliche Versorgungsprobleme und Lebenskrisen.
5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass die historische Feldforschung die theoretischen Annahmen stützt und zeigt, dass die gesundheitliche Versorgung in der Nachkriegszeit in beiden Ländern massiv eingeschränkt war.
Schlüsselwörter
Nachkriegszeit, Gesundheitliche Ungleichheit, Narrative Interviews, Zeitzeugen, Deutschland, Russland, Kindheit, Jugend, Sozialgeschichte, Gesundheitswesen, Mangelernährung, Flucht, Sowjetunion, Biografieforschung, Lebensbedingungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die gesundheitlichen und sozialen Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen in der Nachkriegszeit (1945–1955) in Deutschland und Russland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Zentral sind der Zustand der Gesundheitssysteme, die Auswirkungen von Hunger und Mangelernährung sowie die psychischen und sozialen Folgen der Kriegserlebnisse für die heranwachsende Generation.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die damalige gesundheitliche Lage objektiv darzustellen und durch den Vergleich von zwei unterschiedlichen Zeitzeugenberichten aufzuzeigen, wie ähnlich die Herausforderungen in beiden Ländern trotz unterschiedlicher Kriegsausgänge waren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt die qualitative Methode des narrativen Interviews nach Fritz Schütze, um lebensgeschichtliche Erfahrungen der Probanden unverfälscht abzubilden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Gesundheitssysteme und sozialen Lage beider Länder sowie die detaillierte Auswertung und den Vergleich zweier qualitativer Zeitzeugeninterviews.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nachkriegszeit, Gesundheitliche Ungleichheit, Narrative Interviews, Zeitzeugen, Deutschland, Russland, Kindheit, Jugend, Sozialgeschichte und Mangelernährung.
Welche Rolle spielte die Flucht für die gesundheitliche Situation in Ostpreußen?
Die Flucht war mit extremer physischer und psychischer Belastung verbunden; der Verlust der Nahrungsmittelvorräte und fehlende medizinische Infrastruktur führten unmittelbar zu Unterernährung und Infektionskrankheiten wie Typhus.
Wie unterscheidet sich die Situation des russischen Zeitzeugen von der des deutschen Flüchtlings?
Während der deutsche Zeitzeuge die Flucht und Vertreibung thematisiert, beschreibt der russische Zeitzeuge das Aufwachsen in einer ländlichen Region bei Ufa, die harte Arbeit auf dem Feld trotz Hungersnot und das Fehlen einer staatlichen Unterstützung.
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- Torsten Müller (Author), 2012, Gesundheitliche Ungleichheiten bei Kindern und Jugendlichen in der Nachkriegszeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210643