Lehren für die Weltwirtschaft aus der Weltwirtschaftskrise von 1929


Hausarbeit, 2013
19 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das allgemeine Muster einer Wirtschaftskrise

3. Die Weltwirtschaftskrise
3.1. Immobilienboom in Florida
3.2. Der Aktienmarkt blüht
3.3. Die Blase wächst
3.4. Das Unheil nimmt seinen Lauf
3.5. Der unaufhaltsame Knall
3.6. Die Jahre der Depression

4. Lehren für die Weltwirtschaft

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

John Kenneth Galbraith hat einmal gesagt: „Es gibt nur wenige Bereiche menschlichen Handelns, in denen die Geschichte so wenig zählt wie in der Welt des Geldes (Galbraith 2010: 28)“. Angesicht weltweit andauernder Wirtschafts- und Finanzkrisen gewinnt diese Aussage mehr und mehr an Richtigkeit. In der Geschichte der Menschheit hat es bereits zahlreiche Krisen gegeben. Doch anstatt dass aus den Fehlern ihrer Vorgänger zu lernen, wurden dieselben Fehler auch von nachfolgenden Generationen wieder und wieder gemacht.

Eine der größten Krisen der Menschheitsgeschichte war die Weltwirtschaftskrise 1929. Sie hat sich stark in die Köpfe der Nachfolgegenerationen eingebrannt, waren doch die Jahrzehnte nach der Krise geprägt von Depressionen und Armut. Dennoch wird einem angesichts aktueller Entwicklungen klar, dass auch die Lehren aus der Weltwirtschaftskrise nur von kurzer Dauer waren. „Allein die Tatsache, dass so etwas in unserer modernen Welt überhaupt noch geschehen kann, sollte jedem, der einen Sinn für Geschichte hat, einen Schauer über den Rücken jagen (Krugman 2001: 8)“.

Zahlreiche Autoren haben sich bereits zur Weltwirtschaftkrise geäußert und nach wie vor ist sie ein Thema, das den Ökonomen als Beispiel für ein weltweites Bankenversagen dient. Alle Wirtschaftskrisen folgen einem speziellen Muster, das sich auf die Weltwirtschaftskrise sehr gut anwenden lässt. Galbraith (2010: 46ff.) fasst dieses Muster recht kurz, aber überschaubar zusammen: Alles beginnt mit einem Gerücht, das ein spezieller Markt viel Gewinn einbringt. Immer mehr Investoren sorgen dann für eine allgemeine Euphorie. Bald beginnen jedoch die ersten Skeptiker, Misstrauen in die zu schnell wachsenden Märkte zu verspüren, und verkaufen ihre Anteile. Andere folgen und irgendwann gibt es regelrechte Panikverkäufe. Daraufhin stürzen die Preise rapide und viele gehen Bankrott. Was folgt, ist eine Depression, die vor allem dem Realsektor schadet. Am Ende findet immer die Suche nach Sündenböcken statt, die anfängliche Euphorie wird allerdings totgeschwiegen. Laut Galbraith wiederholte sich dieses Muster in allen bisherigen Krisen. (Vgl. ebd.: 48) Neben Galbraith dienen auch Paul Krugman (2001), Nikolaus Piper (2009) und Hans Putnoki (2010) als Quellen für diese Abhandlung.

Die vorliegende Arbeit betrachtet die bisher größte finanzielle Krise, die Weltwirtschaftskrise, aus einer näheren Sichtweise. Es soll skizziert werden, wie eine Krise in dieser Größenordnung entstehen kann. Auch die Lehren, die aus dieser gezogen wurden, aber teilweise bis heute noch nicht beherzigt wurden, sollen genannt werden.

Die Arbeit gliedert sich wie folgt: Im zweiten Kapitel wird das allgemeiner Muster einer Wirtschaftskrise anhand des Tulpenschwindels im 17. Jahrhunderts erläutert. Das dritte Kapitel beschreibt den Ablauf der Weltwirtschaftskrise 1929. Die wichtigsten Eckpfeiler der Krise und auch die dramatischen Folgen fallen darunter. Im vierten Kapitel werden die wichtigsten Lehren, die aus der Weltwirtschaftskrise gezogen werden können, genannt. Im abschließenden Fazit kommt es zu einer Zusammenfassung und diversen Schlussfolgerungen.

2. Das allgemeine Muster einer Wirtschaftskrise

Schon zu Zeiten der Florentiner und Venezianer wurde heftig spekuliert. Es gibt Aufzeichnungen, die zeigen, dass im 14. Jahrhundert bereits Wertpapiermärkte existierten. Mit Waren und Münzen wurde viel gehandelt, wobei der Preis damals schon auf zukünftigen, gedachten Werten beruhte. (Vgl. Galbraith 2010: 41)

Den ersten modernen Aktienmarkt gab es bereits im 17. Jahrhundert in Amsterdam. „Die Spekulation setzt nach allgemeiner Auffassung ein, wenn sich die Fantasie der Öffentlichkeit an etwas scheinbar Neuem auf dem Gebiet des Handels oder der Finanzen entzündet (Galbraith 2010: 42)“. So beginnt jede Spekulationsgeschichte. In Amsterdam entzündeten sich die Gemüter der Menschen an Tulpen, die besonders beliebt waren. Eine Investitionswelle rund um diese Tulpenzwiebeln führte zum ersten spekulativen Ausbruch. Diese erste große Wirtschaftskrise ging unter dem Namen „Tulpenschwindel“ in die Geschichte ein. Alles begann im 16. Jahrhundert mit der Einführung der Tulpenart „Tulipa“ nach Westeuropa. Die Sorte erfreute sich enormer Beliebtheit, was den Wert der Tulpenzwiebeln steigen ließ. Mitte des 17. Jahrhunderts kam es zu einem enormen Preisanstieg, was viele Investoren in einen schieren Investitionsrausch versetzte. Die Spekulation uferte schließlich aus: Obwohl die Zwiebeln noch in der Erde saßen, wurden sie schon verkauft und wieder weiterverkauft. Dabei war nicht einmal garantiert, ob die Zwiebel schließlich verkauft werden konnte oder nicht. „Das Tulpenfieber war herrlich“, schreibt John Kenneth Galbraith (2010: 45). Viele Investoren konnten innerhalb kurzer Zeit einen beachtlichen Reichtum erlangen. Die Woge der Begeisterung veranlasste zahlreiche Investoren dazu, ihr gesamtes Vermögen zu liquidieren, um Investitionskapital zu haben. Lebensnotwendiges wie Immobilien, Grund und Pferde wurden achtlos verkauft, um am Finanzmarkt weiter konkurrieren zu können. (Vgl. ebd.: 46)

1637 kam schließlich das Ende. Die „Klugen und Ängstlichen“, wie Galbraith die Gruppe von Investoren bezeichnet, die als erste Misstrauen entwickelt und sich dadurch früh genug aus der Schlinge ziehen konnte, verkauften, andere folgten. Angesichts zunehmender Verkäufe merkten auch die letzten Gutgläubigen, dass die Investitionen nicht mehr rentabel waren, was zu Panikverkäufen führte und die Preise stürzen ließ. Der rapide Preissturz sorgte dafür, dass viele Bankrott gingen. Nach dem Ruin vieler Investoren kam eine große Depression in Holland. Viele lebten am Existenzminimum, Armut war allgegenwärtig. Für viele Jahre kam es zu einer Lähmung des wirtschaftlichen Lebens. (Vgl. ebd.: 46f.)

Der Grund dafür, dass der Tulpenschwindel von Ökonomen immer wieder erwähnt wird, ist seine Klarheit im Ablauf. Anhand dieses Beispiels lässt sich das allgemeine Muster einer Wirtschaftskrise sehr gut demonstrieren. Dieses Muster lässt sich laut Galbraith (2010: 48) auf alle weiteren Wirtschaftskrisen in der bisherigen Menschheitsgeschichte anwenden, so auch auf die Weltwirtschaftskrise 1929.

Bis heute kann dieses allgemeine Muster mehr oder weniger auf alle Wirtschaftskrisen angewandt werden. Da stellt sich die Frage, wie es dennoch immer wieder zu erneuten Krisen kommen kann, wenn doch zahlreiche Generationen vor uns bereits dieselben Fehler gemacht haben. Wie schon im Eingangszitat von Galbraith (siehe Einleitung) angedeutet, ziehen Menschen kaum Lehren aus der finanziellen Geschichte. Im Gegenteil lassen sie sich immer wieder dazu verleiten, zu glauben, sie würden dieselben Fehler nicht begehen. Das liegt an der allgemeinen Euphorie, die mit dem Aufkeimen neuer Innovationen einsetzt. Galbraith (2010: 22) erklärt diese Naivität damit, dass er sagt, die Menschen seien dann am gutgläubigsten, wenn sie am glücklichsten seien. Anfängliche Profite führen Investoren in einen Investitionsrausch. Setzt diese Welle erst ein, ist das weitere Schicksal besiegelt. Ein weiterer Fehler, der immer wieder begangen wird, ist der Irrglaube, finanzieller Profit hänge mit Intelligenz zusammen. (Vgl. ebd.: 28) Je mehr Geld und Reichtum ein Investor anschaffen kann, desto mehr Scharfsinn und Intelligenz spricht er sich selbst zu. Diese sogenannten „Finanzgenies“ verleiten andere zur Nachahmung, ihnen wird blind vertraut. Oft sind diese „Finanzgenies“ verantwortlich für große Pleiten und Debakel, wobei sie selbst Gewinne machen (Vgl. ebd.: 31f.)

„Erst wenn eine Spekulation platzt, kommt die Wahrheit ans Licht. Was für ungewöhnlichen Scharfsinn gehalten wurde, entpuppt sich lediglich als zufällige und unglückliche Liaison mit Vermögenswerten (ebd.: 32)“. Finanzmärkte sind unberechenbar und gefährlich. Kein noch so großer Experte kann die dortigen Entwicklungen vorhersehen und koordinieren. Im Nachhinein wird allen klar: „Finanzgenie ist man nur bis zum Bankrott (ebd.: 32)“. Das Geschehen nach dem Zusammenbruch ist immer gleich – Wut, Beschuldigungen, Selbsteinsicht. Am größten ist jedoch die Wut auf die noch bis vor kurzem umjubelten „Finanzgenies“ und auf Finanzierungsinstrumente wie Papiergeld und Wertpapiere. Nie wird jedoch der ungezügelte Optimismus angekreidet. „Nach einer Spekulation wird die Wirklichkeit fast gänzlich übergangen (Galbraith 2010: 37)“. Optimismus kann in wirtschaftlicher Hinsicht schwerwiegende Folgen aufweisen und trübt vor allen Dingen die Erinnerungen an vorheriges Fehlverhalten. Im Grunde liegt jede Wirtschaftskrise im ungezügelten Optimismus begraben.

3. Die Weltwirtschaftskrise 1929

Keine Jahreszahl sticht in der Wirtschaftsgeschichte so hervor wie das Jahr 1929. Die spekulative Katastrophe, die sich damals ereignete, überstieg alle bisherigen. Keine Krise in der bisherigen Finanzgeschichte dauerte länger an und trieb so viele Menschen in den Ruin wie die Weltwirtschaftskrise. (Vgl. Galbraith 2010: 83) Im folgenden Kapitel soll der Ablauf der Krise skizziert werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Lehren für die Weltwirtschaft aus der Weltwirtschaftskrise von 1929
Hochschule
Universität Salzburg
Note
1
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V210679
ISBN (eBook)
9783656384441
ISBN (Buch)
9783656387237
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
John Galbraith hat einmal gesagt: „Es gibt nur wenige Bereiche menschlichen Handelns, in denen die Geschichte so wenig zählt wie in der Welt des Geldes (Galbraith 2010: 28)“. Angesicht weltweit andauernder Wirtschafts- und Finanzkrisen gewinnt diese Aussage mehr und mehr an Richtigkeit. Eine der größten Krisen der Menschheitsgeschichte war die Weltwirtschaftskrise 1929. Sie hat sich stark in die Köpfe der Nachfolgegenerationen eingebrannt, waren doch die Jahrzehnte nach der Krise geprägt von Depressionen und Armut. Doch die Lehren aus der Weltwirtschaftskrise waren nur von kurzer Dauer.
Schlagworte
Weltwirtschaftskrise, Wirtschaft, 1929, Lehren aus der Krise, Krise, Finanzkrise, Wirtschaftskrise
Arbeit zitieren
Bakk. Komm. Maria Vögele (Autor), 2013, Lehren für die Weltwirtschaft aus der Weltwirtschaftskrise von 1929, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/210679

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