Es liegt in der Natur der Sache, dass Gemeinsamkeiten und Unterschiede oft latent und aufgrund höherer Subjektivität in der Wahrnehmung schwer zu konkretisieren sind. Trotzdem unternimmt die folgende Zusammenfassung wichtiger Merkmale der Wertestrukturen und des Wertewandels im vereinten Deutschland den Versuch der genaueren Beschreibung. Zuerst stellt der Autor die Grundannahme vor, auf der alle weiteren Überlegungen aufbauen: Nämlich das die Bürger, der sich auflösenden Deutschen Demokratischen Republik, den Wiedervereinigungsprozess mit der alten Bundesrepublik und den folgenden Wandel im Jahr 1989 basierend auf ihrer Sozialisation vollziehen. Es kommt nicht zwangsläufig zur wertorientierten Ost-West Anpassung. Schließlich unterstellt das weitere Argumentationsmuster ein “Zusammenwirken” und eben keine Unabhängigkeit der Sozialisation von der Situation, da Werte auch z. B. durch höhere Arbeitslosigkeit auf den 'Prüfstand' geraten. Allgemein assoziiert der Autor im normativen Sinn mit dem Wertbegriff “Vorstellungen des Wünschbaren”, da dieser dem Menschen gesellschaftliche Orientierung bieten soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Relevanz einer deutsch-deutschen Wertegemeinschaft
1.1 Analyse der Wertestrukturen und des Wertewandels
1.2 Bedeutung von Gleichheit und Leistung
2. Sozialisation und gesellschaftliche Integration
2.1 Einfluss von Sozialisationsprozessen auf die Werteorientierung
2.2 Differenzierung zwischen ost- und westdeutschen Wertmustern
3. Strukturchancen und politischer Einfluss
3.1 Individualismus versus kollektive Vorgaben in der DDR
3.2 Auswirkungen der Wiedervereinigung auf den Wertewandel
4. Perspektiven einer deutsch-deutschen Verständigung
4.1 Überwindung von Identitätsgrenzen
4.2 Anforderungen an kulturelle Kompetenz
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die komplexen Dynamiken des Wertewandels und der Wertestrukturen im vereinten Deutschland, um zu klären, inwieweit eine homogene "deutsch-deutsche Wertegemeinschaft" nach der Wiedervereinigung tatsächlich existiert oder lediglich ein theoretisches Konstrukt darstellt.
- Analyse der zentralen Werte "Gleichheit", "Leistung", "Mitbestimmung" und "Akzeptanz".
- Untersuchung des Einflusses historischer Sozialisationsprozesse in Ost- und Westdeutschland.
- Kritische Reflexion der strukturellen Diskrepanzen zwischen dem DDR-Kollektivismus und westlichem Individualismus.
- Erörterung der Bedeutung kultureller Kompetenz für eine nachhaltige gesellschaftliche Integration.
Auszug aus dem Buch
Die Relevanz einer deutsch-deutschen Wertegemeinschaft
Es liegt in der Natur der Sache, dass Gemeinsamkeiten und Unterschiede oft latent und aufgrund höherer Subjektivität in der Wahrnehmung schwer zu konkretisieren sind. Trotzdem unternimmt die folgende Zusammenfassung wichtiger Merkmale der Wertestrukturen und des Wertewandels im vereinten Deutschland den Versuch der genaueren Beschreibung. Zuerst stellt der Autor die Grundannahme vor, auf der alle weiteren Überlegungen aufbauen: Nämlich das die Bürger, der sich auflösenden Deutschen Demokratischen Republik, den Wiedervereinigungsprozess mit der alten Bundesrepublik und den folgenden Wandel im Jahr 1989 basierend auf ihrer Sozialisation vollziehen. Es kommt nicht zwangsläufig zur wertorientierten Ost-West Anpassung. Schließlich unterstellt das weitere Argumentationsmuster ein „Zusammenwirken“ und eben keine Unabhängigkeit der Sozialisation von der Situation, da Werte auch z. B. durch höhere Arbeitslosigkeit auf den 'Prüfstand' geraten. Allgemein assoziiert der Autor im normativen Sinn mit dem Wertbegriff „Vorstellungen des Wünschbaren“, da dieser dem Menschen gesellschaftliche Orientierung bieten soll.
Primär für diese Integration und den Bestand der Gesellschaft sind Gleichheit und Leistung, weil diese Werte Individuen voneinander unterscheiden und diese Abgrenzung verantworten. Aufgrund mehrerer Bedeutungsdimensionen beider traditioneller Begriffe muss eine genaue Erläuterung vorgenommen werden: Sowohl die Werte der Gleichheit als auch der Leistung basieren auf dem Verteilungsprinzip und schließen sich unter dieser Prämisse logisch aus. Demnach meint insbesondere die Ergebnisgleichheit, dass es ein leistungsunabhängiges und ein dem Status entsprechendes Ungleichheit auf gegensätzlichen Leistungen basiert. Im Gegensatz dazu rechtfertigt der Wert der Leistung Unterschiede im Einkommen mit bestimmten am gleichen Anfangsbedingungen beruhenden Einkommen wie Ehrgeiz. Eine andere – 'nichtverteilungsbasierte' – Betrachtung des Wertes der Leistung erklärt die Prioritätensetzung zwischen Arbeit und Freizeit, die je nach Schwerpunkt etwas über Identifikation mit dem Beruf bzw. mit anderen Aktivtätitäten aussagt. Üblicherweise korreliert der Leistungswert stark mit dem Wert der Selbstentfaltung, weil sich das eben erwähnte Arbeit-Freizeit Verhältnis und die Ausprägung der Individualität auf grund funktionsspezifischer Arbeitsbereiche verändert. Vervollständigt werden Werte der Gleichheit und Leistung durch die Mitbestimmung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Relevanz einer deutsch-deutschen Wertegemeinschaft: Dieses Kapitel führt in die theoretischen Grundannahmen ein, die den Wertewandel im vereinten Deutschland bestimmen und betont die Bedeutung von Sozialisationsprozessen.
2. Sozialisation und gesellschaftliche Integration: Hier wird untersucht, wie unterschiedliche Sozialisationspfade die Akzeptanz und Werteorientierung von Ost- und Westdeutschen nach der Wiedervereinigung beeinflusst haben.
3. Strukturchancen und politischer Einfluss: Der Autor analysiert den Widerstreit zwischen DDR-geprägtem Kollektivismus und westlichem Individualismus sowie deren Folgen für die strukturelle Integration.
4. Perspektiven einer deutsch-deutschen Verständigung: Das abschließende Kapitel plädiert für ein gegenseitiges Verständnis ohne Identitätszwang und betont die Notwendigkeit kultureller Kompetenz für das Zusammenwachsen.
Schlüsselwörter
Wertewandel, Wertestrukturen, Wiedervereinigung, Sozialisation, Ergebnisgleichheit, Leistung, Mitbestimmung, DDR, Bundesrepublik, gesellschaftliche Integration, Individualismus, kulturelle Kompetenz, Identität, Ost-West-Unterschiede, Werteorientierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Wertestrukturen im vereinten Deutschland und hinterfragt, ob und wie ein Wertewandel stattgefunden hat, der auf die unterschiedlichen Sozialisationen von Ost- und Westdeutschen zurückzuführen ist.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Im Mittelpunkt stehen die Begriffe Gleichheit, Leistung, Mitbestimmung und Akzeptanz sowie deren Bedeutung für das gesellschaftliche Zusammenwachsen nach 1989.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Vorstellung einer schnellen, homogenen Werteangleichung kritisch zu hinterfragen und die Persistenz historisch gewachsener Mentalitätsunterschiede aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit soziologischen und politikwissenschaftlichen Quellen, die das Verhältnis von Individuum, Gesellschaft und historischem Kontext untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der Strukturchancen des Individualismus, der Bedeutung des DDR-Kollektivismus und der kritischen Beleuchtung der These, dass Wertezwang zur gesellschaftlichen Spaltung beitragen kann.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die wichtigsten Begriffe sind Wertewandel, Sozialisation, Ergebnisgleichheit, Leistung und die deutsch-deutsche Identitätsfindung.
Wie unterscheidet sich die Auffassung von "Leistung" zwischen Ost und West?
Die Arbeit legt dar, dass in der DDR "Leistung" oft als Dienst am Kollektiv verstanden wurde, während sie im westlichen Kontext stärker an individuellen Ehrgeiz und Wettbewerb gekoppelt ist.
Welche Rolle spielt die "Mitbestimmung" für den Autor?
Mitbestimmung wird als ein zentraler Wert identifiziert, der in beiden deutschen Staaten unterschiedlich in den politischen und erzieherischen Alltag integriert war und als Identifikationsmerkmal fungiert.
Warum ist laut der Arbeit eine "Anpassung" der Werte problematisch?
Der Autor argumentiert, dass eine erzwungene oder idealisierte Anpassung an westliche Werte die kulturelle Identität der Ostdeutschen negiert und eher zu Arroganz als zu echtem Verständnis führt.
Was schlägt der Autor als Lösung für die gesellschaftliche Integration vor?
Anstatt auf einer schnellen Angleichung zu beharren, empfiehlt der Autor ein gegenseitiges Verständnis und die Anerkennung kultureller Unterschiede als Basis für eine tragfähige Wertegemeinschaft.
- Citar trabajo
- M.A. Susann Grune (Autor), 2007, Die Relevanz einer deutsch-deutschen Wertegemeinschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210653